Fritz Bauer Institut

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Two bursaries for the Leo Baeck MA in European Jewish History

Queen Marry University of London / Leo Baeck Institute London
Deadline for receipt of applications for bursaries: 9 May 2011

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The Leo Baeck MA trains scholars towards undertaking independent research on Jewish history, culture and thought in Europe. It provides a strong grounding in approaches and theories which have influenced the ways in which scholars understand Jewish history. Simultaneously, the MA introduces students to a wide range of sources available for European Jewish studies. Particular attention will be paid to the Jewish response to modernity and problems around the definition and issues of assimilation and identity. The role of antisemitism and the origins of the Holocaust are central, as is Jewish intellectual history, focusing on the ideas of eminent Jewish thinkers about the place of Jews and Judaism in pre-modern and modern society. The Leo Baeck Institute in conjunction with the School of History, Queen Mary, University of London is offering two bursaries tenable for the academic year 2011–2012 for students taking the Leo Baeck MA in European Jewish History. The bursary will cover the fee at the Home/EU rate.The Leo Baeck InstituteThe Leo Baeck Institute (LBI) is the leading research institute in the field of the history and culture of German-speaking Jewry in Europe from the 17th Century onwards. It was founded in 1955 and named after Leo Baeck, the last public representative of the Jewish Community in Nazi Germany. Among the Institute’s publications are the Leo Baeck Institute Year Book and the Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen. The institute has recently established two research professorships to investigate the role of German-speaking Jews in 19th and 20th century academia.

The School of History at Queen Mary
The School of History at Queen Mary is one of the largest history departments in London and offers a very wide range of degree courses and research opportunities. It provides first-rate teaching fuelled by cutting-edge research within a friendly, welcoming atmosphere with an emphasis on student support. Queen Mary is ranked among the top 15 research universities in the UK.

General Entry Requirements
An upper second class honours undergraduate degree or higher in History (or overseas equivalent). Mature students from other academic backgrounds are encouraged to apply.  
Please visit www.qmul.ac.uk/postgraduate/apply/index.html to download an application form and ensure you submit a statement of purpose addressing the following:
› Why do you want to study the Leo Baeck MA in European Jewish History programme at Queen Mary?
› How do you think the MA will assist you in your future ambitions?
› Please identify any relevant experience which has prepared you for this programme.
Deadline for receipt of applications for bursaries: 9 May 2011

Further information links
www.history.qmul.ac.uk
www.jewishstudies.history.qmul.ac.uk
www.leobaeck.co.uk

Contact
Jon Clifford
Admissions Administrator
Tel: +44 (0)20.7882 8370
j.clifford(at)qmul.ac.uk


Imo Moszkowicz sel. A. (1925–2011)

Ein Nachruf von Matthias Naumann, Berlin

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Imo Moszkowicz wurde am 27. Juli 1925 in Ahlen geboren. Seinem Vater gelang es noch 1938, nach Argentinien auszuwandern, doch konnte der Rest der Familie nicht mehr nachkommen. Frau und Kinder mussten nach Essen übersiedeln, damit Ahlen »judenrein« sei, und dort Zwangsarbeit leisten. Die Mutter und vier der Geschwister wurden 1941 nach Auschwitz deportiert und ermordet, ebenso der Bruder David nach einer Denunziation. Imo Moszkowicz und sein Bruder Hermann wurden 1942 als Letzte der Familie nach Auschwitz deportiert, wo Imo Moszkowicz ins KZ Buna/Monowitz kam und Zwangsarbeit für die I.G. Farben verrichten musste. Gerade dort machte er bei einem »bunten Abend« zur Unterhaltung der Lager-SS und der Häftlingsprominenz seine ersten Schauspielerfahrungen. In einem Interview beschrieb er im Januar 2008, was das Theaterspiel im KZ Buna/Monowitz für ihn bedeutete: »Auf diese Weise war ich meinen Drillich, meine Häftlingskleidung für ein paar Stunden los: Ich konnte in eine andere Figur schlüpfen. Das, was später, also nach dem Krieg, mit mir geschah, war ähnlich: Ich schlüpfte in andere Charaktere, ich schlüpfte in andere Schicksalsstränge und konnte damit meinen eigenen zudecken und somit in den Hintergrund drängen; damit konnte ich viele Jahre leidlich gut leben.«

