Research and Teaching

Lehrstuhl zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust

Lehrveranstaltungen Wintersemester 2022/2023


Streit über den Holocaust. Debatten und Kontroversen von 1945 bis heute

PD Dr. Tobias Freimüller

Seminar

25. Oktober 2022 bis 7. Februar 2023
dienstags, 14:00–16:00 Uhr, SP 1.03

Immer wieder und in unterschiedlichsten Zusammenhängen wurde nach 1945 über das zentrale Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands diskutiert, die Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas. Auseinandersetzungen gab es über Hannah Arendts anlässlich des Eichmann-Prozesses geprägten Begriff einer »Banalität des Bösen«, der Bundestag debattierte wiederholt über die Frage der Verjährung von Morddelikten. In den 1990er Jahren entzündeten die »Wehrmachtsausstellung« und die »Goldhagen-Kontroverse« eine Diskussion über die Beteiligung »ganz normaler Männer« am Massenmord. In diesem Seminar werden ausgewählte Debatten über den Holocaust betrachtet und analysiert, die gesellschaftliche Bewusstseinslagen widerspiegelten und diese zugleich prägten. Von Bedeutung sind zudem Auseinandersetzungen um die Formen der Repräsentation des historischen Geschehens – beispielsweise in Filmwerken wie »Holocaust« oder in Mahnmalen wie dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Diskutiert wird auch die jüngste, als »Historikerstreit 2.0« apostrophierte Kontroverse um den Holocaust und die Kolonialgeschichte.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2021 über OLAT möglich: https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/15699804161/CourseNode/93668888136022. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Torben Fischer, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Lexikon der »Vergangenheitsbewältigung« in Deutschland. Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945, Bielefeld 2007
  •  Ian Kershaw: Der NS-Staat. Geschichtsinterpretationen und Kontroversen im Überblick. Erw. und bearb. Neuausgabe, Hamburg 2015
  • Martin Sabrow, Ralph Jessen, Klaus Große Kracht (Hrsg.): Zeitgeschichte als Streitgeschichte. Große Kontroversen seit 1945, München 2003.

Antifaschismus. Geschichte, Bewegung und Politik

Dr. Veronika Duma

Übung

24. Oktober 2022 bis 6. Februar 2023
montags, 14:00–16:00 Uhr, IG 4.501

Der Begriff des Antifaschismus war in der Vergangenheit und ist auch aktuell im öffentlichen und politischen Diskurs präsent. Doch was ist unter Antifaschismus – als politisches Schlagwort, als soziale Bewegung und als historisches Phänomen – zu verstehen? Die Übung legt den Fokus auf Antifaschismus als politische und kulturelle Bewegung, die in den 1920er Jahren als Position gegen den Faschismus und den Nationalsozialismus entstand. Wer waren die Akteurinnen und Akteure, in welchen Ländern waren sie aktiv, wie hat sich ihre Zusammensetzung über die Zeit verändert? Zugleich soll das Fortleben des Antifaschismus als Begriff und als Bewegung nach 1945 bis in die Gegenwart untersucht werden. Die Bedeutung der Überlebendenverbände sowie der politischen Großwetterlage des Kalten Kriegs wird in den Blick genommen. Anschließend an neueste Forschungen verfolgt die Übung eine transnationale und geschlechterhistorische Perspektive auf die Geschichte des Antifaschismus. Ziel ist es, den Begriff des Antifaschismus als Schlagwort und soziale Bewegung historisch einordnen zu können, sowie das wissenschaftliche Arbeiten mit Texten und den quellenkritischen Umgang mit ausgewählten Archivmaterialien am Beispiel des Themas zu üben.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2021 über OLAT möglich: https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/12297961474. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Kasper Braskén/David Featherstone/Nigel Copsey (Hrsg.): Anti-Fascism in a Global Perspective Transnational Networks, Exile Communities, and Radical Internationalism, Abingdon/New York 2021
  • Hugo García/Mercedes Yusta/Xavier Tabet/Christina Clímaco (Hrsg.): Rethinking Antifascism. History, Memory and Politics, 1922 to the present, New York/Oxford 2016
  • Transnational Anti-Fascism: Agents, Networks, Circulations, Contemporary European History, 25 (2016), Special Issue 4.

