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Ausstellung:
Bild dir dein Volk!
Axel Springer und die Juden
Donnerstag, 15. März bis Freitag, 29. Juli 2012
Jüdisches Museum Frankfurt am Main, Untermainkai 14/15
Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des
Jüdischen Museums Frankfurt am Main
»Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen; hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes« – dazu sind, laut Arbeitsvertrag, die Redakteurinnen und Redakteure des Axel Springer Verlags verpflichtet. Es war der Verleger selbst, der diese grundsätzliche Haltung Mitte der 1960er Jahre seinem Zeitungsimperium vorgab. Die politischen Konstellationen und öffentlichen Kontroversen, in denen sich Axel Springer (1912–1985) mit seiner medienpolitischen Macht positionierte, werden erstmals mit besonderem Augenmerk auf seine dezidiert projüdische und proisraelische Haltung in den Blick genommen: Welche Rolle spielte diese im Selbstverständnis von Axel Springer und seiner Kontrahenten, vor allem: Welche Bedeutung kommt ihr im Kontext der deutsch-jüdischen Nachkriegsgeschichte zu?
Die Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt geht diesen Fragen nach. Sie zeigt Exponate wie die unbekannte Fotografie aus dem Jahr 1970. Darauf sieht man Springer, wie er auf dem Ölberg steht und seinen Blick über Jerusalem schweifen lässt. Solche und andere Aufnahmen von Sven Simon, dem Sohn Axel Springers, trugen dazu bei, Springer als Visionär der politischen Einheit Berlins zu inszenieren, für die ihm Jerusalem als Beispiel diente. Diese und viele andere ungewohnte Perspektiven stellt die Ausstellung vor.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Gerda Henkel Stiftung, die Herbert Quandt Stiftung und die Hessische Kulturstiftung.
Zur Ausstellung ist erschienen:
Fritz Backhaus, Dmitrij Belkin und Raphael Gross (Hrsg.)
Bild dir dein Volk! Axel Springer und die Juden
Schriftenreihe des Fritz Bauer Instituts, Band 29
Göttingen: Wallstein Verlag, 2012
224 S., 64 überw. farb. Abb., € 19,90
ISBN: 978-3-8353-1081-0
Öffentliche Führung:
Norbert Wollheim Memorial
Samstag, 19. Mai 2012, 15:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, Treffpunkt am Norbert Wollheim-Pavillon
Zugang über den Universitäts-Parkplatz Fürstenberger Straße
Das pädagogische Angebot greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.
Kontakt
Fritz Bauer Institut
Tel.: 069.798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
www.wollheim-memorial.de
Vortrag von Dr. Gudrun Kruip:
Jüdische Remigranten im Axel Springer Verlag
Dienstag, 22. Mai 2012, 19:00 Uhr
Jüdisches Museum, Untermainkai 14/15, 60311 Frankfurt am Main
Begleitprogramm zur Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt am Main,
Bild dir dein Volk! Axel Springer und die Juden, 15. März bis 29. Juli 2012.
Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Fritz Bauer Institut und dem Jüdischen Museum Frankfurt.
Der Wiederaufbau der deutschen Presse nach 1945 wurde von den Alliierten überwacht. Dabei wurde eine Entnazifizierung der Medien angestrebt. Lizenzen sollen nur an Journalisten ohne NS-Vergangenheit vergeben werden. In den meisten Verlagen besteht das Personal indes aus Journalisten, die in der Propagandapresse des »Dritten Reiches« aktiv waren oder eine SS-Vergangenheit hatten. Auch im Axel Springer Verlag kommt es innerhalb des engen Beraterkreises um den Verleger zu einem Nebeneinander von ehemaligen Nationalsozialisten und zurückgekehrten Juden, darunter Ernst Cramer. Der Vortrag von Dr. Gudrun Kruip geht diesem Phänomen aus der Perspektive der jüdischen Remigranten nach.
Dr. Gudrun Kruip, geb. 1963, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Stuttgart. U.A. ist sie Verfasserin einer Monographie zur Geschickte und Ideologie des AS Verlags: Das »Welt«-»Bild« des Axel Springer Verlags. Journalismus zwischen westlichen Werten und deutschen Denktraditionen, Oldenbourg Verlag, München 1999.
Kontakt:
Fritz Bauer Institut
Dr. Dmitrij Belkin
Grüneburgplatz 1
D-60323 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69.798 322-60
Telefax: +49 (0)69.798 322-41
E-Mail: d.belkin(at)fritz-bauer-institut.de
Prof. Dr. Karl Christian Führer:
Prozesse gegen NS-Verbrechen und Thema Israel in der Bild-Zeitung
Dienstag, 05. Juni 2012, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, Casino-Gebäude am IG Farben-Haus, Raum 1.801
Begleitprogramm zur Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt am Main,
Bild dir dein Volk! Axel Springer und die Juden, 15. März bis 29. Juli 2012.
Das Ausstellungsprojekt ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Fritz Bauer Institut und dem Jüdischen Museum Frankfurt.
Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Beitrag der Bild-Zeitung zu den juden- und israelfreundlichen Projekten des Verlegers Axel Springer und zeigt, dass diese Boulevardzeitung trotz ihres zweifelhaften Rufs gerade in den 1960er Jahren Themen aus der deutsch-jüdischen Vergangenheit auf eine Art und Weise präsentiert hat, die den Klischees vom »Revolverblatt« durchaus widerspricht bzw. diese revidiert.
Karl Christian Führer ist außerplanmäßiger Professor am Historischen Seminar der Universität Hamburg. Seine Veröffentlichungen behandeln u.a. die Geschichte der Sozialpolitik, die Medien- und Kulturgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. 2008 erschien im Dölling und Galitz Verlag Hamburg die Studie Medienmetropole Hamburg. Mediale Öffentlichkeiten 1930–1960.
Kontakt:
Fritz Bauer Institut
Dr. Dmitrij Belkin
Grüneburgplatz 1
D-60323 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69.798 322-60
Telefax: +49 (0)69.798 322-41
E-Mail: d.belkin(at)fritz-bauer-institut.de
Vortrag von Prof. Dr. Douglas Morris (New York):
Inside the Dual State: The Secret Life, Writings and Lawyering
of Ernst Fraenkel in Nazi Germany
Montag, 11. Juni 2012, 16:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, Casino-Gebäude am IG Farben-Haus, Raum 1801
Vortrag in englischer Sprache
Leo Baeck Lecture Series 2012: »Jews and Justice«
Eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Fritz Bauer Instituts, des Jüdischen Museums Frankfurt am Main und des Leo Baeck Institute London
In diesem Jahr ist das Thema der Leo Baeck Lecture Series »Jews and Justice«. Die Reihe beinhaltet Vorträge über deutsche Rechtstheoretiker, Schriftsteller und über den Zusammenhang von Recht und Religion. Es sollen verschiedene Konzepte von Gerechtigkeit und Recht diskutiert werden, ihre Beziehungen zu realen politischen und historischen Verhältnissen und mögliche rechtliche und politische Konflikte, die daraus hervorgingen.
In 1941 the German Jewish lawyer Ernst Fraenkel published his classic account of Nazism, The Dual State: A Contribution to the Theory of Dictatorship. While other politically engaged socialist lawyers fled Nazi Germany in 1933, Fraenkel got out only in September 1938. Fraenkel’s activities from 1933 through 1938 raise questions about the possibilities of scholarly inquiry under Nazi rule and more. While many Jewish lawyers lost their law licenses or struggled to maintain their legal practices, Fraenkel continued to represent clients in political trials. How could he accomplish what he did and still survive? How did his circumstances frame the nature of his thought? The talk will explore Fraenkel’s rare brew of practical activism and theoretical analysis, which tested the boundaries of anti-Nazi defiance.
Douglas Morris ist Rechtshistoriker und Strafverteidiger in New York. Er ist Autor des Buches Justice Imperiled: The Anti-Nazi Lawyer Max Hirschberg in Weimar Germany, University of Michigan Press, 2005. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Preise, u. a. 1998 den Thurgood Marshall Award der Association of the Bar of the City of New York für seinen kostenlosen Rechtsbeistand für einen zum Tode verurteilten Straftäter.
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info(at)fritz-bauer-institut.de
Autorenlesung mit Lutz van Dijk:
Verdammt starke Liebe
Dienstag, 12. Juni 2012, 19:30 Uhr
Jugendbegegnungsstätte Anne Frank
Hansaalle 150, 60320 Frankfurt am Main
Der 16 jährige Stefan verliebt sich während es Krieges in den wenig älteren Willi.
Eine unmögliche Liebe: nicht nur dass es sich um zwei Männer handelt, auch sind sie politische Feinde. Ein polnischer Junge, der sich in einen deutsch-österreichischen Soldaten verliebt, der jener Armee angehört, die sein Heimatland besetzt. Über Monate können sie ihre Liebe geheim halten, doch dann wir ihnen ein Liebesbrief zum Verhängnis.
Lutz van Dijk liest aus dem Buch Verdammt starke Liebe, in dem er die Lebensgeschichte von Stefan K. darstellt und zugleich die Verfolgung vom Homosexuellen in der NS-Zeit darlegt.
Eine Kooperation der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank e.V. mit dem Historischen Museum Frankfurt und dem Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt.
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Jugendbegegnungsstätte Anne Frank e.V.
Hansaallee 150
60320 Frankfurt am Main
Tel.: 069.56000-20
Fax: 069.56000-250
info(at)jbs-anne-frank.de
www.jbs-anne-frank.de
Öffentlicher Gastvortrag von PD Dr. Birgit Erdle:
Charlotte Beradts Traumsammlung und ihr Dialog mit Hannah Arendt
Donnerstag, 14. Juni 2012, 18:15 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, IG Farben-Haus, Raum 411
Im Jahr 1933 beginnt die Autorin und Journalistin Charlotte Beradt, Aufzeichnungen von Träumen im Nationalsozialismus zu sammeln. Ihre Traumsammlung verklammert zwei Zeiten: die dreißiger Jahre, in der die Sammlung entsteht, und die sechziger Jahre, in der sie unter dem Titel Das Dritte Reich des Traums veröffentlicht wird – als Rücksendung an ihren Ursprungsort, von den USA aus, wohin Beradt die Notate verschickt hatte, bevor ihr selbst 1939 die Flucht aus Berlin nach New York glückte. Der Vortrag beschäftigt sich mit der Frage, wie Beradt die Träume liest, und geht den Spuren des Dialogs mit dem Denken Hannah Arendts nach, mit der Beradt eine langjährige Freundschaft verband.