Nachdem er die Todesmärsche Anfang 1945 überstanden hatte, wurde Imo Moszkowicz im Mai 1945 in Liberec/Reichenberg von der Roten Armee befreit. Er ging zurück nach Westfalen und begann als Schauspieler in Warendorf und Gütersloh. Es folgte eine Schauspielausbildung in Düsseldorf, während der er sich bereits der Regie zuwandte. Moszkowicz lernte als Regieassistent bei Gustav Gründgens in Düsseldorf und bei Fritz Kortner am Schillertheater, Berlin. Zeitlebens blieb sein Theaterverständnis vom Begriff der Werktreue und der Achtung gegenüber den Texten der Dichter, die er inszenierte, geprägt.
In den 1950er Jahren arbeitete Moszkowicz mehrmals als Regisseur und Schauspieler an Bühnen in Südamerika, wo er auch seine Frau, Renate Dadieu, kennenlernte. 1961 inszenierte er Zeit der Schuldlosen von Siegfried Lenz am Habima Nationaltheater in Tel Aviv, das erste Stück eines zeitgenössischen deutschsprachigen Autors in Israel. In den folgenden Jahrzehnten verwirklichte Moszkowicz über hundert Theater- und Operninszenierungen an großen deutschsprachigen Häusern.

Zeitgleich entwickelte sich das Fernsehen mit über 200 Regiearbeiten für Spielfilme und Serien zu seinem zweiten Schwerpunkt. Hier erwies sich Imo Moszkowicz als ein Pionier des Fernsehspiels, der die neuen technischen Möglichkeiten erprobte. Zu seinen Arbeiten zählen Komödien und Krimis, aber auch Kinderserien wie Kli-Kla-Klawitter (1973–76) und Pumuckls Abenteuer (1999). Daneben schuf er mehrere Kinofilme, wie Max, der Taschendieb mit Heinz Rühmann und Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen über Theodor Herzl. Eine seiner letzten Arbeiten, das Drehbuch zu Unter Bauern – Retter in der Nacht (2009), ließ ihn in die Zeit des Nationalsozialismus in Westfalen zurückkehren.

In seiner Autobiografie Der grauende Morgen, zuerst erschienen 1996, verflicht Moszkowicz in eindringlicher Weise den Bericht seiner Zeit im KZ Buna/Monowitz mit seiner Nachkriegsbiografie am Theater und Fernsehen, darauf reflektierend, wie ihn die Erinnerung im Nachkriegsdeutschland immer wieder heimsuchte, wie er vergessen wollte und es nicht konnte. Imo Moszkowicz sprach in öffentlichen Auftritten, in Vorträgen und Diskussionen über den Holocaust, als er als Regisseur bereits namhaft und bekannt war. Eindrücklich im Gedächtnis blieb seine Rede auf dem Treffen der Überlebenden des KZ Buna/Monowitz in Frankfurt am Main 2004. Zur Eröffnung des Norbert Wollheim Memorials auf dem Gelände des ehemaligen IG Farben-Hauses (heute Sitz der geistes- und kulturwissenschaftlichen Fachbereiche der Goethe-Universität Frankfurt am Main) im November 2008 konnte er schon nicht mehr nach Frankfurt kommen.

Am 11. Januar 2011 verstarb Imo Moszkowicz nach langer Krankheit in Ottobrunn bei München. Er war langjähriges Mitglied im Rat der Überlebenden des Holocaust am Fritz Bauer Institut. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Freunde und Freundinnen des Fritz Bauer Instituts werden ihn in ehrender Erinnerung behalten.


Nachrichten aus dem
Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.

