Fritz Bauer Institut

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Vortrag von Dr. Nicolas Berg, Frankfurt am Main/Leipzig:
Das Ich im Wir –
Anna Seghers, Victor Klemperer und Hans Mayer in der frühen DDR (Kopie 1)

Donnerstag, 19. November 2015, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Audio-Aufzeichnung einer Veranstaltung im Rahmen der
»Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung«

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mp3-audio (48:26 Min., 45.418 KB)

Abbildung
Dr. Nicolas Berg
© Werner Lott

Anna Seghers, Victor Klemperer und Hans Mayer wuchsen in jüdischen Familien auf, wurden aber in ihrer Kindheit und später beruflich und politisch verschieden sozialisiert. Die Nazizeit überlebten Seghers und Mayer im Exil; Klemperer protokollierte als geheimer Chronist das Verhalten der Menschen in der Diktatur und konnte mit seiner Frau Deportation und Tod knapp entrinnen. Nach 1945 hielten alle drei die Gründung der DDR für die bessere staatspolitische Antwort auf die vorangegangenen zwölf Jahre als die der BRD. Victor Klemperer suchte in Dresden einen Neuanfang, Seghers und Mayer wählten nach ihrer Rückkehr Ost-Berlin und Leipzig als neue Wirkstätten. Immer wieder sahen sie sich politisch und gesellschaftlich genötigt, ihre jüdischen Erfahrungen im neuen Gemeinwesen aufgehen zu lassen. In Tagebüchern, Briefen und Memoiren spricht sich aber zur gleichen Zeit bei allen eine andere Gedächtnisgrammatik aus, in der sich das Erinnerungs-Ich dem neuen Wir der Nachkriegsdeutschen verweigerte.

Dr. Nicolas Berg ist leitender Mitarbeiter am Simon Dubnow Institut für jüdische Geschichte und Kultur in Leipzig. Seine Dissertation an der Universität Freiburg wurde 2003 unter dem Titel Der Holocaust und die westdeutschen Historiker. Erforschung und Erinnerung im Wallstein Verlag veröffentlicht. Im laufenden Wintersemester 2015/16 hat Nicolas Berg die am Fritz Bauer Institut angesiedelte »Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung« inne.

Kontakt
Fritz Bauer Institut
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069.798 322-40
Fax: 069.798 322-41
info(at)fritz-bauer-institut.de


Prof. Dr. Timothy Snyder, New Haven im Gespräch
mit Dr. Christoph Dieckmann, Fritz Bauer Institut:
Black Earth. Der Holocaust – und warum er sich wiederholen kann

Freitag, 16. Oktober 2015, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Audio-Aufzeichnung des Gesprächs und der anschließenden Diskussion
mit dem Publikum.

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mp3-audio (89 Min., 83.475 KB)

Abbildung
Prof. Dr. Timothy Snyder (rechts)
Dr. Christoph Dieckmann (links)

In Timothy Snyders Darstellung und Interpretation der Shoah, der präzedenzlosen Ermordung von fast sechs Millionen europäischer Juden, werden viele unserer Vorannahmen, ja unser Erinnern in Frage gestellt. Auf der Basis seiner Analyse der Kernthemen der rassistischen und antisemitischen Vernichtungspolitik des »Dritten Reiches« – Politik und NS-Ideologie, »Lebensraum«, Krieg und Ökologie, Wissenschaft und Wahrheit, staatliche, rechtliche Strukturen und ihre Zerstörung – schlägt er ein angemesseneres Verständnis der Gründe und des Kontexts der Shoah vor. Erst eine genaue Kenntnis der komplexen Zusammenhänge werde es uns ermöglichen, so Snyder, künftige Warnzeichen rechtzeitig zu erkennen.

Timothy Snyder
lehrt osteuropäische Geschichte an der Yale University, er ist Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaft vom Menschen in Wien. Für sein Buch Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin erhielt er u.a. 2012 den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und den Hannah-Arendt Preis. Für seine unkonventionellen Beiträge zur Geschichtswissenschaft wurde Snyder am 5. Oktober 2015 in Prag mit dem »Dagmar and Vaclav Havel Foundation Vision 97« Preis ausgezeichnet.

