Das Institut

Donnerstag, 13. September 2018

Georg-August-Zinn-Preis 2018

Auszeichnung für Oberstaatsanwalt a.D. Gerhard Wiese und das Fritz Bauer Institut

Der Georg-August-Zinn-Preis der hessischen Sozialdemokratie zur Förderung von Rechtstaatlichkeit, Demokratie und sozialem Zusammenhalt in Hessen wurde in diesem Jahr an das Fritz Bauer Institut und den Anklagevertreter im Frankfurter Auschwitz-Prozess, Oberstaatsanwalt a.D. Gerhard Wiese verliehen. Die Preisverleihung fand am 13. September 2018 im Hessischen Landtag in Wiesbaden statt.

Mit dem Georg-August-Zinn-Preis erinnert die hessische Sozialdemokratie an einen großen Staatsmann, den Mitmenschlichkeit und Weitsicht, Leidenschaft und Verantwortungsgefühl gleichermaßen kennzeichnen. Er wird an Menschen verliehen, die sich in vorbildhafter Weise um Rechtstaatlichkeit, Demokratie und den sozialen Zusammenhalt verdient gemacht haben. Der Georg-August-Zinn-Preis wird in der Regel alle zwei Jahre verlieren und ist mit 5.000 Euro (in diesem Jahr mit zweimal 2.500 Euro) dotiert.

Unter den hessischen Ministerpräsidenten nimmt Georg August Zinn (geboren am 27. Mai 1901 in Frankfurt am Main, gestorben am 27. März 1976 ebenda) eine besondere Stellung ein. Seine 19jährige Amtszeit von 1950 bis 1969 ist bis heute unerreicht und er gilt aufgrund seines politischen Lebenswerkes als der bedeutendste hessische Ministerpräsident. Ziel seiner Politik war der soziale Rechtsstaat. Er kämpfte für ein angemessenes Gleichgewicht von Freiheit, sozialer Sicherheit und Gleichheit. Georg August Zinn wollte die Versöhnung von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Er förderte ihre gesellschaftliche Integration, Ausstattung mit gleichen Rechten und ihre Möglichkeiten zur Teilhabe am Wohlstand.

1956 berief Zinn den Sozialdemokraten Fritz Bauer als Hessischen Generalstaatsanwalt nach Frankfurt am Main und begründete damit eine neue Epoche der Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Zinn hatte ein enges Vertrauensverhältnis zu Bauer und gab ihm die notwendige politische Rückendeckung bei der in der Nachkriegszeit von vielen als unbequem und unerwünscht empfundenen juristischen Aufklärung der Gräuel des Nationalsozialismus.

Oberstaatsanwalt a.D. Gerhard Wiese war Vertreter der Anklage in Frankfurter Auschwitz-Prozess (1963–1965). Für sein berufliches Wirken im Justizdienst und sein ehrenamtliches Engagement in der Erinnerungskultur bekam Wiese 2017 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. 

Das Fritz Bauer Institut ist eine unabhängige, zeitgeschichtlich ausgerichtete und interdisziplinär orientierte Forschungs- und Bildungseinrichtung an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Es untersucht und dokumentiert die Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen – insbesondere des Holocaust – und deren Wirkung bis in die Gegenwart.

Programm

Begrüßung:
Nancy Faeser MdL, Generalsekretärin der SPD Hessen
»Georg-August Zinn – sein Wirken verpflichtet«

Würdigung der Preisträger:
Thorsten Schäfer-Gümbel MdL,Landes- und Fraktionsvorsitzender der SPD Hessen

Ansprachen der Preisträger:
Gerhard Wiese, Oberstaatsanwalt a. D.
Prof. Dr. Sybille Steinbacher, Direktorin des Fritz Bauer Instituts und Inhaberin des Lehrstuhls zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Schlusswort:
Günter Rudolph MdL, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD Fraktion im Hessischen Landtag

Musikalische Begleitung:
J Hatch Trio (J Hatch, Piano, Jörg Mühlhaus, Kontrabass; Michael Grossmann, Schlagzeug)

Die bisherigen Preisträger

  • 2016: Schauspielerin Iris Berben für ihr Wirken für sozialen Zusammenhalt und gegen Rassismus und Antisemitismus
  • 2014: Stefan Aust für sein Wirken als bedeutender deutscher Journalist und sein gemeinsam mit Dirk Laabs veröffentlichtes Werk Heimatschutz: »Der Staat und die Mordserie NSU«
  • 2012: Prof. Dr. Jürgen Habermas für sein Wirken als Philosoph und sein Werk »Zur Verfassung Europas«
  • 2010: Steffi Jones für besondere Dienste um Fairness und Integration im Sport und in der Gesellschaft
  • 2007: Dr. Axel Ulrich für sein Werk »Politischer Widerstand gegen das Dritte Reich im Rhein-Main-Gebiet«
  • 2005: Dr. Johanna Kübler für ihr Werk »Die Säulen der Europäischen Union: einheitliche Grundrechte? Zur Grundrechtsdivergenz zwischen der ersten und dritten Säule am Beispiel des Datenschutzes«
  • 2002: Dr. Matthias Meusch für sein Werk »Von der Diktatur zur Demokratie Fritz Bauer und die Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Hessen« (1956–1968) 

Abbildung, von links: Thorsten Schäfer-Gümbel, Gerhard Wiese, Sybille Steinbacher, Nancy Faeser, Ruth Wagner; Foto: Werner Lott

Kontakt

SPD-Landesverband Hessen
Rheinstr. 22
65185 Wiesbaden

+49 (0) 611 99 97 7-0
presse(at)spd-hessen.de 
www.spd-hessen.de/georg-august-zinn-preis 


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