Bericht des Vereinsvorstands

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In der diesjährigen Mitgliederversammlung am 29. Januar 2011 im IG Farben-Haus auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt am Main stand turnusmäßig die Wahl des Vorstandes an. Alle Vorstandsmitglieder hatten sich bereit erklärt, erneut zu kandidieren, weitere Vorschläge gab es nicht. Alle Kandidaten wurden wiedergewählt. Dem Vorstand gehören somit wie bisher an: Brigitte Tilmann als Vorsitzende, Gundi Mohr als stellvertretende Vorsitzende und Schatzmeisterin, Prof. Dr. Eike Hennig als Schriftführer sowie Dr. Rachel Heuberger, Dr. Diether Hoffmann, Klaus Schilling und David Schnell als Beisitzer. Die wiedergewählten Vorstandsmitglieder danken für das ihnen entgegengebrachte Vertrauen.
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung stellten Monica Kingreen, Gottfried Kößler, Dr. Wolfgang Geiger und Manfred Levy anschaulich und überzeugend die Arbeit und die Projekte des Pädagogischen Zentrums des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main vor. Die anschließende Diskussion zeigte, wie groß das Interesse der Fördermitglieder an dieser Arbeit ist. Näheres zum Pädagogischen Zentrum finden Sie auch in diesem Heft oder unter www.pz-ffm.de.
Ein immer wiederkehrendes Thema – nämlich die Suche nach Möglichkeiten zur Werbung neuer Mitglieder – stand auch diesmal im Zentrum der Mitgliederversammlung. Zwar hat erfreulicherweise im letzten Jahr die Zahl der Neueintritte die der Austritte überstiegen, dennoch müssen wir mit Besorgnis feststellen, dass die Mitgliederzahl – auch altersbedingt – zurückgeht. Deshalb die dringende Bitte an Sie als Mitglieder und Förderer, aktiv zu werden und jedes Jahr zumindest ein neues Mitglied zu werben. Wir wissen, wie schwer es angesichts wirtschaftlich instabiler Zeiten ist, die Bereitschaft zu wecken, sich dauerhaft in einem Förderverein zu engagieren – trotz eines moderaten Jahresbeitrags. Aber die Mühe lohnt! Die Arbeit des Fritz Bauer Instituts ist nach wie vor hoch aktuell und das Interesse an den aufgegriffenen Themenbereichen – gerade auch bei jungen Menschen – erfreulich intensiv. Das Fritz Bauer Institut verdient und benötigt unsere kontinuierliche Unterstützung.
Der Vorstand hat sich im letzten Jahr vielfältig engagiert, um die Arbeit des Fritz Bauer Instituts in der Öffentlichkeit bekannt zu machen und für den Förderverein zu werben. Anfang Februar 2010 besuchten zwei Vorstandsmitglieder zusammen mit Werner Renz den Demjanjuk-Prozess in München, außerdem wurden Vorträge gehalten und an Podien teilgenommen. Für dieses Jahr plant der Vorstand weitere Veranstaltungen. Der Förderverein unterstützt die Initiative, eine Straße – möglichst in der Innenstadt – nach Fritz Bauer zu benennen und ihm damit auch in Frankfurt die ihm gebührende Ehre zu erweisen.
Unser Dank gilt allen Vereinsmitgliedern und Freunden für ihre nachhaltige Unterstützung im vergangenen Jahr.

Brigitte Tilmann (Vorsitzende)
Für den Vorstand


Online-Module:
Jüdisches Leben in Deutschland nach 1945

Lernbausteine zu deutsch-jüdischer Geschichte

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Jüdisches Leben wird in Deutschland häufig nur im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust gedacht. Dabei gab es ein vielfältiges und reichhaltiges kulturelles jüdisches Leben vor dem Beginn der systematischen Ausgrenzung und Verfolgung ab 1933 – und gibt es auch heute wieder.
»Lernen aus der Geschichte« möchte mit einem Online-Modul die Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland nach 1945 aufzeigen. Das Modul gliedert sich insgesamt in vier Bausteine:
›    Jüdische Displaced Persons
›    Jüdisches Leben in der DDR
›    Jüdische Einwanderung nach 1989
›    Jüdische Identitäten
In jedem dieser Bausteine finden sich Einführungs- und Hintergrundtexte, Audiointerviews, Aufgaben, Link- und Buchtipps. Für die pädagogische Arbeit gibt es zusätzliches Material und Anleitungen sowie Weiterbildungsangebote zur Einbindung der Module in den Unterricht oder zum Einsatz in Workshops und bei Projekttagen.
Manfred Levy vom Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt ist mit einem Beitrag zum Baustein »Jüdische Identitäten« in dem Modul vertreten.
Das Internetportal »Lernen aus der Geschichte« plant, die bisher vorliegenden vier thematischen Bausteine sukzessive zu ergänzen und weitere Aspekte, wie zum Beispiel die Zeit in der BRD zwischen 1949 und 1989, aufzunehmen. Die Online-Module wurden ermöglicht durch die finanzielle Förderung des Leo Baeck Programms und der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung. Das Webportal wird durch die Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft« gefördert.