Publikation zur Veranstaltung
Timothy Snyder: Black Earth.
Der Holocaust und warum er sich wiederholen kann

Aus dem Englischen von Ulla Höber, Karl Heinz Siber und Andreas Wirthensohn
München: Verlag C.H.Beck, 2015, 488 S., mit 24 Karten, gebunden, € 29,95
ISBN 978-3-406-68414-2, auch als E-Book lieferbar

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Stellenausschreibung:

Studentischen Hilfskraft

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Am Fritz Bauer Institut, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust ist ab dem 1. Oktober 2015 folgende Stelle zu besetzen:

Studentische Hilfskraft
Minijob, 40 Std./Monat

Aufgaben u.a.:

›  Vor- und Nachbereitung des Aufenthalts von Gastwissenschaftlern/Gastprofessoren
›  Unterstützung von Forschungs- und Lehrtätigkeiten (z.B. Literaturrecherche, Aufbereitung von Vorlesungsunterlagen, Bereitstellung der Technik wie Laptop, Beamer, Mikro etc. für Vorlesungen)
›  Unterstützung der wissenschaftlichen Mitarbeiter/innen am Institut
›  Vor- und Nachbereitungen von Tagungen und anderen wissenschaftlichen Veranstaltungen
›  Andere unterstützende Dienstleistungen

Voraussetzungen:
›  Studium BA oder MA, vorzugsweise der Geschichte
›  Fähigkeit, sich schnell in neue Arbeitsfelder einzuarbeiten
›  Fähigkeit zu selbstständigem Arbeiten, Flexibilität
›  Team- /Kooperationsfähigkeit und überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft
›  Sicheren Umgang mit den gängigen MS-Office-Anwendungen
›  Gute Englischkenntnisse

Schwerbehinderte Bewerber/innen werden bei gleicher Eignung im Rahmen der geltenden Bestimmungen bevorzugt eingestellt. Das Fritz Bauer Institut ist bestrebt, seinen Frauenanteil zu erhöhen und lädt Frauen deshalb nachdrücklich zur Bewerbung ein.

Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen – vorzugsweise per E-Mail – werden bis 15. September 2015 erbeten an das Fritz Bauer Institut, Leitung des Verwaltungs- und Projektmanagements:

Fritz Bauer Institut
Manuela Ritzheim
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
m.ritzheim@fritz-bauer-institut.de

... Stellenausschreibung (pdf-Datei)


Stellenausschreibung:

Verwaltungshilfskraft

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Am Fritz Bauer Institut, Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust ist ab dem 1. Oktober 2015 folgende Stelle zu besetzen:

Verwaltungshilfskraft
Minijob, mind. 32 Std./Monat (je 4 Std., Dienstag und Donnerstag)

Aufgaben u.a.:
›  anfallende allgemeine Büro- und Verwaltungstätigkeiten
›  Erstellen und erfassen von Ausgangsrechnungen
›  Bearbeiten und erfassen von Eingangsrechnungen
›  Auswertung und Überprüfung von Arbeitszeitkarten und Reisekostenabrechnungen
›  Erfassen der Abwesenheiten (u.a. Dienstreisen, Urlaubs- und Krankheitstage)
›  Vorbereitende Aufgaben innerhalb der Projektverwaltung

Einstellungsvoraussetzungen sind:

›  Abgeschlossene Berufsausbildung als Verwaltungsfachangestellte/r, Bürokauffrau/-mann oder vergleichbarer Abschluss
›  Sehr gute Kenntnisse der gängigen PC-Programme der MS-Office-Gruppe (Word, Excel, Powerpoint)
›  Sicherer Umgang mit dem Internet und elektronischen Medien
›  Deutsch in Wort und Schrift

Wir wünschen uns:

›  Eigenverantwortliche uns insbesondere selbstständige Arbeitsweise
›  Gründliches und genaues Arbeiten
›  Organisationstalent, Flexibilität, Belastbarkeit
›  Teamfähigkeit

Schwerbehinderte Bewerber/innen werden bei gleicher Eignung im Rahmen der geltenden Bestimmungen bevorzugt eingestellt. Das Fritz Bauer Institut ist bestrebt, seinen Frauenanteil zu erhöhen und lädt Frauen deshalb nachdrücklich zur Bewerbung ein.

Bewerbungen mit den üblichen Unterlagen – vorzugsweise per E-Mail – werden bis 15. September 2015 erbeten an das Fritz Bauer Institut, Leitung des Verwaltungs- und Projektmanagements:

Fritz Bauer Institut
Manuela Ritzheim
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
m.ritzheim@fritz-bauer-institut.de

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Erste Holocaust-Professur Deutschlands

Ausschreibungen einer Professur am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main

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An der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main ist im Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften am Historischen Seminar zum 1. Januar 2017 folgende Stelle im Beamten- bzw. äquivalent im Angestelltenverhältnis zu besetzen:
Professur (W3) zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust.

