Fritz Bauer Institut

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20 Jahre Fritz Bauer Institut

Im Januar 1995 – 50 Jahre nach der Befreiung der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager – ist die Stiftung Fritz Bauer Institut, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust, in Frankfurt am Main gegründet worden.

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Am 11. Januar 1995 wurde die Verfassung der Stiftung Fritz Bauer Institut von den drei Gründungsstiftern, dem Land Hessen, der Stadt Frankfurt am Main und dem Förderverein Fritz Bauer Institut e.V., unterzeichnet.

Im Rahmen eines Festaktes im Frankfurter Schauspielhaus wurde am 15. Januar 1995 die Stiftung Fritz Bauer Institut in das Goldene Stiftungsbuch der Stadt Frankfurt am Main eingetragen. Die Stiftungsurkunde wurde unterzeichnet von:

Für die Stadt Frankfurt am Main
Oberbürgermeister Andreas von Schoeler
Stadträtin Linda Reich

Für das Land Hessen
Ministerpräsident Hans Eichel
Ministerin für Wissenschaft und Kunst Prof. Dr. Evelies Mayer

Für den Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.
1. Vorsitzender Werner Schneider
Schriftführer Gottfried Kößler

Gründungsdirektor des Fritz Bauer Instituts – und zuvor schon Leiter der Arbeitsstelle zur Vorbereitung des Frankfurter Lern- und Dokumentationszentrums des Holocausts – war Dr. Hanno Loewy, heute Direktor des Jüdischen Museums Hohenems.


Anhang


Eintragung in das Goldene Stiftungsbuch der Stadt Frankfurt am Main
Foto, von links nach rechts: Werner Schneider-Quindeau und Gottfried Kößler für den Förderverein Fritz Bauer Institut e.V., der hessische Ministerpräsident Hans Eichel, Kulturdezernentin Linda Reisch, Oberbürgermeister Andreas von Schoeler und die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Evelies Mayer
... Eintragung in des Goldene Stiftungsbuch (jpg, 146 kb)

Dokumentation des Festaktes anlässlich der Gründung der Stiftung Fritz Bauer Institut am 15. Januar 1995 im Schauspiel Frankfurt am Main.
Inhalt:
Vorwort von Hanno Loewy und Werner Schneider
Ansprachen zur Stiftungsgründung
– Kulturdezernentin Linda Reisch
– Ministerpräsident Hans Eichel
– Oberbürgermeister Andreas von Schoeler
– Werner Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Fritz Bauer Institut
– Hanno Loewy, Leiter des Fritz Bauer Instituts
Peter Weiss, Meine Ortschaft. Text der Lesung mit Jürgen Holtz
Briefe zur Stiftungsgründung
Ausgewählte Presseveröffentlichungen
... Dokumentation (pdf-Datei, 32 MB)

... Stiftungsurkunde (pdf-Datei, 529 kb)


Kinotipp:
IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS

Ein Film von Giulio Ricciarelli

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Drama/Spielfilm, D 2014, 122 Min., FSK 12
Prädikat besonders wertvoll
Regie: Giulio Ricciarelli
Drehbuch: Elisabeth Bartel, Giulio Ricciarelli
Mit Alexander Fehling, André Szymanski, Friederike Becht, Johann von Bülow, Robert Hunger-Bühler, Hansi Jochmann, Gert Voss, Lukas Miko, Johannes Krisch, u.a.
Filmstart: 6. November 2014

Der Spielfilm hat die Vorgeschichte des Frankfurter Auschwitz-Prozesses zum Gegenstand. Historische Figuren im Film sind Fritz Bauer (gespielt vom kürzlich verstorben Burgtheater-Schauspieler Gert Voss), Hermann Langbein (Lukas Miko) und der Journalist Thomas Gnielka (André Szymanski).
Gnielka war es gewesen, der im Januar 1959 Bauer Auschwitz-Dokumente zusandte, die für den hessischen Generalstaatsanwalt die willkommene Handhabe waren, nach § 13a StPO durch den BGH den Gerichtsstand bestimmen zu lassen. Der Spielfilm endet mit dem Tag der Eröffnung der Hauptverhandlung (20. Dezember 1963) am historischen Ort, im Frankfurter Römer.
Das Fritz Bauer Institut hat in Kooperation mit OStA a. D. Gerhard Wiese die Drehbuchautoren beraten.

