Unter dem Titel »Musik gegen das Vergessen« tragen die Frankfurter Cellistin Cornelia Walther und die Grazer Pianistin Vanessa Bosch Kompositionen jüdischer Musiker vor, die unter der Naziherrschaft in Deutschland verboten worden waren. Biographische Informationen aus Briefen, Artikeln und Zeugenaussagen der Musiker ergänzen das musikalische Programm und vermitteln Einblicke in das sehr eingeschränkte Leben von Jüdinnen und Juden im Nationalsozialismus.
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Grußwort von Prof. Dr. Birgitta Wolf, Präsidentin der Goethe-Universität Frankfurt
Im Herbst 1941 begannen die ersten Massendeportationen von Juden aus Deutschland. Die Betroffenen wurden für jedermann sichtbar zu Sammelstellen gebracht und von dort verschleppt. Die Transporte waren nicht geheim, aber sie wurden unterschiedlich wahrgenommen: Was erwarteten die Juden? Welche Vorstellungen hatten ihre Nachbarn vom Schicksal der Deportierten? Wie sahen Polizisten und SS-Männer ihre Beteiligung an den Transporten? Was bewog die jüdischen Gemeindevertreter zur Mithilfe? Was berichteten jüdische Hilfsorganisationen und ausländische Beobachter darüber? Der Vortrag verfolgt die unterschiedlichen Perspektiven und versucht, sie zu deuten.
PD Dr. Susanne Heim, geb. 1955, ist Politikwissenschaftlerin und Historikerin und habilitierte am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaft der Freien Universität Berlin. Sie publiziert vor allem zur Geschichte des Nationalsozialismus sowie zur Bevölkerungspolitik und Migration im 20. Jahrhundert. Seit 1999 arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Forschungsprogramm »Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus«. 1974–1981 Studium der Politologie, Geschichte und Literaturwissenschaft in Hamburg und Berlin (FU); 1985–1989 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts »Täterbiographien im Nationalsozialismus« am Hamburger Institut für Sozialforschung; 1991 Promotion am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin; 1991–1993 Redakteurin des Genethischen Informationsdienstes; 1996/97 Fellow am International Research Center for Holocaust Studies, Yad Vashem, Jerusalem; 1999–2005 Wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. Leiterin (seit 2004) des Forschungsprogramms der Max-Planck-Gesellschaft »Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus«. Zurzeit Projektleiterin der Edition »Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945«.
Eine Kooperation mit dem Präsidium der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften
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Eine Veranstaltung des Fördervereins Fritz Bauer Institut e.V.
Aus einer kleinen Zeitungsmeldung wird ein Interview im Rundfunk, dann ein Feature, ein Hörspiel und über zwanzig Jahre später ein Roman: Der Schrecken verliert sich vor Ort. Jorge Semprún forderte die Nachfahren auf, aus den Erinnerungen der Überlebenden etwas Eigenes zu machen. Wie viel Fiktion verträgt Auschwitz? Wie umgehen mit dem Erbe?
Der Roman beschreibt eine komplizierte Liebe zwischen zwei Menschen, die sich 1964 beim Auschwitz-Prozess in Frankfurt kennenlernen. Wie leben mit den Überlebenden? Wie leben mit denen, die nie »dort« waren? Lena träumt vom Urlaub in der Südsee, Heiner suchen nachts die Bilder von Auschwitz heim. Sie muss damit leben, dass ihm seine Kameraden, Deutsche und Polen, Überlebende wie er selbst, näher sind, als sie es je sein wird. Und er, der ehemalige Häftling Nr. 63.387, muss sich damit abfinden, dass sich sein Trauma aus Bildern und Geräuschen nicht weiterreichen lässt wie ein Buch.
Monika Held ist Verlagskauffrau und Journalistin, sie lebt in Frankfurt am Main. Für ihre publizistische Arbeit über das Kriegsrecht in Polen und die Hilfstransporte zu den Überlebenden von Auschwitz wurde sie mit der polnischen Solidarnosc-Medaille ausgezeichnet. Der Schrecken verliert sich vor Ort ist ihr dritter Roman und erschien 2013 im Eichborn Verlag.
Jutta Ebeling ist eine Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen und war von Mai 2006 bis Februar 2012 Bürgermeisterin der Stadt Frankfurt am Main. Sie ist Vorsitzende des Fördervereins Fritz Bauer Institut e.V. und derzeitige Vorsitzende des Stiftungsrats des Fritz Bauer Instituts.
Monika Held, Der Schrecken verliert sich vor Ort
Roman, 270 S., € 19,99, Köln: Eichborn Verlag, 2013
ISBN: 978-3-8479-0529-5
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Podiumsdiskussion mit Dr. Wolfgang Form, Marburg, Prof. Dr. Theo Schiller, Marburg, Generalstaatsanwalt a.D. Hans-Josef Blumensatt, Eltville, Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Helmut Fünfsinn, Frankfurt am Main und Oberlandesgerichtspräsident Dr. Roman Poseck, Frankfurt am Main
Als integraler Teil der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus fungierte die Justiz nach 1933 als ein Kampf- und Vernichtungsinstrument gegen politische Gegner und Minderheiten. Allein im Gebiet des heutigen Landes Hessen wurden Tausende Männer und Frauen wegen ihrer Gesinnung oder aus nichtigen Anlässen zu schweren Strafen bis hin zum Tode verurteilt. Nach 1945 war eine Aufarbeitung über Jahrzehnte unterblieben, Richter und Staatsanwälte wurden strafrechtlich nicht belangt.
