Konfrontationen Pädagogische Annäherung an Geschichte und Wirkung des Holocaust Das Projekt Konfrontationen Beratung – Fortbildung – Materialien und Medien Pädagogische Arbeit zu den Themen Nationalsozialismus und Holocaust provoziert häufig die Erwartung nach Moralerziehung und Vermittlung demokratischer Grundüberzeugungen. Die Geschichte des Holocaust wird dabei vor allem als Lernanlass für diese Ziele gesehen. Konfrontationen will eine Umsetzung dieser Erwartung ermöglichen, ohne dabei jedoch das historische Lernen aus den Augen zu verlieren. Die Zugänge eines solchen Lernens werden dabei möglichst nah an den Lebensverhältnissen der heutigen Jugendlichen entwickelt. Aktuelle Themen werden im Kontext der Fragen an die Zeit des Nationalsozialismus diskutiert, ohne falsche Gleichsetzungen nahe zu legen. Durch die Stärkung der Fähigkeit zum Wechsel der Perspektiven wird die Wahrnehmung des Anderen und des Fremden unterstützt. Das Gedenken an die Ermordeten wird als unabdingbares Thema der pädagogischen Beschäftigung mit dem Holocaust begriffen. Konfrontationen ist ein pädagogisches Konzept für die schulische und außerschulische Bildung. Es beinhaltet die Beratung von Schulen und Bildungsträgern, die Fortbildung von Pädagogen in Schulen, Gedenkstätten und anderen Institutionen für historisch-politische Bildung sowie die Entwicklung von Materialien und Medien. Konfrontationen basiert auf einem interdisziplinären Ansatz. Die Bausteine sind nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung des auf die Vermittlung von Fakten orientierten Unterrichts zu verstehen. Der Einsatz von gestaltpädagogischen und kreativen Lernmethoden im Zusammenhang mit dem historischen Lernen ist ein Schwerpunkt des methodischen Konzepts. Die Verwendung von lokalhistorischem Quellenmaterial, das in den meisten Städten und Gemeinden inzwischen vorliegt, wird angeregt. Zugleich ist die Beschäftigung mit künstlerischen Formen der Verarbeitung des Genozids ein Teil der Vermittlung von historischem Wissen. Konfrontationen geht von der Erkenntnis aus, dass eigenes Alltagshandeln Einfluss auf soziale Prozesse und die Wahrung der Menschenrechte hat. Die Erfahrung der Lernenden in ihrem eigenen Lebenszusammenhang wird in den Materialien und Methoden nach Möglichkeit zum Ausgangspunkt des Lernens gemacht. Die Durchsetzung des Nationalsozialismus und die Veränderung des Alltags im 3. Reich werden als Teil der Geschichte des Holocaust vorgestellt. Dadurch wird die Beschäftigung mit Geschichte auf Entscheidungssituationen im historischen Alltag konzentriert. Die unterschiedlichen Perspektiven der Handelnden im Geschehen der nationalsozialistischen Verbrechen werden betont, die Fähigkeit zu Perspektivenwechseln somit gefördert. Konfrontationen ist kein geschlossenes Programm. Einzelne Bausteine, Sequenzen sowie Übungsschritte sind als Anregungen und Vorschläge zu verstehen, die je nach Situation verändert werden müssen. Viele Übungen wurden erfolgreich in der Praxis erprobt. Der konkrete Einsatz wird jedoch von der individuellen Ausgangslage der Lerngruppe abhängen. Schulinterne Beratungen und Fortbildungsveranstaltungen sind daher ein besonders wichtiger Teil von Konfrontationen.