Link zu den Online-Modulen
www.lernen-aus-der-geschichte.de/Online-Lernen/Online-Module/all

Abonnement des Magazins »Lernen aus der Geschichte«
http://lernen-aus-der-geschichte.de/drupal/Lernen-und-Lehren/Magazin/Abonnieren

Kontakt
Lernen aus der Geschichte e.V.
c/o Institut für Gesellschaftswissenschaften
und historisch-politische Bildung
Technische Universität Berlin
Ingolf Seidel (Redakteur)
Franklinstraße 28/29
10587 Berlin
Tel: 030.314 731 43
seidel(at)lernen-aus-der-geschichte.de
www.lernen-aus-der-geschichte.de


Das Unverstehbare verstehen – Der Holocaust und die Rechtsgeschichte
Audio-Mitschnitt des Vortrags von Prof. Dr. Michael Stolleis

Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe
»Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus«
Donnerstag, 27. Januar 2011, Goethe-Universität Frankfurt am Main

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Vortrag von Michael Stolleis
mp3-audio (50 Min., 64 kbit/s, 23.520 KB)

Michael Stolleis, Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult., geb. am 20. Juli 1941 in Ludwigshafen am Rhein, ist ein deutscher Jurist und Rechtshistoriker. Er studierte Rechtswissenschaften, Germanistik und Kunstgeschichte in Heidelberg und Würzburg. Seine Promotion erfolgte 1967 in München bei Sten Gagnér, 1965 und 1969 erwarb er zwei juristische Staatexamina. 1973 habilitierte er sich in München für die Fächer Staats- und Verwaltungsrecht, Neuere Rechtsgeschichte und Kirchenrecht. Ein Jahr darauf wurde er auf eine Professur an der Goethe-Universität Frankfurt berufen. 1991 erhielt er den renommierten Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Im selben Jahr wurde er Direktor des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte (MPIER) in Frankfurt am Main. 2006 wurde er als Professor an der Goethe-Universität und als Direktor des MPIER emeritiert, übernahm jedoch von September 2007 bis Ende 2009 wieder die kommissarische Leitung. Er ist Mitglied zahlreicher in- und ausländischer wissenschaftlicher Akademien und Mitherausgeber verschiedener Schriftenreihen und Zeitschriften. Seine Hauptarbeitsgebiete liegen in den Bereichen Öffentliches Recht (Sozialrecht), Juristische Zeitgeschichte und Neuere Rechtsgeschichte, insbesondere die Wissenschaftsgeschichte des öffentlichen Rechts). Für sein Lebenswerk in Forschung und Lehre sowie vorbildliches ehrenamtliches Engagement wurde ihm am 5. Mai 2010 das Bundesverdienstkreuz I. Klasse verliehen.


Gedenken am Michelsberg
Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden

Am 27. Januar 2011 – dem nationalen und internationalen »Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus« – wurde die »Gedenkstätte für die ermordeten Wiesbadener Juden« von Vertretern der städtischen Körperschaften eröffnet.