PD Dr. Birgit Erdle ist Literaturwissenschaftlerin und lehrt als Privatdozentin an der Technischen Universität Berlin. Sie hatte Vertretungs- und Gastprofessuren an den Universitäten Wien, Berlin und Atlanta inne und war Lehrbeauftragte des Leo Baeck Institute London an der University of Sussex. Schwerpunkte ihrer Forschung liegen im Bereich deutsch-jüdischer Literatur- und Ideengeschichte, der Literatur- und Wissenschaftsgeschichte des Traumas, der Kulturtheorie 1800/1900, der Bezüge von Materialität, Gedächtnis und Wissen, und der Nachgeschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust.
Derzeit ist Birgit Erdle Gastprofessorin zur Erforschung des Holocaust und der deutsch-jüdischen Geschichte in Frankfurt am Main.
Kontakt
info(at)fritz-bauer-institut.de
Weitere Veranstaltungen
im Kalender des Fritz Bauer Instituts
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Neben den im Rahmen der Gastprofessur am Fritz Bauer Institut angebotenen Lehrveranstaltungen bietet das Institut Veranstaltungen am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften, am Historischen Seminar und am Institut Didaktik der Geschichte an.
Weitere Informationen
zu den Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2012
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Legalisierter Raub
Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945
Mittwoch, 18. April bis Sonntag, 1. Juli 2012
Museum der Stadt Butzbach, Färbgasse 16, 35510 Butzbach
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»Ein Leben aufs neu« – Das Robinson Album.
Jüdische »Displaced Persons« auf deutschen Boden 1945–1948 Samstag, 12. Mai bis Sonntag, 12. August 2012
Stadtmuseum Hofgeismar, Petriplatz 2, 34369 Hofgeismar
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Weitere Ausstellungsangebote
Wanderausstellungen des Fritz Bauer Instituts
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Prof. Dr. Moshe Zuckermann:
Israel, BRD und die Springer-Medien.
Anmerkungen zur westdeutschen Nachkriegszeit
Montag, 7. Mai 2012, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Audio-Aufzeichnung des Vortrags von Moshe Zuckermann

Vortrag von Moshe Zuckermann
mp3-audio (45 Min., 64 kbit/s, 20.923 KB)
Vortrag im Rahmen des Begleitprogramms der Ausstellung
»Bild dir dein Volk! Axel Springer und die Juden«
(15. März bis 29. Juli 2012 im Jüdischen Museum Frankfurt)
Das Verhältnis zwischen der alten Bundesrepublik und Israel war in der Nachkriegszeit primär durch die Shoah-Erinnerung kodiert. Im restaurativen Klima der Adenauer-Ära der 1950er Jahre manifestierte sich das vornehmlich in der Materialisierung der Sühne durch die Wiedergutmachungsabkommen von 1952. Die 1960er Jahre zeichneten sich durch eine zunehmende Hinterfragung der jüngsten deutschen Vergangenheit aus. Diese wurde durch die linken Intellektuellen zum Topos erhoben. Zugleich zeichnete sich aber auch die Gesinnung dieser Intelligenz durch eine kritische Einstellung zu Israels Politik nach 1967. Axel Springers mediale Praxis stand im Schnittpunkt dieser Koordinaten: Zum einen eine vorbehaltlose Solidarität mit Israel, zum anderen eine damit einhergehende Attacke ebendieser kritischen Intelligenz. Die politische Kultur der BRD wurde weitgehend von diesen Spannungsfeldern geprägt.
Prof. Dr. Moshe Zuckermann ist Soziologe und Professor für Geschichte und Philosophie an der Universität Tel Aviv.
Abbildung
Moshe Zuckermann auf Einladung des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt in der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Foto: © Werner Lott
Teilnachlass von Henry Ormond im Fritz Bauer Institut
Aus den Projekten des Fritz Bauer Instituts

Abbildung
Brief Gerhard Kramers vom 16. September 1958 an Henry Ormond
... Brief als pdf-Datei
Vor einigen Wochen wurden Anwaltsakten aus dem Nachlass von Henry Ormond (1901–1973) an das Fritz Bauer Institut abgegeben. Ormond focht in den 50er Jahren den Entschädigungsprozess von Norbert Wollheim gegen die I.G. Farben durch, dem zu Beginn wenig Erfolgschancen prognostiziert worden waren. Bekannt wurde er zudem als Nebenklagevertreter im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess und im Prozess gegen die Eichmann-Mitarbeiter Hermann Krumey und Otto Hunsche.
