Aktuelles

Internationale Tagung:

Der nationalsozialistische Krankenmord in Europa

27. bis 29. Juni 2019, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Dem Mordprogramm, das die Nationalsozialisten »Euthanasie« nannten, fielen zwischen 1939 und 1945 nach derzeitigem Kenntnisstand rund 300.000 Menschen zum Opfer: psychisch Kranke und geistig Behinderte, Männer, Frauen und Kinder. Der Krankenmord fand nicht nur in Deutschland…

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Exkursion nach Auschwitz/Oświęcim

für Studierende des Faches Geschichte an der Goethe-Universität

Samstag, 20. bis Donnerstag, 25. Juli 2019

Im Juli 2019 bietet das Fritz Bauer Institut für Studierende des Faches Geschichte an der Goethe-Universität Frankfurt am Main eine fünftägige Exkursion nach Auschwitz/Oświęcim an. Verbunden ist die Reise mit zwei Lehrveranstaltungen im Sommersemester, einem Seminar »Auschwitz…

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Veranstaltungen

Mi 26
Juni 2019
18:15

Fritz Bauer Lecture:

Anatomy of a Genocide. Lessons of Studying Mass Murder on the Local Level

Lecture by Prof. Dr. Omer Bartov in English

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Theodor-W.-Adorno-Platz
Hörsaalzentrum, Raum HZ 14

For more than four hundred years, the Eastern European border town of Buczacz – today part of Ukraine – was home to a highly diverse citizenry. It was here that Poles, Ukrainians, and Jews all lived side by side in relative harmony. Then came World War II, and three years later the entire Jewish population had been murdered by German and Ukrainian police, while Ukrainian nationalists eradicated Polish residents. In his talk, Omer Bartov will explain how ethnic cleansing doesn’t occur as is so often portrayed in popular history, with the quick ascent of a vitriolic political leader and the unleashing of military might. It begins in seeming peace, slowly and often unnoticed, the culmination of pent-up slights and grudges and indignities. The perpetrators aren’t just sociopathic soldiers. They are neighbors and friends and family.

Prof. Dr. Omer Bartov

is John P. Birkel and Distinguished Professor of European History at the Brown University in Providence, Rhode Island. He is the author of Anatomy of a Genocide: The Life and Death of a Town Called Buczacz.

Kontakt

Fritz Bauer Institut
An-Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de


Do 27 - Sa 29
Juni 2019

Der nationalsozialistische Krankenmord in Europa

Internationale Tagung

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1
Donnerstag: IG Farben-Haus, Nebengebäude, Raum 1.741a
Freitag: Casino, Raum 1.801
Samstag: Casino, Raum 1.811

Mit Gerrit Hohendorf, Florian Schwanninger, Michal V. Šimůnek, Cecile aan de Stegge, Robert Parzer u. a.

Dem Mordprogramm, das die Nationalsozialisten »Euthanasie« nannten, fielen zwischen 1939 und 1945 nach derzeitigem Kenntnisstand rund 300.000 Menschen zum Opfer: psychisch Kranke und geistig Behinderte, Männer, Frauen und Kinder. Der Krankenmord fand nicht nur in Deutschland statt, sondern war auch Teil der deutschen Kriegsführung in den überfallenen Ländern Europas. Während in Österreich, im Sudetenland und im Protektorat Böhmen und Mähren ebenso wie im »Altreich« in den Krankenanstalten gemordet wurde, kamen in den eingegliederten polnischen Gebieten auch mobile Gaswagen zum Einsatz; im Generalgouvernement, im Baltikum, in der Ukraine und anderswo in der besetzten Sowjetunion wurden die Kranken überwiegend von den Einsatzkommandos des Sicherheitsdienstes und der SS erschossen, vergast oder auf andere Weise ermordet. In Polen belief sich die Zahl der Getöteten auf schätzungsweise mindestens 17.000 Menschen, ebenso in der Sowjetunion, dort dürfte die tatsächliche Zahl jedoch noch deutlich höher liegen. Über das Schicksal der Anstaltsinsassen in den besetzten Gebieten in Westeuropa – vor allem in Belgien, den Niederlanden und in Frankreich – ist bis heute wenig bekannt.

Ziel der internationalen Tagung, die das Fritz Bauer Institut veranstaltet und dabei mit der Gedenkstätte Hadamar kooperiert, ist es, die Dimension des nationalsozialistischen Krankenmordes in Europa zu erschließen. Wer waren die Verantwortlichen? Unter welchen Umständen lebten die Kranken und welche Rolle spielte die Mangelwirtschaft im Krieg für ihre Lebensbedingungen? Welche Beziehungen bestanden zwischen Besatzungsregime und einheimischen Gesundheitsverwaltungen? Wie gingen die Krankentötungen vonstatten? Was lässt sich über die Reaktionen der Zivilbevölkerungen sagen? Und in welchem Bezug stand die Ermordung von Psychiatriepatienten und Heimbewohnern zum Massenmord an den Juden? Es geht darum, Antworten auf diese Fragen zu finden und auch Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Mordpolitik in Ost- und Westeuropa, in den annektierten und besetzten Gebieten herauszuarbeiten.