Deutsche Film- und Medienbewertung:

Deutschland, im Jahre 1958. Die Zeit des Wirtschaftswunders. Der Krieg ist seit über zehn Jahren vorbei und das Land will endlich vergessen, einen Schlussstrich unter alles ziehen. Die Gräuel der Nationalsozialisten sind gespenstische Horrorgeschichten, mit denen sich niemand beschäftigen will. Doch nicht alle können vergessen. Denn in Deutschland leben die Opfer weiter. Genau so wie die Täter. Als in Frankfurt ein ehemaliger Auschwitz-Insasse in einem Lehrer seinen SS-Aufseher wiedererkennt, wendet er sich an den Journalisten Thomas Gnielka. Der verlangt von der Staatsanwaltschaft eine Untersuchung. Keiner hört ihm zu – bis auf den jungen Anwalt Johann Radmann. Und Fritz Bauer, der als Generalstaatsanwalt ein Ziel verfolgt: dass die Verbrecher der Nazizeit zur Verantwortung gezogen werden. Und dass ihre Opfer Gehör finden. Im Jahr 1963 begannen unter Fritz Bauer in Frankfurt die Auschwitzprozesse. Mehrere hundert Zeugen wurden befragt, der Prozess war der bis dahin größte der Nachkriegsgeschichte.
Giulio Ricciarellis Film erzählt von seiner Vorbereitung durch die drei Anwälte, die für Fritz Bauer arbeiteten und die in der fiktiven Person Johann Radmann zusammengefasst werden, glaubwürdig verkörpert von Alexander Fehling. Doch der Film erweist nicht nur den Anklägern Respekt. Er beschreibt im Detail exakt eine Zeit, in der Verdrängen und Schweigen der Wahrheit vorgezogen wurden. Die Zeit des Wirtschaftswunders und das neu aufkeimende Selbstbewusstsein eines Landes, das als Besiegter am Boden lag, überdeckte die Notwendigkeit, sich der vergangenen Verbrechen zu stellen. Dies ist die neue Perspektive, die der Film einnimmt. Er zeigt junge Menschen, denen durch die Aussagen der Opfer die Augen geöffnet werden, die ihren unschuldigen Blick verlieren und lernen müssen, mit der Schuld ihrer Vorfahren zu leben. Ricciarelli lässt dabei die grausamen Details aus, erzählt viel über Blicke. Sequenzen, in denen Menschen still die Wahrheit erkennen, wirken dabei viel intensiver und eindrücklicher nach als es detailreiche Erläuterungen könnten. Neben Fehling überzeugen vor allem André Szymanski als mutiger Journalist Gnielka sowie Gert Voss in seiner letzten Rolle als Fritz Bauer.
Ein ruhig erzählter, klug recherchierter und immens wichtiger Film über eine Zeit in Deutschland, in der das Schweigen endete. Und die Wahrheit ans Licht kam.

Website zum Film
http://movies.universal-pictures-international-germany.de/imlabyrinthdesschweigens


Pädagogische Materialien zum Film:
IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS
Ideen für den Unterricht in Klasse 9–12
Hrsg.: Stiftung Lesen, Mainz 2014
... Materialheft zum download (pdf-Datei, 14 S., 1.906 kb)

Fakten zum Frankfurter Auschwitz-Prozess
... Informationsblatt (pdf-Datei, 27 kb)


Zum Thema des Films ist erschienen:


Thomas Gnielka
Als Kindersoldat in Auschwitz. Die Geschichte einer Klasse
Romanfragment und Dokumentation
Hrsg. von Kerstin Gnielka und Werner Renz
Hamburg: CEP Europäische Verlagsanstalt, 2015, 184 S., € 19,90, ISBN: 978-3-86393-058-5
www.europaeische-verlagsanstalt.de/eva/details.php?p_id=624

Den Journalisten Thomas Gnielka aus dem Film IM LABYRINTH DES SCHWEIGENS gab es wirklich. Er war 15 Jahre alt, als er im Sommer 1944 mit seiner ganzen Klasse zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Nach einer Kurzausbildung wurden diese »Kindersoldaten» nach Auschwitz-Birkenau geschickt und bewachten dort u.a. Häftlinge beim Bau von Schutzwällen für die Anlagen der IG Farben. Das Trauma Auschwitz hat ihn nie mehr losgelassen. Später trug er als Journalist mit seiner Arbeit und seinen Recherchen wesentlich mit dazu bei, dass das erste Auschwitzverfahren eröffnet werden konnte.
Die Geschichte einer Klasse
ist die literarische Verarbeitung der letzten Kriegsmonate und der bestürzend authentische Bericht eines Heranwachsenden in dieser Zeit. Eine Dokumentation mit Artikeln und Recherchen von Thomas Gnielka zu den NS-Verbrechen, ergänzt um einen Text von Claudia Michels, beschließt ein Essay über die Vorgeschichte des Auschwitz-Prozesses von Norbert Frei.

