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Ronny Loewy, Katharina Rauschenberger (Hrsg.):
»Der Letzte der Ungerechten«
Der »Judenälteste« Benjamin Murmelstein
in Filmen 1942–1975
Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York, 2011
208 S., 30 Abb., € 24,90, EAN 9783593394916
Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts, Band 19
Claude Lanzmann zeichnete für sein epochales Werk »Shoah« ein langes Gespräch mit dem Wiener Rabbiner Benjamin Murmelstein (1905–1989) auf, das er jedoch nicht in den Film aufnahm. Im Zentrum stand Murmelsteins ambivalente Rolle als hochrangiger Funktionär der von Adolf Eichmann kontrollierten Israelitischen Kultusgemeinde Wien in der NS-Zeit und als »Judenältester« des Ghettos Theresienstadt. Anhand von Lanzmanns Filmmaterial, zwei NS-Filmen von 1942/1944 sowie einem tschechischen Spielfilm von 1962 über Theresienstadt beleuchtet der Band die Darstellung und das Selbstbild Murmelsteins.
Darüber hinaus kommt Benjamin Murmelstein selbst zu Wort: In einem Auszug aus dem Lanzmann-Interview und einer Stellungnahme beschreibt er seine eigene Perspektive.
Ronny Loewy (1946–2012) war Mitarbeiter am Deutschen Filminstitut, Frankfurt am Main. Er war Initiator und Leiter des Projekts »Cinematographie des Holocaust« am Fritz Bauer Institut.
Dr. Katharina Rauschenberger ist Programmkoordinatorin des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main.
Buchvorstellung mit Hörbeispielen,
mit Prof. Dr. Werner Sollors, Dr. Julia Faisst und Dr. Andreas Barth:
»Die Toten habe ich nicht befragt …«
Interviews mit Displaced Persons zum Holocaust
Montag, 27. Mai 2013, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, Casino Gebäude am IG Farben-Haus, Raum 1.801
Eine Kooperation mit dem Institut für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Schon 1946 nahm der in Litauen geborene Sprachpsychologe David P. Boder in ganz Europa mit einem hochmodernen Drahttongerät über 100 Gespräche mit Überlebenden in den Lagern der Displaced Persons auf. Viele, jedoch nicht alle Interviewpartner waren Juden. Sie erzählten von ihren Erlebnissen während der deutschen Besatzungszeit, von der Einrichtung der Ghettos, von Zwangsarbeit und vom Leben in den Konzentrationslagern.
Die Interviews wurden in verschiedenen Sprachen geführt. Acht davon sind nun in einem Band auf Deutsch erschienen. Sie stellen die frühesten Zeugenaussagen der Nachkriegszeit zum Holocaust und zur deutschen Vernichtungspolitik dar.
Werner Sollors ist Henry B. and Anne M. Cabot Professor für Englische Literatur und Professor für Afrikanische und Afrikanisch-Amerikanische Studien an der Harvard University, Cambridge/MA.
Dr. Julia Faisst ist akademische Rätin am Lehrstuhl für Amerikanistik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.
Dr. Andreas Barth ist Geschäftsführender Gesellschafter und Verlagsleiter beim Universitätsverlag Winter in Heidelberg.