Die ordentliche Professur am Historischen Seminar ist zugleich verbunden mit der Position der/des
Direktorin/Direktors des Fritz Bauer Instituts.

Das Institut ist eine interdisziplinär ausgerichtete, unabhängige Forschungs-,  Dokumentations- und Bildungseinrichtung zur Geschichte und Wirkung des Holocaust und ist als An-Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main assoziiert.
Aufgabe der Professur ist die umfassende historische Erforschung der nationalsozialistischen Massenverbrechen – insbesondere des Holocaust – und ihrer Wirkungen bis in die Gegenwart. Die verantwortliche Mitwirkung in bestehenden und künftigen Forschungsverbünden des Fritz Bauer Instituts, des Historischen Seminars und der Universität sowie in der akademischen Selbstverwaltung wird erwartet. Habilitation oder habilitationsäquivalente Leistungen in Neuester Geschichte sowie Lehrerfahrung werden vorausgesetzt. Vorgesehen ist aufgrund der zu übernehmenden Leitungsfunktion am Fritz Bauer Institut eine Lehrreduktion.
Details zu den rechtlichen Rahmenbedingungen der Einstellungsvoraussetzungen finden Sie unter:
www.vakante-professuren.uni-frankfurt.de

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in Forschung und Lehre exzellent ausgewiesen sind und international sichtbare Forschungsleistungen belegen können, sind eingeladen, ihre Bewerbungen mit Lebenslauf (wissenschaftlichem und beruflichem Werdegang), Fotokopien der relevanten Zeugnisse und Urkunden, Schriftenverzeichnis, Übersicht der Lehrtätigkeit und gegebenenfalls Lehrevaluationen bis zum 30. September 2015 an folgende Adresse zu richten:

Dekan des Fachbereichs Philosophie und Geschichtswissenschaften
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Norbert-Wollheim-Platz 1
D-60629 Frankfurt am Main
dekanat08(at)em.uni-frankfurt.de

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The Faculty of Philosophy and History, Department of History, at Goethe University Frankfurt welcomes applications for the following permanent full time position starting January 1st, 2017:
full professorship (salary scale W3) in the history and consequences of the holocaust.

The chair in the department of history is combined with the position of the
director (m/f) of the Fritz Bauer Institute.

The institute is an interdisciplinary, independent research, documentation and education centre on the history and consequences of the holocaust associated with Goethe University as an affiliated institute.
The successful appointee’s field will be the comprehensive history of national-socialist mass crimes – particularly the holocaust – and their consequences until the present. A leading role in existing and future collaborative research projects of the Fritz Bauer Institute, the department of history and the university as well as in academic self-administration is expected. A habilitation or an equivalent academic record as well as teaching experience are required. The teaching load will be reduced to allow for the position‘s administrative role.
The successful candidate can be appointed as a civil servant or enter into an equivalent employment contract. The designated salary for the position is based on “W3” on the German university scale or equivalent. For further information regarding the general conditions for professorship appointments, please see: www.vakante-professuren.uni-frankfurt.de

Goethe University is an equal opportunities employer.
Scientists (m/f) who have an excellent track record in research and teaching and can document internationally visible research outcomes are invited to submit their application accompanied by the usual documents: CV (scientific and professional career), copies of relevant certificates and contracts, list of publications and teaching experience and (if possible) teaching evaluations up to September 30th, 2015 to:

Dekan des Fachbereichs Philosophie und Geschichtswissenschaften
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Norbert-Wollheim-Platz 1
D-60629 Frankfurt am Main, Germany
dekanat08(at)em.uni-frankfurt.de


