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Stephan Braese (Hrsg.)

Rechenschaften

Juristischer und literarischer Diskurs in der Auseinandersetzung mit den NS-Massenverbrechen

Tagungsband zum internationalen Symposium »Dichter und Richter«, 15. und 16. November 2002 in Frankfurt am Main. Eine Veröffentlichung der Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, mit Unterstützung des Fritz Bauer Instituts.

Vermochten deutschsprachige Schriftsteller auf die Erfahrung der NS-Prozesse literarisch zu antworten?

Als in den Nürnberger Prozessen und im Frankfurter Auschwitz-Prozeß das Ausmaß der nationalsozialistischen Massenverbrechen zutage trat, wurde offenkundig, daß der juristische Diskurs nur eingeschränkt in der Lage war, dem, was Deutsche in Europa angerichtet hatten, einen auch nur annähernd angemessenen Ausdruck zu verleihen. 1965 bekannte der Hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer: »Wir Juristen in Frankfurt haben erschreckt gerufen nach dem Dichter, der das ausspricht, was der Prozeß auszusprechen nicht imstande ist.« Tatsächlich hatten einige deutschsprachige Schriftsteller die Prozesse im Gerichtssaal mitverfolgt. Doch konnten sie der Erwartung, die Bauer formulierte, überhaupt entsprechen?

Inhalt

Stephan Braese: Juris-Diktionen. Eine Einführung
Robert André: Im Stillen. W. E. Süskind, der Nürnberger Prozess und die Sprache des »Unmenschen«
Cornelia Vismann: Sprachbrüche im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess
Henry A. Lea: Verfolger und Verfolgte: Wolfgang Hildesheimers Erfahrung der Nürnberger Prozesse
Hanno Loewy: Are we going to do this again? Nürnberg, Jerusalem, Frankfurt: Auschwitz im Courtroom Drama
Vivian Liska: Das Aktenkundige und die Dichtung. Zu Marie Luise Kaschnitz' »Zoon Politikon«
Marcel Atze: »Ich will nur dasitzen und zuhören, zusehen und beobachten.« Horst Krüger im Auschwitz-Prozess
Burkhardt Lindner: Protokoll, Memoria, Schattensprache. »Die Ermittlung« von Peter Weiss ist kein Dokumentartheater
Rainer Stollmann: Wovon man nicht reden kann, das ist gemeinsame Sache aller Teilsprachen. KZ, Krieg, politisches Verbrechen im Werk Alexander Kluges
Klaus Lüdersen: Die Wahrheit des »Vorlesers«
William Collins Donahue: Der Holocaust als Anlass zur Selbstbemitleidung. Geschichtsschüchternheit in Bernhard Schlinks »Der Vorleser«

Stephan Braese

geb. 1961, ist Professor für Europäisch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte an der RWTH Aachen. 2002 war er Gastprofessor für interdisziplinäre Holocaustforschung an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main, danach Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Vertretungsprofessor für deutschsprachige Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts an der Universität Bremen.

Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung, Band 1,
Göttingen: Wallstein Verlag
200 S., brosch., 14 x 22,2
ISBN 3-89244-756-X
24,00 €