Research & Teaching

Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust

Lehrveranstaltungen Wintersemester 2020/21

Alle Lehrveranstaltungen in diesem Semester finden aufgrund der Corona-Pandemie voraussichtlich als Online-Veranstaltungen statt.
 


Von der »Aktion T4« zur »Aktion Reinhardt«. Der Mord an Kranken und Juden im Nationalsozialismus – Taten, Orte, Personal

Prof. Dr. Sybille Steinbacher / Dr. Tobias Freimüller

Seminar (mit Exkursion)

20. April bis 13. Juli 2021
dienstags, 12:00–14:00 Uhr

Im Zuge der nationalsozialistischen Patientenmorde fielen 1940 und 1941 mehr als 70.000 Menschen der »Aktion T4« zum Opfer. Nach dem offiziellen Stopp der »Euthanasie« im August 1941 wurden große Teile des »T4«-Personals sowie die Mordmethode der Gaskammern weiter genutzt, um die systematische Ermordung der Juden in Europa zu betreiben. Unter dem Tarnnamen »Aktion Reinhardt« wurden etwa zwei Millionen Menschen in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka ermordet, die meisten waren Juden aus dem besetzten Polen. Das Seminar geht den Verbindungslinien zwischen Kranken- und Judenmord nach und behandelt insbesondere die Geschichte der Mordpraxis, der Täter und der Tatorte.

Das Seminar findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen. Erwartet werden u.a. schriftliche Ausarbeitungen zur Seminarlektüre und Quellenanalysen. Sollte dies im Laufe des Semesters wieder möglich werden, wird es auch Sitzungen in Präsenz geben.

Verbunden mit dem Seminar ist eine Exkursion in die Region Lublin zu den Stätten der Vernichtungslager der »Aktion Reinhardt«. Die Exkursion soll – sofern die Umstände es ermöglichen – direkt im Anschluss an die Vorlesungszeit im Juli 2021 stattfinden. Die Teilnahme ist optional, es wird ein Unkostenbeitrag von voraussichtlich 180 Euro erhoben.

Die Anmeldung für das Seminar ist ab dem 1. März 2021 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/10912694290/CourseNode/93668888136022
Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Sara Berger, Experten der Vernichtung. Das T4-Reinhardt-Netzwerk in den Lagern Belzec, Sobibor und Treblinka, Hamburg 2013
  • Henry Friedlander, Der Weg zum NS-Genozid. Von der Euthanasie zur Endlösung, Berlin 1997
  • Stephan Lehnstaedt, Der Kern des Holocaust: Belzec, Sobibor, Treblinka und die Aktion Reinhardt, München 2017.

Neuere Forschungen zur Geschichte und Wirkung des Holocaust

Prof. Dr. Sybille Steinbacher

Forschungskolloquium

20. April bis 13. Juli 2021
dienstags, 18:00–20:00 Uhr.

Im Forschungskolloquium werden laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Studien zur Geschichte und Wirkung des Holocaust vorgestellt und diskutiert. Es richtet sich an fortgeschrittene Studierende der Geschichte, an Examenskandidaten und -kandidatinnen, Promovierende, Habilitierende und wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Fachbereich Geschichte.

Das Kolloquium findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen. Sollte dies im Laufe des Semesters wieder möglich werden, wird es auch Sitzungen in Präsenz geben.


Die Architektur der Konzentrations- und Vernichtungslager

Dr. Annika Wienert

Übung

21. April bis 14. Juli 2021
mittwochs, 14:00–16:00 Uhr

Eine Lehrveranstaltung im Rahmen der
Michael Hauck Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung.

Wenn von den Architekten des Holocaust die Rede ist, handelt es sich zumeist um eine metaphorische Verwendung der Berufsbezeichnung. Nichtsdestotrotz spielten sowohl professionelle Architekten als vor allem auch Architektur selbst eine zentrale Rolle im nationalsozialistischen Mordprogramm. Am deutlichsten ist dies im Fall der Gaskammern: hier wurde Architektur selbst zum Tötungsinstrument. Die Gaskammern waren Teil der baulichen Infrastruktur der Konzentrations- und Vernichtungslager. Dass die Lagerbauten überhaupt als Architektur zu bezeichnen sind, setzt voraus, sich von einem normativ-positiven und künstlerisch-ambitionierten Verständnis von Architektur zu lösen.

In dieser Übung beschäftigen wir uns mit Geschichte und Nachgeschichte der Lager aus der Perspektive eines solchermaßen erweiterten Architekturbegriffs. Zunächst werden Entstehung, Veränderung, Nutzung und Wirkweise der Lagerarchitektur und ihrem Rückbau thematisiert. Einen zweiten Schwerpunkt bildet die Frage danach, welche Rolle die Architektur für die Erinnerung und die visuelle Repräsentation der Lager spielt. Einbezogen werden dabei unterschiedliche mediale Formen wie Fotografien, Karten, Denkmalsetzungen und Gedenkstättengestaltungen, filmische Zugänge und Werke der bildenden Kunst.