historiae faveo-Preis 2015

Auszeichnung für Martin Jost

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Der historiae faveo-Preis, mit dem der Förder- und Alumniverein der Geschichtswissenschaf-ten an der Goethe-Universität Frankfurt am Main jährlich eine hervorragende Abschlussarbeit auszeichnet, ging 2015 an Martin Jost. Jost erhielt den mit 1.000 Euro dotierten Preis auf ein-stimmigen Beschluss des Direktoriums des Historischen Seminars der Goethe-Universität für seine Magisterarbeit über »Jüdisches Kulturleben in Frankfurt am Main in den 1930er Jahren« verliehen. Die von Prof. Dr. Christoph Cornelißen und Prof. Dr. Raphael Gross betreute Stu-die ging aus dem am Fritz Bauer Institut bearbeiteten Projekt »Die Ausschaltung der Juden aus dem Kulturleben im ›Dritten Reich‹«, geleitet von Dr. Jörg Osterloh, hervor. Die Preisver-leihung fand am 16. Juli 2015 im Rahmen der jährlichen Absolventenverabschiedung des His-torischen Seminars statt.
In seiner Laudatio sagte Prof. Dr. Dieter Hein: »Jüdisches Kulturleben fand in Deutschland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – das ist uns allen präsent – unter extrem unterschiedli-chen Bedingungen statt: Einer Blütezeit deutsch-jüdischer Kultur in den Jahren der Weimarer Republik folgte unter dem NS-Regime die radikale Ausgrenzung jüdischer Künstler aus dem deutschen Kulturleben und später deren physische Vernichtung. Wie unter diesen Bedingun-gen ein jüdisches Kulturleben weiter aufrechterhalten werden konnte, wie es organisiert war, welchen kulturellen Leitbildern es folgte und welche künstlerischen Leistungen erbracht wur-den, diesen Fragen geht Herr Jost vor allem an Hand des ›Kulturbundes Deutscher Juden Be-zirk Rhein-Main‹, einer 1933/34 gegründeten Zwangsorganisation für jüdische Kultur, nach. […] Und das ist ihm in hervorragender Weise gelungen, vor allem weil er mit großer Souve-ränität, analytischer Präzision und zugleich sprachlicher Sensibilität stets das größere Ganze im Blick hat. […] Mit seiner Studie über das ›Jüdische Kulturleben in Frankfurt am Main in den 1930er Jahren‹ hat Martin Jost eine beachtliche Forschungsleistung erbracht.«
Das Fritz Bauer Institut gratuliert zu dieser verdienten Auszeichnung!

Martin Jost, M.A., geb. 1987, von 2008 bis 2015 Studium der Geschichte, Soziologie und Politologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main; von 2011 bis 2015 studentischer Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut, ab 1. Oktober 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Simon-Dubnow-Institut in Leipzig.

Kontakt
historiae faveo
Förder- und Alumniverein Geschichtswissenschaften
an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
c/o Historisches Seminar
Norbert-Wollheim-Platz 1
60323 Frankfurt am Main
info(at)historiae-faveo.de
www.historiae-faveo.de

Abb: Laudator Prof. Dr. Dieter Hein, Dr. Martin L. Müller, Vorsitzender des Förder- und Alumnivereins historiae faveo und Preisträger Martin Jost (v. l.)
Foto: Werner Lott


Finanzierung der ersten Holocaust-Professur Deutschlands gesichert

Der Wissenschaftsminister des Landes Hessen, Boris Rhein, hat mit der Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung die erste Holocaust-Professur Deutschlands ins Leben gerufen.

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Am Montag, dem 20. Juli 2015 unterzeichnete Wissenschaftsminister Boris Rhein die Finanzierungvereinbarung mit der Goethe-Universität Frankfurt am Main und dem Fritz Bauer Institut für die Einrichtung einer Professur zur Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust. Das Land Hessen unterstützt die Professur mit 150.000 Euro jährlich.
Der neue Lehrstuhl ist zugleich mit der Leitung des Fritz Bauer Institutes verbunden, das die Landesregierung auch weiterhin mit einer institutionellen Förderung in Höhe von 350.000 Euro unterstützt. Damit stehen für Holocaust-Professur und Institut künftig insgesamt 500.000 Euro aus Landesmitteln zur Verfügung.
Die Goethe-Universität Frankfurt wird nun die Professur ausschreiben und damit das ordentliche Berufungsverfahren für die Besetzung der neuen W3-Professorenstelle starten.