In einem Sammelband wurden die neuesten Forschungsergebnisse der konkreten Verfolgungsmaßnahmen in Hessen zusammengetragen. Er spannt vielfältige Bogen in die Nachkriegszeit und dokumentiert eine Ausstellung, die 2012 am Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz in Rotenburg an der Fulda entstanden ist und bis Anfang 2015 an allen Landgerichten sowie am Oberlandesgericht Frankfurt gezeigt wurde.
Wolfgang Form ist Geschäftsführer des Forschungs- und Dokumentationszentrums für Kriegsverbrecherprozesse an der Philipps-Universität Marburg. Er ist u.a. Initiator der Wanderausstellung »Verstrickung der Justiz in das NS-System. Forschungsergebnisse für Hessen« am Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz in Rotenburg an der Fulda.
Theo Schiller ist emeritierter Professor für Politologie an der Philipps-Universität Marburg. Gemeinsam mit Lothar Seitz sind sie Herausgeber des Sammelbandes NS-Justiz in Hessen. Verfolgung, Kontinuitäten, Erbe, der 2015 in der Reihe der Historischen Kommission für Hessen erschienen ist.
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Zugang zum Pavillon über die Fürstenberger Straße und den Fritz-Neumark-Weg (Universitätsparkplatz hinter der Schranke)
Guide: Patrick Schwentke
Das pädagogische Angebot greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.
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Ausstellungszeitraum
Montag, 11. Januar bis Freitag, 29. Februar 2016
Veranstalter
Seminar-und Gedenkstätte Bertha-Pappenheim-Haus in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Neu-Isenburg, der Evangelisch-Reformierten Gemeinde Neu-Isenburg und der Jüdischen Volkshochschule Frankfurt am Main
Eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts, Frankfurt am Main in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum in der Maximilianstraße in München (1989–1998). Mit freundlicher Unterstützung des Zentralrats der Juden in Deutschland.
Jüdische »Displaced Persons« in Frankfurt-Zeilsheim
Um die 200.000 jüdische Überlebende wurden zu sogenannten Displaced Persons, die in Auffanglagern – DP-Camps – bei München, Regensburg, Bamberg, Ulm, Stuttgart und vielen anderen deutschen Städten lebten. Gemeinsam baute dieser »She’arit Hapleyta« – »der Rest, der entkommen ist« in den von den Besatzungsmächten errichteten Lagern ihr eigenes Gemeinwesen auf, mit Zentralkomitee und örtlichen Selbstverwaltungen, mit Schulen und beruflichen Ausbildungskursen, Zeitungen und Zeitschriften, Theatergruppen und Sportmannschaften. Sie feierten Hochzeit und freuten sich über Neugeborene.
Einer der Übertlebenden, der Fotograf Ephraim Robinson, lebte in einem solchen DPLager und dokumentierte den Alltag, wie die Menschen »a lebn afs nay« wagten. Robinsons Fotos wurden im DP-Lager Zeilsheim bei Frankfurt am Main aufgenommen; sie hätten in jedem anderen entstehen können.
Als Ephraim Robinson 1985 in den USA verstarb hinterließ er ein Album, das die Geschichte der jüdischen DPs in exemplarischer Weise erzählt.
... Informationen zur Ausstellung
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Seminar- und Gedenkstätte Bertha Pappenheim Haus
Gabriele Loepthien, Leitung
Magistrat der Stadt Neu-Isenburg
Hugenottenallee 53
63263 Neu-Isenburg
Tel.: 06102.241754
pappenheim.haus(at)stadt-neu-isenburg.de
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mit Dr. Nicolas Berg, Frankfurt am Main/Leipzig, apl. Prof. Dr. Werner Konitzer, Frankfurt am Main und Dr. Andreas Pretzel, Berlin
Fritz Bauers Leistung war es, Strafverfahren gegen NS-Verbrecher eingeleitet zu haben, die von der breiten Öffentlichkeit abgelehnt wurden. Der Spielfilm Der Staat gegen Fritz Bauer thematisiert diese beeindruckende Haltung Bauers am Beispiel seiner illegalen Mithilfe bei der Ergreifung Eichmanns. In einem zweiten Strang des Films wird die Strafverfolgung von Homosexuellen nach dem § 175 in den 1950er und 1960er Jahren als gesellschaftlich weithin akzeptierte Praxis aufgegriffen. In der Veranstaltung soll gefragt werden, ob die Verbindung dieser beiden Themen historisch zutreffend ist und welche Auswirkungen sich daraus für die erinnerungsgeschichtlichen Debatten der Folgejahre ergaben.
Werner Konitzer ist kommissarischer Direktor des Fritz Bauer Instituts. Am Institut bearbeitet er seit 2007 den Schwerpunkt Moral und Nationalsozialismus sowie Erinnerung und moralische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus.