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info(at)fritz-bauer-institut.de
Buchvorstellung mit Prof. Dr. Yehuda Bauer, Jerusalem:
Der Tod des Schtetls
Donnerstag, 06. Juni 2013, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, IG Farben-Haus, Raum 311
Yehuda Bauer, Der Tod des SchtetlsAus dem Englischen von Klaus Binder. 364 S., € 24,95Berlin: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, 2013Das Schtetl war »eine kleine Civitas Dei«, wie Manès Sperber schrieb, ein untergegangenes Paradies, ein ausgelöschter Sehnsuchtsort. In den »Städtlein« Galiziens, Weißrusslands und der Ukraine lebten die Juden wie aus der Zeit gefallen: in bitterster Armut, größter Religiosität und in der Tradition der Vorfahren, aber ohne den Druck zur Assimilation wie im übrigen Europa. Pogrome bedrohten das Schtetl schon im 19. Jahrhundert, doch erst die Nazis vernichteten im Zweiten Weltkrieg die Schtetl und ihre Einwohner.Yehuda Bauer, der große Erforscher der Shoah, erzählt ohne Verklärung von den Lebensumständen im Schtetl, von den sozialen Widersprüchen, den Schicksalen Einzelner. Anhand einer Reihe von Orten zeigt er die Umstände der Auslöschung nach dem Einmarsch der Deutschen auf. Er beschreibt die verzweifelten Rettungsversuche, die Flucht in die Wälder und den jüdischen Widerstand.
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Vortrag von Dr. Thomas Henne, Frankfurt am Main:
Ehe und Homosexualität im bundesdeutschen Rechtssystem der 1950er Jahre: Normen, Werte, Grundgesetz – und ein Film
Montag, 10. Juni 2013, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt – Campus Westend,
Grüneburgplatz 1, Casino-Gebäude am IG Farben-Haus, Raum 1.801
Veranstaltung im Rahmen der Vortragsreihe
»Recht und Moral im Nationalsozialismus und in der Nachkriegszeit«
Termine
› 5. November 2012, Prof. Dr. Oliver Lepsius (Bayreuth/Chicago):
»Moral und Recht in den Anfängen des nationalsozialistischen Rechts«
› 26. November 2012, Prof. Dr. Herlinde Pauer-Studer (Wien):
»Zum Verhältnis von Moral und Recht im Nationalsozialismus«
› 3. Dezember 2012, Prof. Dr. Joachim Vogel (München):
»Einflüsse des Nationalsozialismus auf das Strafrecht und die Wahrnehmung dieser Einflüsse in der Rechtsgeschichte der Nachkriegszeit«
› 14. Januar 2013, Prof. Dr. Michael Schefczyk (Frankfurt an der Oder):
»Zum Verhältnis von Recht und Moral in Jaspers Schuldfrage«
› 21. Januar 2013, Prof. Dr. Werner Konitzer (Fritz Bauer Institut):
»Einfache Sittlichkeit. Otto Friedrich Bollnow und die Veränderung der Moral nach der Niederschlagung des NS-Regimes«
› 4. Februar 2013, Dr. Lena Foljanty (Frankfurt am Main):
»Zur Auseinandersetzung mit Naturrecht und Rechtspositivismus in der Rechtslehre der frühen Bundesrepublik«
› 10. Juni 2013, Dr. Thomas Henne (Frankfurt am Main):
»Ehe und Homosexualität im bundesdeutschen Rechtssystem der 1950er Jahre: Normen, Werte, Grundgesetz – und ein Film«
Nationalsozialistische Rechtstheorien hoben den Unterschied zwischen Moral bzw. Sittlichkeit und Recht so weit wie möglich auf. »Recht ist nach deutscher Auffassung nicht eine Sache willkürlichen Beliebens, auch nicht der äußeren Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit, sondern eine mit dem sittlichen und religiösen Leben der Gemeinschaft eng verbundene Lebensordnung, die den Einzelnen mit eigenem Geltungsanspruch gegenübertritt und sie innerlich bindet«, so schrieb der nationalsozialistische Rechtstheoretiker Karl Larenz 1934. Und in den »Nationalsozialistischen Leitsätzen für ein neues Strafrecht« von 1938 formulierte Hans Frank nur kurz und bündig: »Deutsches Rechtsgefühl und deutsches Sittlichkeitsempfinden sind eins.« Was bedeutet dieses Ideal der Einschmelzung des Unterschiedes von Sittlichkeit, Moral und Recht für die nationalsozialistische Rechtstheorie und Rechtspraxis? Was besagt sie auf der anderen Seite für eine Analyse nationalsozialistischer Vorstellungen von »Ethik« und »Moral«?
