Aktuelles
Franz Burda und sein Medienunternehmen
Das neue Medium wurde seine Chance: Franz Burda (1903–1986), Sohn eines kleinen Druckereibesitzers im beschaulichen Offenburg, war früh zur Stelle, als sich Mitte der Zwanziger Jahre der Siegeszug des Rundfunks abzuzeichnen begann. Ausgehend von der Radio-Programmzeitschrift…
Ermittlungen, Urteile, Wirkungen
Von Andrea Rudorff
Nach dem Krieg wurden in Polen über 700 Personen wegen ihrer Tätigkeit im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz vor Gericht gestellt. Neben…
Veranstaltungen
Mi. 14
Oktober 2026
18:15
Spurensuche einer Tochter und Enkeltochter
Vortrag von apl. Prof. Dr. Natali Stegmann
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1
Casino-Gebäude, Raum 1.801
Aus der Perspektive eines Patchworkkinds gibt Natali Stegmann Einblicke in ihre familiengeschichtlichen Recherchen. Die Eltern ihrer Mutter waren gut situierte Familienmenschen mit einem umfangreichen, wenn auch lückenhaften Nachlass, die in ihrer Jugend das NS-Regime aus tiefer Überzeugung mitgetragen haben. Die Eltern ihres Vaters waren Arbeiter und haben kaum etwas hinterlassen. Ihre Großeltern hat sie nie kennengelernt. Der Vortrag führt die familiäre Binnenperspektive und fachliche Betrachtung zusammen. Besonderes Augenmerk gilt der Erschließung von und dem Umgang mit Überlieferungen.
ist Osteuropahistorikerin und arbeitet an der Universität Regensburg. Ihr Aufsatz »Nationalsozialistische Identifikation und abgeschnürte Trauer. Ein Rechercheessay über meine Großmutter und die Familie als Ort der Volksgemeinschaft« erschien 2025 in dem von Johannes Spohr, unter Mitarbeit von Claudia Krieg herausgegebenen Sammelband Present Past. Wie Nachfahren ihre NS-Familiengeschichte erforschen im Berliner Metropol Verlag.
Eine Veranstaltung des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit dem Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.
Fritz Bauer Institut
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
Sa. 17
Oktober 2026
15:00
Öffentliche Führung
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz
Treffpunkt am Wollheim-Pavillon
Treffpunkt ist vor dem Wollheim-Pavillon am Fritz-Neumark-Weg, unterhalb des IG Farben-Hauses, von der Fürstenberger Straße kommend auf der linken Seite des Campus-Geländes.
Die kostenlose Führung findet jeden 3. Samstag im Monat statt. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.
Das am 2. November 2008 feierlich eröffnete Norbert Wollheim Memorial ist ein Ort des Gedenkens und der Information über die Zwangsarbeiter der IG Farben im Konzentrationslager Buna-Monowitz (Auschwitz III). Das Memorial befindet sich auf der Grünfläche vor dem IG Farben-Haus – der ehemaligen Konzernzentrale der I.G. Farben Industrie AG – auf dem Campus Westend der Goethe-Universität.
Die Führung greift die Konzeption des Memorials auf, welche die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert.
Website mit umfangreichem Informationsmaterial zum Konzentrationslager Buna-Monowitz:
www.wollheim-memorial.de
Interviews mit Überlebenden des Konzentrationslagers Buna-Monowitz:
24 Videointerviews
Fritz Bauer Institut
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
Mo. 19
Oktober 2026
18:00
Opfer, Täter, Erinnerung
Vortrag von Fritz Backhaus
Paulskirche
Paulsplatz 11, Frankfurt am Main
Musikalische Umrahmung mit Auszügen aus Que sais-je? (op. 68), Amit Dolberg – Klavier, Amos Elkana – Komposition, Elektronik
Am 19. Oktober 1941 standen ab 6 Uhr morgens SA-Leute und Polizisten vor der Tür von mehr als 1.100 Jüdinnen und Juden. Sie forderten sie auf, innerhalb von zwei Stunden zum Abtransport bereitzustehen. Der Vortrag beschreibt den Ablauf dieser ersten Deportation, versucht die Perspektive der Betroffenen zu erfassen, geht den Tätern sowie den Reaktionen der Zuschauer und Nachbarn nach. Er skizziert zudem die weiteren Deportationen aus Frankfurt bis 1945 und fragt nach dem Umgang mit der Erinnerung an dieses Verbrechen in der Nachkriegszeit.
ist Direktor der Sammlungen und stellvertretender Präsident des Deutschen Historischen Museums in Berlin. Bis 2017 war er stellvertretender Direktor am Jüdischen Museum Frankfurt. Dort war er unter anderem an der Vorbereitung der Erinnerungsstätte an der Frankfurter Großmarkthalle beteiligt.