p TOP Konfrontationen Bausteine für die pädagogische Annäherung an Geschichte und Wirkung des Holocaust Die Heftreihe Bausteine für die pädagogische Annäherung an Geschichte und Wirkung des Holocaust besteht aus insgesamt sechs Heften, die nicht als chronologisch geordnet zu verstehen sind. Sie stellen – gegliedert in einzelne Bausteine – ein Material- und Methodenangebot zu wesentlichen Aspekten des Themas Holocaust zur Verfügung. Die Bausteine lassen sich im Regelunterricht ebenso einsetzen wie in einer Projektwoche und eignen sich für Wochen- oder Wochenendseminare im Rahmen von historisch-politischer Bildung. Als Mindestalter schlagen wir 15 Jahre vor. Die Hefte 1 und 2 ermöglichen einen Einstieg ins Thema anhand von Entscheidungssituationen im heutigen und historischen Alltag. Sie können weitgehend unabhängig voneinander verwendet werden und sind auch ohne Vorkenntnisse nutzbar. Lernziele sind hier vor allem die Fähigkeit zur Übernahme fremder Perspektiven, die Bestimmung eigener Standpunkte und das Verstehen von Mechanismen in kleineren und größeren Gruppen. Ausgangspunkte sind stärker als in den nachfolgenden Heften die Alltagserfahrungen heutiger Jugendlicher. Die Hefte 3 bis 6 konzentrieren sich auf die nationalsozialistischen Verbrechen aus verschiedenen Perspektiven. Sie sind thematisch und nicht durchgängig chronologisch geordnet. Die Materialien und Übungen in diesen Heften beinhalten neben vielfältigen Informationen und Fallbeispielen auch Impulse für das Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung. Die einzelnen Bausteine in diesen Heften können jeweils unabhängig voneinander verwendet werden. Sie setzen erste historische Kenntnisse voraus. Zu den Themen Konzentrations- und Vernichtungslager bietet das Fritz Bauer Institut außerhalb der Konfrontationen-Reihe pädagogische Materialien an. Die "Konfrontationen"-Reihe ist vollständig Das letzte noch ausstehende Heft aus der Reihe Konfrontationen – Bausteine für die pädagogische Annäherung an Geschichte und Wirkung des Holocaust wird in diesem Jahr fertig gestellt. Es kann ab Januar 2004 über das Fritz Bauer Institut bezogen werden. Die Fertigstellung der Hefte ist Anlass für einen Blick auf die Veränderungen des Konzeptes seit dem Beginn vor etwa 10 Jahren.Transformationen eines pädagogischen Projektes Konfrontationen hat sich in der Arbeit an den Bausteinen für die Hefte 3 bis 6 und in der Erprobung durch Lehrkräfte bzw. in der Fortbildung immer mehr zu einer Zusammenstellung von inhaltlichen und methodischen Vorschlägen entwickelt. Das ist ein grundsätzlicher Unterschied im Vergleich zu dem Anspruch, der in der Einleitung zu Heft 1 formuliert worden ist. Dort wird ein in sich geschlossenes Angebot für einen Gesamtkurs zum Thema „Holocaust“ entworfen, das Vergangenheit und Gegenwart in unmittelbare Verbindung bringen sollte. Die ersten beiden Hefte gehen in großer Nähe zu unserem damaligen „Pateninstitut“ Facing History and Ourselves aus Boston von heutigen alltäglichen Erfahrungen aus und bieten eine Vielzahl von Übungen zu aktuellen Problemen von Jugendlichen an, die sich für Einzelne oder für Gruppen stellen. Diese Bausteine wurden vor 5 bis 6 Jahren konzipiert. Inzwischen hat sich auf dem Markt der Angebote zu Demokratie- und Toleranzerziehung sehr viel verändert. Es gibt Programme (z.B. Achtung+Toleranz von CAP), die ähnliche Konzeptionen verfolgen wie Facing History and Ourselves, dabei aber viel weniger die historische Folie des Nationalsozialismus als Motiv und Referenzraum nutzen. Dies liegt nicht zuletzt an der Nähe der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland zum Nationalsozialismus, die sich nicht nur in Familienerzählungen ausdrückt. Die Präsenz der Erinnerung macht eine funktionale Bezugnahme auf diese Epoche im Rahmen der Menschenrechtserziehung um so schwerer, je näher man dem Mordgeschehen selbst kommt. Zugleich hat die Forschung zur NS-Zeit inzwischen durch die Betonung der Täterforschung eine andere Perspektive eröffnet. Die Besonderheit der Bausteine in der Konfrontationen-Reihe liegt inzwischen weniger in der engen Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit. Die