Die Übung findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen. Sollte dies im Laufe des Semesters wieder möglich werden, wird es auch Sitzungen in Präsenz geben.

Die Anmeldung ist ab dem 1. März 2021 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/10897915920/CourseNode/93668888136022
Die Zahl der Teilnehmenden ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Alexandra Klei: Der erinnerte Ort: Geschichte durch Architektur. Zur baulichen und gestalterischen Repräsentation der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Bielefeld 2011
  • Adina Seeger: »Fritz Ertl – Bauhausschüler und Baumeister im KZ Auschwitz-Birkenau«, in: Philipp Oswalt (Hrsg.), Hannes Meyers neue Bauhauslehre – Von Dessau nach Mexiko, Basel et al. 2019, S. 497–506
  • Annika Wienert: Das Lager vorstellen. Die Architektur der nationalsozialistischen Vernichtungslager, 3., überarb. Aufl. Berlin 2018.

Kunst und Literatur nach Auschwitz. Theoretische Grundlagen und ästhetische Provokationen

Prof. Dr. Dr. Judith Kasper / Dr. Annika Wienert

Übung / Seminar

Übung für Studierende der Geschichtswissenschaft
Seminar für Studierende der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und des Masters Ästhetik
22., 29. April, 6., 20., 27. Mai, 10. Juni 2021
donnerstags, 14:00–16:00 Uhr
und Samstag, 3. Juli 2021, ganztägig

Eine Lehrveranstaltung im Rahmen der
Michael Hauck Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung.

Seit Adornos berühmtem Verdikt von 1951 (das er selbst wieder kritisch in Frage gestellt hat), dass es barbarisch sei, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben, hat die bis heute anhaltende Diskussion über die Darstellbarkeit des Holocaust überhaupt ebenso wie über die ästhetischen Formen, in denen dies, wenn überhaupt, zu geschehen hat, immer wieder neue Positionen, Aspekte und Objekte hervorgebracht. In diesem Seminar/dieser Übung sollen erstens wichtige Momente in dieser anhaltenden Debatte aufgegriffen und kritisch durchgearbeitet werden. Zum einen die Frage nach den Grenzen und der (Un-)Angemessenheit bildnerischer Mittel und Sprache angesichts der systematischen Ermordung der europäischen Juden und Jüdinnen durch den Nationalsozialismus; zum anderen die Frage nach der Notwendigkeit historischer Forschung und Problematik der Historisierung des Holocaust, der Spannung zwischen Geschichte und traumatischem Gedächtnis. Texte von Theodor W. Adorno, Claude Lanzmann, Georges Didi-Huberman, Dan Diner, Saul Friedlander, Hayden White u.a. sind hier wichtige Referenzen.

Zweitens ist vorgesehen, dass wir uns gemeinsam mit ausgewählten künstlerischen, filmischen und literarischen Beiträgen auseinandersetzen, die in reflektierter Weise ästhetische Extrempositionen in der Thematisierung und Darstellung des Holocaust bezogen haben (zu nennen wären hier zum Beispiel die Arbeiten von Claude Lanzmann, Art Spiegelman, Zbigniew Libera, Santiago Sierra, Gerhard Richter, Yasmina Réza u.a.).

In einem Reader, der auf OLAT zur Verfügung gestellt wird, finden sich die für alle verpflichtenden theoretischen Lektüren zusammengestellt. Sie werden Gegenstand des ersten Teils der Lehrveranstaltung sein, die online stattfindet. Die Arbeit an den paradigmatischen künstlerischen Positionen findet in Einzelabsprache mit den Studierenden statt, die Präsentation dieser Auseinandersetzungen ist im Abschlussblock vorgesehen, den wir hoffnungsvoll als Präsenzveranstaltung planen.

Pro Studiengang können 13 Teilnahmeplätze vergeben werden. Die Anmeldung für Studierende der Geschichtswissenschaft ist ab dem 1. März 2021 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/10912694282/CourseNode/93668888136022
Eine Warteliste ist eingerichtet. Die Anmeldung der Studierenden der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und des Masters Ästhetik wird erbeten bis 31. März per E-Mail bei Judith Kasper: kasper(at)em.uni-frankfurt.de

Einführende Literatur
  • Theodor W. Adorno: »Kulturkritik und Gesellschaft«. In: Gesammelte Schriften, Band 10.1: Kulturkritik und Gesellschaft I, »Prismen. Ohne Leitbild«, Frankfurt am Main 1977
  • Georges Didi-Huberman: Bilder trotz allem, München 2007
  • Saul Friedländer (Hrsg.): Probing the Limits of Representation: Nazism and the »Final Solution«, Cambridge 1992.

