Research and Teaching

Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust

Lehrveranstaltungen Wintersemester 2021/2022

Alle Lehrveranstaltungen in diesem Semester finden aufgrund der Corona-Pandemie voraussichtlich als Online-Veranstaltungen statt.
 


Leben und Überleben im Ghetto. Von der Funktion und dem Alltag der »jüdischen Wohnviertel« im Holocaust.

Prof. Dr. Sybille Steinbacher

Seminar

26. Oktober 2021 bis 15. Februar 2022
dienstags, 12:00–14:00 Uhr

Im Zuge der nationalsozialistischen Patientenmorde fielen 1940 und 1941 mehr als 70.000 Menschen der »Aktion T4« zum Opfer. Nach dem offiziellen Stopp der »Euthanasie« im August 1941 wurden große Teile des »T4«-Personals sowie die Mordmethode der Gaskammern weiter genutzt, um die systematische Ermordung der Juden in Europa zu betreiben. Unter dem Tarnnamen »Aktion Reinhardt« wurden etwa zwei Millionen Menschen in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka ermordet, die meisten waren Juden aus dem besetzten Polen. Das Seminar geht den Verbindungslinien zwischen Kranken- und Judenmord nach und behandelt insbesondere die Geschichte der Mordpraxis, der Täter und der Tatorte.

Die Ghettos waren Orte von Terror und Massenmord. Hier fanden zahllose Massaker an den Juden Osteuropas statt, von hier fuhren die Deportationszüge in die Vernichtungslager ab, und hier sind mindestens 600.000, womöglich bis zu einer Million Menschen an Hunger, Krankheiten und elenden Lebensverhältnissen gestorben. Im Seminar wird es um die Funktion der Ghettos im Prozess des nationalsozialistischen Massenmords an den europäischen Juden gehen, unter anderem um die Fragen, warum die Zwangseinrichtungen geschaffen wurden, wie sich ihr Zweck im Kontext der Radikalisierung antijüdischer deutscher Politik veränderte und in welchem Zusammenhang Ghettoisierung und Massenvernichtung zueinander standen. Auch die Perspektive der Verfolgten wird erörtert und es werden Quellen gelesen, die ihre Erfahrungen und ihre Wahrnehmung dokumentieren.

Das Seminar soll als Präsenzveranstaltung stattfinden. Sollte es notwendig sein, auf ein Online-Format zurückzugreifen, werden alle angemeldeten Studierenden darüber rechtzeitig informiert.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2021 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/12339412995
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Dominika Bopp, Sascha Feuchert, Andrea Löw, Jörg Riecke, Markus Roth, Elisabeth Turvold, Die Enzyklopädie des Gettos Lodz/Litzmannstadt, Göttingen 2020
  • Dan Michman, Angst vor den »Ostjuden«. Die Entstehung der Ghettos während des Holocaust, Frankfurt am Main 2011
  • Christopher Browning, Die Entfesselung der »Endlösung«. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939–1942, Berlin 2003.

Neuere Forschungen zur Geschichte und Wirkung des Holocaust

Prof. Dr. Sybille Steinbacher

Forschungskolloquium

26. Oktober 2021 bis 15. Februar 2022
dienstags, 18:00–20:00 Uhr

Im Forschungskolloquium werden laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Studien zur Geschichte und Wirkung des Holocaust vorgestellt und diskutiert. Es richtet sich an fortgeschrittene Studierende der Geschichte, an Examenskandidaten und -kandidatinnen, Promovierende, Habilitierende und wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Fachbereich Geschichte.

Das Kolloquium findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen. Sollte dies im Laufe des Semesters wieder möglich werden, wird es auch Sitzungen in Präsenz geben.


Fürsorge, Therapie, Mord. Zur Geschichte der Psychiatrie im 20. Jahrhundert

PD Dr. Tobias Freimüller

Übung

26. Oktober 2021 bis 15. Februar 2022
dienstags, 14:00–16:00 Uhrr

Die Geschichte der Psychiatrie hat die Zeitgeschichtsschreibung seit den 1980er Jahren beschäftigt: nicht nur als Teil neuerer Medizingeschichte, sondern weil die Verstrickung der Psychiatrie in den nationalsozialistischen Krankenmord den Blick öffnete auf das Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft und Bürokratie im NS-Staat. Auch in dieser Übung wird die Geschichte der NS-»Euthanasie« behandelt, allerdings im Kontext der Psychiatriegeschichte seit dem 19. Jahrhundert. Wie veränderte sich der Umgang der deutschen Gesellschaft mit ihren »Geisteskranken«? Wie verwandelte sich die »Irrenfürsorge« in eine medizinische Disziplin? Wie verhielten sich Reformanstrengungen in der Krankenfürsorge zu sozialdarwinistischen Plänen der Ausmerzung »lebensunwerten Lebens«? Wie verlief die Nachkriegsgeschichte der Psychiatrie als wissenschaftliche Profession und wie ging sie mit der eigenen NS-Vergangenheit um? Welchen Einfluss hatten schließlich gesellschaftliche Veränderungen wie die Protestbewegung der 1960er Jahre und die »Neuen Sozialen Bewegungen« der 1970er Jahre auf die Psychiatrie?