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Im Anschluss an den Festakt im Wiesbadener Rathaus wurde die Gedenkstätte am Michelsberg – dem Ort der ehemaligen Synagoge – durch Stadtverordnetenvorsteher Wolfgang Nickel und Architektin Barbara Willecke benannt und der Wiesbadener Bürgerschaft übergeben. Neben der Ansprache durch Moritz Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinde in Hessen, richteten Oberbürgermeister Dr. Müller und Dr. Jacob Gutmark, Vorstand der Jüdischen Gemeinde Wiesbaden Grußworte an die Einweihungsgäste.
Auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung ist 2006 ein städtebaulicher Ideenwettbewerb zur Neugestaltung des Areals um die vormalige Heinrich-Heine-Anlage am Michelsberg durchgeführt worden. Dessen vordringliches Ziel war die Schaffung eines würdevollen Ortes zum namentlichen Gedenken an alle während der nationalsozialistischen Diktatur ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger Wiesbadens. Bislang befand sich dort lediglich ein nur wenig aussagekräftiges Gedenkensemble, bestehend aus einer Säule und drei Hinweistafeln, womit an die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von den braunen Barbaren überfallene, geschändete und in Brand gesetzte Hauptsynagoge der israelitischen Kultusgemeinde Wiesbaden erinnert worden ist.
Die neue Gedenkanlage wurde nach den Plänen der Berliner Landschaftsarchitektin Barbara Willeke durch die Stadtentwicklungsgesellschaft Wiesbaden realisiert, genau an jener Stelle, an der einst die prächtige, von Philipp Hoffmann 1869 im maurischen Baustil errichtete Synagoge als Zentrum der liberalen jüdischen Gemeinde weithin sichtbar emporragte. An sie erinnert schon seit geraumer Zeit und sehr eindrucksvoll eine virtuelle Rekonstruktion, die von einer Arbeitsgruppe an der Fachhochschule Wiesbaden unter Leitung von Edgar Brück geschaffen wurde. Die preisgekrönte fotorealistische 3D-Visualisierung in Form einer Computeranimation kann in einem besonderen Gedenk- und Informationsraum im Foyer des Rathauses ebenso betrachtet werden wie eine vom Aktiven Museum Spiegelgasse konzipierte und finanzierte Dauerausstellung zu Leben, Leid und Ermordung der Wiesbadener Juden.
Während erst kürzlich im Bereich des neuen Freizeit- und Kulturparks am Schlachthof vom Frankfurter Installationskünstler Vollrad Kutscher und vom Wiesbadener Sprayer Yorkar7 eine eindrucksvolle, in ihrer Art beispiellose künstlerische Form der Erinnerung an die seinerzeit von jenem Ort ausgehenden Deportationen realisiert worden ist, dient das neue, durch seine Architektur, Größe und Zielsetzung geradezu überwältigende Mahnmal auf dem Michelsberg der Bewahrung der Namen sämtlicher Wiesbadener Opfer der Shoah. Deren historiographische Ermittlung wie auch die der biographischen Daten der Ermordeten wurden vom Stadtarchiv in Kooperation mit dem Aktiven Museum Spiegelgasse durchgeführt. Letzteres macht die Öffentlichkeit seit seiner Gründung 1988 auf vielfältige Weise auf das Schicksal der Wiesbadener Jüdinnen und Juden aufmerksam, so zum Beispiel durch die Verlegung von »Stolpersteinen« vor deren jeweils letzten selbst gewählten Wohnsitzen sowie durch die Erarbeitung und Präsentation von lebensgeschichtlichen »Erinnerungsblättern«.
Das neue Mahnmal am Michelsberg versammelt alle bisher ermittelten 1.507 Namen der jüdischen Opfer des NS-Rassenwahns aus Wiesbaden auf einer 62 Meter langen Wand. Neben den Namen der Opfer sind, soweit bekannt, auch Geburts- und Sterbejahr sowie der Sterbeort – in den meisten Fällen ein Konzentrations- oder Vernichtungslager – genannt. Nach jüdischem Brauch ist es religiöse Pflicht, sich der Verstorbenen über die Bewahrung ihrer Namen zu erinnern. »Nur wessen Name vergessen ist, der ist wirklich tot«, sagt ein altes Sprichwort. Da die während jener Schreckensjahre ermordeten jüdischen Menschen fast nirgends ein eigenes Grab erhalten haben und es somit keinen Ort gibt, zu dem sich deren Angehörige begeben können, um ihrer zu trauern und gedenken, kommt diesem Bauwerk eine doppelte Bedeutung als Mahn- und Gedenkort zu.