Amit Dolberg ist Pianist und künstlerischer Leiter des Meitar Ensembles. Amos Elkana ist Komponist. Que sais-je? (op. 68, 2023) ist das musikalische Portrait seines Vaters, Yehuda Elkana, Überlebender von Auschwitz und später Wissenschaftshistoriker an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Ursprünglich komponiert für Flöte, Klarinette, Fagott, Klavier, Violine, Cello und Elektronik wird das Stück in einer Fassung für Klavier und Elektronik dem Anlass angepasst. Beide Musiker wurden mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet.
Interessierte können sich bis 15. Oktober 2026 unter dem Link protokoll.ffm.de für die Gedenkstunde am 19. Oktober anmelden und erhalten bei Vorlage eines Ausweises Zugang zur Veranstaltung. Einlass in die Paulskirche ab 17:15 Uhr.
Eine Veranstaltung des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit dem Dezernat für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am Main
Fritz Bauer Institut
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
Di. 20
Oktober 2026
14:00
Wirken als Ankläger im Auschwitz-Prozess
Filmvorführung und anschließende Podiumsdiskussion
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Theodor W. Adorno Platz 5
Hörsaalzentrum, Raum HZ 3
14:00 bis 16:00 Uhr
Filmvorführung: »Im Labyrinth des Schweigens«
(Regie: Giulio Ricciarelli, D 2014, 123 Min.)
16:15 bis 17:45 Uhr
Podiumsgespräch:
Dr. h.c. Gerhard Wiese (Jurist)
Dr. Katharina Rauschenberger (Historikerin)
Moderation: Rebecca Caroline Schmidt (Normative Orders)
Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Der Frankfurter Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965 gilt als ein zentraler Wendepunkt in der juristischen und öffentlichen Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen in der Bundesrepublik Deutschland. In dem Podiumsgespräch berichtet Dr. h.c. Gerhard Wiese, der als junger Staatsanwalt zum Team der Ankläger des Prozesses gehörte, aus seiner Perspektive auf die damaligen Ermittlungen und die Hauptverhandlung. Im Gespräch mit der Historikerin Dr. Katharina Rauschenberger (Fritz Bauer Institut) wird die Bedeutung des Prozesses für die strafrechtliche Aufarbeitung der NS-Verbrechen in den Blick genommen. Welche Herausforderungen stellten sich den Staatsanwälten bei der juristischen Aufarbeitung der im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz begangenen Verbrechen? Wie wurde mit der Vielzahl von Zeugenaussagen und Beweismitteln umgegangen? Und welche Bedeutung hat der Prozess über das konkrete Strafverfahren hinaus für die öffentliche Wahrnehmung und Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen bis heute?
studierte Rechtswissenschaften an der Freien Universität in Berlin. Nach dem Referendariat wurde er Staatsanwalt, ab Februar 1961 bis zu seiner Pensionierung bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Dort holte ihn der Hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, den Wiese bereits im Referendariat kennengelernt hatte, im August 1962 als dritten Staatsanwalt neben Georg Friedrich Vogel und Joachim Kügler – die bereits seit 1959 ermittelt hatten – in das Team, das später die Anklage im sog. Auschwitz-Prozess verfasste und in der Hauptverhandlung vertrat. Ab September 1965 war Wiese dann allein für das Verfahren zuständig bis zur Revisionsverhandlung vor dem Bundesgerichtshof im Februar 1969. Gerhard Wiese wurde mit dem Bundesverdienstkreuz und Hessischem Verdienstorden ausgezeichnet. 2024 erhielt er vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Goethe-Universität die Ehrendoktorwürde.