Mit der Niederschlagung des NS durch die Alliierten und der Einrichtung zweier deutscher Staaten waren die Rechtssysteme einer deutlichen Veränderung unterworfen. Dennoch transformierten sich Recht und Moral nur allmählich. Wie weit und in welcher Form bestimmte das Fortwirken nationalsozialistischer Moral noch die Rechtsauffassungen der frühen Bundesrepublik? Wie weit spielte die Vorstellung einer Identität beider noch in der Rechtsphilosophie und Staatsrechtslehre und der Moralphilosophie in Deutschland nach 1945 eine Rolle?
In der Vorlesungsreihe wird das Verhältnis von Recht und Moral im Nationalsozialismus und in der Zeit nach dem Nationalsozialismus alternierend von Rechtstheoretikern und Moralphilosophen dargestellt und analysiert.
Auf der »Suche nach dem verlorenen Recht« galten in den 1950er Jahren materiale Werteaufladungen des Rechts als Weg, um eine neue Rechtsordnung im Einklang von Recht und Moral zu errichten. Die neuen und zugleich alten Werteordnungen einer national-konservativen Professionselite sorgten für Konflikte vor allem im Familienrecht und bei der rechtlichen Behandlung von Homosexualität. Der Vortrag wird die zeitgenössische Rechtspraxis und -dogmatik zu diesen Fragen auch anhand der bis heute geltenden »Homosexuellen-Entscheidung« des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1957 analysieren – und zudem aufzeigen, wie dieses Urteil mit einem Film von Veit Harlan und der damaligen Frankfurter Universität zusammenhängt.
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Öffentliche Führung:
Norbert Wollheim Memorial
Samstag, 15. Juni 2013, 15:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, Treffpunkt am Norbert Wollheim-Pavillon
Zugang über den Universitäts-Parkplatz Fürstenberger Straße
Guide: N.N.
Das pädagogische Angebot greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.
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Fritz Bauer Institut
Tel.: 069.798 322-40
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www.wollheim-memorial.de
Diskussionsveranstaltung mit Dr. Wolfgang Kraushaar, Hamburg
und Dr. Gerd Koenen, Frankfurt am Main:
»Wann endlich beginnt bei euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?«
Über die antisemitischen Wurzeln des deutschen Terrorismu
Montag, 17. Juni 2013, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt – Campus Westend,
Grüneburgplatz 1, Casino-Gebäude am IG Farben-Haus, Raum 1.801
Die opferreichste und bis heute ungeklärte Terrorwelle in Mitteleuropa seit dem Zweiten Weltkrieg ist inzwischen nahezu vergessen. Innerhalb von nur elf Tagen im Februar 1970 gab es vier Terroraktionen, die alle in München ausgeführt oder dort organisiert wurden: eine blutige, wenn auch gescheiterte Flugzeugentführung auf dem Flughafen Riem, einen Brandanschlag auf das israelitische Gemeindehaus und Paketbombenattentate auf zwei Verkehrsflugzeuge, von denen das eine notlanden konnte, während das andere abstürzte und alle an Bord in den Tod riss. Insgesamt fielen 55 Menschen dem Terror zum Opfer, der in erster Linie auf Israelis und Juden zielte. Wolfgang Kraushaar präsentiert Ergebnisse, die auch die 68er-Bewegung in neuem Licht erscheinen lassen, und diskutiert sie mit Gerd Koenen, selbst Buchautor zum deutschen Terrorismus der 1970er Jahre.
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Weitere Veranstaltungen
im Kalender des Fritz Bauer Instituts
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Neben den im Rahmen der Gastprofessur am Fritz Bauer Institut angebotenen Lehrveranstaltungen bietet das Institut Veranstaltungen am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften, am Historischen Seminar und am Institut Didaktik der Geschichte an.