Nicolas Berg ist leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Simon Dubnow Institut in Leipzig und für das Wintersemester 2015/2016 Gastprofessor am Fritz Bauer Institut. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen bei historischen, historiographischen und methodischen Fragen zum Holocaust und dessen Erinnerungsgeschichte.
Andreas Pretzel ist Kulturwissenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt Universität sowie der Forschungsstelle zur Geschichte der Sexualwissenschaft. Seit 2000 ist er Bearbeiter des Projekts »The Fate of Persecuted Homosexuals after WW II«.
Eine Kooperation mit dem Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.
DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER
Spielfilm, D 2015, 105 Min.
Regie: Lars Kraume, Drehbuch: Lars Kraume und Olivier Guez
Mit Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg, Lilith Stangenberg, u.a.
www.derstaatgegenfritzbauer.de
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Das pädagogische Angebot greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.
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Im Juni 2015, im 50. Jahr des Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel, legte die Deutsch-Israelische Schulbuchkommission die Ergebnisse ihrer fast fünfjährigen Tätigkeit vor. Ihre zentrale Aufgabe war es, zu untersuchen, wie die BRD bzw. Israel im Schulbuch des jeweils anderen Landes dargestellt wird. Für die Fächer Geschichte, Geographie und Sozialkunde wurden hunderte Schulbücher gesichtet und dutzende Schulbuchkapitel analysiert. Der Vortrag präsentiert die wichtigsten Ergebnisse für das Fach Geschichte.
Dr. Martin Liepach ist Mitarbeiter am Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen, u.a. des gemeinsam mit Wolfgang Geiger 2014 im Wochenschau Verlag erschienenen Buches Fragen an die jüdische Geschichte: Darstellungen und didaktische Herausforderungen, sowie anderer fachdidaktischer Publikationen zur jüdischen Geschichte. 1996 erschien bei Mohr Siebeck seine Dissertation Das Wahlverhalten der jüdischen Bevölkerung: zur politischen Orientierung der Juden in der Weimarer Republik. Von 2011 bis 2015 war er Mitglied in der Fachgruppe Geschichte in der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission.
Website der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission
www.gei.de/abteilungen/europa/bruchlinien/deutsch-israelische-schulbuchkommission.html
Deutschland und Israel
Stationen eines einzigartigen Verhältnisses
Eine kommentierte Quellensammlung für den Geschichts- und Politikunterricht:
http://embassies.gov.il/berlin/departments/offentlichkeitsarbeit/Publikationendocs/KMK_Israel_Quellensammlung.pdf
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Der jüngst erschienene Band Gedenkstättenpädagogik. Kontext, Theorie und Praxis der Bildungsarbeit zu NS-Verbrechen, herausgegeben im Auftrag der bundesweiten AG Gedenkstättenpädagogik, fasst den aktuellen Stand der Bildungsarbeit an den historischen Orten der NS-Verbrechen zusammen. Für die Herausgeber gibt Gottfried Kößler einen Überblick über die im Buch behandelten Frage- und Themenstellungen gedenkstättenpädagogischer Praxis.
Im Anschluss referiert Cornelia Siebeck, Historikerin und Autorin des Beitrags »50 Jahre ›arbeitende‹ Gedenkstätten in der Bundesrepublik. Vom gegenkulturellen Projekt zur staatlichen Gedenkstättenkonzeption – und wie weiter?« Sie fragt nach den historisch-politischen Rahmenbedingungen der Gedenkstättenarbeit. Wie ist die Veränderung der Funktion der Gedenkstätten zu erklären und zu bewerten? Welche historisch-politischen Bedingungen und Akteure haben ihn ermöglicht, welche Konsequenzen hatte er für Theorie und Praxis der Gedenkstättenarbeit?
Gottfried Kößler ist stellvertretender Direktor des Fritz Bauer Instituts und als Lehrer abgeordnet an das Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt. Er ist Lehrbeauftragter am Seminar für die Didaktik der Geschichte der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Mitherausgeber zahlreicher Publikationen.
Cornelia Siebeck ist Historikerin und promoviert an der Ruhr Universität Bochum zu Buchenwald als Gedächtnisort seit 1945.
Elke Gryglewski, Verena Haug, Gottfried Kößler,
Thomas Lutz und Christa Schikorra (Hrsg.)
Gedenkstättenpädagogik
Kontext, Theorie und Praxis der Bildungsarbeit zu NS-Verbrechen
Herausgegeben im Auftrag der AG Gedenkstättenpädagogik
Berlin: Metropol Verlag, 2015, 363 S., € 22,–
ISBN: 978-3-86331-243-5
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Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, Wiesbaden.
Die Judenfeindschaft, die sich aus religiösem Ressentiment, kulturellem Vorbehalt, ökonomischer und sozialer Ausgrenzung und rassistischem Hass speist, kulminierte unter der NS-Ideologie im 20. Jahrhundert im Völkermord. Danach entstand ein mit neuen Argumenten operierender Antisemitismus, der Scham- und Schuldgefühlen entspringt. Der oft beschworene »neue Antisemitismus« ist dagegen nichts anderes als die nach dem Holocaust fortlebende jahrhundertealte Judenfeindschaft mit ihren Stereotypen, Legenden, Unterstellungen und Schuldzuweisungen. Doch nicht nur Judenhasser bieten Anlass zur Sorge. »Islamkritiker« denunzieren pauschal alle Muslime als Judenfeinde, und Überengagierte verengen den Antisemitismus auf die Haltung gegenüber Israel und beziehen in ihr Verdikt jede kritische Haltung zur israelischen Politik mit ein. Für eine differenzierte Betrachtung sind objektive Kriterien unentbehrlich, die klären helfen, was Antisemitismus ist, wie er sich historisch entfaltete, in welchen Formen er vorkommt und wie er von Israelkritik abzugrenzen ist.
