9. Jahrgang, Juni 2026, 184 S., Aufl. 2.000, ISSN: 2569-7838
Jahresbericht 2025 (Download als PDF-Datei)
Der Jahresbericht des Fritz Bauer Instituts informiert über die vielfältigen Tätigkeiten des Instituts im vorangegangenen Jahr. Er gibt einen Überblick über die Editions- und Forschungsprojekte, Lehre, Publikationen, Veranstaltungen und Ausstellungen, über Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie die Gremien der Stiftung. Das Periodikum wird seit 2018 im Eigenverlag publiziert und kostenlos an Interessenten im In- und Ausland versandt. Das Erscheinen des Jahresberichts wird unterstützt vom Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.
Vorwort aus dem Jahresbericht
Liebe Leserin, lieber Leser,
auch 2025 haben wir unsere Spurensuche fortgesetzt und einige weiter Details zum bronzenen Schriftzug »Die Würde des Menschen ist unantastbar« herausgefunden. Viele Jahre lang prangte die Inschrift auf der Fassade des Gerichtsgebäudes C im Frankfurter Justizviertel. Fritz Bauer hat dem Staatsbauamt 1964 empfohlen, sie dort anzubringen, um dem Satz, der den ersten Artikel des deutschen Grundgesetzes eröffnet und – als Gegenentwurf zum Nationalsozialismus – die Basis für Freiheit, Demokratie und Rechtstaatlichkeit legt, breite öffentliche Wirkung zu verschaffen. Vor zwei Jahren machten es Bauarbeiten erforderlich, den Schriftzug zu entfernen. Das hessische Justizministerium sorgte 2025 dafür, dass das frisch restaurierte Werk zunächst in der Paulskirche, dann im Foyer des Oberlandesgerichts Frankfurt ausgestellt wurde, wo es sich noch bis zur Vollendung der Neubauten im Justizrayon befinden wird.
Unsere Recherchen zur Entstehungsgeschichte des Kunstwerks führten in diverse Archive, wo man uns mit großem Engagement unterstützt hat. Im Frankfurter Institut für Stadtgeschichte liegen Unterlagen zur »Kunst am Bau«, im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden die Liegenschaftsakten der Justizbehörden sowie die Bestände des Landesjustiz- und -finanzministeriums, auch das Kunstarchiv in Darmstadt haben wir konsultiert. Zu Ergebnissen führte das alles leider nicht, auch nicht der Blick in die Frankfurter Zeitungen der 1960er Jahre.
Weiterführend war indes der Hinweis auf das Buch Mit offenen Augen durch Frankfurt, das 1969 im Waldemar Kramer Verlag erschienen ist. Verfasst hat es der Verwaltungsfachmann und Heimatforscher Hans Lohne. Sein Handbuch der Brunnen, Denkmäler, Gedenkstätten und der Kunst am Bau enthält einen knappen Hinweis auf den bronzenen Schriftzug am Schwurgerichtsgebäude und nennt den Schöpfer des Werks: den Bildhauer Heinz Hemrich aus Hechtsheim bei Mainz, der es 1966 geschaffen hat.
Hemrich, seit Ende der 1950er Jahre Mitglied der Darmstädter Sezession, später Dozent und schließlich Professor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, schuf in den 1960er Jahren auch den Relieffries an der Ruine der dortigen frühgotischen Kirche Sankt Christoph, die im Luftkrieg fast vollständig zerstört wurde. Sein Fries ist ein Mahnmal gegen die Kriegsgewalt. Thema, Stil und Formensprache zeigen die enge künstlerische Verbindung seines Mainzer Werks mit seinem Schriftzug zur Würdigung des Grundgesetzes am Frankfurter Gerichtsgebäude.
Die intensive Suche hat sich gelohnt. Nun wissen wir, wer das Kunstwerk geschaffen hat. Natürlich reißen die Fragen nicht ab, im Gegenteil: Im künstlerischen Nachlass von Hemrich an der Universität Mainz haben wir weiter nach Informationen über die Schriftplastik gesucht. Auch versuchten wir Angehörige, Schüler und Bekannte des Künstlers ausfindig zu machen, der 2009 mit 86 Jahren verstorben ist. Zu erfahren war, dass Heinz Hemrich ein »Denkbuch« geführt hat, in dem er seine Werke konzipierte und Skizzen davon anfertigte. Vielleicht finden wir durch diese Spuren und die Punzierung im Werk, die eingestempelte Prägung, noch mehr über den Schriftzug heraus. Unsere Suche wird jedenfalls weitergehen.
Im Folgenden finden Sie ausführliche Informationen zu unseren weiteren Aktivitäten im Jahr 2025. Wir freuen uns über Ihr Interesse an unserer Arbeit und danken unseren Förderern sehr für die große Unterstützung, die wir erfahren.
Frankfurt am Main, im Juni 2026
Ihre Sybille Steinbacher
Direktorin des Fritz Bauer Instituts
Jahresbericht des Fritz Bauer Instituts
Redaktion: Sybille Steinbacher (V.i.S.d.P.),
Tobias Freimüller, Andrea Kirchner, Werner Lott, Jörg Osterloh
Lektorat: Regine Strotbek
Gestaltung/Layout: Werner Lott
Herstellung: Vereinte Druckwerke Frankfurt am Main
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