Weitere Informationen
zu den Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2013
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Legalisierter Raub
Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945
Montag, 3. Juni bis Sonntag, 10. November 2013
Dreieich-Museum, Burg Hayn, Fahrgasse 52, 63303 Dreieich
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Weitere Ausstellungsangebote
Wanderausstellungen des Fritz Bauer Instituts
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Erinnerung an Ronny Loewy
Deutscher Filmpreis 2013, am 26. April in Berlin
Bei der Gala zur Verleihung des Deutschen Filmpreises 2013 wurde der im vergangenen Jahr verstorbenen Filmschaffenden gedacht. Darunter unser Kollege und Freund Ronny Loewy (10.4.1946 – 9.8.2012).
Standbild aus der Fernsehübertragung ... Ronny Loewy, Filmhistoriker
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Deutscher Filmpreis
www.deutscher-filmpreis.de
hr2 Kultur: Das aktuelle Kulturgespräch
Zu Gast: Werner Konitzer, Fritz Bauer Institut
Zum 70. Jahrestag des Warschauer Ghetto-Aufstands
Hörfunksendung vom 18. April 2013
... mp3-stream (23:24 Min., 2.172 kb)
In diesen Tagen jährt sich der Aufstand im Warschauer Ghetto zum 70. Mal. Jüdische Gefangene erhoben sich 1943 gegen deutsche Soldaten, vergebens. Es gibt zahlreiche Berichte von damals, Fotos und Akten. Wie aber kann man der heutigen Generation vermitteln, was damals geschah? Werner Konitzer vom Fritz Bauer Institut hat sich intensiv mit Erinnerung und moralischer Auseinandersetzung mit dem Holocaust beschäftigt.
Quelle: © hr, 18.04.2013
Foto: Prof. Dr. Werner Konitzer
© Werner Lott
Ignatz Bubis-Preis für Verständigung 2013
Auszeichnung für das Fritz Bauer Institut

Der Ignatz Bubis-Preis für Verständigung geht im Jahr 2013 an das Fritz Bauer Institut. Die Preisverleihung findet am Donnerstag, 2. Mai 2013, 15.00 Uhr in der Paulskirche statt. Der Preis wird seit 2001 alle drei Jahre von der Stadt Frankfurt verliehen. Er besteht aus einer künstlerisch gestalteten Urkunde und ist mit 50.000 Euro dotiert.
Die Laudatio für die Preisverleihung hält der Historiker Prof. Dr. Dan Diner, Direktor des Simon Dubnow Instituts für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig und Professor an der Hebräischen Universität Jerusalem.
Mit dem Ignatz Bubis Preis sollen Persönlichkeiten und Institutionen gewürdigt werden, die sich für Verständigung einsetzen. Ignatz Bubis war eine herausragende politische Persönlichkeit in der Bundesrepublik. Mit seinen aufmerksamen Beobachtungen und Analysen schärfte er die Wahrnehmung für antisemitische Tendenzen in der Öffentlichkeit und setzte sich gegen ausländerfeindliche Äußerungen und Gewalttaten ein. Das Fritz Bauer Institut steht mit seinen Aktivitäten in der Tradition dieses Engagements. Als zeithistorisches Forschungs- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust setzt es eigene Schwerpunkte. Die Erforschung der Rolle von moralischen Gefühlen und Rechtfertigungsformen in der nationalsozialistischen Gesellschaft, etwa beim Ausschluss bestimmter Gruppen aus der sogenannten Volksgemeinschaft und insbesondere dem nationalsozialistischen Antisemitismus ist seit sechs Jahren ein zentrales Thema des Instituts. Dabei geht es auch um das Fortwirken dieser geteilten »moralischen Gefühle« und Urteile in der deutschen Nachkriegszeit.