In seinem Nachlass findet sich auch dieser Brief vom 16. September 1958. Verfasst wurde er von Gerhard Kramer, zu dieser Zeit Bevollmächtigter der Stadt Hamburg bei der Bundesregierung. Ormond und Kramer beobachteten mit Sorge, dass das Ansehen Israels nach der Suez-Krise 1956ff in Deutschland schweren Schaden genommen hatte. Gemeinsam entwickelten sie den Plan, Axel Springer für ihre pro-israelische Politik zu gewinnen. Sie wollten erreichen, dass Springer eine medial begleitete Reise nach Israel unternimmt. Eine offizielle Einladung sollte von Felix Shinnar, dem Leiter der Israelmission, der provisorischen Vertretung Israels in Deutschland, ausgesprochen werden. Die Randnotiz Ormonds am Briefende zeigt, dass er Shinnar am 21. September 1958 in dieser Sache geschrieben hat. Tatsächlich wurde Springer von Shinnar wenige Wochen später auf eine Israelreise eingeladen – das erste Mal fuhr er jedoch erst im Jahr 1966 dorthin.
Vor einigen Wochen wurden Anwaltsakten aus dem Nachlass von Henry Ormond (1901–1973) an das Fritz Bauer Institut abgegeben. Ormond focht in den 50er Jahren den Entschädigungsprozess von Norbert Wollheim gegen die I.G. Farben durch, dem zu Beginn wenig Erfolgschancen prognostiziert worden waren. Bekannt wurde er zudem als Nebenklagevertreter im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess und im Prozess gegen die Eichmann-Mitarbeiter Hermann Krumey und Otto Hunsche.
In seinem Nachlass findet sich auch dieser Brief vom 16. September 1958. Verfasst wurde er von Gerhard Kramer, zu dieser Zeit Bevollmächtigter der Stadt Hamburg bei der Bundesregierung. Ormond und Kramer beobachteten mit Sorge, dass das Ansehen Israels nach der Suez-Krise 1956ff in Deutschland schweren Schaden genommen hatte. Gemeinsam entwickelten sie den Plan, Axel Springer für ihre pro-israelische Politik zu gewinnen. Sie wollten erreichen, dass Springer eine medial begleitete Reise nach Israel unternimmt. Eine offizielle Einladung sollte von Felix Shinnar, dem Leiter der Israelmission, der provisorischen Vertretung Israels in Deutschland, ausgesprochen werden. Die Randnotiz Ormonds am Briefende zeigt, dass er Shinnar am 21. September 1958 in dieser Sache geschrieben hat. Tatsächlich wurde Springer von Shinnar wenige Wochen später auf eine Israelreise eingeladen – das erste Mal fuhr er jedoch erst im Jahr 1966 dorthin.
Call for Papers:
Doktoranden-Seminar des Fritz Bauer Instituts
Vom 10. bis 12. Oktober 2012 findet das vierte Doktoranden-Seminar des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Arnoldshain statt.
Das Seminar soll Doktoranden, die sich mit Fragen der Geschichte und Wirkung des Holocaust befassen, die Gelegenheit bieten, ihre Arbeiten zur Diskussion zu stellen und Kontakte zu anderen Doktoranden zu knüpfen, die zu ähnlichen Themen arbeiten. Die Teilnehmer sollen ihre geplanten und laufenden Forschungsvorhaben vorstellen; im Mittelpunkt steht die Diskussion von Fragestellungen, Methoden und Quellen. Das Angebot richtet sich gleichermaßen an Zeithistoriker, Politik-, Literatur-, Rechts- und Kulturwissenschaftler sowie Pädagogen. Um jede einzelne Arbeit intensiv besprechen zu können, ist die Teilnehmerzahl auf zehn beschränkt.
Die Veranstaltung wird in diesem Jahr von Dr. Margrit Frölich (Evangelische Akademie Arnoldshain), Prof. Dr. Birthe Kundrus (Universität Hamburg) sowie Dr. Jörg Osterloh (Fritz Bauer Institut) moderiert.
Interessenten, die ihre Forschungsvorhaben vorstellen möchten, bewerben sich mit einer maximal zweiseitigen Projektskizze und einem kurzen Lebenslauf bis zum 29. Februar 2012 beim Fritz Bauer Institut. Bereits abgeschlossene Arbeiten können grundsätzlich nicht berücksichtigt werden.
Ort der Veranstaltung ist die Evangelische Akademie Arnoldshain. Das Fritz Bauer Institut und die Evangelische Akademie Arnoldshain übernehmen die Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten für die Teilnehmer.
... Doktorandenseminar (Überblicksseite)
Kontakt
Dr. Jörg Osterloh
Fritz Bauer Institut
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069.798 322-35
Fax: 069.798 322-41
j.osterloh(at)fritz-bauer-institut.de
Association of European Jewish Museums:
Hanno Loewy zum neuen Präsidenten gewählt
AEJM-Jahreskonferenz 2011
19. bis 22. November im Jüdischen Museum London

Abbildung
Hanno Loewy (v. l.) und Teilnehmer der AEJM- Jahreskonferenz vor dem Eingang zum Jüdischen Museum London (Foto: Ian Lillicrapp)
Auf ihrer Jahreskonferenz 2011 in London hat die »Association of European Jewish Museums« Dr. Hanno Loewy, den Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Er tritt in Nachfolge von Rickie Burman, der Direktorin des Jüdischen Museums in London. Dem Vorstand gehören weiterhin an: Hetty Berg (Jüdisches Museum Amsterdam), Magda Veselská (Jüdisches Museum Prag), Erika Perahia Zemour (Jüdisches Museum Tessaloniki) und Daniela Eisenstein (Jüdisches Museum Franken).