Wolfgang Benz ist Prof. em. der Technischen Universität Berlin. Bis 2011 leitete er das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter 2007 im C.H. Beck Verlag Die Protokolle der Weisen von Zion. Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung, 2011 im Metropol Verlag Antisemitismus und »Islamkritik« und 2013 im Picus Verlag Wien Ansturm auf das Abendland? Zur Wahrnehmung des Islam in der westlichen Gesellschaft.
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Zu einer Zeit, in der Auschwitz im öffentlichen Bewusstsein noch eine Leerstelle war, wurden zwei erstaunliche Projekte realisiert, in denen Überlebende die Geschichte des Lagers aus ihrer Perspektive darstellten: H. G. Adler und Hermann Langbein produzierten für den WDR 1961 ein dreistündiges Feature, bestehend überwiegend aus Stimmen von Überlebenden. Kurze Zeit später gaben sie – gemeinsam mit Ella Lingens – einen Sammelband mit dem Titel Auschwitz. Zeugnisse und Berichte heraus, der ebenfalls vor allem ehemalige Häftlinge zu Wort kommen ließ.
Anlässlich der Wiederentdeckung der Hörfunk-Produktion und der Neuauflage des Sammelbands sollen beide Dokumente vorgestellt und mit der Rolle der Zeitzeugen heute kontrastiert werden.
Dr. Katharina Stengel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fritz Bauer Institut für das von der DFG geförderte Projekt »Opferzeugen in NS-Prozessen. Eine Analyse ihrer wechselhaften Rolle in sechzig Jahren Bundesrepublik«. Ihre Dissertation wurde 2012 im Campus Verlag veröffentlicht unter dem Titel Hermann Langbein. Ein Auschwitz-Überlebender in den erinnerungspolitischen Konflikten der Nachkriegszeit.
Christoph Schneider ist freiberuflicher Wissenschaftler. Derzeit arbeitet er an dem Forschungsprojekt »Diener des Rechts und der Vernichtungspolitik«, das 2016 veröffentlicht wird.
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Das pädagogische Angebot greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.
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Veranstaltung im Rahmen der »Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung«
Victor Klemperer, Anna Seghers und Hans Mayer wuchsen in jüdischen Familien auf, wurden aber in ihrer Kindheit und später beruflich und politisch verschieden sozialisiert. Die Nazizeit überlebten Seghers und Mayer im Exil; Klemperer protokollierte als geheimer Chronist das Verhalten der Menschen in der Diktatur und konnte mit seiner Frau Deportation und Tod knapp entrinnen. Nach 1945 hielten alle drei die Gründung der DDR für die bessere staatspolitische Antwort auf die vorangegangenen zwölf Jahre als die der BRD. Victor Klemperer suchte in Dresden einen Neuanfang, Seghers und Mayer wählten nach ihrer Rückkehr Ost-Berlin und Leipzig als neue Wirkstätten. Immer wieder sahen sie sich politisch und gesellschaftlich genötigt, ihre jüdischen Erfahrungen im neuen Gemeinwesen aufgehen zu lassen. In Tagebüchern, Briefen und Memoiren spricht sich aber zur gleichen Zeit bei allen eine andere Gedächtnisgrammatik aus, in der sich das Erinnerungs-Ich dem neuen Wir der Nachkriegsdeutschen verweigerte.
Dr. Nicolas Berg ist leitender Mitarbeiter am Simon Dubnow Institut für jüdische Geschichte und Kultur in Leipzig. Seine Dissertation an der Universität Freiburg wurde 2003 unter dem Titel Der Holocaust und die westdeutschen Historiker. Erforschung und Erinnerung im Wallstein Verlag veröffentlicht. Im laufenden Wintersemester 2015/16 hat Nicolas Berg die am Fritz Bauer Institut angesiedelte »Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung« inne.
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Im Laufe von 35 Jahren hat der Historiker Walter H. Pehle als Lektor im S. Fischer Verlag mehr als 250 Bände über die NS-Zeit betreut. Die 1977 von ihm begonnene Buchreihe über die Zeit des Nationalsozialismus wurde unter dem Titel »Schwarze Reihe« im Inland und bald auch im Ausland bekannt. Raul Hilberg hat sie einmal als »die weltweit größte Buchreihe zum Thema Nationalsozialismus« bezeichnet.
In seinem Vortrag wird Pehle über seine Beweggründe und Erfahrungen als Lektor und Herausgeber dieser Reihe sprechen, uns Einblick geben in seine Rolle als »Aufklärer«, »Anreger«, aber auch »Verhinderer« und anhand von Beispielen zeigen, wie er bei der Entwicklung der Buchreihe vorgegangen ist.
