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Dienstag, 29. Oktober 2019

Neues Sonderpostwertzeichen »Fritz Bauer«

Die Deutschen Post ehrt den Initiator der Frankfurter Auschwitz-Prozesse mit einer Briefmarke in der Serie »Aufrechte Demokraten«

Die Frankfurter Auschwitz-Prozesse sind einem Juristen zu verdanken, der von den Nationalsozialisten aus politisch und rassistischen Gründen in die Emigration getrieben wurde und nach 1945 nach Deutschland zurückkam: Dr. Fritz Bauer. Er initiierte maßgeblich die ab 1963 in der Bundesrepublik Deutschland geführten Gerichtsverfahren zur juristischen Aufarbeitung des Holocausts – vor allem der im Konzentrationslager Auschwitz begangenen Verbrechen. Fritz Bauer, Generalstaatsanwalt in Hessen von 1956 bis zu seinem Tod am 1. Juli 1968, leistete mit seinem unermüdlichen Wirken einen Beitrag zur politischen Aufklärung der Bevölkerung. Fritz Bauer, SPD-Mitglied und seinerzeit jüngster Amtsrichter in Deutschland, wurde nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 von der Gestapo verhaftet und im KZ Heuberg eingesperrt. 1936 flüchtete er nach Dänemark und 1943 nach Schweden, wo er mit Willy Brandt in Exilkreisen politisch aktiv wurde. 1949 übernahm er das Amt des Landgerichtsdirektors und Generalstaatsanwalts in Braunschweig. Überregionale Aufmerksamkeit erreichte Fritz Bauer Anfang der 1950er-Jahre beim sogenannten Remer-Prozess, bei dem die Hitler-Attentäter des 20. Juli 1944 rehabilitiert wurden. Im Gerichtsverfahren führte Fritz Bauer den Nachweis, dass das NS-Regime nicht hochverratsfähig gewesen sein konnte. In den ab 1963 durchgeführten Auschwitz-Prozessen, die ohne Bauers hartnäckigen Einsatz möglicherweise nicht geführt worden wären, waren Angehörige der SS-Wachmannschaften angeklagt. Vor Gericht ging es um Völker- und Massenmord, aber verhandelt wurde nur die individuelle Schuld einzelner Angeklagter. Doch die öffentliche Auseinandersetzung mit der industriellen Vernichtung der Juden nahm ihren Anfang. Außerhalb des Gerichtssaales hielt Fritz Bauer Vorträge vor jungen Menschen über die Wurzeln des Nationalsozialismus, den überlieferten Hass gegen die Juden, die Ausgrenzung sowie die bewusst geschürten Vorbehalte gegenüber liberalen Gedanken und sozialistischen Ideen.

»Ich bin 1949 aus der Emigration zurückgekehrt, um – im Rahmen des mir vielleicht Möglichen – etwas für den Menschen und die Menschen zu tun«. Der Jurist Fritz Bauer, der dies in einem privaten Brief Anfang der sechziger Jahre schrieb, meinte damit sein Mitwirken an der Demokratisierung der neu gegründeten Bundesrepublik. Nur durch die Konfrontation mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, so seine Überzeugung, konnten demokratisches Bewusstsein und eine demokratische Justiz im Land entstehen. Sowohl in Braunschweig als auch später in Frankfurt am Main ließ Bauer in seiner Funktion als Generalstaatsanwalt den ersten Artikel des Grundgesetzes an die Fassade der Justizgebäude anbringen: »Die Würde des Menschen ist unantastbar.« Im Gesetzestext heißt es weiter: »Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.« Bauer sah seine Aufgabe darin, die Bürger vor Übergriffen des Staates zu bewahren. Als Sozialdemokrat und Jude hatte er die Verfolgung im Nationalsozialismus selbst erfahren. Die Demokratisierung der westdeutschen Gesellschaft konnte nach seiner Auffassung nur gelingen, wenn sich der Einzelne aktiv für sie einsetzte. Als wesentlicher Initiator des großen Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965) ging Fritz Bauer in die Geschichte ein. Stets betonte er, dass er nicht die Vergangenheit, sondern vielmehr Gegenwart und Zukunft im Blick habe. Für Recht und Demokratie stritt Fritz Bauer unermüdlich.

Sonderpostwertzeichen »Fritz Bauer«

Ausgabetag: 2. November 2019
Gestaltung: Detlef Behr, Köln
Foto: stefan moses | © stefan moses archiv
Text: Nichts gehört der Vergangenheit an. Alles ist Gegenwart und kann wieder Zukunft werden. FRITZ BAUER 1903–1968. Streiter für die Demokratie.
Wert: 270 Cent, Größe: 44,20 x 26,20 mm

Weitere Informationen zum Sonderpostwertzeichen

Die Deutsche Post (pdf-Datei)
Das Bundesfinanzministerium

Bei der Erstellung des Sonderpostwertzeichens »Fritz Bauer« fungierte das Fritz Bauer Institut als fachlicher Ansprechpartner des Bundesministeriums der Finanzen.

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Tel.: 03018.682-0
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Deutsche Post AG
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Sonderpostwertzeichen »Fritz Bauer«

Sonderpostwertzeichen »Fritz Bauer« in der Serie »Aufrechte Demokraten«


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