Boris Rhein, Hessischer Wissenschaftsminister:
»Wir haben heute die erste Holocaust-Professur in Deutschland ins Leben gerufen. 70 Jahre nach Ende der Shoah ein überfälliger Schritt. Im Land der Täter darf es kein Vergessen geben. Wir sind verpflichtet, uns an die Spitze der Forschung zu setzen. Das Besondere an der ersten Holocaust-Professur ist, dass es nicht nur um das Verstehen der Vergangenheit geht. Insbesondere die Auswirkungen bis in die Gegenwart sollen ein Forschungsschwerpunkt sein.« […]
»Die Verknüpfung der neuen Holocaust-Professur mit der Leitung des Fritz Bauer Institutes ist eine einmalige Gelegenheit, die wir nutzen, um der wissenschaftlichen Aufarbeitung einen möglichst großen Schub zu geben. Das Fritz Bauer Institut ist eine Bildungs- und Forschungsstätte von höchstem internationalem Rang, dessen Bedeutung sich weit über die Grenzen von Hessen hinaus entfaltet. Vor allem die Auseinandersetzung mit den ethischen und moralischen Rechtfertigungsstrukturen des Holocaust bis in die Gegenwart macht die Forschung so einmalig und bedeutsam.«

Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Goethe-Universität:
»Die neue Holocaust Professur an der Goethe Universität – die erste ihrer Art in Deutschland – stellt einen Meilenstein in der Forschung dar. Wir sind dem Land Hessen und Minister Rhein für diese wichtige Initiative und die Schaffung der nötigen finanziellen Basis sehr dankbar. Von der Professur, die im Fachbereich Philosophie Geschichtswissenschaften angesiedelt sein wird, versprechen wir uns nicht nur ein besseres Verständnis des Holocaust. Von ihr sollen auch wichtige Impulse ausgehen, um mit Blick auf die Strukturen der NS-Herrschaft gegenwärtige Konflikte, Diskriminierung und Unterdrückung in der Welt besser zu begreifen.«

Jutta Ebeling, Vorsitzende des Fördervereins Fritz Bauer Institut e.V. und derzeit auch Vorsitzende des Stiftungsrats des Fritz Bauer Instituts:
»Die Einrichtung der ersten Professur für Holocaustforschung im Land der Täter verbunden mit der Leitung des Fritz  Bauer Instituts ist ein wissenschaftspolitischer Meilenstein gegen das Vergessen. Der Erforschung des Holocaust und seiner Wirkungsgeschichte in der Gegenwart wird damit die angemessene Bedeutung für die Zukunft verliehen.«

Hintergrund zum Fritz Bauer Institut
Das Fritz Bauer Institut erforscht interdisziplinär die Geschichte und Wirkung der nationalsozialistischen Massenverbrechen, insbesondere des Holocausts, und vermittelt die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit durch Workshops, Tagungen, Vorträge und Ausstellungen. Am 11. Januar 1995 wurde das Institut vom Land Hessen, der Stadt Frankfurt am Main und dem Förderverein Fritz Bauer Institut e.V. als Stiftung bürgerlichen Rechts ins Leben gerufen. Seit Herbst 2000 ist es als An-Institut mit der Goethe-Universität Frankfurt am Main assoziiert und hat seinen Sitz im IG Farben-Haus auf dem Campus Westend der Frankfurter Universität. Die unabhängige Forschungseinrichtung mit einem pädagogischen Zentrum ist benannt nach dem Justizreformer und Initiator des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses, Fritz Bauer. Das Institut erforscht und dokumentiert die Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen und deren Wirkung bis in die Gegenwart.
Die Vermittlung des wissenschaftlichen Wissens über die Geschichte der nationalsozialistischen Massenverbrechen und ihre Wirkungen auf die Gegenwart an eine breite Öffentlichkeit, nicht zuletzt in den Schulen, ist Aufgabe des Pädagogischen Zentrums, das seit 2009 gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Frankfurt betrieben wird.

Kontakt

Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst
Mark Kohlbecher (Pressesprecher)
Tel.: 0611.323230
Fax: 0611.323299
pressestelle(at)hmwk.hessen.de


Fritz Bauer Studienpreis 2015
für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte

Auszeichnung für Nachwuchsjuristen

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Im Rahmen einer Feierstunde im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Berlin, wurde am 1. Juli 2015 durch Bundesjustizminister Heiko Maas erstmals der »Fritz Bauer Studienpreis für Menschenrechte und juristische Zeitgeschichte« verliehen. Ausgezeichnet wurden zwei Nachwuchsjuristen für ihre herausragenden Doktorarbeiten.