Thomas Gnielka, 1928–1965, Journalist, wurde im Sommer 1944 als Schüler des Berliner Kant-Gymnasiums als Luftwaffenhelfer dienstverpflichtet. Von dem Einsatz dieser Klasse in Auschwitz handelt seine fragmentarisch gebliebene Erzählung.
Werner Renz,
wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut, zahlreiche Veröffentlichungen zum Frankfurter Auschwitz-Prozess.
Kerstin Gnielka ist eine Tochter von Thomas Gnielka. Sie arbeitet in der Sektion Literatur der Akademie der Künste in Berlin.


Fritz Bauer Studienpreis
für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte

Gestiftet vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz

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»Wir können aus der Erde keinen Himmel machen,
aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.«
Fritz Bauer

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hat den »Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte« ins Leben gerufen. Der Preis erinnert an Fritz Bauer, den Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses. Mit dem Preis werden herausragende Arbeiten des rechtswissenschaftlichen Nachwuchses ausgezeichnet, die sich mit Leben, Werk oder Lebensthemen Fritz Bauers befassen. Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.
Heiko Maas, Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz: »Fritz Bauer hat sich für die Demokratie eingesetzt, als das viel zu wenige Juristen in Deutschland taten. Er hat gegen große Widerstände in der Justiz das Unrecht der Nazis vor Gericht gebracht. Und er hat sich stets für ein modernes und humanes Strafrecht engagiert. Fritz Bauer hat seinen Beruf als Richter und Staatsanwalt als Verpflichtung verstanden, sich für die Demokratie und die Menschenrechte stark zu machen. Zu seinen Lebzeiten war er verfolgt, verhasst und umstritten; heute ist Fritz Bauer ein Vorbild für allen Juristinnen und Juristen. Deshalb habe ich diesen Preis gestiftet.«

Über Fritz Bauer
Fritz Bauer (1903–1968) brachte Auschwitz vor Gericht. Als Generalstaatsanwalt in Hessen sorgte er dafür, dass wenigstens einigen Tätern des Völkermordes an den Juden Europas ab 1963 vor dem Landgericht in Frankfurt am Main der Prozess gemacht wurde.
Fritz Bauer stammte aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Stuttgart. 1930 wurde er als jüngster Amtsrichter Deutschlands an das Stuttgarter Amtsgericht berufen. Er engagierte sich im Republikanischen Richterbund und im Reichsbanner »Schwarz-Rot-Gold« für die Weimarer Demokratie. Von den Nazis aus dem Amt getrieben und zeitweilig ins Konzentrationslager geworfen, überlebte Bauer bis 1945 im skandinavischen Exil. Ab 1949 arbeitete er zunächst in Braunschweig, später in Frankfurt in der Justiz. Während die westdeutsche Nachkriegsjustiz bei der Strafverfolgung der NS-Verbrechen zum großen Teil versagte, arbeitete Bauer unermüdlich dafür, die Taten gegen die Menschlichkeit vor Gericht zu bringen und Gerechtigkeit zu üben.
Die Würde des Menschen gegenüber der Staatsgewalt zu schützen, war Bauers wichtigstes Anliegen. Deshalb engagierte er sich auch in der Rechtspolitik für einen humanen Strafvollzug, der auch den
straffällig gewordenen Menschen als Staatsbürger respektierte. Von der Öffentlichkeit und aus den eigenen Reihen der Justiz vielfach angefeindet, stritt Bauer bis zu seinem frühen Tod 1968 mutig und unerschrocken für die Gerechtigkeit und Würde aller Menschen.

Was wird mit dem Preis ausgezeichnet?
Mit dem Fritz Bauer Studienpreis werden herausragende juristische Doktorarbeiten ausgezeichnet, die sich mit Leben und Werk Fritz Bauers oder seinen Lebensthemen beschäftigen, also insbesondere der juristischen Ahndung des NS-Unrechts und anderer Massenverbrechen gegen die Menschlichkeit, Strafrechtsreform und humanem Strafvollzug, Achtung und Schutz der Menschenwürde.

Wer kann sich bewerben?

Bewerben können sich Doktorandinnen und Doktoranden, die im Jahr der Preisverleihung (2015) oder den beiden vorangegangenen Kalenderjahren (2013 und 2014) ihr Promotionsverfahren abgeschlossen haben und denen die Promotionsurkunde ausgehändigt wurde. Es können auch Vorschläge von Dritten gemacht werden.

Wie kann man sich bewerben?
Zur Bewerbung müssen das ausgefüllte Bewerbungsformular, sowie ein tabellarischen Lebenslauf, ein Exemplar der Arbeit, die Promotionsurkunde (Kopie) und – soweit verfügbar – die Gutachten zur Arbeit (Kopien) eingereicht werden.

Bis wann kann man sich bewerben?

Die Frist für die Einreichung von Bewerbungen/Vorschlägen endet erstmals zum 31. März 2015 und daran anschließend zum Ende jedes zweiten Jahres.

