Am 12. August 1944 verübten Soldaten der 16. SS-Panzer-Grenadier-Division »Reichsführer SS« in dem kleinen Ort Sant`Anna di Stazzema in der Provinz Lucca eines der schwersten Massaker an der italienischen Zivilbevölkerung während der deutschen Besatzung Italiens.
Der Prozess gegen die Verantwortlichen, der mehr als 60 Jahre nach den Ereignissen vor dem Militärgericht in La Spezia stattfand, wurde zum Symbol für die späte Phase der juristischen Aufarbeitung der in Italien begangenen Massaker, die Ende der 1990er Jahre ihren Anfang nahm.
Die Ermittlungen und der Prozess stellten aufgrund neuer Ansätze in den Untersuchungsmethoden und der Rechtsprechung einen wichtigen juristischen Wendepunkt dar und lieferten zudem der Geschichtswissenschaft neues, wertvolles Material. Durch die Sicherung bislang unveröffentlichter Dokumente und Zeugenaussagen wurde es möglich, die Ereignisse vom August 1944 vollständig zu rekonstruieren und die Täter vor Gericht zu stellen. Am Ende der Ermittlungen im Jahr 2005 wurden zehn lebenslange Haftstrafen verhängt. Keine von ihnen wurde vollstreckt.
geb. 1959, ist seit 2018 Generalstaatsanwalt am militärischen Berufungsgericht in Rom. Als Militärstaatsanwalt von La Spezia und Rom leitete er zwischen 2002 und 2018 über 500 Ermittlungsverfahren wegen Kriegsverbrechen ein.
geb. 1948, ist Professor em. für Zeitgeschichte der Universität von Pisa und seit 2018 Präsident des Nationalinstituts Ferrucio Parri, der Zentrale der italienischen Resistenza-Institute. Er hat das Forschungsprojekt »Atlas der Gewalt« geleitet und ist Autor zahlreicher Publikationen zu deutschen Kriegsverbrechen in Italien.
Deutsche Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg, Band 3
Hrsg. von Sybille Steinbacher im Auftrag des Fritz Bauer Instituts. Aus dem Italienischen übersetzt von Walter Kögler
Göttingen: Wallstein Verlag, 2026,
ca. 167 S., 6 Abb., Hardcover gebunden, Schutzumschlag
EAN 9783835361676 (voraussichtlich lieferbar ab 16. September 2026)
Preis: 28 Euro