Mit seinem Pädagogischen Zentrum und vielen öffentlichen Veranstaltungen vermittelt das Institut seine Forschungsergebnisse über den universitären Rahmen hinaus. Das Fritz Bauer Institut wurde nach einem der bedeutendsten jüdischen Juristen der Bundesrepublik benannt. Er hat sich – etwa durch den von ihm in Frankfurt am Main verfolgten Auschwitz-Prozess – sowohl für die juristische Ahndung als auch für die die Aufklärung über die NS-Verbrechen eingesetzt. Sein Engagement für die Demokratisierung und Liberalisierung der Gesellschaft – oft auch gegen heftige Widerstände – ist dem Ignatz Bubisʼ vergleichbar. Das Fritz Bauer Institut ist die erste in Deutschland nach dem Nationalsozialismus errichtete Einrichtung zur Erforschung des Holocausts und seiner Folgen.
Prof. Dr. Raphael Gross, Leiter des Instituts, über die Ehrung: »Mich freut die Verbindung mit dem Namen von Ignatz Bubis ganz besonders. Bubis und Fritz Bauer stehen für eine aktive Auseinandersetzung mit der deutschen NS-Vergangenheit und deren Fortwirken in die Gegenwart. Insofern sind sie beide für die Arbeit des Fritz Bauer Instituts von großer Bedeutung und der Preis macht dies besonders sichtbar.«
Mit der Verleihung des Ignatz Bubis-Preises für Verständigung ehrt die Stadt Frankfurt am Main das Lebenswerk und die Persönlichkeit von Ignatz Bubis, des ehemaligen Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland. Die Verleihung ist darüber hinaus Ausdruck der Verpflichtung der Stadt Frankfurt am Main, für die von Ignatz Bubis verkörperten Werte einzutreten. Bisherige Preisträger sind: Wolfgang Thierse, Präsident des Deutschen Bundestages (2001); Prof. Dr. Franz Kamphaus, Bischof von Limburg (2004); Dr. Walter Wallmann, Oberbürgermeister a. D. (2007); Trude Simonsohn, Holocaust-Überlebende und Sozialarbeiterin (2010).
Abbildung
Ignatz Bubis sel. A. (12.1.1972–13.8.1999) beim Besuch der Arbeitsstelle Fritz Bauer Institut im Februar 1994. Foto: Werner Lott
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Fritz Bauer Institut
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069.798 322-40
Fax: 069.798 322-41
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SWR2 Zeitgenossen:
Der Schweizer Historiker Raphael Gross
im Gespräch mit Jochanan Shelliem
Sendung vom Samstag, 16. März 2013, 17.05 bis 17.50 Uhr

... mp3-stream (44:16 Min., 221.257 kb)
Prof. Dr. Raphael Gross, Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt am Main, Leiter des Fritz Bauer Instituts und des Leo Baeck Instituts in London, berichtet von seinen ersten Arbeiten in der Schweiz, als er mit dem Schweizer Rechtsanwalt Marc Richter jüdische Flüchtlinge, die zur Zeit des Dritten Reiches an der Schweizer Grenze abgewiesen wurden, vor Gericht vertrat. Nach seiner Zeit als Assistent an der Ruhruniversität bei Prof. Norbert Frey und seiner Dissertation über den Antisemitismus von Carl Schmitt ging der Historiker nach Sussex, übernahm 2001 die Leitung des Leo Baeck Instituts, 2004 das Centre for German Jewish Studies, bevor er 2006 begann, das Jüdische Museum in Frankfurt am Main mit sanfter Hand zu ordnen. 2012 gelang es ihm, das Baseler Archiv der Familie von Anne Frank als Dauerleihgabe an den Main zu bringen und die Ausstellungsfläche durch einen Neubau des Jüdischen Museums zu verdoppeln, der 2014 bezogen wird. Ein ruhiger, ein umsichtiger, ein kluger Netzarbeiter stellt sich vor.