Wer entscheidet über die Preisvergabe?

Über die Vergabe des Fritz Bauer Studienpreises entscheidet der Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz in Zusammenwirken mit einer hochrangig besetzten Jury:
›  Christoph Flügge, Internationaler Gerichtshof für das ehem. Jugoslawien, Den Haag
›  Prof. Dr. Raphael Gross, Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main
›  Wolfgang Koep-Kerstin, Humanistische Union, Berlin
›  Prof. Dr. Beate Rudolf, Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin
›  Prof. Dr. Gerhard Werle, Humboldt-Universität, Berlin

Wann erfolgt die Preisverleihung?
Der Fritz Bauer Studienpreis wird alle zwei Jahre zum Todestag Fritz Bauers am 1. Juli vergeben. Die erste Vergabe erfolgt zum 1. Juli 2015.

... Infoflyer (pdf-Datei, 3,35 MB)

Kontakt

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Mohrenstraße 37
10117 Berlin
www.bmjv.de/fritz-bauer


»Norbert-Wollheim-Platz«
Neue Adresse der Goethe-Universität Frankfurt

Laut Senatsbeschluss der Goethe-Universität wird der Grüneburgplatz umbenannt und der Gebäudename »IG Farben-Haus« verbindlich festgeschrieben.

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Der Senat der Goethe-Universität Frankfurt am Main hat in seiner Sitzung vom 23. Juli mit großer Mehrheit die Neubenennung wesentlicher Straßen und Plätze auf dem Campus Westend beschlossen. Namensgebungen nach Theodor W. Adorno, Max Horkheimer und Norbert Wollheim werden im Rahmen eines Gesamtplans erfolgen, der eine eindeutige Zuordnung aller Gebäude auf dem Campus vorsieht.
»Damit wird 13 Jahre nach der Übergabe des IG Farben-Hauses sowie des umliegenden Areals an die Goethe-Universität erstmals ein aufeinander abgestimmtes Konzept vorgelegt, das historische Persönlichkeiten der Goethe-Universität sowie ein prominentes Opfer des IG-Farben-Konzerns würdigt«, lobte Universitätspräsident Prof. Werner Müller-Esterl die Senats-Entscheidung.
Beschlossen wurde die Umbenennung folgender Wege, Straßen und Plätze im Rahmen eines Gesamtkonzepts:
– Der Grüneburgplatz und dessen Zufahrtswege von Ost und West heißen künftig Norbert-Wollheim-Platz.
– Der zentrale Universitätsplatz zwischen Casinoanbau und Hörsaalzentrum wird Theodor-W.-Adorno-Platz genannt.
– Die heutige Lübecker Straße im Osten des Campus Westend erhält den Namen Max-Horkheimer-Straße.
Mit der ebenfalls beschlossenen Festschreibung der Benennung des IG Farben-Hauses wird auf die frühere Nutzung des Gebäudes als Konzernzentrale der I.G. Farbenindustrie verwiesen, die vielfältig mit den Menschheitsverbreschen des Nazi-Regimes verstrickt war. Die Bezeichnungen IG-Hochhaus, oder die auf den Architekten verweisenden Benennungen Poelzig-Bau und Poelzig-Ensemble werden zukünftig nicht mehr verwendet.
»Mit der Umbenennung signalisiert die Goethe-Universität in ihrem Jubiläumsjahr, dass sie sich nicht nur mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzt, sondern sich als Nutzer der Liegenschaften des ehemaligen IG-Farben-Konzerns auch der kritischen Aufarbeitung dieser Konzerngeschichte verpflichtet sieht«, sagte Müller-Esterl. »Wir hoffen nun auf eine einvernehmliche Regelung mit dem zuständigen Ortsbeirat.«
Der Ortsbeirat Westend hatte die Umbenennung des Grüneburgplatzes allerdings bereits auf seiner Sitzung im Juni 2014 beschlossen. Die jetzt vom Senat beschlossene Konzept wurde laut Müller-Esterl bereits in Vorgesprächen mit Vertretern des Ortsbeirats besprochen. Es ist also zu erwarten, dass der Beschluss von den zuständigen städtischen Gremien auch in dieser Form umgesetzt werden wird.
Mit der Umbenennung des  Grüneburgplatzes in Norbert-Wollheim-Platz kommt die Universität den langjährigen Forderungen von Überlebenden des Arbeitslagers Buna/Monowitz und einer Studierendeninitiative nach. Im Januar 2014 wurde die Frage der Umbenennung durch eine erneute Initiative des Studienkreises Deutscher Widerstand 1933–1945 wieder in die öffentliche Diskussion gebracht. Nachdem der Ortsbeirat die Umbenennung bereits beschlossen hatte, die Universität jedoch weiter Vorbehalte geltend machte, wandte sich der Rat der Überlebenden des Holocaust am Fritz Bauer Institut, die Conference on Jewish Material Claims Against Germany und der Förderverein Fritz Bauer Institut e.V. in einem gemeinsamen Offenen Brief an das Präsidium der Universität, um der Umbenennungsinitiative Nachtdruck zu verleihen. Auch die Überlebenden aus dem »Treffpunkt«, Zentrum für Überlebende der Shoah und ihre Familien machten Ihre Unterstützung für die Umbenennung öffentlich. So haben gesellschaftliches und studentisches Engagement der Frankfurter Universität im 100. Jahr ihres Bestehens zu einem angemesseneren Geschichtsbewusstsein verholfen.
Es bleibt zu hoffen, dass die Universität zukünftig auch von einer »Fremdnutzung« des Geländes des Norbert-Wollheim-Memorials absieht, das sowohl als ein Ort der Information, aber vor allem als ein Ort des würdevollen Gedenkens an die Zwangsarbeiter des Konzentrationslagers Buna/Monowitz konzipiert und errichtet wurde. Entsprechend sollte dieser Ort auch gesehen und gewürdigt werden. Die in diesem Sommer über mehrere Wochen dort abgehaltene Verkaufsmesse für die bunten Goethe-Figuren des Künstlers Ottmar Hörl war dem von Heiner Blum bewusst zurückhaltend gestalteten Erinnerungsraum an die Opfer der IG Farbenindustrie sicher nicht angemessen.

