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Pädagogisches Zentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust
und zur jüdischen Geschichte in Deutschland und Europa eröffnet

Am 3. September 2009 wurde in Frankfurt am Main ein gemeinsames Pädagogisches Zentrum des Jüdischen Museums und des Fritz Bauer Instituts eröffnet. Damit entsteht eine bundesweit einzigartige Einrichtung. Das Zentrum verbindet die pädagogischen Kompetenzen für zwei Themenfelder, die oft vermengt werden: die jüdische Geschichte als Geschichte einer religiösen und kulturellen Minderheit in Deutschland vom Mittelalter bis zur Gegenwart ist von der Geschichte des Holocaust und seinem Nachwirken zu unterscheiden, die von den Verbrechen des Nationalsozialismus und den daran mitwirkenden Tätergruppen handelt.

Beide Themenfelder bedürfen unterschiedlicher pädagogischer Vermittlungsangebote sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für Erwachsene. Die Erfahrungen und Angebote des Jüdischen Museums und des Fritz Bauer Instituts werden in dem neuen Zentrum fortgeführt. Fachlehrer für die Fächer Geschichte, Deutsch und Politik entwickeln für das neue Zentrum spezifische Angebote. Das Pädagogische Zentrum bietet regelmäßig Lehrerfortbildungen an und stellt neuartiges Unterrichtsmaterial bereit. Darüber hinaus ist es Anlaufstelle für Beratungen zur Vermittlung der Themen in schulischen und außerschulischen Bildungseinrichtungen. Methodische Fragen der Vermittlung der Jüdischen Geschichte und des Holocaust in von Migration geprägten Lerngruppen sind ein Schwerpunkt der Fortbildungsangebote. Hierin besteht auch nach Auffassung von Ministerin Henzler eine der zentralen Aufgaben des Geschichtsunterrichts heute: „Besonders wichtig scheint mir die Realisierung von Konzepten zu sein, die jüdische Geschichte und die Geschichte des Holocaust in Lerngruppen thematisieren, in denen Kinder und Jugendliche gemeinsam lernen, die oft ganz unterschiedliche familiäre Geschichten einbringen. Was interessiert Jugendliche, aber auch junge Lehrerinnen und Lehrer, heute an der Geschichte der Frankfurter Judengasse oder des Nationalsozialismus? Hierauf müssen wir zeitgemäße Antworten finden.“

In Studientagen können schwierige Themen wie die Frage nach den Entscheidungen des Einzelnen in der Zeit des Holocaust ebenso behandelt werden wie kulturelle Informationen – beispielsweise die hervorgehobene Stellung des Essens im Judentum, die anschaulich vor Augen geführt wird.

Die Entstehung des Pädagogischen Zentrums basiert auf der Unterstützung des Hessischen Kultusministeriums. Es ermöglicht mit 3,5 Lehrerstellen für das neue Zentrum die konzentrierte Arbeit an dem breit gefächerten Angebot. Das entspricht ca. 163.000 € pro Jahr. Das Zentrum ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines institutionellen Zusammenwachsens von Jüdischem Museum und Fritz Bauer Institut. Seinen festen Ort soll das Pädagogische Zentrum in dem geplanten Anbau des Jüdischen Museums  erhalten, um so die räumliche Nähe zu Ausstellungen, Bibliothek und Archiv des Museums zu nutzen. Seine Arbeit nimmt das Pädagogische Zentrum jedoch ab sofort auf.

Mitarbeiter/innen und ihre Arbeitsschwerpunkte

Dr. Wolfgang Geiger, Lehrer für Geschichte und Französisch an Gymnasien, Fachvorsitzender Geschichte an der Dreieichschule in Langen, Gymnasium des Kreises Offenbach.
Wolfgang Geiger untersucht die Darstellung von Juden in Geschichtsschulbüchern und auf Websites. Ihn interessiert die Tradierung antijüdischer und antisemitischer Stereotype durch in Schulen benutztes Unterrichtsmaterial. Dazu gehört die Behauptung der besonderen Affinität von Juden zu Geldgeschäften, dazu gehört ebenso die unhistorische Darstellung des Nahostkonfliktes in deutschen Schulbüchern. Er unterrichtet jüdische Geschichte seit der Antike. Besonderes Interesse hat er an der Geschichte des Antisemitismus und des Rassismus in Europa. Er ist Lehrbeauftragter am Seminar für Didaktik der Geschichte und am Historischen Seminar der Johann Wolfgang Goethe-Universität.