Jüdische Geschichte im Schulbuch

Dr. Martin Liepach

Übung

19. April bis 12. Juli 2021
montags, 14:00–16:00 Uhr

In dieser Übung werden aktuelle Geschichtslehrbücher im Hinblick auf die Thematisierung der jüdischen Geschichte im historischen Längsschnitt (vom Mittelalter bis zur Zeit nach 1945) und den damit verbundenen Themen fachwissenschaftlich und didaktisch analysiert. Jüdische Geschichte wird im Geschichtsunterricht vorrangig in Verbindung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust unterrichtet. Die Materialien in den gegenwärtigen Schulbüchern werfen dazu zahlreiche Fragen auf. Aber nicht nur für diese Epoche gibt es Fragen an die jüdische Geschichte: Wie werden Antisemitismus und Verfolgungsgeschichte im Vergleich zur allgemeinen jüdischen Geschichte thematisiert und in welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Erscheinen Juden nicht nur als Objekte und Opfer von Geschichte, sondern auch als Träger einer eigenen Kultur und Mitgestalter der Moderne? Erfolgt die Thematisierung auf der Grundlage einer Wissenschaftsorientierung um gegen stereotype Bilder anzugehen oder werden diese unflektiert reaktiviert?

Die Analyse der Schulgeschichtsbücher wird Aspekte der historisch-sachlichen Faktizität und ihrer politisch-moralischen Bewertung mit den Formen ihrer didaktischen Umsetzung im Lehrbuch (Autorentext, Text- und Bildquellen, Arbeitsaufträge) verknüpfen. Eingangs der Veranstaltung erfolgt eine kurze methodische Einführung zur Schulbuchanalyse.

Die Übung findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen. Sollte dies im Laufe des Semesters wieder möglich werden, wird es auch Sitzungen in Präsenz geben.

Die Veranstaltung richtet sich an Lehramtsstudierende. Voraussetzungen: Ausreichende historische Grundkenntnisse über die zu behandelnden Epochen.
Die Anmeldung ist ab dem 1. März 2021 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/10795417602/CourseNode/93668888136022?15
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt.

Einführende Literatur
  • Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit, hrsg. im Auftrag des Leo Baeck Instituts von Michael A. Meyer unter Mitwirkung von Michael Brenner. 4 Bände, München 1996/97
  • Martin Liepach/Wolfgang Geiger, Fragen an die jüdische Geschichte. Darstellungen und didaktische Herausforderungen, Schwalbach/Ts. 2014
  • Perspektiven deutsch-jüdischer Geschichte, Paderborn 2012ff. (Tobias Brinkmann, Migration und Transnationalität; Steven Lowenstein, Religion und Identität; Klaus Hödl, Kultur und Gedächtnis, Uffa Jensen, Politik und Recht, Rainer Liedtke, Wirtschaft und Ungleichheit, Miriam Rürup, Alltag und Gesellschaft, Stefanie Schüler-Springorum, Geschlecht und Differenz)

Die Wirtschaft des Nationalsozialismus

Dr. Veronika Duma

Proseminar

13. April bis 20. Mai 2021
dienstags, 9:00–12:00 Uhr und donnerstags, 9:00–12:00 Uhr

Wirtschaftspolitik war ein zentrales Element nationalsozialistischer Herrschaft. Sie war untrennbar mit der Aufrüstung, der Kriegswirtschaft, der Zwangsarbeit und dem Raub an der jüdischen Bevölkerung Europas verbunden. Dieses Proseminar behandelt zentrale Aspekte der Wirtschaft im »Dritten Reich« und nimmt auch die Rolle der Banken und Ministerien sowie die Handlungsräume von einzelnen Unternehmern und wirtschaftlichen Akteuren in den Blick. Wir diskutieren Beispiele konkreter Industrien und Handelsbeziehungen ebenso wie die allgemeinere historiographische Frage nach dem Verhältnis von Ökonomie und Politik. Nicht zuletzt thematisiert das Proseminar, welche Unternehmen bzw. wirtschaftlichen Akteure sich nach 1945 vor Gerichten, z.B. wegen Raub, Zwangsarbeit und Mord, zu verantworten hatten und welche Folgen der (Raub-)Wirtschaft bis in die Gegenwart wirken.

Anhand des Seminarthemas werden Methoden und Techniken geschichtswissenschaftlichen Arbeitens gemeinsam erarbeitet – von der Literatur- und Quellenrecherche über das Lesen von Texten bis hin zu den Zitierregeln.

Das Proseminar findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Bitte beachten Sie, dass alle Sitzungen in der ersten Semesterhälfte stattfinden und zwei Sitzungen pro Woche geplant sind!

Einführende Literatur
  • Götz Aly, Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, Frankfurt am Main 2005
  • Norbert Frei/Tim Schanetzky (Hrsg.), Unternehmen im Nationalsozialismus. Zur Historisierung einer Forschungskonjunktur, Göttingen 2010
  • Mark Spoerer, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939–1945, Stuttgart 2001.

Fritz Bauer Institut

An-Institut der Goethe-Universität
Frankfurt am Main
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main

+49 (0)69 798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
 


Lehrstuhl zur Erforschung
der Geschichte und Wirkung
des Holocaust

Historisches Seminar
Goethe-Universität Frankfurt

Prof. Dr. Sybille Steinbacher
Lehrstuhlinhaberin

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