Norbert Wollheim: 1913–1998 war Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, ehemaliges Direktoriums-Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland. 1943 Deportation nach Auschwitz; Zwangsarbeit für die I.G. Farben, 1945 erfolgreiche Flucht auf dem Todesmarsch, einziger Überlebender seiner Familie. Die 1950 eingereichte Klage gegen die I.G. Farben auf Entschädigung für geleistete Zwangsarbeit war das erste Musterverfahren in der deutschen Nachkriegszeit.

Theodor W. Adorno: 1903–1969, deutscher Philosoph, Soziologe, Musiktheoretiker und Komponist; zählt zu den Hauptvertretern der Frankfurter Schule. 1921-34 Studium und Habilitation in Frankfurt/Tätigkeit als Privatdozent, 1934-45 Vertreibung und Exil in England und USA, 1953 Rückkehr nach Deutschland, bis 1969 Professor für Philosophie und Soziologie an der Goethe-Universität sowie einer der Direktoren des wiedereröffneten Frankfurter Instituts für Sozialforschung.

Max Horkheimer: 1895–1973, Sozialphilosoph, Hauptvertreter der Frankfurter Schule, ehemaliger Rektor; 1919–1922 Studium in München, Frankfurt und Freiburg, 1922 Promotion in Frankfurt bei Hans Cornelius, 1925 Habilitation, 1930 Ernennung zum Ordinarius für Sozialphilosophie an der Philosophischen Fakultät in Frankfurt sowie Ernennung zum Direktor des Instituts für Sozialforschung bis zu dessen Schließung durch die Nationalsozialisten. 1933 Emigration in die USA, 1949 Rückkehr auf den Doppellehrstuhl für Philosophie und Soziologie. 1950 Wiedereröffnung des Instituts für Sozialforschung unter seiner Leitung (mit Adorno als stellvertretendem Direktor), 1951 Wahl zum Rektor der Goethe-Universität.

Jean-Christophe Ammann im Gespräch mit Heiner Blum zu dessen Konzeption des Norbert-Wollheim-Memorials:

Der Schweizer Kunsthistoriker Jean-Christophe Ammann war von 1991 bis 2002 Direktor des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, Heiner Blum ist Professor für Experimentelle Raumkonzepte an der Hochschule für Gestaltung, Offenbach am Main.
www.heinerblum.de/arbeiten/situative-projekte/wollheim-memorial


Norbert-Wollheim-Platz

Offener Brief der Überlebenden aus dem »Treffpunkt«    
Zentrum für Überlebende der Shoah und ihre Familien

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Initiative zur Umbenennung des Grüneburgplatzes auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt am Main in Norbert-Wollheim-Platz

Im Rahmen der Angebote des »Treffpunkts für Überlebende der Shoah« wurde eine rege Diskussionen über die Initiative zur Umbenennung des Grüneburgplatzes in Norbert-Wollheim-Platz geführt. In einem Offenen Brief wenden sich die jüdischen Überlebenden der NS-Verfolgung an den Präsident der Goethe-Universität, Prof. Dr. Werner Müller-Esterl, und an die Mitglieder des Senats der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

... Offener Brief (pdf-Datei)

