Fritz Bauer Institut

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Veranstaltungen Januar 2017

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Vortrag von Prof. Dr. Manfred Görtemaker, Potsdam:
Die Akte Rosenburg –
Das Bundesministerium der Justiz und die NS-Vergangenheit

Montag, 16. Januar 2017, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend,
Norbert-Wollheim-Platz 1, IG Farben-Haus, Raum 411
Als das Bundesministerium der Justiz 1949 seine Arbeit aufnahm, kam es zu ganz erheblichen personellen und politischen Verflechtungen mit dem »Dritten Reich«. Dass Juristen, die eine stark belastete NS-Vergangenheit hatten, in der Behörde Dienst taten, wurde nicht als problematisch empfunden. Das grundlegende Werk Die Akte Rosenburg zeigt, wer alles im Ministerium unterkam und welchen Einfluss das auf die Rechtspraxis hatte – nicht zuletzt bei der Strafverfolgung von NS-Tätern.
Die »Rosenburg« in Bonn war von der Gründung der Bundesrepublik bis 1973 der Sitz des Bundesministeriums der Justiz. 2012 setzte das Ministerium eine Unabhängige Wissenschaftliche Kommission ein, die den Umgang der Behörde mit der NS-Vergangenheit in den Anfangsjahren der Bundesrepublik erforschen sollte. Zu diesem Zweck erhielt die Kommission uneingeschränkten Aktenzugang. Dieses Buch präsentiert ihre Ergebnisse. Zum »Geist der Rosenburg«, so zeigt die Studie, trugen maßgeblich Beamte und Mitarbeiter bei, die zuvor im Reichsjustizministerium, bei Sondergerichten und als Wehrrichter tätig gewesen waren. Ihre Karrieren vor und nach 1945 zeichnet die Kommission ebenso nach wie die Belastungen, die dies für das Ministerium und den Inhalt seiner Politik darstellte. So wird unter anderem gezeigt, welche zentrale Rolle das Ministerium spielte, als 1968 Zehntausende von Strafverfahren gegen NS-Täter eingestellt wurden.

Prof. Dr. Manfred Görtemaker
ist Professor für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam. Seit 2012 leitete er gemeinsam mit Prof. Dr. Christoph Safferling die Unabhängige Wissenschaftliche Kommission beim Bundesministerium der Justiz zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit. Zuvor war er u.a. Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Memorium Nürnberger Prozesse.

Eine Kooperation mit dem Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.


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Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069.798 322-40
Fax: 069.798 322-41
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Lesung und Gespräch mit Robert Domes, Irsee:
Nebel im August – ein Roman über Euthanasie

Freitag, 20. Januar 2017, 15:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend,
Norbert-Wollheim-Platz 1, IG Farben-Haus, Raum 311
Deutschland 1933: Ernst Lossa stammt aus einer Familie von Jenischen, »Zigeunern«, wie man damals sagte. Er gilt als schwieriges Kind, wird von Heim zu Heim geschoben, bis er schließlich in die psychiatrische Anstalt in Kaufbeuren eingewiesen wird. Hier nimmt sein Leben die letzte, schreckliche Wendung: In der Nacht zum 9. August 1944 bekommt er die Todesspritze verabreicht. Ernst Lossa wird – obgleich geistig völlig gesund – mit dem Stempel »asozialer Psychopath« als »unwertes Leben« aus dem Weg geräumt.
Der Journalist Robert Domes erzählt aus der Perspektive des Jungen mit beeindruckender Intensität. Er macht die Denkstrukturen des nationalsozialistischen Regimes sichtbar und berichtet von der damit einhergehenden Ideologie der Euthanasie.
In der Veranstaltung werden Möglichkeiten und Chancen des Einsatzes von Roman und Film in der Schule erwogen. Die Veranstaltung ist als Lehrerfortbildung akkreditiert.

Robert Domes ist Journalist, Berater in der Journalistenausbildung und Autor. Nebel im August. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa ist sein erster Roman und erschien 2008 im cbt Verlag. Die gleichnamige Verfilmung von Kai Wessel wurde 2016 mit dem Bayerischen Filmpreis und dem Friedenspreis des Deutschen Films ausgezeichnet.