Quelle: © swr2, 16.03.2013
Vortrag von Prof. Dr. Norbert Frei:
Terror und Traum: Die nationalsozialistische Volksgemeinschaft
Montag, 28. Januar 2013, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Audio-Aufzeichnung des Vortrags von Norbert Frei

Vortrag von Prof. Dr. Norbert Frei
mp3-audio (83 Min., 32 kbit/s, 38.887 KB)
Der Audio-Mitschnitt der Veranstaltung ist sowohl in vier direkt anwählbaren Segmenten aufrufbar (die beiden Begrüßungsansprachen / der Vortrag / die anschließende Diskussion), als auch als Komplettaufzeichnung.
Begrüßung:
Prof. Dr. Dr. Matthias Lutz-Bachmann (Vizepräsident der Goethe-Universität Frankfurt am Main)
Prof. Dr. Raphael Gross (Direktor des Fritz Bauer Instituts, des Jüdischen Museums Frankfurt am Main und des Leo Baeck Institute London)
Gemeinsame Veranstaltung des Fritz Bauer Instituts und des Präsidiums der Goethe-Universität Frankfurt zum Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus
Kaum eine Diskussion über die Geschichte des »Dritten Reiches« kommt heutzutage ohne den Hinweis auf die »Volksgemeinschaft« aus. Noch vor einem Jahrzehnt hingegen galt der Begriff, obgleich in der NS-Zeit stark präsent und gebraucht, vielen Historikern und Zeitgenossen als bloße Propagandaformel. Der Vortrag erörtert die Geschichte des Begriffs, seine Bedeutung für eine erfahrungsgeschichtlich gehaltvolle Historiographie der NS-Zeit, aber auch seine analytischen Grenzen. Gefragt werden soll schließlich nach den Gründen und den Begleiterscheinung der gegenwärtigen Konjunktur der »Volksgemeinschafts«-Forschung.
Prof. Dr. Norbert Frei ist Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Leiter des Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts.
Veröffentlichungen u.a.: Der Führerstaat. Nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945, München 1987; Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit, München 1996; 1945 und wir. Das Dritte Reich im Bewußtsein der Deutschen, München 2005; 1968. Jugendrevolte und globaler Protest, München 2008; (mit R. Ahrens, J. Osterloh, T. Schanetzky) Flick. Der Konzern, die Familie, die Macht, München 2009; (mit E. Conze, P. Hayes, M. Zimmermann): Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. München 2010.
Abbildung
Matthias Lutz-Bachmann, Raphael Gross, Norbert Frei
Foto: © Werner Lott
The Yad Vashem International Book Prize for Holocaust Research 2012
Auszeichnung für Christoph Dieckmann

Der »Yad Vashem International Book Prize for Holocaust Research« wurde in diesem Jahr Christoph Dieckmann für seine Studie Deutsche Besatzungspolitik in Litauen 1941–1944 verliehen. Die Preisvergabe fand am 10. Dezember 2012 in Jerusalem statt.
Der 2011 von der israelischen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem begründete Preis wird jährlich in Erinnerung an den Holocaust-Überlebenden Abraham Meir Schwartzbaum und seine im Holocaust ermordete Familie vergeben. Mit ihm sollen Publikationen ausgezeichnet werden, die herausragende neue Forschungsergebnisse über den Holocaust, seine Vorgeschichte und Folgen präsentieren und hohen wissenschaftlichen Standards genügen. Wichtige Entscheidungskriterien für die Zuerkennung des Preises sind die Faktoren Genauigkeit, Methodik, Originalität, literarische Qualität, sowie die Bedeutung des Forschungsthemas. Zudem muss die Publikation in einem Zeitraum von zwei Jahren vor der Preisvergabe erschienen sein. Das Preiskuratorium setzt sich aus einer vom International Institute for Holocaust Research eingesetzten Gruppe von Historikern zusammen.
Durch die Großzügigkeit von Sabina Schwartzbaum konnte der Preis in Erinnerung an ihren Vater mit $ 8.000,– dotiert werden. 2011 wurde der Preis an Christopher R. Browning für sein Buch Remembering Survival: Inside a Nazi Slave-Labor Camp, sowie an Daniel Blatman für sein Buch The Death Marches: 1944–1945 vergeben.
