Publikationen
Henry Ormond – Anwalt der Opfer Titelbild

Katharina Rauschenberger, Werner Renz (Hrsg.)

Henry Ormond – Anwalt der Opfer

Plädoyers in NS-Prozessen

Im Prozess Norbert Wollheims gegen die I.G. Farbenindustrie AG i.L. wies er dem Unternehmen nach, im Werk I.G. Auschwitz Zwangsarbeit durch Auschwitz-Häftlinge organisiert zu haben. Durch den Musterprozess erzwang Ormond einen Vergleich mit der I.G. Farben, der vielen Zwangsarbeitern des konzerneigenen KZ Buna-Monowitz zu einer Entschädigungszahlung verhalf. Im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess vertrat Ormond 15 Nebenkläger und brachte durch die Ladung ausgewählter Zeugen, die die Massenverbrechen bekunden konnten, die »Stimme der Opfer zu Gehör«. Im Prozess gegen die Mitarbeiter von Adolf Eichmann in Budapest, Otto Hunsche und Hermann Krumey, führte er zentral die Rolle der Schreibtischtäter als Mitwirkende am Holocaust vor. Durch die Revision der Nebenklage wurde das skandalöse Urteil vom Februar 1965 durch den Bundesgerichtshof aufgehoben. In der Neuverhandlung 1968/1969 verhängte das Landgericht harte Strafen gegen die NS-Verbrecher.
Die Quellensammlung ist ein Lesebuch zur bundesdeutschen Rechtsgeschichte. Sie stellt einen jüdischen Rückkehrer vor, dessen Biographie einzigartig und gleichzeitig typisch für die deutsche Nachkriegsgeschichte ist.

Katharina Rauschenberger, Dr. phil.,
ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Programmkoordinatorin des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt, sowie Lehrbeauftragte am Historischen Seminar der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Werner Renz, M.A.,
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut, er leitet das Archiv und die Bibliothek des Instituts. Arbeitsschwerpunkte:
Geschichte der Frankfurter Auschwitz-Prozesse, Geschichte des Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, zahlreiche Veröffentlichungen dazu.

Gefördert vom Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute e.V. (AsKI)

Der Jurist Henry Ormond eröffnete 1950 in Frankfurt am Main eine Rechtsanwaltskanzlei und vertrat viele Überlebende des Holocaust in prominenten Prozessen. Seine Plädoyers sind historische Lehrstücke in beinahe literarischer Qualität.

Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts, Band 24
Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag, 2015
364 S., 27 Abb.
EAN 978-3-593-50282-3
34,90 €