Eine Kooperation des Pädagogischen Zentrums Frankfurt mit der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung e.V. und der Professur für Didaktik der Sozialwissenschaften

Robert Domes
Nebel im August. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa
München: cbt Verlag, 2008, 352 S., € 7,95
ISBN: 978-3-570-30475-4

Website des gleichnamigen Films von Kai Wessel:
www.nebelimaugust.de

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Öffentliche Führung:
Norbert Wollheim Memorial

Samstag, 21. Januar 2017, 15:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Norbert-Wollheim-Platz 1, Treffpunkt am Norbert Wollheim-Pavillon
Zugang zum Pavillon über die Fürstenberger Straße und den Fritz-Neumark-Weg (Universitätsparkplatz hinter der Schranke)
Guide: Patrick Schwentke

Das pädagogische Angebot greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.

Website mit umfangreichem Informationsmaterial und 24 Video-Interviews mit Überlebenden des KZ Buna/Monowitz:
www.wollheim-memorial.de

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Dr. Serhat Karakayali, Berlin:
Vom Rand in die Mitte.
Entwicklungen und Herausforderungen der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit

Montag, 23. Januar 2017, 17:15 Uhr
Die Veranstaltung muss leider verschoben werden.
Sie wird am Montag, 27. Februar 2017 nachgeholt.
Vortragsreihe »Grenzen, Flucht, Menschenrecht – Historische, psychoanalytische und sozialtheoretische Aspekte der Flüchtlingsdiskussion«

Die in die Europäische Union flüchtenden Menschen aus Syrien, Afghanistan und anderen Regionen stellen die einzelnen Länder vor eine schwierige Situation. Wie soll das politische Handeln aussehen, wenn es einerseits um die Sicherung der Grundrechte, andererseits um die Zunahme von Ängsten und politische Verschiebungen geht? Aus historischer, psychoanalytischer und politikwissenschaftlicher Perspektive soll die aktuelle Debatte um das Asyl für Flüchtlinge diskutiert werden.

Alle Vorträge der Reihe:
›  14. März 2016, Vortrag von Prof. Dr. Sonja Buckel, Kassel:
Krise des europäischen Grenzregimes
›  10. Mai 2016, PD Dr. Susanne Heim, Berlin:
Die Judenverfolgung in Deutschland 1938 und die internationale Flüchtlingskonferenz von Evian
›  21. Juni 2016, Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Frankfurt am Main:
Psychoanalytische Überlegungen zum Projekt Step-by-Step in der Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Darmstadt
›  21. November 2016, Prof. Dr. Claus Leggewie, Essen:
Anti-Europäer – Breivik, Dugin, al-Suri & Co.
›  12. Dezember 2016, Dr. Gilad Ben-Nun, Leipzig:
The UN 1951 Refugee Convention. Between Nation-State Sovereignty and the Non-Refoulement Principle
›  27. Februar 2017, Dr. Serhat Karakayali, Berlin:
Vom Rand in die Mitte. Entwicklungen und Herausforderungen der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit


Der Vortrag stellt Untersuchungen unter zwei Gruppen von Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe vor. Individuell agierende Freiwillige und Vertreter von Hilfsorganisationen wurden über ihre alltägliche Praxis online befragt. Erste Ergebnisse zeigen beispielsweise, wie der Anteil von Frauen in diesem Feld ist und wie die Zunahme von Hilfsangeboten in ländlichen Gebieten einzuschätzen ist. Die Studie liefert Erkenntnisse über den permanenten Wandel in den Bedingungen des Untersuchungsfeldes. Eine der zentralen Fragen der Untersuchung ist, ob sich die Freiwilligen als politische Akteure sehen? Ergänzt diese Arbeit das Handeln von Behörden oder widerspricht sie ihm?

Serhat Karakayali ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Abteilung »Wissenschaftliche Grundfragen« und Post-Doc am Lehrbereich Diversity and Social Conflict der Humboldt Universität Berlin. Er leitet verschiedene Forschungsprojekte, u.a. zum Thema ehrenamtliche Arbeit mit Flüchtlingen, zur Integration von Flüchtlingen in der EU und zum Engagement von Gewerkschaftsmitgliedern mit Migrationshintergrund. Er arbeitet zur Zeit an dem E-Book Project: Witnessing the Transition. Refugees, Asylum-Seekers and Migrants in Transnational Perspective. Seine Dissertation Gespenster der Migration: zur Genealogie illegaler Migration in der Bundesrepublik Deutschland erschien 2008 im Transkript Verlag.

Eine Kooperation des Fritz Bauer Instituts mit dem Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität Frankfurt und dem Sigmund-Freud-Institut – Forschungsinstitut für Psychoanalyse und ihre Anwendungen, Frankfurt am Main und dem Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.