Die 90 Delegierten von 45 Jüdischen Museen zwischen Spanien und der Ukraine, Norwegen und der Türkei – sowie zahlreiche Gäste aus den USA und aus Südamerika – diskutierten bei ihrem Treffen Perspektiven Jüdischer Museen in der Gegenwart, neue Ansätze der Vermittlungsarbeit in der multi-ethnischen Einwanderungsgesellschaft, aber auch gemeinsame Projekte zur Erinnerung an die prekäre Situation der europäischen Juden im 1. Weltkrieg. Der Verband der jüdischen Museen organisiert regelmäßig Workshops und Kuratorentraining für seine Mitglieder. In Zukunft kommen nun auch Weiterbildungen für die Museumspädagogen, Beratungsangebote und Internships dazu, die dazu beitragen sollen, dass kleinere Museen und neugegründete Institutionen, nicht zuletzt in Ost- und Mitteleuropa, von den Erfahrungen der großen Einrichtungen, wie in Paris und Berlin, Frankfurt oder Prag profitieren können – aber auch die arrivierten Museen von der geografischen und kulturellen Vielfalt europäisch-jüdischer Diasporaerfahrung.
Der Museumsverband AEJM hat sich aus seinen Anfängen vor mehr als zwanzig Jahren zu einem starken Partner der Museen entwickelt, der ihre Unabhängigkeit von politischen- und Verbandsinteressen fördert und ihre Professionalisierung vorantreibt. Die Entwicklung hoher Standards der Provenienzforschung und eines bewussten Umgangs mit dem jüdischen Erbe macht die jüdischen Museen nicht nur zu einer bedeutenden Ressource für die Entwicklung jüdischen Lebens in Europa, sondern auch zu einem Modell für die Anerkennung der Vielfalt europäischen Kulturerbes, in einer durch Einwanderung und Diversität geprägten Gegenwart.
Die AEJM-Konferenzen werden im jährlichen Wechsel an verschiedenen europäischen Orten abgehalten. So erhalten die Mitglieder Gelegenheit, mehr über die jeweiligen Sammlungen der Einrichtungen zu erfahren und in den die Konferenz begleitenden Workshops deren pädagogische Arbeitsmethoden kennenzulernen. Die Hauptversammlung der AEJM findet ebenfalls im Rahmen der Jahreskonferenz statt.
Kontakt
Association of European Jewish Museums
www.aejm.org
Jewish Museum London
www.jewishmuseum.org.uk
Jüdisches Museum Hohenems
www.jm-hohenems.at
3. Doktorandenseminar
Neue Forschungen zu Geschichte und Wirkung des Holocaust
7. bis 9. Juni 2011 in der Evangelischen Akademie Arnoldshain
Vom 7. bis 9. Juni 2011 fand in Arnoldshain das dritte interdisziplinäre Doktorandenseminar des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Arnoldshain statt. Andrea Löw (München) eröffnete die Veranstaltung mit einem öffentlichen Vortrag zum Thema »Chronisten des Gettos: Dokumentationstätigkeit in Litzmannstadt, Warschau und Białystok«. Löw fokussierte ihre Darstellung auf die Personen, Intentionen, Quellen und die Arbeitsweisen der Chronisten. Ihnen war das Ziel gemein, das Geschehen dokumentieren und den Tätern nicht das Bild von den Ghettos und ihren Bewohnern überlassen zu wollen.
