Fritz Bauer Institut

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Veranstaltungen Februar 2018

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Vorlesung von apl. Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer:
Auschwitz ist kein Spezialthema

Donnerstag, 01. Februar 2018, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend,
Norbert-Wollheim-Platz 1, Casino-Gebäude, Raum 1.801
Rahmenprogramm: Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus

Warum ist die Beschäftigung mit der »Erziehung hin zu Auschwitz« und mit einer »Erziehung nach Auschwitz« keinesfalls ein »Spezialthema«? Wie können durchaus ganz konkret die NS-Verbrechen, die NS-Ideologie, die NS-Pädagogik und der Umgang mit dem NS nach 1945 als grundlegende Vorbereitung auf den Lehrberuf im Rahmen der universitären Lehre vermittelt werden? Antworten versucht diese Vorlesung zu geben sowie einem kompakten Überblick über die zweisemestrige Vorlesungsreihe: »Beschäftigung mit der NS-Zeit als Vorbereitung auf den Lehrberuf« zu den Themen »NS-Verbrechen und Widerstand«, »NS-Ideologie und Judenfeindschaft im Alltag«, »NS-Pädagogik und demokratisch-emanzipatorische Pädagogik«, »Pädagogik nach der NS-Zeit und heute«.

Die Veranstaltung ist gewidmet Trude Simonsohn und Siegmund Freund sowie dem Gedenken an Irmgard Heydorn, Valentin Senger, Dr. Karl Brozik und Herbert Rickie Adler.

Forschungsstelle NS-Pädagogik

Die Forschungsstelle NS-Pädagogik wurde im Januar 2012 am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt am Main unter der Leitung von Prof. Dr. Micha Brumlik und apl. Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer sowie in Kooperation mit dem Fritz Bauer Institut gegründet. Dies ist die letzte Vorlesung von apl. Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer vor seinem Eintritt in den Ruhestand.

Eine Veranstaltung der Forschungsstelle NS-Pädagogik und dem AStA der Goethe-Universität Frankfurt.

Kontakt
apl. Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer
Forschungsstelle NS-Pädagogik
Goethe-Universität Frankfurt – Campus Bockenheim
Juridicum, Raum 511, 5. Stock
Senckenberganlage 31-33
60325 Frankfurt am Main
Tel.: 069.798-22091
BOrtmeyer(at)t-online.de
https://forschungsstelle.wordpress.com

Workshop:
»Arisierung« von Wohneigentum durch die Stadt Frankfurt am Main zwischen 1933 und 1945

Montag, 05. Februar 2018, 11:00 Uhr
Veranstaltungsschluss gegen 15:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend,
Max-Horkheimer-Str. 4, Seminarhaus, Raum 5.104
Veranstalter: Fritz Bauer Institut und Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.

Im Jahr 1947 erstellte die Stadt Frankfurt am Main eine Übersicht über das von ihr in der Zeit des Nationalsozialismus »arisierte« Wohneigentum. Erarbeitet wurde sie von Adolf Miersch, der bereits in der Weimarer Zeit Dienststellenleiter der Abteilung Wohnungsbauförderung und Obermagistratsrat im Liegenschaftsamt war und diese Funktion auch im »Dritten Reich« behielt. Im September 1945 wurde Miersch, der sich am Aufkauf von Wohnungen aus jüdischem Besitz selbst beteiligt hatte, zum hauptamtlichen Beigeordneten (Stadtrat) ernannt und war seitdem Dezernent für das Tiefbauamt, ab 1954 auch für das Hochbauamt.

Auf der »Miersch-Liste«, die zu Zwecken der Restitution gedacht war, sind ca. 170 Liegenschaften genannt, die von der Stadt im Rahmen der »Arisierung« übernommen wurden, also der ideologisch motivierten und rigoros umgesetzten systematischen Enteignung und Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung. Die Liste ist Ausgangspunkt eines vom Fritz Bauer Institut und vom Förderverein Fritz Bauer Institut e.V. veranstalteten Workshops zur Erforschung der »Arisierung« von Wohneigentum in Frankfurt am Main im Nationalsozialismus. Was lässt sich über Zuständigkeiten und Abläufe im städtischen Vorgehen sagen, welche Akteure der Stadtverwaltung standen im Vordergrund, in welchem Umfang wurde »arisiert« und worin lagen gegebenenfalls Besonderheiten, die Frankfurt von anderen Städten unterscheiden? Untersucht wurde der Immobilienraub jüngst von Dieter Wesp, der der Geschichte der Villa Kennedy nachging, einem um die Wende zum 20. Jahrhundert erbauten Wohnhaus einer jüdischen Bankiersfamilie, das die Stadt in der NS-Zeit in ihren Besitz brachte, im Jahr 2000 für eine zweistellige Millionensumme verkaufte und das heute ein Luxus-Hotel ist.