Walter H. Pehle ist Historiker und war bis 2011 Verlagslektor im S. Fischer Verlag. Bereits 1988 gab er den Sammelband Der Judenpogrom 1938: von der »Reichskristallnacht‹ zum Völkermord«, 1990 die Aufsatzsammlung Der historische Ort des Nationalsozialismus. Annäherungen im Fischer Verlag heraus. Seit 1993 ist er Honorarprofessor an der Universität Innsbruck.
Yehuda Bauer:
»Die ›Schwarze Reihe‹ ist eine Errungenschaft sondergleichen. «
Ian Kershaw:
»Für jeden, der sich für die Geschichte des Nationalsozialismus interessiert, ist die berühmte ›Schwarze Reihe‹ einfach unentbehrlich. Sie enthält regelmäßig das Beste, was es an neuen Forschungen und Interpretationen zur NS-Zeit gibt. «
Hans Mommsen:
»Diese Reihe (…) belebt immer wieder die zeitgeschichtliche Diskussion. «
Volker Ullrich (DIE ZEIT):
»Die ›Schwarze Reihe‹ (…) wirkt als mächtiger Sperrriegel gegen das Vergessen.«
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»Das war kaltblütiger Massenmord und ich kann das beweisen.« Mit diesen Worten konnte Benjamin Ferencz vor 70 Jahren seine Vorgesetzten überzeugen, auch gegen die SS-Einsatzgruppen in der Sowjetunion zu ermitteln und ihnen einen gesonderten Prozess zu machen.
Die Erlebnisse von damals wurden für ihn zur treibenden Kraft im unermüdlichen Kampf gegen Kriegsverbrechen. »Wir müssen zu Recht und Gesetz zurückkehren anstelle von Kriegen – andernfalls werden wir die ganze Welt zerstören«, lautet seine Überzeugung für ein friedlicheres Zusammenleben. Dies könne nur gelingen durch die Einrichtung eines Internationalen Strafgerichtshofs. Daran mitgewirkt zu haben, ist eine von Ferencz‘ großen Leistungen. Auf dem Weg dorthin hätten ihn viele für verrückt erklärt, so Ferencz, aber wenn der Haupteingang verschlossen sei, komme er eben durchs Fenster.
Der Film zieht eine Linie von den Nürnberger Prozessen 1945/46 bis zur Gründung des International Criminal Court (ICC) 2002 in Den Haag. Im Gespräch mit der Regisseurin und dem Juristen Gerd Hankel wird diese These diskutiert.
Dr. Gerd Hankel ist Völkerrechtler und Sprachwissenschaftler und arbeitet an der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur. Er ist Gutachter für Völkerrecht und Völkerstrafrecht und Vorsitzender der Initiative Kongo e.V. Bereits 1995 war er gemeinsam mit Gerhard Stuby Herausgeber des Buchs Strafgerichte gegen Menschheitsverbrechen. Zum Völkerstrafrecht 50 Jahre nach den Nürnberger Prozessen, das bei Hamburger Edition erschien. 2008 war er Mitherausgeber von Die Macht und das Recht. Beiträge zum Völkerrecht und Völkerstrafrecht am Beginn des 21. Jahrhunderts, 2011 erschien von ihm Das Tötungsverbot im Krieg. Ein Interventionsversuch, beide ebenfalls im Verlag Hamburger Edition.
Ullabritt Horn ist Autorin und Regisseurin zahlreicher Spielfilme, Dokumentationen und Portraits. Sie ist Jurymitglied beim Nürnberger Jugendfilmfestival, dem Filmwettbewerb zum 50. Jahrestag der UNO-Menschenrechtserklärung, bei den 1. Internationalen Filmtagen der Menschenrechte, beim 41. Golden Orange Filmfestival in Antalya (Türkei) und beim Deutschen Menschenrechts-Filmpreis.
Film-Website (Kinostart 12. November 2015):
www.amancanmakeadifference.wfilm.de
Eine Veranstaltung des Fritz Bauer Instituts mit W-film Distribution, Köln.
www.wfilm.de
Kartenreservierung
Filmtheater Valentin
Bolongarostr. 105
65929 Frankfurt-Höchst
Tel.: 069.3086927
info(at)filmtheater-valentin.de
www.filmtheater-valentin.de
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The colloquium is the opening event of the research project »German-Israeli Research Cooperation in the Humanities (1970–2000)«, which focuses on studying this cooperation in the field of German Literature and History. The project is a joint initiative of the Van Leer Jerusalem Institute with the Franz Rosenzweig Minerva Research Center and the Fritz Bauer Institute in Frankfurt.
The participants are scholars in the fields of History, German Literature and the History of Science. Their research lies at the interface between the German and Israeli scientific communities.
The aim of the colloquium is to discuss major questions of the research project: why and how German literature and language as well as German history became part of the Israeli university curriculum? Did the cooperation between the two states, which has gathered pace since the 1970s, exert an influence on the disciplines and their canon in both states?
What were the political implications of the German-Israeli cooperation, and were there also political consequences? The link between politics and academia is one of the questions to be addressed. Moreover, methodological questions of transfer and migration of knowledge will be discussed.
