Forschung und Lehre

Als der Holocaust nach Bayern kam. Jüdische Häftlinge im Lagerkomplex Dachau (1944–1945)

Bearbeiter: Johannes Meerwald M.A.

Förderung: Stiftung Ökohaus Promotionsstipendium

Die SS verschleppte im letzten Kriegsjahr rund 45.000 Jüdinnen und Juden aus dem Osten des deutschen Machtbereiches in den KZ-Komplex Dachau. Die Häftlinge kamen aus beinahe sämtlichen Staaten des okkupierten Europas, waren jedoch hauptsächlich ungarischer, polnischer oder litauischer Herkunft. Die genauen Opferzahlen sind ungeklärt, doch mindestens 10.500 von ihnen starben oder wurden bewusst von der SS und ihren Kollaborateuren ermordet. Damit stellen die Jüdinnen und Juden eine der größten Häftlings- wie Opfergruppen des Dachauer Lagersystems.

Weder in der Forschung noch in der Erinnerungskultur sind das KZ Dachau und seine Außenlager als Tatorte des Holocaust bislang präsent. Ziel dieses Forschungsprojekts ist es, die Alleinstellungsmerkmale der späten Phase des Holocaust am Beispiel des Lagerkomplexes Dachau herauszuarbeiten. Die Arbeit beleuchtet die politischen Entscheidungsprozesse hinter den Deportationen in das Reich, stellt die Vielzahl der beteiligten staatlichen Akteure heraus und zeigt auf der Mikroebene des KZ-Komplexes Dachau die Transformation des Lagersystems in dieser Phase des Holocaust. Die Ausbeutung und Vernichtung der Jüdinnen und Juden hatte sich im letzten Kriegsjahr an die »Heimatfront« verlagert. Die Arbeit analysiert daher auch das Beziehungsgeflecht zwischen den Lagern, den Häftlingen sowie ihrer Umwelt und fragt nach dem (Des-)Interesse der Deutschen an den Massenverbrechen, die sich nicht selten vor ihren Augen zutrugen.