Kontakt
Stadtarchiv Wiesbaden
Tel.: 0611.313329
stadtarchiv(at)wiesbaden.de


2. Doktorandenseminar:
Neue Forschungen zu Geschichte und Wirkung des Holocaust

13. bis 15. September 2010 in der Evangelischen Akademie Arnoldshain

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Vom 13. bis 15. September 2010 fand in Arnoldshain das zweite interdisziplinäre Doktorandenseminar des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Arnoldshain statt. Die Veranstaltung leitete Jörg Osterloh gemeinsam mit Ole Jantschek (Arnoldshain) und Sybille Steinbacher (Jena/Frankfurt am Main). Sybille Steinbacher eröffnete die Veranstaltung mit einem öffentlichen Abendvortrag zum Thema »Gesellschaftsordnung durch Gewalt. Überlegungen zu einer vergleichenden Geschichte der Lager im 20. Jahrhundert«. Die Darstellung konzentrierte sich auf das »Dritte Reich«, die stalinistische Sowjetunion sowie das faschistische Italien.

An den folgenden beiden Tagen stellten acht Doktorandinnen und Doktoranden von deutschen, englischen und amerikanischen Universitäten in einer geschlossenen Veranstaltung ihre geplanten bzw. laufenden Arbeiten zur Diskussion. Den Auftakt machte Susanne Beer (Essen), die sich mit der Hilfe für Juden im »Dritten Reich« befasst. Bis heute sind nur etwa 3.600 Helfer/innen namentlich bekannt, ihre Gesamtzahl wird auf mehrere Zehntausend Menschen taxiert. Das Projekt geht der Frage nach, wie diese Wenigen dazu kamen, sich abweichend gegenüber den nationalsozialistischen Normen zu verhalten. Auf Basis von narrativen Interviewsequenzen mit Helfern und Untergetauchten sollen konkrete Hilfesituationen analysiert und die erinnerten Entscheidungssituationen möglichst dicht beschrieben werden. Christine Schoenmakers (Oldenburg) stellte ihre Arbeit zur Deutschen Golddiskontbank vor, einer Tochter der Reichsbank, die unter anderem als zentraler Umschlagplatz des Auswanderervermögens diente und für dessen Verwaltung, Transferierung und Einsatz im Namen der deutschen Wirtschaft sorgte. Merle Funkenberg (Kassel) befasst sich mit den Zeugen in NSG-Verfahren als Akteure und richtet den Fokus einerseits auf die psychisch wie physisch belastende Situation der Überlebenden vor Gericht, andererseits auf deren Betreuung durch ehrenamtliche Helfer. Gerd Kühling (Jena) untersucht den Umgang mit der NS-Vergangenheit in Ost- und Westberlin und lenkt den Blick auf die Auswirkungen von Kaltem Krieg, deutsch-deutschem Systemkonflikt und der jahrzehntelangen Teilung Berlins auf die Gedenkpolitik in der Stadt in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten. Jacob S. Eder (Pennsylvania) analysiert westdeutsche kultur-, geschichts- und bildungspolitische Initiativen in den USA im Zeitraum zwischen 1977 und 1990: Insbesondere die Regierung Kohl bemühte sich um die Vermittlung eines positiven Deutschlandbildes vor dem Hintergrund eines stetig wachsenden Interesses der amerikanischen Bevölkerung an der Geschichte des Holocaust. Den Tag schloss Jörg Osterloh mit einem Abendvortrag über Fotografien und Feldpostbriefe von Wachmannschaften als Quellen für die Geschichte von Kriegsgefangenenlagern der Wehrmacht.

Den letzten Block eröffnete Christian Mentel (Berlin), der sein Vorhaben vorstellte, die Holocaustnegation sowohl in ihrem Gegensatz zu als auch in ihren Rückwirkungen mit der Geschichtswissenschaft sowie der Geschichts- und Erinnerungskultur zu erforschen. Dabei fragt er unter anderem nach den Strategien der Negationisten sowie den sich im Laufe der Zeit verändernden Argumentationsstrukturen bzw. Präsentationsformen der Holocaustnegation. Susanne Bressan (Berlin) befasst sich mit der Biografie der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin im Kontext des privaten und öffentlichen Umgangs mit dem nationalsozialistischen Erbe in Deutschland. Martin Modlinger (Cambridge) stellte seine Untersuchung der Transformation von Geschichte zu Literatur am Beispiel Theresienstadts vor. Er untersucht unter anderem, wie es den Gefangenen im Ghetto gelang, ihren Leiden zum Trotz beachtliche kulturelle Leistungen zu vollbringen, und analysiert die dort entstandenen kulturellen Artefakte im Hinblick auf die historische Realität des Lagers.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars diskutierten ihre Vorhaben in einer sehr konstruktiven Arbeitsatmosphäre; im Mittelpunkt standen Fragen nach der Quellenlage und den methodischen Zugängen der einzelnen Projekte. Das nächste Doktorandenseminar wird vom 7. bis 9. Juni 2011 in Arnoldshain stattfinden; die Ko-Moderation übernimmt in diesem Jahr Dr. Andrea Löw vom Institut für Zeitgeschichte in München.