Die Preisträger
Dr. Arthur von Gruenewaldt aus Frankfurt am Main erhält den Preis für seine Dissertation »Die Richterschaft des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main in der Zeit des Nationalsozialismus«. Seine Untersuchung zeigt, wie willfährig sich die Frankfurter Richterschaft gegenüber der nationalsozialistischen Diktatur gezeigt hat und zu Mittätern des Unrechts wurde.
Dr. Andreas Werkmeister wird für seine Doktorarbeit zu »Straftheorien im Völkerrecht« ausgezeichnet. Seine Arbeit knüpft an die Bemühungen Fritz Bauers an, mit Hilfe des Völkerstrafrechts staatliches Unrecht zu ahnden.

Der Fritz Bauer Studienpreis wurde 2014 von Bundesminister Heiko Maas gestiftet, um an den einstigen hessischen Generalstaatsanwalt und Initiator des Frankfurter Auschwitz-Prozesses Fritz Bauer (1903–1967) zu erinnern. Mit dem Preis sollen Nachwuchsjuristen motiviert werden, sich mit Person und Wirken Fritz Bauers zu befassen. Ausgezeichnet werden herausragende juristische Doktorarbeiten, die sich mit Leben und Werk Fritz Bauers oder seinen Lebensthemen beschäftigen, also insbesondere der juristischen Ahndung des NS-Unrechts und anderer Massenverbrechen gegen die Menschlichkeit, der Strafrechtsreform und des humanen Strafvollzugs, der Achtung und des Schutzes der Menschenwürde. Dazu erklärt Bundesminister Maas: »Fritz Bauer hat seinen Beruf als Richter und Staatsanwalt stets als Verpflichtung verstanden, sich für die Demokratie und die Menschenrechte stark zu machen. Zu seinen Lebzeiten war er verfolgt, verhasst und umstritten. Heute ist Fritz Bauer ein Vorbild für alle Juristinnen und Juristen«. Der Preis wird alle zwei Jahre zum Todestag Fritz Bauer am 1 Juli verliehen und ist mit € 5.000,– dotiert.
Die Vergabe des Preises erfolgte unter Mitwirkung einer hochrangig besetzen Jury. Ihr gehören an: Christoph Flügge (Internationaler Strafgerichtshof für das ehem. Jugoslawien, Den Haag), Prof. Dr. Raphael Gross (Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main; seit 1. April 2015 Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig), Werner Koep-Kerstin (Humanistische Union, Berlin), Prof. Dr. Beate Rudolf (Deutsches Institut für Menschenrechte, Berlin) und Prof. Dr. Gerhard Werle (Humboldt-Universität zu Berlin).

Fritz Bauer Studienpreis 2017

Die Bewerbungsfrist endet am 31. Dezember 2016, die Preisverleihung erfolgt zum 1. Juli 2017.
Weitere Informationen unter: www.bmjv.de/fritz-bauer

Kontakt
Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz
Dr. Heiko Holste
Mohrenstr. 37
10117 Berlin
Tel.: 030.1858090-57, Fax: -46
holster-he(at)bmjv.bund.de


A contre-courant –
Solidarité et aide aux juifs pourchassés de Francfort et de la Hesse

Exposition, 6 mai et 26 juin 2015
Bibliothèque de l‘Université de Rennes
Une exposition créée par le Musée Juif et l‘Institut Fritz Bauer à Francfort-sur-le-Main, porté par l’association Vivre en Paix Ensemble

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Eine gemeinsame Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt am Main und des Fritz Bauer Instituts. Die Ausstellung in der Bibliothek der Université de Rennes 2 wird unterstützt von der Organisation Vivre en Paix Ensemble.

Anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung wird vom 6. Mai bis 26. Juni  2015 in der Bibliothek der Université de Haute Bretagne Rennes 2 die Ausstellung »Gegen den Strom – Solidarität und Hilfe für verfolgte Juden in Frankfurt und Hessen« eröffnet. Unter dem Titel »A contre-courant – Solidarité et aide aux juifs pourchassés de Francfort et de la Hesse« und in französischer Sprache. Weitere Ausstellungsstationen in Frankreich sind in Planung.