ist seit 2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fritz Bauer Institut und Redakteurin der Einsicht. Bulletin des Fritz Bauer Instituts. Sie studierte Geschichte, Philosophie und Spanisch an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und wurde 2001 an der Technischen Universität Berlin mit einer Arbeit zur Geschichte des jüdischen Museumswesens in Deutschland promoviert. Von 1989 bis 2003 war sie in verschiedenen Projekten am Jüdischen Museum Frankfurt tätig, darunter an der Ausstellung »Die Rothschilds. Eine europäische Familie«. Von 2006 bis 2008 koordinierte sie das Leo-Baeck-Programm »Jüdisches Leben in Deutschland – Schule und Fortbildung«. 2008 bis 2016 verantwortete sie die Programmkoordination zwischen dem Fritz Bauer Institut und dem Jüdischen Museum Frankfurt; 2015/16 war sie dort Gastkuratorin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die deutsch-jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts, die Prozesse wegen nationalsozialistischer Gewaltverbrechen im Kontext des Kalten Krieges sowie die Biografie und Wirkungsgeschichte Fritz Bauers.
ist seit 2012 Geschäftsführerin (Managing Director) des Forschungszentrums Normative Orders der Goethe-Universität Frankfurt am Main und seit 2020 administrative Geschäftsführerin des Forschungsinstituts Gesellschaftlicher Zusammenhalt (FGZ). Von 2007 bis 2012 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur von Prof. Dr. Klaus Günther sowie an der Forschungsstelle für Strafrechtstheorie und Strafrechtsethik von Prof. Dr. Dr. h.c. Andreas von Hirsch tätig. Parallel dazu arbeitete sie bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer in Frankfurt am Main im Bereich des Bankaufsichtsrechts. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt Kriminalwissenschaften sowie Strafverfahrens- und Strafvollzugsrecht.
Veranstalter: Forschungszentrum »Normative Orders« der Goethe-Universität und Frankfurter Juristische Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Fritz Bauer Institut
Fritz Bauer Institut
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
Mi. 21
Oktober 2026
18:15
Vortrag von Dr. Maik Tändler
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1
Casino-Gebäude, Raum 1.801
Zwei Jahrzehnte nach seinem Tod gilt Armin Mohler noch immer als Vordenker der Neuen Rechten in Deutschland. Der 1920 in der Schweiz geborene Publizist inszenierte sich nach 1945 als Erbwahrer jenes in der Weimarer Republik grassierenden Radikalnationalismus, den er unter dem Begriff der »Konservativen Revolution« in die Bundesrepublik hinüberzuretten versuchte. Der Vortrag rekonstruiert die Geschichte der rechtsintellektuellen Netzwerke um Mohler unter den Bedingungen einer sich schnell wandelnden politischen Öffentlichkeit bis zur Herausbildung einer Neuen Rechten seit den 1970er Jahren.
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Zeitgeschichte München–Berlin. Zuvor war er am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena tätig. 2025 erschien im Wallstein Verlag sein Buch Armin Mohler und die intellektuelle Rechte in der Bonner Republik.
Fritz Bauer Institut
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
Mi. 28
Oktober 2026
18:15
Die Rückkehr des nervösen Zeitalters
Vortrag von Prof. i.R. DDr. Oliver Rathkolb
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz 1
Casino-Gebäude, Raum 1.801
Radikalisierung, Autoritarismus, Kriegstreiberei, Xenophobie und Kontrollverlust: Der Vortrag geht den Ursachen dieser Phänomene der Gegenwart nach und macht sie an der »ersten und zweiten Turboglobalisierung« fest. Politische Umwälzungen, ökonomische Krisen und technologische Innovationen überforderten im Vorfeld des Ersten Weltkriegs –ähnlich wie auch heute die nationalen Gesellschaften und ihre politischen Eliten – und riefen die Raubritter der Wirtschaft auf den Plan. Irrationale Fehlentscheidungen in der Politik, die Polarisierung der Bevölkerung und das Gefühl der Marginalisierung des Einzelnen weckten damals wie heute eine Sehnsucht nach einfachen, oft gewaltvollen Lösungen für komplexe Probleme.
war bis 2024 Professor am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und bis 2022 dessen Vorstand. 2025 erschien sein Buch Ökonomie der Angst. Die Rückkehr des nervösen Zeitalters im Wiener Molden Verlag. Es wurde in Österreich Sieger in der Wahl des Publikums für das Wissenschaftsbuch im Bereich Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften des Jahrs 2026.
Fritz Bauer Institut
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: +49 (0)69 798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de