Vorträge

Sybille Steinbacher, »Gesellschaftsordnung durch Gewalt. Überlegungen zu einer vergleichenden Geschichte der Lager im 20. Jahrhundert« (öffentlicher Abendvortrag)
Susanne Beer, »Hilfe für Juden im Nationalsozialismus. Soziologische Untersuchung der Entscheidungssituationen und Karrieren von sogenannten Judenrettern«
Christine Schoenmakers, »Täternetzwerke – Die Deutsche Golddiskontbank als Umschlagplatz für geraubtes jüdisches Vermögen und dessen Verwertung für den Krieg«
Merle Funkenberg, »Die Betreuung von Zeugen der NS-Prozesse«› Gerd Kühling, »NS-Erinnerung in Berlin. Gedenkpolitik im Zeichen des Ost-West-Konflikts«
Jacob S. Eder, »Holocaust-Erinnerung als deutsch-amerikanische Konfliktgeschichte«
Jörg Osterloh, »Fotografien und Feldpostbriefe von Wachmannschaften als Quellen für die Geschichte der Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht« (öffentlicher Abendvortrag)
Christian Mentel, »Holocaustleugnung als Historiografie«
Susanne Bressan, »Gudrun Ensslin. Die Biografie einer RAF-Terroristin im Kontext des öffentlichen Umgangs mit dem nationalsozialistischen Erbe in Deutschland«
Martin Modlinger, »Approaching Something that repels: The History of the Terezín Ghetto Artists in Post-Holocaust Literature«

... Doktorandenseminar (Überblicksseite)

Kontakt
Dr. Jörg Osterloh
Fritz Bauer Institut
Telefon: +49 (0)69.798 322-35
Telefax: +49 (0)69.798 322-41
j.osterloh(at)fritz-bauer-institut.de


Bildungspartnerschaft:
Pädagogisches Zentrum kooperiert mit der Louise-von-Rothschild-Schule

Das Pädagogische Zentrum Frankfurt schafft neue Form
der Zusammenarbeit von Schule und Museum.

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Die erste Bildungspartnerschaft des Pädagogischen Zentrums des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main wurde mit der Louise-von-Rothschild-Schule, einer Realschule in Frankfurt-Bornheim vereinbart. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 10. Januar wurde der Kooperationsvertrag besiegelt. Das Pädagogische Zentrum wird die Schule in vielfältiger Weise bei der Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Gegenwart sowie bei der Annäherung an Geschichte und Nachgeschichte des Holocaust unterstützen.
Diese Themen finden sich in vielen Schulfächern wie in Geschichte, Politik und Wirtschaft, Religion, Ethik, Deutsch und Kunst.
Die Kooperationsvereinbarung umfasst weiter Beratungen für SchülerInnen und LehrerInnen, sowie Workshops und themenbezogene Führungen.

Kontakt
Pädagogisches Zentrum FFM
Seckbächer Gasse 14
60311 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69.212 494 34
Telefon: +49 (0)69.212 707 26
info(at)pz-ffm.de
www.pz-ffm.de


Joachim Robert Rumpf:
»Der Fall Wollheim gegen die I.G. Farbenindustrie AG in Liquidation«

Neuerscheinung zum Prozess »Norbert Wollheim gegen I.G. Farben«.
Die erste Musterklage eines ehemaligen Zwangsarbeiters in der
Bundesrepublik Deutschland – Prozess, Politik und Presse

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Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang, 2010, ISBN/ISSN: 978-3-631-60131-0
564 Seiten, zahlreiche Tabellen und Grafiken, € 86,80