Download:
… Programm (pdf-file)
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phone: +49.69.79832232
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Dr. des. Irene Aue-Ben-David
The Van Leer Jerusalem Institute
43 Jabotinsky Street
Jerusalem 9214116
phone: +972.2.5605222
irenea(at)vanleer.org.il
www.vanleer.org.il
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Mit anschließender Diskussion mit dem Publikum.
In Timothy Snyders Darstellung und Interpretation der Shoah, der präzedenzlosen Ermordung von fast sechs Millionen europäischer Juden, werden viele unserer Vorannahmen, ja unser Erinnern in Frage gestellt. Auf der Basis seiner Analyse der Kernthemen der rassistischen und antisemitischen Vernichtungspolitik des »Dritten Reiches« – Politik und NS-Ideologie, »Lebensraum«, Krieg und Ökologie, Wissenschaft und Wahrheit, staatliche, rechtliche Strukturen und ihre Zerstörung – schlägt er ein angemesseneres Verständnis der Gründe und des Kontexts der Shoah vor. Erst eine genaue Kenntnis der komplexen Zusammenhänge werde es uns ermöglichen, so Snyder, künftige Warnzeichen rechtzeitig zu erkennen.
Timothy Snyder lehrt osteuropäische Geschichte an der Yale University, er ist Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaft vom Menschen in Wien. Für sein Buch Bloodlands erhielt er u.a. 2012 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und den Hannah-Arendt Preis. Für seine unkonventionellen Beiträge zur Geschichtswissenschaft wurde Snyder am 5. Oktober 2015 in Prag mit dem »Dagmar and Vaclav Havel Foundation Vision 97« Preis ausgezeichnet.
Timothy Snyder: Black Earth.
Der Holocaust und warum er sich wiederholen kann
Aus dem Englischen von Ulla Höber, Karl Heinz Siber und Andreas Wirthensohn
München: Verlag C.H.Beck, 2015, 488 S., mit 24 Karten, gebunden, € 29,95
ISBN 978-3-406-68414-2, auch als E-Book lieferbar
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Aufgrund der erfreulich großen Resonanz wurde der Veranstaltungsort vom Hotel Steigenberger Frankfurter Hof in den Festsaal des Casinos auf den Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt verlegt.
Programmänderung
Vortrag von Dr. Kai Zehelein, Hanau:
»Verteidigung im Auschwitz-Prozess«
Vortrag von Werner Renz, Fritz Bauer Institut:
»Der Frankfurter Auschwitz-Prozess in juristisch-zeitgeschichtlicher Perspektive«
Moderation: Rechtsanwalt Michael Koch
(Prof. Dr. Gerhard Werle musste seinen Vortrag leider kurzfristig absagen.)
Im August 1965 wurde das Urteil im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess gesprochen. Nach 183 Verhandlungstagen endete damit der bislang größte Strafprozess der deutschen Nachkriegsgeschichte. Zuvor waren in knapp 20 Monaten 360 Zeugen vernommen worden, darunter über 200 Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Welche Rolle spielte dieser Prozess aus juristisch-zeitgeschichtlicher Perspektive? Was waren die Motive der Anwälte, die die Angeklagten vertreten haben? Das sind zwei der Fragen, die an diesem Abend erörtert werden sollen.
Eine Kooperation des Fritz Bauer Instituts mit dem Frankfurter Anwaltsverein e.V.
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Fritz Bauer Institut
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Drama/Spielfilm, D 2015, 105 Min.
Regie: Lars Kraume
Drehbuch: Lars Kraume und Olivier Guez
FSK 12, Prädikat besonders wertvoll
Kinostart: 1. Oktober 2015, Alamode Filmverleih
Mit Burghart Klaußner (Fritz Bauer), Ronald Zehrfeld (Karl Angermann), Sebastian Blomberg (Ulrich Kreidler), Jörg Schüttauf (Paul Gebhardt), Lilith Stangenberg (Victoria), Götz Schubert (Georg-August Zinn), Cornelia Gröschel (Charlotte Angermann), Robert Atzorn (Charlottes Vater), Michael Schenk (Adolf Eichmann), Matthias Weidenhöfer (Zvi Aharoni), Tilo Werner (Isser Harel), Dani Levy (Chaim Cohn)
Deutschland 1957. Während die junge Bundesrepublik die NS-Zeit hinter sich lassen will, kämpft ein Mann unermüdlich dafür, die Täter im eigenen Land vor Gericht zu stellen: Zwölf Jahre nach Kriegsende erhält der kompromisslose Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Burghart Klaußner) den entscheidenden Hinweis darauf, wo sich der frühere SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann versteckt halten soll. Gemeinsam mit dem jungen Staatsanwalt Karl Angermann (Ronald Zehrfeld) beginnt Bauer, die Hintergründe zu recherchieren. Doch es formiert sich Widerstand bis in die höchsten Kreise: In seiner eigenen Behörde verschwinden immer wieder Akten und auch Oberstaatsanwalt Ulrich Kreidler (Sebastian Blomberg) und BKA-Mitarbeiter Paul Gebhardt (Jörg Schüttauf) behindern den unliebsamen Bauer in seinen Ermittlungen. Ein scheinbar aussichtsloser Kampf gegen unsichtbare Gegner beginnt, doch Bauer und Angermann geben nicht auf, wohl wissend, dass ihnen die Jagd auf Eichmann sowohl beruflich als auch privat alles abverlangen wird.
