Das Institut

Donnerstag, 10. März 2022

Wir trauern um Inge Deutschkron sel. A.

23. August 1922 – 9. März 2022

Inge Deutschkron wurde am 23. August 1922 im brandenburgischen Finsterwalde geboren, 1927 zog ihre Familien nach Berlin. Dort war sie den immer grausamer werdenden Verfolgungen der Nationalsozialisten ausgesetzt. Von 1941 bis 1943 arbeitete Inge Deutschkron in der Blindenwerkstatt von Otto Weidt in Berlin-Mitte. Ab Januar 1943 lebte sie mit ihrer Mutter in einem Versteck bei nichtjüdischen Freunden. 1946 zog Deutschkron nach London. Nach einem Studium in England arbeitete sie im Londoner Büro der Sozialistischen Internationale. 1955 kehrte sie nach Deutschland zurück. Zunächst war sie als freie Journalistin in Bonn tätig, 1958 wurde sie als Deutschland-Korrespondentin der israelischen Tageszeitung »Ma'ariv« akkreditiert. 1963 nahm sie für ihre Zeitung als Beobachterin am Frankfurter Auschwitz-Prozess teil. 1966 erhielt sie die israelische Staatsbürgerschaft. Ihren Zweitwohnsitz in Berlin behielt sie bei und arbeitete dort bis zu ihrer Pensionierung 1987 als Journalistin. Seit 2001 lebte sie ganz in Berlin.

Am 6. Oktober 2006 gründete Inge Deutschkron die nach ihr benannte Stiftung, die die Erinnerung an die Frauen und Männer im Widerstand gegen den Nationalsozialismus wachhalten und die Auseinandersetzung der Deutschen mit diesem Teil ihrer Geschichte fördern soll. Am 30. Januar 2013 hielt sie im Deutschen Bundestag die Rede anlässlich der Gedenkstunde zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Als Zeitzeugin führte sie Anfang 2014 durch das Doku-Drama »Ein blinder Held – Die Liebe des Otto Weidt«, das auch ihre Geschichte erzählt.

Inge Deutschkron wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Verdienstorden des Landes Berlin (2002) und der Carl-von-Ossietzky-Preises für Zeitgeschichte und Politik (2008). 2018 erhielt sie die Ehrenbürgerwürde Berlins. Das Bundesverdienstkreuz lehnte Deutschkron mehrfach ab, weil in den 1950er-Jahren viele Nazis damit ausgezeichnet worden seien.

Dem Fritz Bauer Institut war Inge Deutschkron über die Jahre verbunden. Im Rahmen des pädagogischen Begleitprogramms zu unserer Ausstellung »Auschwitz-Prozess 4 Ks 2/63 Frankfurt am Main« (28.03. – 23.5.2004, Frankfurt am Main) sprach sie mit Schulklassen über ihre persönlichen Erfahrungen im Nationalsozialismus und ihre Eindrücke, die sie als Berichterstatterin des Auschwitz-Prozesses gewonnen hatte.

Am 9. März 2022 ist Inge Deutschkron im Alter von 99 Jahren in Berlin gestorben.
Wir werden sie vermissen und ihr Andenken bewahren!

Publikationen (Auswahl):
Inge Deutschkron – »Zerrissenes Leben«

Rede im Deutschen Bundestag zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
30. Januar 2013 (YouTube-Video, 28:47 Min.)
Rede von Inge Deutschkron


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