Der nationalsozialistische Krankenmord in Europa

Tagungsprogramm (pdf-Datei)

Im Rahmen der Tagung findet ein öffentlicher Vortrag von Walter H. Pehle statt:
Ernst Klee (1942–2013)
Ein Pionier der medizinischen Zeitgeschichte

Freitag, 28. Juni 2019, 17:30 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Casino, Raum 1.801

Internationale Tagung des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit der Gedenkstätte Hadamar.
Wir danken Frau Dr. Dorothee Freudenberg für die Finanzierung dieser Tagung.

Barrierefreiheit

Alle Räume, in denen die Tagung stattfindet, sind barrierefrei zu erreichen. Falls Sie eine Auffahrtgenehmigung für den Campus Westend benötigen, um nah an das Veranstaltungsgebäude herfahren zu können, wenden Sie sich bitte an Frau Hannah Hecker:
sekretariat.steinbacher(at)fritz-bauer-institut.de

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Fritz Bauer Institut
An-Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 798 322-40
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Do 27
Juni 2019
18:15

BITTE BEACHTEN: DIE VERANSTALTUNG FÄLLT KRANKHEITSBEDINGT LEIDER AUS.

Judenhass im Internet. Antisemitismus als kulturelle Konstante und kollektiver Gefühlswert

Vortrag von Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel

Goethe-Universität Frankfurt am Main

Weltweit nimmt die Verbreitung von Antisemitismen über das Internet drastisch zu. Dabei zeigt sich, dass uralte judenfeindliche Stereotype sich mit aktuellen Konzeptualisierungen verbinden. Anhand zahlreicher Beispiele wird erörtert, dass sich zwar oberflächlich kommunikative Prozesse im digitalen Zeitalter verändern, der alte kollektive Hass gegenüber Juden jedoch ungebrochen die semantische Grundlage bildet. Antisemitismus ist nicht bloß ein Vorurteilssystem, sondern auch ein auf Phantasmen basierendes Weltdeutungssystem, das über Sprachgebrauchsmuster ständig reproduziert wird und, ungeachtet der Erfahrung des Holocaust, im kollektiven Bewusstsein lebendig bleibt.

Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel

ist Antisemitismusforscherin am Institut für Sprache und Kommunikation der TU Berlin. Voraussichtlich im Juni 2019 erscheint ihr Buch Judenhass im Internet.

Monika Schwarz-Friesel
Judenhass im Internet
Antisemitismus als kulturelle Konstante und kollektives Gefühl
Berlin, Leipzig: Hentrich & Hentrich, 2019
144 S., 10 Abb., € 17,90
ISBN: 978-3-95565-325-5

Eine Kooperation des Fritz Bauer Instituts mit der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums Frankfurt sowie dem Förderverein des Fritz Bauer Instituts e.V.

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Fr 28
Juni 2019
17:30

Ernst Klee (1942–2013)

Ein Pionier der medizinischen Zeitgeschichte

Vortrag von Prof. Dr. Walter H. Pehle

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1
Casino-Gebäude, Raum 1.801

Keynote zur internationalen Tagung:
Der nationalsozialistische Krankenmord in Europa
27. bis 29. Juni 2019, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Tagungsprogramm (pdf-Datei)

Mit einem bebilderten Vortrag soll an einen »produktiven Außenseiter« der Zeitgeschichtsforschung erinnert werden, der mehr als 20 Bücher mit einer Gesamtauflage von rund einer halben Million Exemplaren vorgelegt hat. In den 1970er und 1980er Jahren galt Klees Engagement der Behinderten-Bewegung. Seit Beginn der 1980er Jahre befasste er sich mit der Zeit des Nationalsozialismus. Daraus ist ein umfangreiches publizistisches Œuvre mit richtungweisenden Arbeiten hervorgegangen. Täter und Opfer wurden darin namentlich genannt. Die (Fach-)Presse und einige wenige Medizinhistoriker erkannten die Bedeutung von Klees Arbeit, während die professionelle Geschichtswissenschaft dazu lange schwieg. Klee hat allein gearbeitet, ohne institutionelle und ohne finanzielle Unterstützung. Der Ausnahme-Autor verdient unser aller Anerkennung.

Prof. Dr. Walter H. Pehle

ist Verlagslektor und Honorarprofessor an der Universität Innsbruck. Über zwanzig Jahre lang war er Herausgeber der Buchreihe Die Zeit des Nationalsozialismus (»Schwarze Reihe«) im S. Fischer Verlag in Frankfurt. Walter Pehle wohnt in Dreieich-Buchschlag.