Die Bedeutung des hessischen Generalstaatsanwalts Fritz Bauer für das Zustandekommen der Auschwitz-Prozesse der 1960er Jahre ist unumstritten. Doch erst nach seinem Tod wurde sein entscheidender Verdienst um die Ergreifung Eichmanns bekannt.
Grimme-Preisträger Lars Kraume (DIE KOMMENDEN TAGE) zeichnet mit DER STAAT GEGEN FRITZ BAUER nun das kraftvolle und fesselnde Porträt eines mutigen Mannes und dessen Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit. Unbeirrbar legte Bauer den Finger in die Wunde und schreckte dabei auch nicht vor unbequemen Fragen der Regierung Adenauer gegenüber zurück.
Burghart Klaußner (ELSER, DAS WEISSE BAND) verkörpert den Titelcharakter kongenial bis in die feinsten Details von Mimik und Gestik. Für die weiteren Rollen in seinem packenden, dichten Portrait der jungen BRD versammelte Lars Kraume mit Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg, Lilith Stangenberg und Jörg Schüttauf ein hochkarätiges deutsches Schauspieler-Ensemble.
Website zum Film
www.derstaatgegenfritzbauer.de
Filmpädagogische Begleitmaterialien
Herausgeber: Alamode Film, München
Text und Konzept: Stefan Stileto
… download (pdf-Datei, 19 S.)
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Cinema Arthouse Kino
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Tel.: 069.21997855
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Eine Veranstaltung des <link internal-link internen link im aktuellen>Förderverein des Fritz Bauer Institut e.V.
Weder wissen wir, wie viele NSDAP-Mitglieder es überhaupt gab, noch können wir exakt Auskunft darüber geben, wie hoch die Mitgliederzahl der NSDAP in bestimmten Jahren war. Auch ist wenig bekannt, dass die Partei häufiger für die Allgemeinheit geschlossen als offen war. Zwischen 1933 und 1937 und wieder ab 1942 wurde von der Parteiführung eine äußerst restriktive Aufnahmepolitik betrieben. Nur bis zum 1.5.1933 und dann wieder zwischen 1939 und Anfang 1942 konnte (nahezu) jedermann der Partei beitreten. Noch weniger bekannt ist, in welch hoher Zahl Parteimitglieder die NSDAP auch wieder verlassen haben. Die Parteiaustritte dürften sich auf etwa eine Dreiviertelmillion in den 20 Jahren seit der Wiederbegründung der Partei im Jahre 1925 belaufen. Auch ist noch längst nicht entschieden, ob es sich bei der NSDAP, was ihre Mitglieder angeht, um eine reine oder doch weit überwiegende Mittelstandspartei oder doch eher um eine sozial heterogen zusammengesetzte Volkspartei handelte. In seinem Vortrag gibt der Mainzer Politikwissenschaftler Jürgen Falter, der Autor des nach wie vor als Standardwerk geltenden Buches Hitlers Wähler (München: Verlag C. H. Beck, 1991), anhand der Daten einer neuen, sehr umfangreichen, rund 50.000 Fälle umfassenden Stichprobe aus den beiden weitgehend erhalten gebliebenen zentralen Mitgliederkarteien der NSDAP Antworten auf diese und weitere Fragen mit zum Teil verblüffenden, zum Teil auch zur Kontroverse einladenden Ergebnissen.
Prof. Dr. Jürgen Falter ist emeritierter Professor für Politikwissenschaft und seit 2012 Senior Forschungsprofessor am Fachbereich Sozialwissenschaften, Medien und Sport der Universität Mainz. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der Forschung zum politischen Extremismus und zur Fremdenfeindlichkeit sowie im Feld der empirischen und historischen Wahlforschung und der Erforschung politischer Einstellungen. Seit April 2012 leitet er ein DFG-Forschungsprojekt zur NSDAP Mitgliedschaft.
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Zugang zum Pavillon über die Fürstenberger Straße und den Fritz-Neumark-Weg (Universitätsparkplatz hinter der Schranke)
Guide: Patrick Schwentke
Das pädagogische Angebot greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.
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Veranstaltung in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Frankfurt.
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Die strafrechtliche Verfolgung von NS- und Kriegsverbrechen deutscher Täter und einheimischer Kollaborateure wurde in der spätstalinistischen Sowjetunion nach 1945 zu einem wichtigen Element sowjetischer Nachkriegspolitik, mit dessen Hilfe man sich auch international positionieren wollte. Neben etwa 25.000 deutschen Tätern (zumeist Kriegsgefangenen) wurden bis 1953 in diesem Zusammenhang über 320.000 Sowjetbürger als Kollaborateure durch sowjetische Gerichte verurteilt. Der Vortrag diskutiert den Beitrag dieser Prozesse zur juristischen Aufarbeitung des Holocaust und der Besatzungsverbrechen, ihre Funktion für die sowjetische Bevölkerung und den Wert der Prozessdokumentationen als historische Quellen für künftige Forschungen.
