Forschung und Lehre

Massenmord und Siedlungspolitik – die »Aktion Zamość«, die deutsche Polenpolitik und der Holocaust

Bearbeiter: Dr. Markus Roth

Perspektivisch sollte das deutsch besetzte Polen neuen »Lebensraum« für die Deutschen bieten. Während in den eingegliederten besetzten polnischen Gebieten unmittelbar mit einer brutalen Germanisierungs- und Siedlungspolitik begonnen wurde, waren die anderen besetzten polnischen Gebiete zunächst nur Gegenstand einer sich radikalisierenden Siedlungsutopie. Im November 1942 änderte sich dies, als Heinrich Himmler die Region Zamość für ein großflächiges »Pilotprojekt« der Germanisierungspolitik auswählte. Nach dem Ende des Holocaust in dieser Region – eine Voraussetzung für die Siedlungspolitik – sollte die einheimische Bevölkerung ausgesiedelt und Volksdeutsche angesiedelt werden. Die Umsetzung scheiterte, hatte aber weitreichende Folgen für die deutsche Besatzungsherrschaft im Generalgouvernement.

Auf breiter empirischer Grundlage werden in dem Projekt Planung und Durchführung der »Aktion Zamość« im Kontext von Holocaust, deutscher Besatzungsherrschaft in Polen und NS-Siedlungsutopien untersucht. Warum fand sie dort statt? Warum zu diesem Zeitpunkt? Wer waren die Akteure und wie gingen sie vor? Welche Ziele verfolgten die verschiedenen Akteure? Ein besonderes Gewicht haben bei der Beantwortung dieser und weiterer Fragen die Perspektiven und Deutungen der betroffenen Menschen – die der einheimischen nichtjüdischen Bevölkerung, der vertriebenen Männer, Frauen und Kinder, die der gegebenenfalls in der Region versteckt lebenden Juden sowie die der volksdeutschen Siedler.