Bausteine gehen vielmehr vom Grundsatz des Perspektivenwechsels als einem Prinzip der interkulturellen Bildung aus. Dabei werden die von der historischen Forschung erschlossenen Erzählungen über Täter und Retter mit den Berichten aus der Sicht der Verfolgten verbunden. Die methodischen Wege dieser Verbindung machen die Besonderheit unserer Angebote aus. Konfrontationen bemüht sich, das schwierigste Kapitel der deutschen Geschichte so darzubieten, dass darüber ein Prozess des Austausches und der Verständigung in einer Lerngruppe angestoßen werden kann.Heft 5: „Deportationen“ Wir haben uns entschieden, die pädagogische Annäherung an das Mordgeschehen nicht weiter als bis zu den Deportationen zu versuchen. Den Tod selbst und das Handeln der Mörder halten wir nicht für ein Thema, dessen Details in pädagogischen Zusammenhängen angemessen behandelt werden können. Die Lernchancen des Themas „Deportationen“ liegen in der Möglichkeit zur Entwicklung von Mitgefühl gegenüber den Verfolgten, die der letzten Bedingungen für ein würdiges Leben beraubt werden. Sie liegen zugleich in der Möglichkeit, auf der Täterseite Alternativen zur Beteiligung bei diesem nicht nur bürokratischen Morden aufzuzeigen. Die Verschleppung der jüdischen Nachbarn erfolgte eben auch mitten im Alltag der Mehrheit. Schließlich wird das Heft auch Vorschläge für eine im Unterrichtsrahmen mögliche Annäherung an das Gedenken an die Opfer enthalten. Die systematischen Deportationen aus dem „Altreich“ setzten im Herbst 1941 ein. Spätestens seit dem Novemberpogrom 1938 wurde die Situation für Juden in Deutschland immer auswegloser und bedrohlicher. Wer noch „auswandern“ konnte, verließ seine Heimat, unter großem finanziellen Verlust. Wer nicht flüchten konnte, verlor alles: die wirtschaftliche Existenz, das Zuhause, die Staatsbürgerschaft. Das Heft „Deportationen“ beschäftigt sich mit der Lebenswirklichkeit von Juden in Deutschland nach 1938 bis zur gewalttätigen Verschleppung in die Lager und Ghettos in Osteuropa. Themen sind die Auswirkungen der immer massiver werdenden Entrechtungsmaßnahmen auf die jüdischen Menschen, der Zusammenhang zwischen den Deportationen und der Enteignung und „Verwertung“ des Eigentums der Verschleppten und Vertriebenen, die Bürokratisierung der Gewalt im Nationalsozialismus, sowie der Vorgang der eigentlichen Deportation, die Konzentrierung und der Transport. Das Konzept Konfrontationen betont die Arbeit mit unterschiedlichen Quellensorten und vor allem den Wechsel der Perspektiven. Dies wird in diesem Heft durch die Zusammenstellung unterschiedlicher Formen der Erzählung und die Analyse von Bildquellen ermöglicht. Die Weiterarbeit nutzt jeweils die Quellen als Ausgangspunkt für die Beschäftigung mit den je eigenen Erinnerungsmustern und schafft Anlässe für Diskussionen in den Lerngruppen.Dank und Ausblick Das Projekt Konfrontationen gehört nach der Publikation dieses Heftes zum festen Angebot des Fritz Bauer Instituts. Wir danken allen Spendern und Unterstützern des Projektes und der Publikation der Heftreihe. Einen besonderen Dank möchten wir wegen der nachhaltigen Förderung dem Förderverein Fritz Bauer Institut e.V., der Max Traeger Stiftung und der Ernst Ludwig Chambré Stiftung zu Lich aussprechen. Das Hessische Kultusministerium und das Hessische Landesinstitut für Pädagogik ermöglichen seit 10 Jahren die pädagogische Arbeit des Fritz Bauer Instituts. Die Entwicklung des Projektes insgesamt wäre ohne die Zusammenarbeit mit Facing History and Ourselves /AED in der Anfangsphase sowie der Akademie Frankenwarte in Würzburg und der Europäischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte in Weimar nicht möglich gewesen.Gottfried Kößler, Fritz Bauer Institut