Am Workshop nehmen ausgewiesene Expertinnen und Experten der NS-Geschichte teil, die sich zu einer Reihe von Großstädten mit dem Thema »Arisierung« intensiv beschäftigt haben und mit Publikationen dazu hervorgetreten sind: Prof. Dr. Christiane Kuller (Universität Erfurt) hat zu München gearbeitet, Prof. Dr. Frank Bajohr (Zentrum für Holocaust-Studien am Institut für Zeitgeschichte, München/Berlin) zu Hamburg, Beate Schreiber (Berlin) zu Berlin und Dr. Christiane Fritsche (Wetzlar) zu Mannheim. Dieter Wesp, der in Frankfurt auf die »Miersch-Liste« gestoßen ist, nimmt ebenfalls teil, eingeladen ist auch Doris Eizenhöfer (Hanau), die an einer Dissertation zum Immobilienraub in Frankfurt am Main arbeitet. Auch das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt ist angefragt. Ziel des Workshops ist es, anhand der verschiedenen kommunalen Beispiele, zu denen Impulsvorträge gehalten werden, den Forschungsstand zu diskutieren und zu überlegen, wie in Bezug auf Frankfurt die Quellensituation einzuschätzen ist und welche weiterführenden, neuen Fragestellungen sich gegebenenfalls entwickeln lassen. Der Workshop endet mit einer öffentlichen Diskussion, in der die Ergebnisse vorgestellt werden und die Gelegenheit bietet, darüber nachzudenken, wie die Stadt Frankfurt heute mit ihrer Rolle als Akteur und Profiteur der »Arisierung« umgehen sollte.

Workshop-Programm
11:00–11:15 Uhr
Begrüßung: Jutta Ebeling (Förderverein), Prof. Dr. Sybille Steinbacher (Fritz Bauer Institut)
11:15–11:35 Uhr
Prof. Dr. Christiane Kuller (Erfurt): Das Beispiel München
11.35–11:55 Uhr
Prof. Dr. Frank Bajohr (München): Das Beispiel Hamburg
11:55–12:15 Uhr
Beate Schreiber (Berlin): Das Beispiel Berlin
12:15–12:35 Uhr
Dr. Christiane Fritsche (Wetzlar): Das Beispiel Mannheim
12:35–12:55 Uhr
Dieter Wesp (Frankfurt am Main): Das Beispiel Frankfurt am Main
13:00–13:30 Uhr
Weitere Aspekte und Diskussion der Ergebnisse
13:30–14:00 Uhr
Pause
14:00–15:00 Uhr
Öffentliche Podiumsdiskussion

Teilnahme am Workshop nur nach bestätigter Anmeldung per E-Mail.
Für die öffentliche Diskussion (ab 14:00 Uhr) ist keine Anmeldung erforderlich.

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An-Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069.798 322-40
sekretariat.steinbacher(at)fritz-bauer-institut.de

Vortrag von Rüdiger Mahlo, Frankfurt am Main:
Less than Slaves. Entschädigung ehemaliger Sklaven- und Zwangsarbeiter durch die deutsche Industrie