Christoph Dieckmann
Deutsche Besatzungspolitik in Litauen 1941–1944
Göttingen: Wallstein Verlag, 2011, 2 Bände, zus. 1.605 S.
ISBN: 978-3-8353-0929-6, € 79,00
Das Buch untersucht die deutschen Verbrechen in Litauen aus der Perspektive der Besatzer, der Bevölkerung und der Opfer. In Litauen verloren mindestens 420.000 Menschen als Folge der deutschen Besatzungspolitik zwischen 1941 und 1944 ihr Leben. Sie wurden von Deutschen und litauischen Helfern ermordet. Christoph Dieckmann analysiert die Prozesse in Politik und Wirtschaft im besetzten Litauen und nimmt auch die nationale Vorgeschichte in den Blick. Auf der Basis deutscher, litauischer und jüdischer Quellen analysiert er im ersten Band die deutsche Besatzungspolitik und ihre Massenverbrechen im Kontext der deutschen Kriegführung und stellt die unterschiedlichen Perspektiven der beteiligten Gruppen dar. Im Mittelpunkt dieser multiperspektivischen Erzählung der Shoah steht die vor allem im zweiten Band behandelte jüdische Opferperspektive. Dieckmann bezieht in seiner Darstellung das bisher weitgehend unbekannte Geschehen in der litauischen Provinz und den zahlreichen Ghettos und Arbeitslagern ein. Er rekonstruiert auch das Schicksal anderer Opfergruppen anhand deutscher und sowjetischer Quellen. Ein eigenes Kapitel ist der Geschichte der vielfältigen Widerstandsgruppen von Juden, Litauern, Polen und sowjetischen Partisanen gewidmet.
Dr. Christoph Dieckmann, geb. 1960; studierte Geschichte, Soziologie und Volkswirtschaftslehre in Göttingen, Jerusalem und Hamburg; Doktorarbeit in Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; seit 2005 Lehrauftrag für moderne europäische Geschichte an der Keele University, Großbritannien; Mitglied der Redaktion der Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus; Mitarbeit an der Edition Der Dienstkalender Heinrich Himmlers 1941/42 (1999); Mitglied der Forscher- und Expertengruppe der »Internationalen Kommission für die Bewertung der Verbrechen der nationalsozialistischen und sowjetischen Besatzungsregime in Litauen«. Seit 1. September 2011 arbeitet Dr. Christoph Dieckmann als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut an dem auf zwei Jahre ausgelegten Forschungsprojekt »Das Stereotyp des ›jüdischen Bolschewismus‹. Die frühe Wirkungsgeschichte aus jüdischer Sicht«.
Veröffentlichungen (Auswahl):
Im Ghetto 1939–1945. Neue Forschungen zu Alltag und Umfeld, hrsg. zus. mit Babette Quinkert, Göttingen: Wallstein Verlag, 2009
Kooperation und Verbrechen. Formen der »Kollaboration« im östlichen Europe 1939–1945, hrsg. zus. mit Babette Quinkert und Tatjana Tönsmeyer, Göttingen: Wallstein Verlag, 2003
Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Entwicklung und Struktur, hrsg. zus. mit Karin Orth und Ulrich Herbert, Göttingen: Wallstein Verlag, 1998
From the Yad Vashem Book Prize Committee:
Christoph Dieckmann's 1,652 pages-long comprehensive study of German occupation policies in Lithuania, of which the Holocaust of Lithuanian Jews is a major component (more than half of the entire study), is path-breaking and serves as a shining model for similar research to be done regarding other countries. He succeeds in integrating the context of war and warfare – with their horrors and the needs for food, labor forces and the like – into the picture, yet he clearly and emphatically shows the centrality of antisemitism as both the driving force and framework for Nazi policies in general in this area, and consequently, for the entire Nazi project. This achievement is based not only on a vast amount of documentation assembled from archives in Germany, Lithuania, Latvia, Russia, Great Britain, the United States and Israel, and on an enormous body of printed sources and literature, as well as memoires and testimonies; it is also the result of the fact that the author was himself able to read first hand sources and literature in German, Lithuanian, Russian, English, Yiddish and Hebrew. Dieckmann’s description of the actions and atrocities is not a dry account: while basing his narrative on German and local records in order to understand the initiatives and circumstances, the events themselves are usually described with the help of lengthy quotes from Jewish testimonies, thereby giving the reader the possibility of sensing the horror and consternation; and the witnesses are mentioned by their names so they do not remain anonymous. The committee has found Christoph Dieckmann's study to be path-breaking and exemplary in its comprehensiveness, its analytical quality, its human sensitivity and the richness of its sources.
