Research & Teaching

Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust

Lehrveranstaltungen Wintersemester 2020/21

Alle Lehrveranstaltungen in diesem Semester finden aufgrund der Corona-Pandemie voraussichtlich als Online-Veranstaltungen statt.
 


1945. Das Epochenjahr im internationalen Kontext

Prof. Dr. Sybille Steinbacher

Seminar

3. November 2020 bis 9. Februar 2021
dienstags, 12:00–14:00 Uhr

Das Jahr 1945 markiert eine Zäsur in der Weltgeschichte. Der von Deutschland entfesselte Zweite Weltkrieg ging zu Ende; über 60 Millionen Menschen fielen ihm zum Opfer. Leid und Gewalt endeten jedoch nicht überall. In Asien und Afrika kämpften die europäischen Kolonialmächte um den Erhalt ihrer Macht, die Kolonisierten um ihre Unabhängigkeit. Auch wurden die Weichen für eine neue globale Ordnung gestellt. Der Kalte Krieg zeichnete sich bereits ab und das vom Streben nach atomarem Gleichgewicht zwischen Ost und West geprägte nukleare Zeitalter begann. Im Seminar wird die Bedeutung des Epochenjahrs 1945 anhand zentraler Themenfelder diskutiert, es geht beispielsweise um die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht, die Konferenzen der Siegermächte, die Befreiung der Konzentrationslager, die Flüchtlingsströme aus Osteuropa in das besiegte Deutschland, die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, den Beginn des Nürnberger Prozesses, den Verfall der europäischen Kolonialreiche und die Gründung der Vereinten Nationen, mit der die Etablierung der Menschenrechte als globale Norm einherging. Ziel ist es, die Facetten der politischen, ökonomischen und kulturellen Weichenstellungen zu beleuchten, die 1945 weltweit eingeleitet wurden.

Das Seminar findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen. Erwartet werden u.a. schriftliche Ausarbeitungen zur Seminarlektüre.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2020 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/9055338504/CourseNode/100025364324575.
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Ian Buruma: ‘45. Die Welt am Wendepunkt, München 2014 (amerikanische Erstveröffentlichung 20213)
  • Norbert Frei: 1945 und wir. Das Dritte Reich im Bewusstsein der Deutschen, München 2013 (zuerst 2005, erweiterte Taschenbuchausgabe 2009)
  • Ulrich Herbert/Axel Schildt (Hrsg.): Kriegsende in Europa. Vom Beginn des deutschen Machtzerfalls bis zur Stabilisierung der Nachkriegsordnung, 1944–1948, Essen 1998.

Neuere Forschungen zur Geschichte und Wirkung des Holocaust

Prof. Dr. Sybille Steinbacher

Forschungskolloquium

3. November 2020 bis 9. Februar 2021
dienstags, 18:00–20:00 Uhr

Im Forschungskolloquium werden laufende Untersuchungen und jüngst abgeschlossene Studien zur Geschichte und Wirkung des Holocaust vorgestellt und diskutiert. Es richtet sich an fortgeschrittene Studierende der Geschichte, an Examenskandidaten und -kandidatinnen, Promovierende, Habilitierende und wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Fachbereich Geschichte.

Das Kolloquium findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen.


Raubwirtschaft und Rassismus. Der Holocaust als gesellschaftlicher Prozess

Dr. Veronika Duma

Proseminar

12. November 2020 bis 18. Februar 2021
donnerstags, 14:00–17:00 Uhr

Das Proseminar widmet sich dem systematischen Raub des Vermögens der europäischen Juden und Jüdinnen. Untersucht wird die Ideologie und Praxis der Ausplünderungsprozesse, die von der gewaltvollen Aneignung von Kunst- und Kulturgütern, Immobilen und Rohstoffe, vom »legalisierten« Raub von Unternehmen über die Zwangsarbeit bis zum Raub in den Konzentrations- und Vernichtungslagern reichten. Das Proseminar behandelt die Ausmaße der umfassenden Organisation sowie die verschiedenen Formen der Mitwirkung und Beteiligung der Bevölkerung an der »Arisierungspolitik« und dem Raub im nationalsozialistischen Deutschland sowie in den überfallenen und besetzten Ländern. Die Perspektive der Opfer soll ebenso berücksichtigt werden wie die Frage der Entschädigung und der Folgen der »Arisierung« nach dem Zweiten Weltkrieg. Nicht zuletzt wird die Frage aufgeworfen, wo das Eigentum der ermordeten und vertriebenen Juden und Jüdinnen Europas verblieben ist.

