Publikationen

Niklas Krawinkel

Belastung als Chance

Hans Gmelins politische Karriere im Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland

Hans Gmelin: eine umstrittene politische Nachkriegskarriere

Der Tübinger Gemeinderat erkannte dem ehemaligen Oberbürgermeister Hans Gmelin 2018 die Ehrenbürgerwürde posthum ab. Die letztlich einstimmige Entscheidung bildete den Endpunkt einer mehr als zehnjährigen Diskussion um die nationalsozialistische Belastung Gmelins, der von 1955 bis 1975 Stadtoberhaupt war.

Niklas Krawinkel kann zeigen, dass die Tübinger Bevölkerung Gmelin nicht trotz, sondern gerade wegen seiner NS-Vergangenheit zum Oberbürgermeister wählte. Sein Bekenntnis zur Demokratie wurde zehn Jahre nach Kriegsende als Beleg gewertet, dass er aus der Vergangenheit gelernt habe. Die Untersuchung nimmt Gmelins politische Entwicklung ausgehend von seiner Sozialisation im württembergischen Bürgertum in den Blick, analysiert im Zusammenhang mit den NS-Verbrechen in der Slowakei die Rolle der Deutschen Gesandtschaft in Pressburg, an der er tätig war, und geht schließlich der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit in der Tübinger Kommunalpolitik nach. Der Autor arbeitet die Bedeutung scheinbar unpolitischer Gemeinschaftsprozesse für Ausgrenzung und Rassismus auch jenseits des politischen Regimewechsels heraus.

Dr. Niklas Krawinkel,

geb. 1986, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er studierte Geschichte und Soziologie in Frankfurt am Main, Berlin und Potsdam und wurde 2018 in Marburg promoviert. Aktuell bearbeitet er ein Forschungsprojekt zur Geschichte des Rechtsradikalismus in Deutschland nach 1945.

Studien zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, Band 2,
hrsg. von Sybille Steinbacher, im Auftrag des Fritz Bauer Instituts
Göttingen: Wallstein Verlag, 2020, 567 Seiten, Hardcover gebunden, mit Schutzumschlag
ISBN 978-3-8353-3677-3
44,00 €