The Institute

Monday, 29. August 2022

In ehrender Erinnerung
Christian Raabe

15. Dezember 1934 – 6. September 2022

Am 6. September 2022 verstarb Christian Raabe im Alter von 87 Jahren.
Christian Raabe war Rechtsanwalt und Notar in Frankfurt am Main. Geboren am 15. Dezember 1934 in Magdeburg, stammte er aus einer Familie von Verfolgten des Nationalsozialismus. Seit frühen Jahren engagierte er sich für die SPD, der er 1959 beitrat. Fritz Bauer kannte er persönlich; dieser hatte ihn an die Kanzlei Henry Ormonds empfohlen, wo Raabe am 1. Juli 1963 mit 28 Jahren eintrat. Henry Ormond vertrat eine Reihe von Nebenklägern im Ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess, Christian Raabe unterstütze ihn dabei. Er nannte sich selbst den »Mann für’s Grobe« in der Kanzlei Ormond, der sich gegenüber den Verteidigern im Auschwitz-Prozess zu behaupten verstand. Christian Raabe war ebenfalls im 2. Frankfurter Auschwitz Prozess und im Prozess gegen Hermann Krumey und Otto Hunsche als Nebenklagevertreter für die Kanzlei Ormond an NSG-Prozessen beteiligt. Nach dem ersten Urteil im Krumey-Hunsche-Prozess erwirkte er durch die Aufdeckung eines Verfahrensfehlers die Aufhebung des als Skandal empfundenen Urteils. Raabe verließ die Kanzlei Ormond im Jahr 1970 und machte sich selbstständig. Er vertrat als einer der ersten Frankfurter Anwälte Studenten und Studentinnen, die im Zuge der Studentenunruhen angezeigt worden waren. Der Aufklärung der NS-Verbrechen blieb er verbunden. Christian Raabe stand der Arbeit des Fritz Bauer Instituts immer wohlwollend gegenüber, unterstützte sie und gab als Zeitzeuge zahlreiche Interviews.

Für seine langjähriges Wirken als Mitglied der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung und sein Engagement für die Opfer des Holocaust während des Auschwitz-Prozesses wurde Christian Raabe am 23. Dezember 2020 mit dem Hessischen Verdienstorden ausgezeichnet. Schon 1993 hatte die Stadt Frankfurt am Main Raabe in Anerkennung seiner zwanzigjährigen ehrenamtliche Tätigkeit die Römerplakette in Gold verliehen, seit 2001 trug er die Ehrenbezeichnung »Stadtältester«.

Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Donnerstag, 15. September 2022, 12:45 Uhr auf dem Frankfurter Hauptfriedhof, Eschersheimer Landstraße, statt.

Christian Raabe bei der Eröffnung der Ausstellung »Auschwitz-Prozess 4 Ks 2/63 Frankfurt am Main«, am 27. März 2004 im Kaisersaal des Frankfurter Römers. Foto: Normann Hochheimer/Fritz Bauer Institut


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