Forschung und Lehre

Entgrenzung der Reichshauptstadt. Die Verlagerung von SS- und Gestapo-Dienststellen nach Brandenburg 1943–1945

Bearbeiter: Nils Weigt M.A.

Förderung: Promotionsstipendium der Hans-Böckler-Stiftung

Der verstärkte alliierte Luftkrieg gegen das Deutsche Reich verschärfte die Raumprobleme insbesondere des stetig wachsenden Reichssicherheitshauptamts (RSHA) sowie weiterer NS-Behörden in der Reichshauptstadt Berlin. Das RSHA war ab 1943 über zahlreiche Dienststellen in Berlin verteilt. Allein das Amt IV (Gestapo) verteilte sich auf acht Dienststellen in verschiedenen Berlinern Bezirken. Die Führung des RSHA reagierte mit verstärktem Luftschutz sowie mit Verlagerungen in weniger luftgefährdete Gebiete wie dem Gau Mark Brandenburg. Zum Um- und Neubau von Dienststellen beutete die SS KZ-Häftlinge sowie jüdische Zwangsarbeiter aus. Im März 1944 stellte die SS in diesem Zusammenhang im Ghetto Theresienstadt ein Arbeitskommando zusammen und verschleppte insgesamt 343 Juden und 34 Jüdinnen nach Wulkow. In diesem 60 Kilometer östlich von Berlin gelegenen Ort mussten sie unter anderem für das Amt IV des RSHA eine Ausweichdienststelle bauen.

Die Verlagerung von NS-Dienststellen aus der Reichshauptstadt in der letzten Kriegsphase stellt ein Forschungsdesiderat dar. Ziel des Promotionsvorhabens ist es unter anderem, eine multiperspektivische Geschichte der Ausweichstelle Wulkow und des daran angeschlossenen Häftlingskommandos zu schreiben. In den Blick genommen werden die Entscheidungsprozesse, die beteiligten Akteure sowie die nach Brandenburg verlagerten Arbeitsbereiche des RSHA und weiterer Dienststellen.