Anhand des Themas werden Methoden und Techniken geschichtswissenschaftlichen Arbeitens gemeinsam erarbeitet – von der Literatur- und Quellenrecherche über das Lesen von Texten bis hin zu den Zitierregeln.

Das Proseminar findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt und ist als Kombination von angeleitetem Selbststudium, virtuellen Gruppenarbeiten und Videokonferenzen gestaltet. Die Leistungsanforderungen umfassen kleinere Aufgaben während des Semesters, ein Referat und eine Abschlussarbeit.

Einführende Literatur
  • Martin Dean, Constantin Goschler, Philipp Ther: Robbery and Restitution. The Conflict over Jewish Property in Europe, New York/Oxford 2007
  • Fritz Bauer Institut, Irmtrud Wojak, Peter Hayes: »Arisierung« im Nationalsozialismus. Volksgemeinschaft, Raub und Gedächtnis, Frankfurt am Main, New York 2001
  • Katharina Stengel (Hrsg.): Vor der Vernichtung. Die staatliche Enteignung der Juden im Nationalsozialismus, Frankfurt am Main, New York 2007.
Quellen
  • Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Herausgegeben im Auftrag des Bundesarchivs, des Instituts für Zeitgeschichte, des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg von Susanne Heim, Ulrich Herbert, Michael Hollmann, Horst Möller, Dieter Pohl, Sybille Steinbacher, Simone Walther-von Jena und Andreas Wirsching.

Faschismus. Theorien und Geschichte

Dr. Veronika Duma

Übung

3. November 2020 bis 16. Februar 2021
dienstags, 10:00–12:00 Uhr

Im Zusammenhang mit den jüngsten Konjunkturen rechter Parteien und Bewegungen in Europa taucht der Begriff des Faschismus immer wieder in öffentlichen Debatten und Feuilletons auf. Doch was ist unter Faschismus zu verstehen? Die internationale, historische und aktuelle wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema ist umfassend. Vor diesem Hintergrund widmet sich diese Übung dem Faschismusbegriff sowie dem Aufstieg von Faschismus und Nationalsozialismus im Europa der Zwischenkriegszeit. Welche Faktoren führten in den verschiedenen Ländern zur Entstehung faschistischer Bewegungen und Parteien? Welche Voraussetzungen ermöglichten die Machtergreifung? Was ist über die soziale Zusammensetzung faschistischer Bewegungen zu sagen? Welche Rolle spielten Rassismus und Antisemitismus? Haben Geschlechterverhältnisse etwas mit Faschismus zu tun? Theorie und Geschichte sollen anhand ausgewählter Quellen und zentraler wissenschaftlicher Texte diskutiert werden,

Die Übung findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen. Verpflichtend ist die Anfertigung kleinerer schriftlicher Aufgaben.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2020 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/9031352322/CourseNode/102054773129330
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Kevin Passmore: Women, Gender and Fascism in Europe, 1919–45, New Brunswick 2003
  • Robert Paxton: Anatomie des Faschismus, München 2006
  • Thomas Schlemmer, Hans Woller (Hrsg.): Der Faschismus in Europa. Wege der Forschung, München 2014.