An den folgenden beiden Tagen präsentierten zehn Doktorandinnen und Doktoranden von deutschen, österreichischen und niederländischen Universitäten in einer geschlossenen Veranstaltung ihre geplanten bzw. laufenden Projekte. Den Auftakt machte Christof Czech (Innsbruck), der die Funktionäre der Gauleitungen und die Kreisleiter der NSDAP in der »Ostmark« untersucht, die in den neu geschaffenen »Reichsgauen« Partei- und Staatsfunktionen zugleich ausübten. Die politische Sammelbiografie soll die Lebenswege der NS-Funktionäre über das Ende des »Dritten Reiches« hinaus nachzeichnen, um zu überprüfen, welche Karrieren nach 1945 noch möglich waren. Mirja Keller (Frankfurt am Main) befasst sich mit der Entwicklung der religiös-zionistischen Kibbuzbewegung auf europäischer Ebene (1933–1945). Sie betont, dass Fluchthilfe als Teil des jüdischen Widerstands und der Selbsthilfe bislang nicht hinreichend erforscht worden ist. Sie nimmt den transnational organisierten Chaluz-Verband Bachad in den Blick, der nach 1933 Hachschara-Zentren unter anderem in England, Frankreich, Belgien und den Niederlanden organisierte, und fragt nach dessen Ursprung, Organisation sowie ideologischen Zielen. Dagmar Lieske (Berlin) beschäftigt sich mit dem Instrument der kriminalpolizeilichen Vorbeugehaft im Nationalsozialismus und »Kriminellen« als Häftlingen im KZ Sachsenhausen. Trotz der großen Zahl Betroffener – es ist von 70.000 »Kriminellen« in den KZs auszugehen, von denen die Hälfte nicht überlebte – spielten »Berufsverbrecher« in den Gedenkstätten lange Zeit zumeist eine Nebenrolle. In diesem Kontext fragt Lieske auch nach den Kontinuitätslinien der Stigmatisierung nach 1945. Hanna Schmidt Holländer (Hamburg) setzt sich mit der Bildung in den »jüdischen« Ghettos im Zweiten Weltkrieg auseinander. Sie vertritt die These, dass neben den bislang gängigen Antworten – Flucht vor dem Alltag, geistiger Widerstand, Bildung eines jüdischen Nationalbewusstseins – Bildungsmöglichkeiten auch geschaffen wurden, um in den Ghettos die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Judith Weißbach (Heidelberg) stellte ihre Arbeit zur »Transformation jüdischer Identität – der Erinnerungsdiskurs deutschsprachiger jüdischer Flüchtlinge über das Exil in Schanghai 1938–1949« vor. Dort befand sich eine der größten Exilgemeinden; Weißbach analysiert auf Basis veröffentlichter und unveröffentlichter Autobiografien das Erleben von Verfolgung, Flucht, Exil und Nachexil. Sebastian Voigt (Leipzig) präsentierte sein Vorhaben zur »politischen Erfahrungsgeschichte jüdischer Intellektueller im Nachkriegsfrankreich«. Er befasst sich mit Daniel Cohn-Bendit (Jg. 1945), André Glucksmann (Jg. 1937) und dem heute weitgehend unbekannten Pierre Goldman (1944–1979). Er fragt unter anderem nach den Zusammenhängen zwischen »Herkunft und Erkenntnis« und wie die merkliche Präsenz von Juden in den verschiedenen linken Gruppen in Frankreich 1968 zu erklären ist. Zum Abschluss des zweiten Tages skizzierte Britta C. Jung (Groningen) ihre Arbeit über die »Transnationalisierung des Nationalen. Nationalisierung des Transnationalen: Die Inszenierung des Nationalsozialismus und Holocausts in der zeitgenössischen Jugendliteratur«. Sie geht davon aus, dass sich in keiner anderen Textgattung das Selbstverständnis einer Gemeinschaft so sehr reflektiert wie in den Texten, die Erwachsene speziell für Kinder und Jugendliche schreiben.
Den dritten Seminartag eröffnete Katharina Obens (Berlin), die sich mit der Rezeption von NS-Zeitzeugengesprächen bei Schülern in Deutschland beschäftigt. Ziel der sozialpsychologischen Rezeptionsforschung in der Arbeit von Obens ist es, Kriterien für die zukünftige pädagogische Arbeit mit lebensgeschichtlichen Interviews zu erarbeiten. Sarah Kleinmann (Tübingen) nimmt in ihrer Arbeit die museale Repräsentation von NS-Täterschaft, Täterinnen und Tätern in den Blick. Mahnmale und Gedenkstätten für die Opfer spielen im gesellschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit eine zentrale Rolle; sie stehen, so Kleinmann, aber auch für eine Auseinandersetzung mit den Tätern. Geplant ist die Untersuchung von etwa zehn Dauerausstellungen. Fabian Schwanzar (Jena) untersucht in seinem Projekt das Verhältnis von Gedenkstättenbewegung, Erinnerungskultur und Geschichtspolitik von 1979 bis 1990 und fragt nach den sozialen und politischen Bedingungen für das Entstehen von Gedenkstätten.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten sehr intensiv über die vorgestellten Projekte; im Fokus standen hierbei die Quellengrundlagen, die methodischen Zugriffe und vor allem auch die inhaltlichen Abgrenzungen der einzelnen Themen. Das nächste Doktorandenseminar wird voraussichtlich vom 10. bis 12. Oktober 2012 in der Evangelischen Akademie Arnoldshain stattfinden.
