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Clemens Vollnhals, Jörg Osterloh (Hrsg.)

NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit Besatzungszeit

frühe Bundesrepublik und DDR

Infoflyer

In 20 Beiträgen untersuchen die Autoren die Reaktionen der deutschen Öffentlichkeit auf bedeutende Prozesse gegen NS-Täter, die während der Besatzungszeit, der frühen Bundesrepublik und DDR vor alliierten und deutschen Gerichten stattfanden.
Sie machen die Unterschiede und die Wechselwirkungen der Strafverfolgung zwischen Ost und West deutlich und zeigen, wie sich die öffentliche Wahrnehmung der Prozesse in den Westzonen und später in der Bundesrepublik in all ihren Widersprüchen entwickelte. Auch in der Sowjetischen Besatzungszone gab es anfangs noch einen gewissen Freiraum, doch bald standen Justiz und Öffentlichkeit im Dienste der SED-Propaganda.

Die Beiträge verdeutlichen, dass die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nicht so geradlinig verlief, wie dies in der Rückschau oft angenommen wird. Es war ein langer, steiniger Weg, bis die populäre Schlussstrich-Mentalität überwunden war und die Mehrheit der (west)deutschen Bevölkerung der Einsicht zustimmte, dass die moralische Verdammung der ungeheuren NS-Verbrechen ohne die konkrete Strafverfolgung der Täter unglaubwürdig bleiben müsse. Im historischen Rückblick wird man die von der Justiz geleistete Arbeit und über die Medien transportierte Aufklärung über den verbrecherischen Charakter des Nationalsozialismus kaum unterschätzen können, so unbefriedigend die aus vielerlei Gründen erst spät einsetzende konsequente Verfolgung von NS-Verbrechen und das oft kritisierte Strafmaß unter moralischen Gesichtspunkten auch bleiben sollten. Es war ein langwieriger, schmerzvoller Prozess gesellschaftlicher Selbstvergewisserung von bemerkenswerter Dauer und Intensität.

Mit Beiträgen von: Carina Baganz (Berlin), Boris Böhm/Julius Scharnetzky (Pirna), John Cramer (Regesbostel), Christian Dirks (Berlin), Andreas Eichmüller (München), Claudia Fröhlich (Berlin), Gerald Hacke (Dresden), Peter Krause (Konstanz), Heike Krösche (Linz), Claudia Kuretsidis-Haider (Wien), Jörg Osterloh (Fritz Bauer Institut), Edith Raim (München), Werner Renz (Fritz Bauer Institut), Markus Riverein (Frankfurt am Main), Mike Schmeitzner (Dresden), Robert Sigel (München), Katharina Stengel (Fritz Bauer Institut), Falco Werkentin (Berlin), Clemens Vollnhals (Dresden), Annette Weinke (Jena)

Dr. Clemens Vollnhals
ist Stellvertretender Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung und Lehrbeauftragter für Zeitgeschichte an der Technischen Universität Dresden.

Dr. Jörg Osterloh M.A.
ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut.

Mitarbeiterpublikationen, Schriften des Hannah-Arendt-Instituts, Band 045
Vandenhoeck & Ruprecht, 2011
456 S., gebunden
ISBN 978-3-525-36921-0
Preis: 75 Euro