Sport im Nationalsozialismus. Ein Tool für den Geschichtsunterricht?

Dr. Martin Liepach

Übung

28. Oktober 2022 bis 10. Februar 2023
freitags, 14:00–16:00 Uhr, SH 3.108

Nahezu konfliktfrei verlief die Entwicklung des bürgerlichen Sports der Weimarer Republik zum »gleichgeschalteten« NS-Sport. Zum Prozess der »Gleichschaltung« gehörte die im Frühjahr 1933 sofort einsetzende Isolierung jüdischer Vereinsmitglieder in den Sportvereinen. Ihr Ausschluss aus den bürgerlichen Vereinen führte zu einem Boom jüdischer Sportvereine, der bis zur Zerschlagung des bis dahin geduldeten jüdischen Sports nach den Novemberpogromen anhielt. Die Olympischen Spiele von 1936 gelten als die mit Abstand am stärksten politisch instrumentalisierten Olympischen Spiele der Geschichte. Insbesondere Fußball als international populärer Sport, der Zuschauermassen anzog, schien sich den NS-Machthabern für Inszenierungen deutscher »Volksgemeinschaft« und internationaler Friedfertigkeit anzubieten. Sport wurde im Nationalsozialismus auch unter Zwangs- und Gewaltbedingungen betrieben. Davon zeugen die Überlieferungen aus den nationalsozialistischen Konzentrationslagern und Ghettos. Und nicht zuletzt; in den jüdischen Displaced Camps in Westdeutschland organisierten Überlebende des Holocaust nach 1945 Fußballspiele, in denen Mannschaften mehrerer Lager um Meisterschaften spielten.

Neben der fachwissenschaftlichen Beschäftigung mit bisher vorhandenen Ergebnissen der Forschung soll es auch um die Nutzbarmachung von Quellenzeugnissen zu Ereignissen, Orten, Sportarten (Fußball, Boxen, Leichtathletik) und Biografien für den Geschichtsunterricht gehen. Dabei sollen ausgewählte Materialien im Hinblick auf die didaktische Nutzung bearbeitet und diskutiert werden. Die Veranstaltung richtet sich an Lehramtsstudierende. Voraussetzungen: Ausreichende historische Grundkenntnisse über die zu behandelnden Epochen.

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2021 über OLAT möglich: https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/15815376898/?5. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet. Voraussetzung: Ausreichende historische Grundkenntnis über die zu behandelnde Epoche.

Einführende Literatur
  • Lorenz Peiffer: Sport im Nationalsozialismus. Zum aktuellen Stand der sporthistorischen Forschung, Göttingen 2015
  • Veronika Springmann: Gunst und Gewalt. Sport in nationalsozialistischen Konzentrationslagern, Berlin 2019
  • Henry Wahlig: Sport im Abseits. Die Geschichte der jüdischen Sportbewegung im nationalsozialistischen Deutschland, Göttingen 2015.

Die Schlacht um Stalingrad 1942/43. Geschichte und Erinnerung

Dr. Jörg Osterloh

Übung

26. Oktober 2022 bis 8. Februar 2023
mittwochs, 14:00–16:00 Uhr, SH 1.108

Die Schlacht um Stalingrad gilt gemeinhin als Wendepunkt im Krieg zwischen Deutschland und der Sowjetunion. Im August 1942 hatte die 6. Armee der Wehrmacht den Angriff auf die symbolträchtige Stadt an der Wolga begonnen und diese bis Mitte November weitgehend erobert. Die Gegenoffensive der Roten Armee führte aber bereits am 22. November 1942 zur vollständigen Einkesselung von etwa 220.000 deutschen Soldaten. Entgegen Hitlers ausdrücklichem Befehl kapitulierte die 6. Armee am 31. Januar bzw. 2. Februar 1943. In den monatelangen Kämpfen hatten allein bis zu 500.000 Rotarmisten ihr Leben verloren. Etwa 91.000 Wehrmachtsoldaten gerieten in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der später nur rund 6.000 von ihnen zurückkehrten.