Vorträge
› Czech, Christof (Innsbruck), Politisches Spitzenpersonal der Ostmark. Die Funktionäre der Gauleitungen und die Kreisleiter. Eine politische Sammelbiographie
› Jung, Britta C. (Groningen), Transnationalsierung des Nationalen. Nationalisierung des Transnationalen: Die Inszenierung des Nationalsozialismus und Holocaust in der zeitgenössischen Jugendliteratur
› Keller, Mirja (Frankfurt am Main), Die transnationale Entwicklung der religiös-zionistischen Kibbuzbewegung auf europäischer Ebene von 1933 bis 1945
› Kleinmann, Sarah (Tübingen), Museale Repräsentation von NS-Täterschaft, Täterinnen und Tätern
› Lieske, Dagmar (Berlin), Unbequeme Opfer? Das Instrument der kriminalpolizeilichen Vorbeugehaft im Nationalsozialismus und »Kriminelle« als Häftlinge im KZ Sachsenhausen
› Obens, Katharina (Berlin), Rezeption von NS-Zeitzeugengesprächen bei Schülerinnen in Deutschland – Geschichtsbewusstseinsforschung mit Gruppendiskussionen
› Schmidt Holländer, Hanna (Hamburg), Bildung in den »jüdischen« Ghettos im Zweiten Weltkrieg › Schwanzar, Fabian (Jena), Vom Protest zur Erinnerung. Gedenkstättenbewegung und Geschichtspolitik 1979–1990
› Voigt, Sebastian (Leipzig), Zwischen Resistance und Holocaust. Zur politischen Erfahrungsgeschichte jüdischer Intellektueller im Nachkriegsfrankreich
› Weißbach, Judith (Heidelberg), Transformation jüdischer Identität – der Erinnerungsdiskurs deutschsprachiger jüdischer Flüchtlinge über das Exil in Schanghai 1938–1949
... Doktorandenseminar (Überblicksseite)
Kontakt
Dr. Jörg Osterloh
Fritz Bauer Institut
Telefon: +49 (0)69.798 322-35
Telefax: +49 (0)69.798 322-41
j.osterloh(at)fritz-bauer-institut.de
Axel Springer
Juden, Deutsche und Israelis
Internationale Konferenz, 27. und 28. März 2011 in Frankfurt am Main
Fritz Bauer Institut und Jüdisches Museum Frankfurt
»Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen« und »die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes« sind für die Redakteure des Axel Springer Verlags per Arbeitsvertrag verbindliche Ziele. Zwanzig Jahre nach dem Holocaust verschrieb sich Axel Springer (1912–1985) dieser proisraelischen Haltung, die ein persönliches Anliegen für ihn wurde. Wie kam er dazu und wie war seine Haltung zu Israel und den Juden?
Die internationale Konferenz des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt war ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung einer Ausstellung zum gleichen Thema, die am 13. März 2012 im Jüdischen Museum Frankfurt eröffnet wird. Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und Medienexperten beleuchteten dabei die Position Axel Springers und seines Konzerns in der deutschen Nachkriegsgesellschaft.
Die Tagung wurde am 27. März im Museum Judengasse mit einem Grußwort von Raphael Gross (Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt und des Fritz Bauer Instituts) eröffnet. Gross wies darauf hin, wie konfliktreich die Beschäftigung mit dem Thema »Axel Springer« bis heute sei und betonte, dass man die Konflikte nicht wiederholen wolle, sondern sich in dem geplanten Ausstellungsprojekt vielmehr mit den Kontroversen auseinandersetzen und neue Perspektiven aufzeigen wolle.
Dmitrij Belkin (Fritz Bauer Institut) stellte in seiner Präsentation »BILD dir dein Volk! Axel Springer und der Postholocaust-Boulevard« die zentralen Fragen vor, denen das Ausstellungsprojekt nachgehen wird. Dabei interessiert Belkin besonders die »positive mediale deutsch-israelische Symbiose«, die von Springer durch die Herstellung einer Parallele zwischen den geteilten Städten Berlin und Jerusalem generiert wurde.
Der Abendvortrag von Avi Primor (Israelischer Botschafter in Deutschland a.D., Direktor des Zentrums für Europäische Studien, Herzliya) rundete den ersten Konferenztag ab. Aus seiner politischen und persönlichen Perspektive schilderte Primor einige Aspekte der deutsch-israelischen Beziehungen, vor denen sich die Aktivitäten Springers abspielten. Seiner Ansicht nach brauchte Israel demnach »einen Freund wie Axel Springer«, da nicht politische Entscheidungen, sondern zwischenmenschliche Beziehungen zu einer Akzeptanz der deutschen Wiedergutmachungsbemühungen innerhalb der israelischen Gesellschaft führten.
Der zweite Konferenztag an der Goethe-Universität, Campus Westend, wurde mit der Sektion »Kollegen« eröffnet, in welcher die Frage danach, wie ein Nebeneinander von Juden und NS-Belasteten in der Führungsetage des Springer Verlags möglich war, im Mittelpunkt stand. In dem von Erik Lindner (Axel Springer Stiftung, Berlin) moderierten Panel gab zunächst Christian Plöger (Jagdfeld Gruppe, Berlin) Einblick in die Biografie von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell (1911–1997). Als früherer Pressesprecher des NS-Außenministers Carl Ribbentrop und ehemaliges ranghohes Mitglied der SS war Carell bis zum Tod Springers dessen enger Vertrauter, Redenschreiber und Sicherheitschef. Gleichzeitig war Ernst Cramer (1913–2010), der im Mittelpunkt des Vortrags von Gudrun Kruip (Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Stuttgart) stand, von 1958 an bis zu seinem Tod im Jahre 2010 ebenfalls einer der engsten Berater und Freunde Axel Springers. Obwohl er als Jude einen Teil seiner Familie im Holocaust verloren hatte, wurde die Vergangenheit mancher Kollegen, so Kruip, von ihm in der Regel heruntergespielt und trat hinter die Diskussionen über aktuelle Themen zurück.