Im November 1951 erhob Norbert Wollheim seine Schadenersatzklage gegen die I.G. Farbenindustrie AG i.L. am Landgericht Frankfurt am Main. Wollheim war 1943 nach Auschwitz deportiert worden und musste für die I.G. Farben als KZ-Häftling arbeiten. Seine Klage, der sogenannte Wollheim-Prozess, war das Schlüsselverfahren aller Zwangsarbeiterklagen. Die Klage wurde 1957 durch einen Globalvergleich beendet, der die Zahlung von 30 Millionen DM an die Sklavenarbeiter der I.G. Farben vorsah. Der deutsche Bundestag erließ das Aufrufgesetz, das die Entschädigungsansprüche von Zwangsarbeitern gegen die I.G. Farben abschließend regelte. Die Arbeit analysiert die rechtliche Argumentation und den Prozessverlauf und untersucht, ob das Aufrufgesetz verfassungsrechtlichen Anforderungen entspricht.

Die Arbeit wurde betreut von Prof. Dr. Christian Wolf an der Universität Hannover.

Gliederung des Buches
... http://joachimrumpf.de/gliederung_wollheim.pdf (pdf-Datei)

Website »Norbert Wollheim Memorial«
Ort des Gedenkens und der Information über die Zwangsarbeiter der I.G. Farben
auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
... www.wollheim-memorial.de


»Verunsichernde Orte«
Weiterbildung Gedenkstättenpädagogik

Reflexion pädagogischer Praxis an Erinnerungsorten
Weiterbildungsangebot – Publikation – Website

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Das Weiterbildungsangebot bietet die Möglichkeit, zentrale Fragen der Praxis historisch-politischer Bildung (nicht nur) an Gedenkstätten zu diskutieren und mit Hilfe von Übungen zu reflektieren. In vertrauensvoller Atmosphäre können schwierige Situationen besprochen und gegebenenfalls verändertes Verhalten erprobt werden. Dabei stehen pädagogische Aspekte der Vermittlungstätigkeit im Vordergrund: das eigene Selbst- und Rollenverständnis, der Kontakt zu Teilnehmenden und Gruppen sowie der Umgang mit Vermittlungsmedien.
Weiterbildungsangebot für Mitarbeiter/innen, Lehrer/innen und andere Engagierte in der Gedenkstättenpädagogik.

Träger des Weiterbildungsangebotes »Verunsichernde Orte« sind das Pädagogisches Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt (Bildungsangebote in den Themenfeldern deutsch-jüdische Geschichte, jüdische Gegenwart und Nachgeschichte des Holocaust) und das Max Mannheimer Studienzentrum / Internationales Jugendgästehaus Dachau (Anbieter historisch-politischer Seminare insbesondere zur KZ-Geschichte Dachaus für Jugendliche und Multiplikatoren), in Kooperation mit der Akademie Führung & Kompetenz am Centrum für angewandte Politikforschung, München (Fachberatung und Anbieter von Weiterbildungen zur Demokratie- und Toleranzförderung. U.a.: »Betzavta«, »Achtung(+)Toleranz«, »Eine Welt der Vielfalt«) und der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (Jährliche Weiterbildung »Verunsichernde Orte«, insbesondere für Lehrer/innen).

Publikation
Barbara Thimm, Gottfried Kößler, Susanne Ulrich (Hrsg.)
Verunsichernde Orte
Selbstverständnis und Weiterbildung in der Gedenkstättenpädagogik

Frankfurt am Main: Brandes & Apsel Verlag, 2010, 208 S., € 19,90
ISBN 978-3-86099-630-0
Schriftenreihe des Fritz Bauer Instituts, Band 21

Website
www.verunsichernde-orte.de und
www.weiterbildung-gedenkstaettenpaedagogik.de

Kontakt
Gottfried Kößler
Pädagogisches Zentrum FFM
Fritz Bauer Institut & Jüdisches Museum Frankfurt
Telefon: 069.212-49439
gottfried.koessler(at)stadt-frankfurt.de

Koordination
Barbara Thimm
Max-Mannheimer-Studienzentrum Dachau
Telefon: 089.41157802



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Anfahrt: IG Farben-Haus

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Einsicht 18
Bulletin des Fritz Bauer Instituts
Das Heft erscheint zweimal jährlich (April/Oktober), Auflage 5.500.
Einsicht

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Letzte Änderung: 01. September 2011

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