Die Übung befasst sich anhand veröffentlichter und unveröffentlichter Quellen mit der Schlacht und ihren Folgen für den Verlauf des deutsch-sowjetischen Krieges sowie mit der Erinnerung hieran in den Nachfolgestaaten des Drittes Reiches und in der Sowjetunion bzw. in Russland. Voraussetzung für einen Leistungsnachweis ist die Zusammenfassung und Analyse einer der zur Verfügung gestellten Quellen im Rahmen eines Kurzreferats (und gegebenenfalls einer schriftlichen Ausarbeitung hierzu).

Die Anmeldung ist ab dem 1. August 2021 über OLAT möglich: https://olat-ce.server.uni-frankfurt.de/olat/auth/RepositoryEntry/15849619458/?4. Die Teilnehmerzahl ist auf 25 begrenzt. Eine Warteliste ist eingerichtet.

Einführende Literatur
  • Torsten Diedrich: Stalingrad 1942/1943, Stuttgart 2018
  • Jochen Hellbeck: Die Stalingrad-Protokolle. Sowjetische Augenzeugen berichten aus der Schlacht, Frankfurt am Main 2012
  • Bernd Ulrich: Stalingrad, München 2005.

Einführung in das Studium der neueren Geschichte: Raub und Restitution. Die Enteignung der jüdischen Bevölkerung in Europa im Zweiten Weltkrieg

Dr. Veronika Duma

Proseminar

20. Oktober 2022 bis 9. Februar 2023
donnerstags, 10:00–13:00 Uhr, SH 4.108

Legalisierter Raub, »Arisierungen«, Enteignungen: Materielle Aspekte durchzogen die Verfolgung jüdischen Bevölkerung in Europa und den Holocaust wie ein roter Faden. Dies gilt nicht nur für das nationalsozialistische Deutschland, sondern auch für die überfallenen, besetzten, sowie in Teilen für die verbündeten Staaten. Das Proseminar blickt auf die Institutionen, Akteurinnen und Akteure sowie die Motive des Raubs ebenso wie auf die Perspektiven der Verfolgten. Anhand der Forschung, die sich in diesem Themenfeld einer Reihe von Lokal- und Regionalstudien zugewandt hat, wird der Zusammenhang von materiellem Interesse, Antisemitismus und dem Massenmord diskutiert. Der inhaltliche Schwerpunkt wird jedoch auf die Nachgeschichte des Raubs nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelegt. Mit der Frage nach der Rückerstattung des jüdischen Eigentums sowohl in Ost- als auch Westeuropa werden materiellen Aspekte des Holocaust bis in die Gegenwart verhandelt.

Anhand des Proseminarthemas werden Methoden und Techniken geschichtswissenschaftlichen Arbeitens erlernt – von der Literatur- und Quellenrecherche über das Lesen von Texten bis hin zu den Zitierregeln.

Einführende Literatur
  • Martin Dean: Robbing the Jews. The Confiscation of Jewish Property in the Holocaust, 1933–1945, New York 2008
  • Constantin Goschler/Philipp Ther (Hrsg.): Raub und Restitution. »Arisierung« und Rückerstattung des jüdischen Eigentums in Europa, Frankfurt am Main 2003
  • Jürgen Lillteicher: Raub, Recht und Restitution. Die Rückerstattung jüdischen Eigentums in der frühen Bundesrepublik, Göttingen 2007.

Fritz Bauer Institut

An-Institut der Goethe-Universität
Frankfurt am Main
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main

+49 (0)69 798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
 


Lehrstuhl zur Erforschung
der Geschichte und Wirkung
des Holocaust

Historisches Seminar
Goethe-Universität Frankfurt

Prof. Dr. Sybille Steinbacher
Lehrstuhlinhaberin

Lehrstuhl am Historischen Seminar