p TOP Sprechzeiten – Beratung – Lehrgangsangebote Die Pädagogische Abteilung des Fritz Bauer Instituts ist täglich zwischen 10.00 und 16.00 Uhr erreichbar. Für längere Beratungsgespräche können Termine vereinbart werden. Schulinterne Fortbildungen können ebenfalls individuell vereinbart und geplant werden. Schulinterne Fortbildungen und Beratung Einführungsworkshop für Fachkonferenzen oder fachübergreifende Arbeitsgruppen. Beratung bei der Entwicklung von schulinternen Curricula.Holocaust als Thema für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren Einführungsveranstaltung zum Lesekoffer. Beratung zum Thema Kinder- und Jugendliteratur zum Nationalsozialismus und Holocaust. Spurensuche und Gedenken Beratung bei der Konzeption und Durchführung von Spurensuche-Projekten und bei der Konzeption von Gedenkveranstaltungen in Schulen. Neues Beratungsangebot: „Erinnerung vor Ort“ zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in Hessen Auch wenn es erfreulich viele hessische Städte und Gemeinden gibt, in denen die Geschichte der jüdischen Bürger dokumentiert ist und in den letzten Jahren und auch Jahrzehnten eine aktive Erinnerungs- und Gedenkarbeit geleistet worden ist, gibt es doch noch immer sehr viele Orte, in denen die Geschichte der jüdischen Bewohner, die bis zur NS-Zeit das Leben in diesen Ortschaften gemeinsam mit den christlichen Bewohnern gestalteten, nicht genau erforscht ist. Oft sind weder die Namen der früheren jüdischen Bürger bekannt, noch weiß man, wo sie genau im Ort gelebt haben, wie sie zum Ortsgeschehen beitrugen, wie sie in der NS-Zeit diskriminiert und verfolgt wurden, wann und wohin sie vertrieben wurden, wie ihr weiteres Flucht – oder Verfolgungsschicksal war, wann und wohin sie gewaltsam verschleppt, wann und wie sie ermordet wurden. All diesen Fragen nachzugehen, dazu möchte das Beratungsangebot „Erinnerung vor Ort“ ermutigen und Interessierten, seien es Einzelpersonen, Geschichts- und Heimatvereine oder Schulklassen, konkrete Hilfestellungen zum Auffinden zahlreich vorhandener Hinweise in den Archiven und anderswo geben. Monica Kingreen, die sich seit vielen Jahren mit diesen Fragen in verschiedenen Regionen Hessens beschäftigt hat, wird verantwortlich für dieses neue Beratungsangebot des Fritz Bauer Instituts sein. Schwerpunkte unserer Beratung sind die Planung von schulspezifischen Curricula zum Thema Nationalsozialismus und Holocaust, die Planung von Gedenkstättenfahrten, die Unterstützung bei der Gestaltung von Gedenktagen, die Nutzung von Medien bei der pädagogischen Annäherung an die Geschichte des Holocaust. Die Kosten für Lehrgänge richten sich nach Gruppengröße, Teamer-Anzahl und nach der Entfernung von Frankfurt am Main. Für hessische Schulen finden Beratungen und schulinterne Fortbildungen im Rahmen des Hessischen Landesinstituts für Pädagogik (HeLP) statt.
p TOP Info Fritz Bauer Institut Pädagogische Abteilung Grüneburgplatz 1, D-60323 Frankfurt am Main Tel: 0 69–79 83 22–31 / –32, Fax: –41 E-mail: paed@fritz-bauer-institut.de Internet: http://www.fritz-bauer-institut.de ► Fritz Bauer Institut: Abteilung Pädagogik ► Die Publikationsreihe "Konfrontatiuonen"
Infoblatt zum Projekt Konfrontationen ► Infoblatt "Konfrontationen" (pdf-Datei für die Bildschirmdarstellung) ► Infoblatt "Konfrontationen" (pdf-Datei zum Ausdrucken)
Spendenaufruf Für die Fortführung des Projekts „Konfrontationen" benötigen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Spenden bitte an das Fritz Bauer Institut, Stichwort „Konfrontationen", per Scheck oder Überweisung. Spendenkonto: Frankfurter Sparkasse · BLZ: 500 502 01 · Konto: 321 901
Danke! Für die kontinuierliche Förderung des Projektes "Konfrontationen" danken wir dem Kultusministerium des Landes Hessen dem Förderverein Fritz Bauer Institut e.V. und der Max-Traeger-Stiftung Für die finanzielle Unterstützung des Projekts "Konfrontationen" gilt unser Dank: Verband der Chemischen Industrie e.V. | Die Sparkassen in Hessen | Zweites Deutsches Fernsehen | Frankfurter Versicherungs- Aktiengesellschaft | Gruner+Jahr AG & Co | IG Metall | Landkreis Marburg-Biedenkopf | Elektroholding GmbH | Landeszentralbank in Hessen | Sparkasse Marburg-Biedenkopf | Deutsche Bundesbank | DG Bank | Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen | Stadt Karlsruhe | IG Bau-Agrar-Umwelt | Stiftung Europäische Jugendbildung | Ernst Ludwig Chambré Stiftung | Roswitha Breuninger | Janos Gati | Alexander Krebs-Gehlen jr. | Helga Nitsche | Ernst Raim | Klaus Schultz | Claudia Spurk | Odenwaldkreis
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