Kontakt
Überlebende aus dem »Treffpunkt«    
Zentrum für Überlebende der Shoah und ihre Familien
Liebigstraße 24
60323 Frankfurt am Main


Norbert-Wollheim-Platz

Initiative zur Umbenennung des Grüneburgplatzes auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt am Main:
Offener Brief und Online-Resolution

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OFFENER BRIEF
Der Rat der Überlebenden des Holocaust am Fritz Bauer Institut, die Conference on Jewish Material Claims Against Germany und der Förderverein Fritz Bauer Institut e.V. haben sich in einem gemeinsamen Offenen Brief an den Präsidenten der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Prof. Dr. Werner Müller-Esterl, und die Mitglieder des Senats der Goethe-Universität gewandt, um sich nachdrücklich für eine Umbenennung des Grüneburgplatzes in Norbert-Wollheim-Platz auszusprechen. Der Brief wude unterzeichnet von Trude Simonsohn (Sprecherin des Rates der Überlebenden), Rüdiger Mahlo (Representant der Claims Conference in Deutschland) und Jutta Ebeling (Vorsitzende des Fördervereins des Fritz Bauer Instituts).
... Offener Brief (pdf-Datei)

ONLINE-RESOLUTION
In gleicher Sache gibt es eine Online-Resolution der Initiative zur Umbenennung des Grüneburgplatzes in Norbert-Wollheim-Platz, die sich an den Ortsbeitat Bockenheim/Westend und an das Präsidium der Goethe-Universität richtet.
Die Resolution kann hier eingesehen und unterschrieben werden:
... Online-Resolution


Soziale Medien

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Call for Papers:
Sechstes Doktoranden-Seminar des Fritz Bauer Instituts

Vom 17. bis 19. September 2014 findet das sechste Doktoranden-Seminar des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Frankfurt statt.

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Das Seminar soll Doktorandinnen und Doktoranden, die sich mit Fragen der Geschichte und Wirkung des Holocaust befassen, die Gelegenheit bieten, ihre Arbeiten zur Diskussion zu stellen und Kontakte zu knüpfen. Die Teilnehmer/innen sollen ihre geplanten und laufenden Forschungsvorhaben vorstellen; im Mittelpunkt steht die Diskussion von Fragestellungen, Methoden und Quellen. Das Angebot richtet sich gleichermaßen an Zeithistoriker/innen, Politik-, Literatur-, Rechts-, Erziehungs- und Kulturwissenschaftler/innen. Um jede einzelne Arbeit intensiv besprechen zu können, ist die Teilnehmerzahl auf zehn beschränkt.
Die Veranstaltung wird in diesem Jahr von Dr. Margrit Frölich (Evangelische Akademie Frankfurt), Dr. Jörg Osterloh (Fritz Bauer Institut) sowie Prof. Dr. Isabel Heinemann (Westfälische Wilhelms-Universität Münster) moderiert.

Bewerbungen mit einer maximal zweiseitigen Projektskizze und einem kurzen Lebenslauf können bis zum 31. März 2014 beim Fritz Bauer Institut eingereicht werden. Bereits abgeschlossene Arbeiten werden grundsätzlich nicht berücksichtigt.
Ort der Veranstaltung ist das Martin-Niemöller-Haus in Arnoldshain (Am Eichwaldsfeld 3, 61389 Schmitten/Arnoldshain). Das Fritz Bauer Institut und die Evangelische Akademie Frankfurt übernehmen die Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten für die Teilnehmer/innen.

... Doktorandenseminar (Überblicksseite)

Kontakt
Dr. Jörg Osterloh
Fritz Bauer Institut
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069.798 322-35
Fax: 069.798 322-41
j.osterloh(at)fritz-bauer-institut.de


Wilhelm Leuschner-Medaille 2013

Auszeichnung für Prof. Dr. Raphael Gross,
Prof. Dr. Harald Müller und Prof. Dr. Dieter Bingen

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Mit der Wilhelm Leuschner-Medaille ehrt der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier in diesem Jahr drei Persönlichkeiten: Ausgezeichnet werden Prof. Dr. Raphael Gross, Direktor des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main, sowie der Direktor des Deutschen Polen-Instituts, Prof. Dr. Dieter Bingen und Prof. Dr. Harald Müller von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. »Die höchste Auszeichnung unseres Landes geht in diesem Jahr an drei herausragende Geisteswissenschaftler. Sie sind Aufklärer, die mit ihrer Arbeit das Fundament für eine pluralistische und tolerante Gesellschaft legen. Damit leisten sie unserer Demokratie einen unbezahlbaren Dienst«, so der Ministerpräsident.
Ministerpräsident Volker Bouffier verleiht die nach dem 1944 ermordeten hessischen Innenminister und Widerstandskämpfer Wilhelm Leuschner benannte Auszeichnung am 1. Dezember, dem hessischen Verfassungstag, im Schloss Biebrich in Wiesbaden-Biebrich. Die Medaille wurde 1964 vom damaligen Ministerpräsident Georg August Zinn gestiftet und wird seit 1965 verliehen. Sie geht an Persönlichkeiten, die sich beispielhaft und nachhaltig für die Demokratie eingesetzt haben und unseren Staat, unsere Gesellschaft und unsere Kultur in vorbildlicher Weise geprägt haben.