Als Museumsdirektor Raphael Gross vor drei Jahren, am 8. Mai 2012 in Anwesenheit von John D. Goldsmith, dem Vize-Präsidenten des Anne Frank-Fonds Basel, die Ausstellung im Frankfurter Museum Judengasse der Öffentlichkeit übergab, war deren besondere Rezeption bis heute noch gar nicht absehbar. Zwischenzeitlich hat sich einiges getan.
So erhielt die Ausstellung am 27. Januar 2013, dem Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, den Hosenfeld/Szpilman-Gedenkpreis, der im zweijährigen Turnus von der Leuphana-Universität in Lüneburg ausgelobt wird. Der Preis erinnert an den Wehrmachtsoffizier Wilm Hosenfeld, der den polnischen Musiker und Komponisten Wladyslaw Szpilman 1944 vor der Deportation in das Vernichtungslager Treblinka rettete. Die Auszeichnung war eine ermutigende Anerkennung für das Jüdische Museum und die Forschungen der Kuratorinnen Monica Kingreen, Petra Bonavita und Heike Drummer.
Ebenso verdankt sich die Anbringung einer Gedenktafel vor der ehemaligen britischen Gesandtschaft in der Frankfurter Guiollettstraße für Robert T. Smallbones im Mai 2013 der Ausstellung »Gegen den Strom. Solidarität und Hilfe für verfolgte Juden in Frankfurt und Hessen«. Denn eine ihrer Episoden erzählt von dem rastlosen Bemühen des britischen Generalkonsuls, jüdischen Menschen nach dem November-Pogrom zur Flucht nach England zu verhelfen. Zu den Geretteten gehörten auch die Eltern von John D. Goldsmith, der als Mitinitiator bei der Enthüllung der Tafel durch die Stadt Frankfurt zugegen war.
Nun wandert die Ausstellung in leicht modifiziertem Design nach Frankreich. Die außergewöhnliche Präsentation in der Bretagne und die Übersetzung der Texte durch Schülerinnen und Schüler von acht Gymnasien in Rennes und anderen Städten verdanken sich dem Engagement und den persönlichen Kontakten des Leihgebers Ernst Knöß aus Mörfelden-Walldorf. Dessen Onkel Wilhelm König zählte während der NS-Zeit zu den Menschen in Frankfurt am Main, die der Verfolgung von Juden mit Zivilcourage entgegentraten.
Nach der Redaktion im Jüdischen Museum fertigte das Gestaltungsbüro »mind the gap! design« in Anlehnung an die Frankfurter Schau ein praktikables Layout. An der Realisation vor Ort und der Finanzierung beteiligen sich mehrere Initiativen und Organisationen, etwa die Assoziation »Vivre en Paix ensemble«, die Stadt Rennes, die Universität Rennes 2, das Centre Franco-Allemand in Rennes oder die Fédération des associations d’Amitié Franco-Allemande/FAFA de Bretagne.
Nach anfänglicher Skepsis begrüßt Direktor Raphael Gross die ungewöhnliche Zusammenarbeit ausdrücklich: »Als ich erfuhr, dass die Stadt Rennes und der Verein ›Vivre la Paix ensemble‹ Interesse haben, anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung Frankreichs unsere Ausstellung ›Gegen den Strom‹ in der Bretagne zu zeigen, war ich – das sage ich offen – erstaunt. Ereigneten sich doch die durch uns ausgewählten Geschichten von Solidarität und Hilfe topografisch in einer Region, die mit Ausnahme der Main-Metropole Frankfurt bei unseren Nachbarn kaum bekannt sein dürfte. Allerdings berührte mich von Beginn an die schöne Idee, dass es Schülerinnen und Schüler vor allem aus der Stadt Rennes sein würden, die mit Hilfe ihrer Lehrer die Ausstellungstexte und auch den kleinen Katalog für ein französisches Publikum übersetzen wollten. Deshalb stimmte ich dem Vorhaben gerne zu. Das Interesse ehrt das Jüdische Museum, und wir freuen uns sehr über diese besondere Geste französisch-deutscher Freundschaft.«


Leitungswechsel

apl. Prof. Dr. Werner Konitzer übernimmt die
kommissarische Leitung des Fritz Bauer Instituts

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Prof. Dr. Raphael Gross hat zum 30. April 2015 die Leitung des Fritz Bauer Instituts abgegeben. Seit 1. April 2015 ist er (in Nachfolge von Prof. Dr. Dan Diner) Direktor des Simon-Dubnow-Instituts für jüdische Geschichte und Kultur e.V. und Inhaber des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität Leipzig.
Bis zur Neubesetzung der Direktorenstelle hat apl. Prof. Dr. Werner Konitzer die kommissarische Leitung des Fritz Bauer Instituts übernommen.



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Anfahrt: IG Farben-Haus

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Einsicht 17
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Das Heft erscheint zweimal jährlich (April/Oktober), Auflage 5.500.
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Letzte Änderung: 01. September 2011

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