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Vortrag von apl. Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer, Frankfurt am Main:
Die ideologische Ausrichtung der Lehrkräfte 1933–1945. Herrenmenschentum, Rassismus und Judenfeindschaft des Nationalsozialistischen Lehrerbundes

Mittwoch, 25. Januar 2017, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend,
Norbert-Wollheim-Platz 1, IG Farben-Haus, Raum 311
Im Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) waren 97 Prozent der Pädagoginnen und Pädagogen organisiert. Ein Drittel davon waren NSDAP-Mitglieder. Dennoch hält sich die Verharmlosung des NSLB auch in der Erziehungswissenschaft immer noch hartnäckig. Die vorliegende Studie weist anhand der Analyse des Zentralorgans des Lehrerbundes nach, dass der NSLB keine harmlose Berufsorganisation war, sondern seit 1933 einen festen Bestandteil des verbrecherischen NS-Systems bildete, das dessen Hetze, Rassismus und Judenfeindschaft zur Vorbereitung und als Begleitung der realen Mordprogramme durchaus benötigte.

Benjamin Ortmeyer ist apl. Professor am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Goethe-Universität. Er leitet die gemeinsam mit Prof. Dr. Micha Brumlik gegründete Forschungsstelle NS-Pädagogik. In seiner Forschung hat er sich intensiv mit der Analyse erziehungswissenschaftlicher Zeitschriften zwischen 1933 und 1945 befasst. 2016 erschien von ihm die dreiteilige Reihe NS-Ideologie im Wissenschaftsjargon im Protagoras Academicus Verlag in Frankfurt am Main.
https://forschungsstelle.wordpress.com

Saskia Müller, Benjamin Ortmeyer:
Die ideologische Ausrichtung der Lehrkräfte 1933–1945.
Herrenmenschentum, Rassismus und Judenfeindschaft des Nationalsozialistischen Lehrerbundes. Eine dokumentarische Analyse des Zentralorgans des NSLB
Weinheim: Beltz Juventa, 2016, 206 S., € 19,95
ISBN:978-3-7799-3414-1

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Vortrag von Prof. Dr. Susanna Schrafstetter, Burlington:
Stille Helden und heimliche Profiteure. Erfahrungen von untergetauchten Juden mit ihren Helfern 1941–1945

Freitag, 27. Januar 2017, 12:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend,
Theodor-W.-Adorno-Platz 1, Lobby des PA-Gebäudes
(Präsidium und Administration, Erdgeschoss)
Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Rahmenprogramm an der Goethe-Universität Frankfurt, 20. bis 27. Januar 2017
Das komplette Programm, gemeinsam veranstaltet vom Fritz Bauer Institut, dem Forschungszentrum Historische Geisteswissenschaften, dem Pädagogischen Zentrum Frankfurt, dem ASTA der Goethe-Universität und dem Präsidium der Goethe-Universität Frankfurt am Main finden Sie hier:
www.fritz-bauer-institut.de/fileadmin/downloads/2017-01-27_Gedenktag.pdf

Zwischen 1941 und 1945 flüchteten etwa 10.000 bis 15.000 Juden in Deutschland vor den Deportationen und tauchten unter. Sie waren dabei auf die Unterstützung von nichtjüdischen Verwandten, Freunden, Bekannten oder fremden Menschen angewiesen. Erst in den letzten Jahren erfuhren die heute häufig als »stille Helden« bezeichneten Helfer Anerkennung. Vergleichsweise wenig beachtet blieben ihre Motive. Nicht selten wurden flüchtende Juden Opfer von Dieben, Schwindlern und Erpressern, die sie oft sogar denunzierten.
Der Vortrag analysiert die gesamte Bandbreite dieser Begegnungen: von uneigennütziger Hilfe über die häufig komplexen und schwierigen Beziehungen zwischen versteckt lebenden Personen und ihren Helfern bis hin zu jenen Menschen, die sich gezielt an flüchtigen Juden bereicherten. Auch der Umgang mit der Erinnerung an die »stillen Helden« wird thematisiert.

Prof. Dr. Susanna Schrafstetter
ist Associate Professor of History und Mitarbeiterin am Center for Holocaust Studies der Universität von Vermont, USA. Im Jahre 2017 ist sie Senior Research Fellow am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte (IEG) in Mainz.

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Letzte Änderung: 21. Juni 2011

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