The members of the Yad Vashem Book Prize Committee for the year 2012 were: Dr. Bella Gutterman, Yad Vashem, Israel; Prof. Dr. Steven Katz, Boston University, USA; Prof. Dr. Dina Porat, Yad Vashem and Tel Aviv University, Israel, Mr. Avner Shalev, Chairman of Yad Vashem, Israel; Dr. David Silberklang, Yad Vashem and the Hebrew University of Jerusalem, Israel;
Prof. Dr. Michael Wildt, Humboldt University, Berlin, Germany, and Chairman of the Committee Prof. Dr. Dan Michman, Yad Vashem and Bar-Ilan University, Israel.
„Mein Impuls war der starke Wunsch, zu verstehen.“
Interview mit Dr. Christoph Dieckmann anlässlich der Verleihung des Yad Vashem-Book Awards 2012
... www.yadvashem.org/yv/de/education/interviews/dieckmann.asp
The Yad Vashem International Book Prize for Holocaust Research
Award Ceremony am 10. Dezember 2012 in Jerusalem
... Programm der Preisverleihung (pdf-Datei)
Kontakt
Yad Vashem
The Holocaust Martyrs' and Heroes' Remembrance Authority
P.O.B. 3477, Jerusalem, 91034
webmaster(at)yadvashem.org.il
www.yadvashem.org.il http://www.yadvashem.org.il
www1.yadvashem.org/yv/en/about/institute/book_prize.asp
Aufruf:
Leihgaben für Ausstellung zu Fritz Bauer gesucht
Das Fritz Bauer Institut plant in Verbindung mit dem Jüdischen Museum Frankfurt am Main eine Ausstellung zu Leben und Werk von Fritz Bauer.

Die von Dr. Monika Boll kuratierte Ausstellung widmet sich den verschiedenen Facetten einer überaus komplexen Persönlichkeit. Sie stellt den Juristen vor, der die Auschwitz-Prozesse auf den Weg brachte, und den Strafrechtsreformer, der Resozialisierung an die Stelle von Vergeltung setzte. Sie würdigt den jüdischen Remigranten, den Sozialdemokraten, den Humanisten und den Publizisten Fritz Bauer. Und sie widmet sich dem Kunstkenner, in dessen Dienstzimmer »es nichts gab bis zum kleinsten Gegenstand hin, der nicht mit wirklicher Kultur ausgesucht war« (Johannes Strelitz, Hessischer Justizminister 1967–69). Fritz Bauer war neben anderem auch ein versierter Ästhet, der sich für die Architektur des Bauhauses begeisterte und seine eigenen Möbel mit Kunstverstand aussuchte.
Das Fritz Bauer Institut bittet um Ihre Unterstützung bei der Suche nach Briefen, Postkarten, Fotografien, aber auch nach Kunstgegenständen, Gemälden, Mobiliar oder Dingen des alltäglichen Gebrauchs, die in Verbindung mit Fritz Bauer stehen.
Fritz Bauer im Frankfurter Club Voltaire
Foto: Siegfried Träger
Kontakt
Fritz Bauer Institut
Werner Renz, Archiv und Bibliothek
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069.798 322-25, Fax: -41
w.renz(at)fritz-bauer-institut.de
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