Mittwoch, 07. Februar 2018, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend,
Norbert-Wollheim-Platz 1, Casino-Gebäude, Raum 1.812
1953 errang der Auschwitz-Überlebende Norbert Wollheim vor dem Frankfurter Landgericht einen Anspruch auf Entschädigung für seine im Buna-Werk der IG Farben in Auschwitz-Monowitz geleistete Zwangsarbeit. Auf der Grundlage des Urteils verhandelte die Jewish Claims Conference in den späten 1950er und in den 1960er Jahren Vereinbarungen mit deutschen Industrieunternehmen über Entschädigungszahlungen an ehemalige Sklavenarbeiter, unter anderem mit der IG Farben, mit Siemens, Krupp und der AEG. Unter aktiver Mitwirkung von Norbert Wollheim und des Frankfurters Siegmund Freund wurden Entschädigungszahlungen an mehrere Zehntausend jüdische Überlebende verteilt. Sie ebneten den Weg für die Errichtung der Bundestiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« im Jahr 2000, die mehr als 1,6 Millionen Zwangsarbeiter entschädigte.

Rüdiger Mahlo ist Repräsentant der Conference on Jewish Material Claims Against Germany in Frankfurt am Main.

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Öffentliche Führung:
Norbert Wollheim Memorial und IG Farben-Haus

Samstag, 17. Februar 2018, 15:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Campus Westend, Norbert-Wollheim-Platz
Treffpunkt am Norbert Wollheim-Pavillon
Zugang zum Pavillon über die Fürstenberger Straße und den Fritz-Neumark-Weg (Universitätsparkplatz hinter der Schranke)
Die Führung findet jeden 3. Samstag im Monat statt.
Sie ist kostenfrei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Guide: Patrick Schwentke

Das Norbert Wollheim Memorial ist ein Ort des Gedenkens und der Information über die Zwangsarbeiter der IG Farben im Konzentrationslager Buna/Monowitz. Das Memorial befindet sich auf der Grünfläche vor dem IG Farben-Haus – der ehemaligen Konzernzentrale der I.G. Farben Industrie AG – auf dem Campus Westend der Goethe-Universität.
Die Führung greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.

Website mit umfangreichem Informationsmaterial und 24 Video-Interviews mit Überlebenden des KZ Buna/Monowitz:
www.wollheim-memorial.de

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Vortrag von Prof. Dr. Michael Wildt, Berlin:
Wir sind das Volk. Die Anderen nicht.
Über die Ambivalenzen und Abgründe des politischen Konzepts des Volkes

Mittwoch, 28. Februar 2018, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend,
Norbert-Wollheim-Platz 1, IG Farben-Haus, Raum 311
»Wir sind das Volk!« Das ist ein mächtiger und anspruchsvoller Satz, vor allem in einer Demokratie, in der das Volk herrscht. »Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus« heißt es im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Doch: Wer ist das Volk? Die wahlberechtigten Staatsbürgerinnen und Staatsbürger? Die Demonstranten gegen die Diktatur in Leipzig im Oktober 1989? Die orangefarbenen Massen auf dem Maidan in Kiew, die 2013/14 erfolgreich die Neuwahl des Präsidenten erzwangen? In der langen Geschichte des Volkes wurde stets darum gestritten, wer zu ihm gehörte und wer nicht. Was geschieht aber, wie Sebastian Haffner1933 fragte, wenn das Volk die Demokratie nicht mehr will? Der Vortrag lotet die Ambivalenzen und Abgründe des politischen Konzepts des Volkes aus sowie die rassistisch-antisemitische Radikalisierung in der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft. Auf dieser Grundlage hinterfragt er die populistischen Äußerungen der AfD, die sich lauthals auf das Volk beruft. Die kulturell definierte Ausgrenzung von Minderheiten bei der AfD birgt die Gefahr radikaler Exklusion aus dem »Volk«. Doch auch das Beharren darauf, dass das Volk demos und nicht ethnos sei, gelangt über die tückische Imagination eines einheitlichen Volkes nicht hinaus. Wäre es nicht stattdessen vielmehr an der Zeit, Hannah Arendts Gedanken aufzugreifen und nicht das Volk, sondern den Menschen und sein Recht, Rechte zu haben, in den Mittelpunkt unseres demokratischen Denkens zu stellen?

Michael Wildt ist Professor für Deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert mit einem Schwerpunkt in der Zeit des Nationalsozialismus am Institut für Geschichtswissenschaften der Humboldt-Universität zu Berlin.

Eine Kooperation des Fritz Bauer Instituts
mit dem Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.


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Letzte Änderung: 21. Juni 2011

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