Abb.: Wilhelm Leuschner-Medaille, © Hessische Staatskanzlei

Prof. Dr. Raphael Gross wurde 1966 in Zürich geboren. In den Jahren 1986 bis 1990 studierte er Geschichte an den Universitäten von Zürich, Berlin, Bielefeld und in Cambridge/UK. Danach war er Research Fellow am Franz Rosenzweig Institut der Hebräischen Universität Jerusalem und Stipendiat am Hamburger Institut für Sozialforschung. Es folgte der Abschluss der Promotion in Essen im Mai 1997 mit der Arbeit Carl Schmitt und die Juden. Strukturen einer deutschen Rechtslehre.
Von 1997 bis 2001 war Gross wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum. In den Jahren 2001 bis 2006 lehrte er an der der University of Sussex, zuletzt als Reader in History und Direktor des Center for German-Jewish Studies. Seit Januar 2001 ist Gross Direktor des Leo Baeck Institute London, dessen Auftrag es ist, die Geschichte und die Kultur der deutschsprechenden Juden zu erforschen.
Im Februar 2006 übernahm Gross eine weitere Stelle als Direktor des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main und seit April 2007 eine dritte Leitungsstelle als Direktor des Fritz Bauer Instituts, einer Forschungs-, Dokumentations- und Bildungseinrichtung zur Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen und deren Wirkung bis in die Gegenwart. Es hat seinen Sitz im IG Farben-Haus auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
Raphael Gross ist Honorarprofessor an der Goethe-Universität sowie Reader im Fach Geschichte am Queen Mary College (University of London). Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen zur deutschen Geschichte, Intellectual History und zur deutsch-jüdischen Geschichte. Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen gehören: November 1938: Die Katastrophe vor der Katastrophe, München: C.H. Beck, 2013; 1938: Kunst – Künstler – Politik, (hrsg. zus. mit Eva Atlan und Julia Voss), Göttingen: Wallstein, 2013; Anständig geblieben. Nationalsozialistische Moral, Frankfurt am Main: S. Fischer, 2010; Die Frankfurter Schule und Frankfurt. Eine Rückkehr nach Deutschland (hrsg. zus. mit Monika Boll), Göttingen: Wallstein, 2009. Seit 2001 ist Gross Mitherausgeber des Leo Baeck Institute Year Book.

Prof. Dr. Harald Müller wurde 1949 in Frankfurt am Main geboren. 1967 nahm er das Studium der Germanistik, Soziologie, Philosophie und Politikwissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt am Main auf und legte 1975 sein Erstes Staatsexamen ab. Seit 1976 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung (HSFK) mit Sitz in Frankfurt am Main. 1981 folgte der Abschluss der Promotion an der Goethe-Universität.
Seit dem Jahr 1984 ist Müller Gastprofessor am Center for International Relations der Johns Hopkins University, Bologna/Italien. In den Jahren von 1984 bis 1986 war er Abteilungsleiter für Sicherheitspolitik am Centre for European Policy Studies, Brüssel. Im Jahr 1994 folgte die Habilitation in Politikwissenschaften an der Technischen Hochschule Darmstadt und eine sich anschließende vierjährige Tätigkeit als Privatdozent an der Universität Darmstadt.
Seit dem Jahr 1995 ist Müller Forschungsgruppenleiter und Vorstandsmitglied der HSFK. Ein Jahr später wurde er Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der HSFK. Seit 1999 lehrt Müller als Professor für Internationale Beziehungen an der Goethe-Universität. Gastprofessuren absolvierte er an der Hebrew University Jerusalem (2010) und Sciences Politiques Paris (2013). Darüber hinaus war und ist er Mitglied in zahlreichen Vereinigungen und Organisationen.