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Fritz Bauer Institut
An-Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de


Mi 03
Juli 2019
18:15

Die Spätverfolgung von NS-Verbrechen durch die deutsche Strafjustiz

Vortrag von PD Dr. Boris Burghardt

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1
IG Farben-Haus, Raum 454

Mehr als 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs finden in Deutschland noch immer Strafverfahren gegen Beteiligte an den NS-Verbrechen statt. Nie zuvor hat es Prozesse gegeben mit einer größeren zeitlichen Distanz zwischen den vorgeworfenen Taten und ihrer strafrechtlichen Ahndung. Der Vortrag beleuchtet die Spätverfolgung von NS-Verbrechen durch die deutsche Justiz aus verschiedenen Perspektiven. Konnte sie neue strafjuristische oder vergangenheitspolitische Akzente setzen? War sie überhaupt legitim? Oder steht am Ende die Erkenntnis, dass es zwar Vergangenheit gibt, die nicht vergeht, dass justizielle Tätigkeit aber einen Horizont haben sollte, der nicht allein durch die Lebenszeit der Tatbeteiligten bestimmt wird?

PD Dr. Boris Burghardt

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für deutsches und internationales Strafrecht, Strafprozessrecht und Juristische Zeitgeschichte der Humboldt Universität zu Berlin. Aktuell ist er Gastprofessor am Fritz Bauer Institut.

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Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 798 322-40
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Di 09
Juli 2019
16:00

Die andere Frankfurter Schule:

Karl Mannheim und die Frankfurter Soziologie der 1930er Jahre

Vortrag von Prof. Dr. Natan Sznaider

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1
IG-Farben Haus, Raum 1.414

Karl Mannheim gilt zu Recht als einer der wichtigsten Begründer der Weimarer Wissenssoziologie. Sein neues soziologisches Programm stellte er in seiner Zeit in Frankfurt zwischen 1930 und 1933 vor. Sein Leben und seine Karriere waren auch Teil der Krise der europäischen Moderne vor dem Aufstieg des Nationalsozialismus. Mannheim war ein ungarischer Jude, der sowohl aus Ungarn als auch aus Deutschland emigrieren musste. Dieser Vortrag möchte der Frage nachgehen, ob es eine jüdisch kosmopolitische Perspektive für Europa gibt. Und wenn ja, ist diese Perspektive religiös, ethnisch oder politisch? Gibt es so etwas wie ein jüdisches Europa oder ein Europa der Juden? Kann man überhaupt von jüdischen Stimmen oder einer jüdischen Epistemologie sprechen, ohne das Denken auf Herkunft und Geburt zu beschränken? Das sind beileibe keine Randfragen, sondern Schlüsselfragen, die das Tor zu den Rätseln und Unbegreifbarkeiten im Gedächtnisraum Europa aufschließen: Gibt es eine jüdische Nation ohne Territorium, die verstreut und über Grenzen hinweg in Europa lebt(e)? Waren die europäischen Juden gleichzeitig assimiliert, orthodox, jüdisch und nicht-jüdisch? Und ist es gerade dieses Nicht-Dazugehören, das auf die ontologische Bosheit des antisemitischen Bewusstseins und die Entschiedenheit des antisemitischen Staates traf? Ich werde diesem Problem näher nachgehen, indem ich mir einige Aspekte der Schriften des Soziologen Karl Mannheim und seines Kreises jüdischer Studenten und Studentinnen in Frankfurt ansehen werde. Dort hatte er einen Lehrstuhl für Soziologie inne, bevor er von den Nazis vertrieben wurde. Mannheim wurde vorgeworfen, die typisch jüdische Heimatlosigkeit des entfremdeten Geistes zu formulieren, ja sogar Soziologie als jüdische Wissenschaft zu verunglimpfen.

Natan Sznaider

1954 in Mannheim als Kind aus Polen stammender staatenloser Überlebender der Shoah geboren, ging 1974 nach Israel und studierte an der Universität von Tel Aviv Soziologie, Psychologie und Geschichte. Er lehrt heute als Professor für Soziologie am Academic College of Tel Aviv-Yaffo und ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen. Sein Buch, Gesellschaften in Israel: Eine Einführung in zehn Bildern, wurde 2017 im Jüdischen Verlag im Suhrkamp Verlag veröffentlicht. Anfang Februar ist der gemeinsam mit Christian Heilbronn und Doron Rabinovici herausgegebene Band, Neuer Antisemitismus? Fortsetzung einer globalen Debatte, in der Edition Suhrkamp erschienen.
 
Eine Kooperationsveranstaltung der Frankfurt Memory Studies Platform (eine Initiative des Forschungszentrums für Historische Geisteswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main) und des Fritz Bauer Instituts.

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Publikationen

Einsicht 2018

Bulletin des Fritz Bauer Instituts

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Fritz Bauer. Kleine Schriften

Band 1: 1921–1961, Band 2: 1962–1969

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