Forschung & Lehre

Die Deutschen und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941–1945

Bearbeiter: Dr. Jörg Osterloh

Zwischen 1941 und 1945 nahm die Wehrmacht insgesamt zwischen 5,2 und 6 Millionen Rotarmisten gefangen, von ihnen überlebten vermutlich bis zu 3,3 Millionen die Gefangenschaft nicht. Bis heute zählen die sowjetischen Kriegsfangenen zu den »vergessenen Opfern« des NS-Regimes, obgleich sich zwischen 1941 und 1945 etwa 1,6 Millionen Rotarmisten in Lagern in Deutschland befanden. Von ihnen kam rund jeder Vierte ums Leben: Sie verhungerten, starben an Seuchen, überlebten die Bedingungen der Zwangsarbeit nicht oder wurden in Konzentrationslagern ermordet. All dies spielte sich auch vor den Augen der deutschen Bevölkerung ab.

Ziel ist es, zu untersuchen, wie das NS-Regime mit der Anwesenheit Hunderttausender sowjetischer Kriegsgefangener im Reich propagandistisch umging und vor allem, wie die deutsche Bevölkerung hierauf reagierte. Thematisiert werden die antibolschewistischen Ausstellungen und Publikationen, die die Bevölkerung auf die Anwesenheit der Sowjetgefangenen und deren Behandlung »einstimmten«, ferner geht es um die vielfältigen Kontakte an den Arbeitsstätten, um verbotene Liebessbeziehungen, um Reaktionen auf Fluchten, aber auch auf Sabotage und Widerstandshandlungen, und schließlich geht es auch darum, wie die die Bevölkerung auf den hunderttausendfachen Tod der sowjetischen Kriegsgefangenen reagierte.