Prof. Dr. Dieter Bingen wurde 1952 in Köln geboren. Von 1973 bis 1978 studierte er Politische Wissenschaft, Verfassungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Soziologie und Erziehungswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. 1979 promovierte er an der Universität Bonn. Von 1981 bis 1999 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale in Köln. Parallel dazu hatte er von 1984 bis 1994 eine Lehrbeauftragung für Politische Wissenschaft an der Universität Bonn inne. Er  war 1988 Mitgründer der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bonn e.V., und deren erstes geschäftsführendes Vorstandsmitglied. Darüber hinaus war Bingen Mitglied der deutschen Delegation auf dem CSCE Implementation Meeting on Human Dimension Issues, Warschau im Jahr 1993. Seit März 1999 ist er Direktor des Deutschen Polen-Instituts (DPI) mit Sitz in Darmstadt.
Zudem ist Bingen seit 2004 Honorarprofessor an der Hochschule Zittau/Görlitz und seit 2012 Gastprofessor für Politikwissenschaft an der Technischen Universität Darmstadt. Er ist Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats des Instituts für Kulturelle Infrastruktur Sachsen (seit 2003) und Kurator des Willy-Brandt-Zentrums für Deutschland- und Europastudien der Universität Breslau. 2006 erhielt Bingen das Diplom des Außenministers der Republik Polen »für herausragende Verdienste um die Promotion Polens in der Welt«. Im Oktober 2013 wurde er von Bundespräsident Gauck mit dem Großen Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Kontakt
Staatssekretär Michael Bußer
Pressestelle der Hessischen Staatskanzlei
Tel.: 0611.323918
Fax: 0611.323800
presse(at)stk.hessen.de
https://stk.hessen.de/ueber-uns/orden-ehrenzeichen/im-dienste-der-demokratie


Diskussion mit Dr. Wolfgang Kraushaar und Dr. Gerd Koenen:
»Wann endlich beginnt bei euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?«
Über die antisemitischen Wurzeln des deutschen Terrorismus

Montag, 17. Juni 2013, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Audio-Aufzeichnung der Diskussionsveranstaltung

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Audio-Aufzeichnung der Diskussion mit
Dr. Wolfgang Kraushaar und Dr. Gerd Koenen
Moderation: Prof. Dr. Werner Konitzer, Fritz Bauer Institut
mp3-audio (96 Min., 46.048 KB)

Abbildung
Prof. Dr. Werner Konitzer, Dr. Gerd Koenen, Dr. Wolfgang Kraushaar (v. l. n. r.)
Foto: Werner Lott

Eine der opferreichsten Terrorwellen in Mitteleuropa seit dem Zweiten Weltkrieg ist bis heute ungeklärt und inzwischen nahezu vergessen. Innerhalb von nur elf Tagen im Februar 1970 gab es vier Terroraktionen, die alle in München ausgeführt oder dort organisiert wurden: eine blutige, wenn auch gescheiterte Flugzeugentführung auf dem Flughafen Riem, einen Brandanschlag auf das israelitische Gemeindehaus und Paketbombenattentate auf zwei Verkehrsflugzeuge, von denen das eine notlanden konnte, während das andere abstürzte und alle an Bord in den Tod riss. Insgesamt fielen 55 Menschen dem Terror zum Opfer, der in erster Linie auf Israelis und Juden zielte. Wolfgang Kraushaar präsentiert Ergebnisse, die auch die 68er-Bewegung in neuem Licht erscheinen lassen, und diskutiert sie mit Gerd Koenen, selbst Buchautor zum deutschen Terrorismus der 1970er Jahre.

Dr. Wolfgang Kraushaar
ist Politikwissenschaftler und seit 1987 am Hamburger Institut für Sozialforschung. Er gab unter anderem die Protestchronik heraus, in der die Geschichte der Protestbewegungen in der frühen Bundesrepublik dokumentiert wird. Seine Veröffentlichungen über antisemitische Strömungen in der 68er Bewegung, vor allem sein Buch Die Bombe im jüdischen Gemeindehaus, 2005 in den Hamburger Editionen erschienen, trugen zu einer kritischen Revision des Erinnerungsbildes an diese Bewegung maßgeblich bei. Zuletzt erschienen: Wolfgang Kraushaar, »Wann endlich beginnt bei euch der Kampf gegen die heilige Kuh Israel?« München 1970: über die antisemitischen Wurzeln des deutschen Terrorismus, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, 2013, 880 S., € 34,95.

Dr. Gerd Koenen
ist Historiker und Politikwissenschaftler, wohnhaft in Frankfurt am Main. In den späten sechziger und siebziger Jahren war er Aktivist beim SDS, später Verlagslektor und Journalist. Für Lew Kopelew arbeitete er zeitweise als wissenschaftlicher Mitarbeiter. 2003 erschien von ihm bei Kiepenheuer und Witsch das historisch-biographische Buch Vesper, Enssling, Baader. Urszenen des deutschen Terrorismus, das später unter dem Titel Wer wenn nicht wir verfilmt wurde.

Kontakt
Fritz Bauer Institut
Grüneburgplatz 1
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Tel.: 069.798 322-40
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