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Fragen an die jüdische Geschichte Titelbild

Martin Liepach, Wolfgang Geiger

Fragen an die jüdische Geschichte.

Darstellungen und didaktische Herausforderungen

Jüdische Geschichte wird im Geschichtsunterricht vorrangig in Verbindung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust vermittelt. Die Materialien in den gegenwärtig verwendeten Schulbüchern werfen dazu zahlreiche Fragen auf. Aber nicht nur für diese Epoche gibt es Fragen an die jüdische Geschichte: Wie werden Antisemitismus und Verfolgungsgeschichte im Vergleich zur allgemeinen jüdischen Geschichte thematisiert und in welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Erscheinen Juden nur als Objekte und Opfer von Geschichte oder werden sie auch als Träger einer eigenen Kultur und Mitgestalter der Moderne vorgestellt? Erfolgt die Thematisierung auf der Grundlage einer Wissenschaftsorientierung, um gegen stereotype Bilder anzugehen, oder werden diese unkritisch zitiert und damit reaktiviert? Dies sind nur einige der Fragen, die in einem umfangreichen Forschungsprojekt untersucht wurden, das vom Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt in Kooperation mit dem Georg-Eckert-Institut für Internationale Schulbuchforschung seit 2009 durchgeführt wurde.
Schulbücher gelten trotz aller Modernisierungen im Medienbereich als das »Leitmedium« für den Geschichtsunterricht. Dementsprechend bedeutsam und prägend sind die Inhalte der Schulgeschichtsbücher und die damit transportierten Geschichts-bilder. Schulbücher sind Ausdruck gegen-wärtiger Geschichtskultur, da sie einen Spie-gel für gesellschaftlich relevant erachtetes Wissen darstellen.

Untersucht wurden 71 Schulbücher der jüngsten Generation für die Sekundarstufe I, die im Zeitraum von 2004 bis 2012 erschienen sind. Das Sample beinhaltet Bücher für Gymnasien sowie Haupt- und Realschulen im gleichen Maße. Bei der Auswahl wurden die Kriterien der Repräsentativität beachtet. Alle relevanten Schulbuchverlage wurden in die Untersuchung einbezogen. Ebenso wurde auf die Größe der Bundesländer geachtet. Die Studie ist die erste umfassende Analyse seit der Untersuchung von Wolfgang Marienfeld aus dem Jahr 2000.
Die Ergebnisse liegen nun in einem Buch vor, das die qualitativen Ergebnisse bündelt und in inhaltlich systematischer Form die Stärken und Schwächen bisheriger Behandlung jüdischer Geschichte in den Schulbüchern beschreibt. Auf der Grundlage einer umfangreichen und repräsentativen Schulbuchuntersuchung bietet es einen Gang durch die Epochen jüdischer Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart und enthält zahlreiche Hinweise auf didaktische Fallstricke und Herausforderungen.

Dr. Martin Liepach ist Mitarbeiter am Pädagogischen Zentrum Frankfurt.

Dr. Wolfgang Geiger ist freier Mitarbeiter am Pädagogischen Zentrum Frankfurt.

Schriftenreihe des Fritz Bauer Instituts, Band 33
Wochenschau-Verlag, 2014
192 Seiten
ISBN: 978-3-7344-0020-9
19,80 €