Rechtsradikalismus in Deutschland nach 1945

Dr. Tobias Freimüller

Übung

3. November 2020 bis 16. Februar 2021
dienstags, 14:00–16:00 Uhr

Die Mordserie des »Nationalsozialistischen Untergrunds« und die Anschläge in Halle und Hanau haben das öffentliche Bewusstsein für die Bedrohung durch den Rechtsradikalismus geschärft. Weniger präsent ist die Geschichte der rechtsradikalen Parteien, Verbände und Zirkel, die bis in die frühe Nachkriegszeit zurückreicht. Rechtsterroristische Aktionen wie das »Oktoberfestattenat« (1980) und fremdenfeindliche Anschläge wie die in Hoyerswerda, Rostock, Mölln und Solingen (1991–1993) wurden lange als Einzelfälle wahrgenommen. Die geschichtswissenschaftliche Forschung zum Thema steht noch am Anfang, dennoch wird in dieser Übung der Versuch unternommen, die unterschiedlichen Ausprägungen des Rechtsradikalismus seit 1945 historisch zu analysieren.

Die Übung findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen. Verpflichtend ist zudem die wöchentliche Anfertigung von Lektüreprotokollen.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2020 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/9001598980/CourseNode/93668888136022
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Gideon Botsch: Die extreme Rechte in der Bundesrepublik 1949 bis heute, Darmstadt 2012
  • Fabian Virchow, Martin Langebach, Alexander Häusler (Hrsg.): Handbuch Rechtsextremismus, Wiesbaden 2017
  • Bernd Weisbrod (Hrsg.): Rechtsradikalismus in der politischen Kultur der Nachkriegszeit. Die verzögerte Normalisierung in Niedersachsen, Hannover 1995.

Der Nationalsozialismus im Schulgeschichtsbuch

Dr. Martin Liepach

Übung

6. November 2020 bis 19. Februar 2021
freitags, 14:00–16:00 Uhr

Die Herausforderungen des Erinnerns und Gedenkens im öffentlichen Raum, der Frage nach Schuld und Verantwortung sowie des adäquaten Umgangs mit dem Nationalsozialismus zwischen Historisierung und Aktualisierung, vor allem in der Schule, werfen immer wieder neue Diskussionen auf. Schullehrbücher sind bedeutsame Medien der Geschichtskultur, die einer praxisorientierten Kritik unterzogen werden müssen. In dieser Übung werden einschlägige, jüngere Geschichtslehrbücher im Hinblick auf die Thematisierung des Nationalsozialismus und damit verbundener Themen analysiert. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf der Darstellung der jüdischen Perspektive, des Antisemitismus und des Verfolgungsaspekts bis zum Holocaust liegen.

Die Analyse der Schulgeschichtsbücher wird Aspekte der historisch-sachlichen Faktizität und ihrer politisch-moralischen Bewertung mit den Formen ihrer didaktischen Umsetzung im Lehrbuch (Autorentext, Text- und Bildquellen, Arbeitsaufträge) verknüpfen. Eingangs der Veranstaltung erfolgt eine methodische Einführung zur Schulbuchanalyse.

Die Übung findet voraussichtlich als Online-Veranstaltung statt. Geplant sind regelmäßige Sitzungen in Form von Videokonferenzen.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2020 über OLAT möglich:
https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/9054846979/CourseNode/93668888129596?31
Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet. Voraussetzung: Ausreichende historische Grundkenntnis über die zu behandelnde Epoche.

Einführende Literatur
  • Deutsch-Israelische Schulbuchkommission (Hrsg.): Deutsch-israelische Schulbuchempfehlungen (Eckert. Expertise. Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung Band 5) Göttingen 2015
  • Martin Liepach, Wolfgang Geiger: Fragen an die jüdische Geschichte. Darstellungen und didaktische Herausforderungen. Schwalbach im Taunus 2014
  • Philipp Mittnik: Holocaust-Darstellung in Schulbüchern. Deutsche, österreichische und englische Schulbücher im Vergleich, Schwalbach im Taunus 2017.

Fritz Bauer Institut

An-Institut der Goethe-Universität
Frankfurt am Main
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main

+49 (0)69 798 322-40
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