Monica Kingreen, Diplom Pädagogin, Grund-, Haupt- und Realschullehrerin zuletzt an der Geschwister Scholl Schule in Niddatal, aktuell abgeordnet an das Fritz Bauer Institut.
Der Arbeitsschwerpunkt von Monica Kingreen liegt in der jüdischen Lokal- und Regionalgeschichte vor 1933, aber auch während der NS-Zeit und im Holocaust. In diesem Arbeitsfeld berät sie Lehrkräfte aus Grund-, Haupt-, Real- und Förderschulen. Für diese Schultypen erstellt sie Unterrichtsmaterialien als Online-Produkte und als Reader. Sie berät Heimatforscher und Initiativen von Gedenkprojekten bei der Spurensuche und bei Recherchen nach jüdischen Familien vor Ort. Sie ist Lehrbeauftragte am Seminar für die Didaktik der Geschichte der Johann Wolfgang Goethe-Universität.

Gottfried Kößler, Lehrer für Geschichte, Deutsch und Politik für Gymnasien und Berufliche Schulen, zuletzt an der Klingerschule Frankfurt am Main, aktuell abgeordnet an das Fritz Bauer Institut.
Gottfried Kößler beschäftigt sich mit Prozessen des Lernens von Zeitgeschichte in der Migrationsgesellschaft. Er reflektiert dabei die Herausforderungen, die mit dem Anspruch verbunden sind, historisches Lernen über Nationalsozialismus und Holocaust mit der Vermittlung demokratischer Werte und Spielregeln zu verbinden. Gottfried Kößler berät und unterstützt Anfragen zur pädagogischen Arbeit mit Medien, Zeitzeugen und Gedenkstätten. Er nimmt Lehraufträge wahr  am
Seminar für die Didaktik der Geschichte der Johann Wolfgang Goethe-Universität.

Manfred Levy, Haupt-, Real- und Förderschullehrer für Englisch und Politik, erst an der I.E. Lichtigfeld-Schule (Staatlich anerkannte Privatschule mit Förderstufe) in Frankfurt am Main, aktuell an der Carlo Mierendorff Schule (Integrierte Gesamtschule) in Frankfurt am Main.
Manfred Levy beschäftigt sich mit Lernprozessen lernschwacher Kinder und Jugendlicher. Ihn interessieren interreligiöse Beziehungen in gemischten Lerngruppen heute. Er vermittelt jüdische Lebensformen der Gegenwart, beschäftigt sich aber auch mit historischen Formen des Judentums und mit dem jüdischen Leben in Frankfurt nach 1945. Er thematisiert Gedenktraditionen in Deutschland und angemessene Formen des Gedenkens für Jugendliche.

Dr. Martin Liepach, Gymnasiallehrer für Geschichte und Mathematik der Sekundarstufen I und II, zunächst am Goethe-Gymnasium Frankfurt, der Philipp-Reis-Schule Friedrichsdorf, der Taunusschule Königstein, aktuell an der Liebigschule in Frankfurt am Main (Europagymnasium).
Martin Liepach beschäftigt sich mit der jüdischen Geschichte der Neuzeit und der Zeitgeschichte. Er analysiert Schulbücher und Lehrpläne auf deren Perspektive auf die jüdische Geschichte. Er untersucht und reflektiert die Möglichkeiten des Museums als außerschulischem Lernort und entwickelt museumspädagogische Konzepte. Er ist Lehrbeauftragter am Historischen Seminar der Johann Wolfgang Goethe-Universität.

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Das Pädagogische Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt ist täglich zwischen 10.00 und 16.00 Uhr erreichbar. Für längere Beratungsgespräche können Termine vereinbart werden. Schulinterne Fortbildungen können ebenfalls individuell vereinbart und geplant werden. Die Kosten für Lehrgänge richten sich nach Gruppengröße, Teamer-Anzahl und nach der Entfernung von Frankfurt am Main. Für hessische Schulen finden Beratungen und schulinterne Fortbildungen kostenfrei statt. Das Pädagogische Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt ist vom „Institut für Qualitätssicherung“ als Fortbildungsträger akkreditiert. Es kann also für schulinterne Fortbildungen angefragt werden; entsprechende Punkte sind anrechenbar. Alle Lehrerfortbildungsveranstaltungen des Pädagogischen Zentrums sind ebenfalls akkreditiert, es stellt die entsprechenden Bescheinigungen aus. Für außerschulische Veranstaltungen ist das Fritz Bauer Institut nach dem HIBUG als Träger von Bildungsurlaubsveranstaltungen anerkannt.
  www.paedagogisches-zentrum-ffm.de
  Programmflyer  pdf-Datei
[1.311 kByte]  

Anmeldungen für Lehrerfortbildungen
Martin Liepach, Jüdisches Museum Frankfurt
Untermainkai 14/15, 60311 Frankfurt am Main
Tel. 069–212 388 04
  martin.liepach[at]stadt-frankfurt.de

  www.juedischesmuseum.de

Kontakt
Gottfried Kößler, Fritz Bauer Institut
Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main
Tel. 069–798 322 32

 
g.koessler[at]fritz-bauer-institut.de

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Einsicht 01

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Bulletin des Fritz Bauer Instituts
Nr. 01 · Frühjahr 2009 · 1. Jahrgang
Erscheint zweimal jährlich (April/Oktober)
in einer Auflage von 5.000 Exemplaren.

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