Die Übung soll als Präsenzveranstaltung stattfinden. Sollte es notwendig sein, auf ein Online-Format zurückzugreifen, werden alle angemeldeten Studierenden darüber rechtzeitig informiert.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2021 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/12298878982/CourseNode/93668888136022
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Dirk Blasius, Einfache Seelenstörung. Geschichte der deutschen Psychiatrie 1800–1945, Frankfurt am Main 1994
  • Cornelia Brink, Grenzen der Anstalt. Psychiatrie und Gesellschaft in Deutschland 1860–1980, Göttingen 2010
  • Franz-Werner Kersting, Karl Teppe, Bernd Walter (Hrsg.), Nach Hadamar. Zum Verhältnis von Psychiatrie und Öffentlichkeit im 20. Jahrhundert, Paderborn 1993.

Der Nationalsozialismus im Schulgeschichtsbuch

Dr. Martin Liepach

Übung

29. Oktober 2021 bis 18. Februar 2022
freitags, 14:00–16:00 Uhr

Die Herausforderungen des Erinnerns und Gedenkens im öffentlichen Raum, der Frage nach Schuld und Verantwortung sowie des adäquaten Umgangs mit dem Nationalsozialismus zwischen Historisierung und Aktualisierung, vor allem in der Schule, werfen immer wieder neue Diskussionen auf. Schullehrbücher sind bedeutsame Medien der Geschichtskultur, die einer praxisorientierten Kritik unterzogen werden müssen. In dieser Übung werden einschlägige, jüngere Geschichtslehrbücher im Hinblick auf die Thematisierung des Nationalsozialismus und damit verbundener Themen analysiert. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf der Darstellung der jüdischen Perspektive, des Antisemitismus und des Verfolgungsaspekts bis zum Holocaust liegen.
Die Analyse der Schulgeschichtsbücher wird Aspekte der historisch-sachlichen Faktizität und ihrer politisch-moralischen Bewertung mit den Formen ihrer didaktischen Umsetzung im Lehrbuch (Autorentext, Text- und Bildquellen, Arbeitsaufträge) verknüpfen. Eingangs der Veranstaltung erfolgt eine methodische Einführung zur Schulbuchanalyse.

Die Übung soll als Präsenzveranstaltung stattfinden. Sollte es notwendig sein, auf ein Online-Format zurückzugreifen, werden alle angemeldeten Studierenden darüber rechtzeitig informiert.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2021 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/12424937477?3
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet. Voraussetzung: Ausreichende historische Grundkenntnis über die zu behandelnde Epoche.

Einführende Literatur
  • Wolfgang Benz, Der Holocaust. München 82014
  • Michael Brenner, Maximilian Strnad (Hrsg.), Der Holocaust in der deutschsprachigen Geschichtswissenschaft. Bilanz und Perspektive, Göttingen 2012
  • Martin Liepach, Zur Darstellung des Holocaust in den aktuellen Schulgeschichtsbüchern, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, Heft 9–10/2019, S. 543–553
  • Holocaust Education. Wie Schüler und Lehrer den Unterricht zum Nationalsozialismus erleben. (Einsichten und Perspektiven 1/08; Bayerische Zeitschrift für Politik und Geschichte) http://192.68.214.70/blz/eup/01_08_themenheft/index.asp

22. Juni 1941: Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion

Dr. Jörg Osterloh

Übung

27. Oktober 2021 bis 16. Februar 2022
mittwochs, 14:00–16:00 Uhr

Am 22. Juni 1941 begann das »Unternehmen Barbarossa«, der Angriff von mehr als drei Millionen Soldaten der Wehrmacht, unterstützt von rund 600.000 Mann aus verbündeten Staaten wie Ungarn und Italien, auf die Sowjetunion. Der »Vernichtungskampf« hatte das Ziel, »Lebensraum« zu erobern und mit dem »jüdisch-bolschewistischen« System der Sowjetunion den ideologischen Hauptfeind des Nationalsozialismus auszuschalten. Die Übung konzentriert sich auf die Entwicklung des Jahres 1941 und befasst sich unter anderem mit der militärischen und wirtschaftlichen Vorbereitung des Überfalls auf die Sowjetunion, der nationalsozialistischen Kriegspropaganda, dem Schicksal der Millionen Rotarmisten, die in deutsche Gefangenschaft gerieten, dem Los der Zivilbevölkerung unter deutscher Besatzung, und dem systematischen Massenmord an den sowjetischen Jüdinnen und Juden. Daneben sollen aber auch die Reaktion der sowjetischen Führung auf den Überfall und die Versuche der Roten Armee, den deutschen Vormarsch zum Stoppen zu bringen, behandelt werden.
Voraussetzung für einen Leistungsnachweis sind die Bereitschaft zur Analyse einer der zur Verfügung gestellten Quellen im Rahmen eines Kurzreferats (und gegebenenfalls einer schriftlichen Ausarbeitung hierzu) sowie die Anfertigung einer Rezension eines Buches zum Thema.

Die Übung soll als Präsenzveranstaltung stattfinden. Sollte es notwendig sein, auf ein Online-Format zurückzugreifen, werden alle angemeldeten Studierenden darüber rechtzeitig informiert.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2021 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/12490407945
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Richard Overy, Russlands Krieg. 1941–1945, Reinbek 22003
  • Christian Hartmann u.a. (Hrsg.), Der deutsche Krieg im Osten 1941–1944. Facetten einer Grenzüberschreitung, München 2009
  • Christian Hartmann, Wehrmacht im Ostkrieg. Front und militärisches Hinterland 1941/42, München 22010.

Fritz Bauer Institut

An-Institut der Goethe-Universität
Frankfurt am Main
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Lehrstuhl zur Erforschung
der Geschichte und Wirkung
des Holocaust

Historisches Seminar
Goethe-Universität Frankfurt

Prof. Dr. Sybille Steinbacher
Lehrstuhlinhaberin

Lehrstuhl am Historischen Seminar