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Normalität der NS-Täter Titelbild

Rolf Pohl, Joachim Perels (Hrsg.)

Normalität der NS-Täter?

Eine kritische Auseinandersetzung

Die weitverbreitete Ansicht, für die Massenverbrechen des Nationalsozialismus seien ganz »normale Täter« verantwortlich gewesen, wird von den Autoren dieses Bandes aus verschiedenen analytischen Perspektiven überprüft. Auf der Grundlage einer oftmals verdrängten gesellschaftskritischen Forschung wird der Frage nachgegangen, welche irrationalen Momente und psychischen Antriebskräfte mobilisiert wurden, um die Nazi-Täter zu ihren Verbrechen zu konditionieren. Wie konnten die Opfer zu entmenschlichten Objekten gemacht werden, die jede Tötungshemmung außer Kraft setzte?

Psychischen Mechanismen von Allmachtspraktiken oder Schuldabwehr, die in mehreren Einzelbeiträgen beispielhaft behandelt werden, spielten hier eine wirkmächtige Rolle. Ebenso die NS-Ideologie, die auch nach 1945 fortlebte und die Verantwortung für Nazi-Verbrechen beiseite schob. Die vielfach verkannte Bedeutung der Zerstörung des Rechts der Millionen Getöteten, das im Hitler-Regime normativ weiter galt, wird detailliert herausgearbeit und die Kriminologie der NS-Täter ins Zentrum gerückt.

Die historisch, psychoanalytisch und rechtstheoretisch fundierten Beiträge widerlegen die These von der »Normalität« der NS-Täter, die mit der unverstellten Wahrnehmung des Systems der Zerstörung der zivilisatorischen Normen durch die Nazi-Verbrecher unvereinbar ist. Ein Wort von Adorno, man müsse über den Nationalsozialismus so schreiben, dass man sich vor den Opfern nicht zu schämen brauche, ist die Leitschnur des Bands.

Rolf Pohl
Kritik am Normalitätsbegriff der neueren Täterforschung

Joachim Perels
Der Begriff der Normalität und die Zerstörung des Rechts durch NS-Täter

Hans-Heinrich Nolte
Nazi-Mörder – »ganz normale Männer«?

Axel von der Ohe
Kriminologie der NS-Täter – die halbvergessenen Forschungen von Herbert Jäger

Nele Reuleaux
Die psychischen Antriebe von NS-Tätern. Zur Bedeutung des »malignen Narzissmus«

Angela Moré
Die psychologische Bedeutung der Schuldabwehr von NS-Tätern und ihre Botschaft an die nachfolgende Generation

Jan Lohl
Ganz normale Familien? Überlegungen zur Tradierung des Nationalsozialismus

Hellmuth Freyberger, Harald Freyberger
Das Beispiel Heinrich Himmler

Schriftenreihe des Fritz Bauer Instituts, Band 27
Offizin Verlag, 2011
148 Seiten
ISBN 978-3-930345-71-7
14,80 €