Prof. Dr. Tanja Penter ist seit Oktober 2013 Professorin für Osteuropäische Geschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten zählen die Geschichte Russlands, der Ukraine und der Sowjetunion im 19. und 20. Jahrhundert, der Diktaturvergleich Stalinismus – Nationalsozialismus, die Erforschung von Besatzungserfahrung, Zwangsarbeit, Kollaboration und Holocaust sowie Transitional Justice, Rechts- und Gerechtigkeitskulturen und Vergangenheitspolitik in Osteuropa.
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Konferenz des Fritz Bauer Instituts und der Evangelischen Akademie Frankfurt
Die Frage nach den im Nationalsozialismus wirksamen moralischen Vorstellungen wird seit einiger Zeit wissenschaftlich untersucht und hat ein komplexes Forschungsfeld eröffnet: Es betrifft u.a. die Analyse der normativen Gehalte zentraler Begriffe der NS-Ideologie und das Verhältnis zwischen den normativen Systemen Recht und Moral. Zu untersuchen sind dafür die von Nationalsozialisten verfassten Ethiken, und es ist nach der Bedeutung von geteilten ethischen Überzeugungen für arbeitsteilig verübte Verbrechen zu fragen. Damit kann die ab 1945 beginnende Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus neu gedeutet werden als eine Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Wertsystemen und normativen Ordnungen.
Mittwoch, 16. September
1. Block: Einführung
Handeln und Denken als Nazi (Johann Chapoutot)
2. Block: Ethiken im Nationalsozialismus 1
Alfred Bäumler und »Das Deutsche in der Deutschen Philosophie« (Leonore Bazinek)
Schicksal versus Moral. Alfred Bäumlers Konzeption des »politischen Menschen« (Johannes Steizinger)
3. Block: Recht und Sittlichkeit
Transpersonalismus. Zur normativen Dimension der Rechtsphilosophie Julius Binders (Steffen Kluck)
Sittlichkeit und Recht. Die nationalsozialistische Umkehrung der Hegelschen Philosophie bei Julius Binder und Karl Larenz (Rastko Jovanov)
Deutsche Moral- und Rechtsvorstellungen in Hinblick auf die Ghettogemeinschaften im nationalsozialistisch besetzten Osteuropa (Svenja Bethke)
Donnerstag, 17. September
4. Block: Ethiken im Nationalsozialismus 2
Zu Nicolai Hartmann (Michael Schefczyk)
August Fausts »Deutsche Freiheit« (David Palme)
Moral im Werden. Zur prozessierenden Normativität bei Bruno Bauch (Johanna Bach)
»Was nationalsozialistisch ist oder nicht, wird im Einzelfall entschieden.« Hans Frank und die nationalsozialistische Urteilskraft (Christian Dries)
5. Block: Analysen jenseits der Ethiker
Hygiene statt Moral – Das Ethos des SS-Arztes Joachim Mrugosky (1939–1948) (Florian Bruns)
»Du trägst dein Blut nur zur Lehn…« – Wertvorstellungen des NS-Staats in Poesiealben zwischen 1933 und 1945 (Karin Henzel / Stefan Walter)
(Volks)gemeinschaft als moralische Norm im NS-Jugendfilm (Bernd Kleinhans)
6. Block: Geschlechtsspezifische Aspekte der NS-Normativität
Geschlechterverhältnis und Sexualität im Nationalsozialismus (Ljiljana Radonić)
Eine symbolische Ordnung der HJ-Moral – Zur moralischen Intelligibilität im Nationalsozialismus (Thomas Gloy)
Freitag, 18. September
7. Block: Arbeitsethik
»Firm im Führen«. Reinhard Höhn und eine (Nachkriegs-)Geschichte deutscher Arbeit (Nikolas Lelle)
Die Kapitalismuskritik und die Konstruktion von Nationalsozialistischer Moral während der Weimarer Republik (Chris Szejnmann)
8. Block: Subjektivität
Über die Sehnsucht nach Härte und Schwere – Otto Friedrich Bollnow und das Phänomen des Politischen Existenzialismus (Christian Wevelsiep)
Analyse des nationalsozialistischen Subjekts anhand Martin Heideggers Sein und Zeit (Emanuel Kapfinger)
9. Block: Abschlussdiskussion – Eine vorläufige Bilanz
Das Phänomen der nationalsozialistischen Moral als Herausforderung für die Gegenwart (Christina Kast)
Gestalt der NS-Normativität (Werner Konitzer)
Leitung
apl. Prof. Dr. Werner Konitzer (Fritz Bauer Institut)
Dr. Christopher Scholtz (Evangelische Akademie)
Tagungshaus
Martin-Niemöller-Haus
Am Eichwaldsfeld 3, 61389 Schmitten
Telefon: 06084.944-0
www.martin-niemoeller-haus.de
(Kosten auf Anfrage)
Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Ab Frankfurt am Main/Hauptbahnhof mit der S-Bahn (S 5) in Richtung Friedrichsdorf, bis Haltestelle Bad Homburg. Anschluss nach Arnoldshain mit dem Bus 505 in Richtung Grävenwiesbach (bis Haltestelle Arnoldshainer Forsthaus).
Veranstaltungsprogramm
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Ausgaben des Programmhefts
(pdf-Datei) seit April 2018
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