Wolfgang Kraushaar (Hamburger Institut für Sozialforschung) ging in seinem Vortrag »Axel Springer als Zielscheibe der RAF«, welcher das von Raphael Gross moderierte Panel »RAF, Axel Springer, Israel« eröffnete, zunächst auf die Rolle Springers als »negative Idealfigur« für die Studentenbewegung ein. Diese griff den Verleger besonders für seine »Heile-Welt-Ideologie« und die Monopolisierung der Medienmacht an. Die Anhänger der RAF forderten jedoch, Springer auch ökonomisch anzugreifen – eine Position, die in der Parole »Enteignet Springer!« gipfelte.
Werner Konitzer (Fritz Bauer Institut) beleuchtete in seinem anschließenden Vortrag »Meinhof, Springer, Israel« speziell die publizistischen Agitationen Ulrike Meinhofs gegen die proisraelische Haltung der Springer-Presse und legte dabei besonderes Augenmerk auf ihren im Juli 1967 als Reaktion auf den Sechstagekrieg in der Zeitschrift konkret veröffentlichten Kommentar, wonach die Springer-Presse neben der europäischen Linken und den US-amerikanischen Ölinteressenten zu den »Drei Freunde[n] Israels« gehöre und die BILD-Zeitung am Berg Sinai nach 25 Jahren »doch noch die Schlacht von Stalingrad gewonnen« habe.
In der dritten Sektion präsentierten Jochen Staadt (Forschungsverbund SED-Staat, Berlin) und Stefan Wolle (DDR-Museum, Berlin) unter dem Titel »Stasi, Springer und der ›Antizionismus‹ der DDR« Ausschnitte aus dem fünfteiligen DDR-Propagandafilm Ich, Axel Caesar Springer von 1970, die sich um ein inszeniertes geheimes Treffen Springers mit israelischen Politikern in Israel drehen. Als Unterstützer der arabischen Staaten, so Staadt und Wolle, habe die SED im Zionismus eine Form von Faschismus gesehen und demnach gleichsam Axel Springer als Faschisten »enttarnt«.
In dem von Georg M. Hafner (Hessischer Rundfunk) eingeführten Panel »Springer-Presse, Israel, Medienpolitik« schilderte zunächst Ulrich W. Sahm (Journalist und Publizist, Jerusalem) in seinem Vortrag »Axel Springer Verlag und die deutsche Medienkontroverse um das ›Gelobte Land‹« aus der Perspektive seiner »35-jährigen journalistischen Odyssee« die deutsche Medienberichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt. Im Anschluss daran gingen die Medienexperten Michael Behrent (SCRIPT Corporate + Public Communication, Frankfurt am Main) und Klaus Kocks (PR-Berater und Publizist) unter dem Titel »Fabelhafte Leitkultur: Zur vorsätzlich israelfreundlichen Berichterstattungspolitik des Springer Verlages« intensiv auf die 1967 formulierten »fünf gesellschaftspolitischen Grundsätze« des Springer Verlages ein, wonach das »Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen« und »die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes« angestrebt werden sollen.
Einen Höhepunkt der Konferenz, wie sich auch an der Zahl der Zuschauer manifestierte, bildete zweifelsohne der von Esther Schapira (Hessischer Rundfunk) moderierte Round Table, an welchem Daniel Cohn-Bendit (Co-Vorsitzender der Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz im Europäischen Parlament, Brüssel), Gudrun Kruip (Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Stuttgart) Christina von Hodenberg (Queen Mary University of London) und Thomas Schmied (Herausgeber der WELT-Gruppe, Axel Springer AG, Berlin) teilnahmen. Einerseits wurde hier aus der Sicht von Zeitzeugen und persönlich Involvierten, andererseits aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft die Frage »Axel Springer und die Juden. Eine bundesrepublikanische Geschichte?« diskutiert.
In seinem abschließenden Kommentar formulierte Norbert Frei (Friedrich-Schiller-Universität Jena/New School, New York) durch die Zusammenfassung zentraler, in den Vorträgen postulierter Thesen mögliche ausstellungsrelevante Fragestellungen. Dabei ging er besonders ein auf die Bedeutung der Springer-Presse der 1950er und frühen 1960er Jahre und die zentrale Rolle der BILD-Zeitung in der Konstituierung der Medienlandschaft und der Öffentlichkeit in der Bundesrepublik.
Insgesamt bot die Tagung einen umfangreichen Überblick über viele bisher unbekannte Facetten des Springer Verlags und dessen Gründer Axel Springer – ein Thema, das viele interessiert und bis heute polarisiert, wovon ein zahlreiches und aktiv diskutierendes Publikum beredtes Zeugnis ablegte (über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wohnten den Vorträgen an beiden Konferenzorten bei). Die Konferenz stieß darüber hinaus auf ein signifikantes Interesse bei lokalen und deutschlandweiten Presseorganen und Radiosendern. Zahlreiche Ideen und Impulse der internationalen Konferenz werden sowohl im Katalog zur Ausstellung als auch bei der weiteren Ausstellungsplanung eine wichtige Rolle spielen.
Bericht von Anne Gemeinhardt, Fritz Bauer Institut
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Dmitrij Belkin
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