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Teilnachlass von Henry Ormond im Fritz Bauer Institut

Aus den Projekten des Fritz Bauer Instituts

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Brief Gerhard Kramers vom 16. September 1958 an Henry Ormond
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Vor einigen Wochen wurden Anwaltsakten aus dem Nachlass von Henry Ormond (1901–1973) an das Fritz Bauer Institut abgegeben. Ormond focht in den 50er Jahren den Entschädigungsprozess von Norbert Wollheim gegen die I.G. Farben durch, dem zu Beginn wenig Erfolgschancen prognostiziert worden waren. Bekannt wurde er zudem als Nebenklagevertreter im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess und im Prozess gegen die Eichmann-Mitarbeiter Hermann Krumey und Otto Hunsche.
In seinem Nachlass findet sich auch dieser Brief vom 16. September 1958. Verfasst wurde er von Gerhard Kramer, zu dieser Zeit Bevollmächtigter der Stadt Hamburg bei der Bundesregierung. Ormond und Kramer beobachteten mit Sorge, dass das Ansehen Israels nach der Suez-Krise 1956ff in Deutschland schweren Schaden genommen hatte. Gemeinsam entwickelten sie den Plan, Axel Springer für ihre pro-israelische Politik zu gewinnen. Sie wollten erreichen, dass Springer eine medial begleitete Reise nach Israel unternimmt. Eine offizielle Einladung sollte von Felix Shinnar, dem Leiter der Israelmission, der provisorischen Vertretung Israels in Deutschland, ausgesprochen werden. Die Randnotiz Ormonds am Briefende zeigt, dass er Shinnar am 21. September 1958 in dieser Sache geschrieben hat. Tatsächlich wurde Springer von Shinnar wenige Wochen später auf eine Israelreise eingeladen – das erste Mal fuhr er jedoch erst im Jahr 1966 dorthin.
Vor einigen Wochen wurden Anwaltsakten aus dem Nachlass von Henry Ormond (1901–1973) an das Fritz Bauer Institut abgegeben. Ormond focht in den 50er Jahren den Entschädigungsprozess von Norbert Wollheim gegen die I.G. Farben durch, dem zu Beginn wenig Erfolgschancen prognostiziert worden waren. Bekannt wurde er zudem als Nebenklagevertreter im 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess und im Prozess gegen die Eichmann-Mitarbeiter Hermann Krumey und Otto Hunsche.
In seinem Nachlass findet sich auch dieser Brief vom 16. September 1958. Verfasst wurde er von Gerhard Kramer, zu dieser Zeit Bevollmächtigter der Stadt Hamburg bei der Bundesregierung. Ormond und Kramer beobachteten mit Sorge, dass das Ansehen Israels nach der Suez-Krise 1956ff in Deutschland schweren Schaden genommen hatte. Gemeinsam entwickelten sie den Plan, Axel Springer für ihre pro-israelische Politik zu gewinnen. Sie wollten erreichen, dass Springer eine medial begleitete Reise nach Israel unternimmt. Eine offizielle Einladung sollte von Felix Shinnar, dem Leiter der Israelmission, der provisorischen Vertretung Israels in Deutschland, ausgesprochen werden. Die Randnotiz Ormonds am Briefende zeigt, dass er Shinnar am 21. September 1958 in dieser Sache geschrieben hat. Tatsächlich wurde Springer von Shinnar wenige Wochen später auf eine Israelreise eingeladen – das erste Mal fuhr er jedoch erst im Jahr 1966 dorthin.


Call for Papers:
Doktoranden-Seminar des Fritz Bauer Instituts

Vom 10. bis 12. Oktober 2012 findet das vierte Doktoranden-Seminar des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Arnoldshain statt.

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Das Seminar soll Doktoranden, die sich mit Fragen der Geschichte und Wirkung des Holocaust befassen, die Gelegenheit bieten, ihre Arbeiten zur Diskussion zu stellen und Kontakte zu anderen Doktoranden zu knüpfen, die zu ähnlichen Themen arbeiten. Die Teilnehmer sollen ihre geplanten und laufenden Forschungsvorhaben vorstellen; im Mittelpunkt steht die Diskussion von Fragestellungen, Methoden und Quellen. Das Angebot richtet sich gleichermaßen an Zeithistoriker, Politik-, Literatur-, Rechts- und Kulturwissenschaftler sowie Pädagogen. Um jede einzelne Arbeit intensiv besprechen zu können, ist die Teilnehmerzahl auf zehn beschränkt.
Die Veranstaltung wird in diesem Jahr von Dr. Margrit Frölich (Evangelische Akademie Arnoldshain), Prof. Dr. Birthe Kundrus (Universität Hamburg) sowie Dr. Jörg Osterloh (Fritz Bauer Institut) moderiert.

Interessenten, die ihre Forschungsvorhaben vorstellen möchten, bewerben sich mit einer maximal zweiseitigen Projektskizze und einem kurzen Lebenslauf bis zum 29. Februar 2012 beim Fritz Bauer Institut. Bereits abgeschlossene Arbeiten können grundsätzlich nicht berücksichtigt werden.
Ort der Veranstaltung ist die Evangelische Akademie Arnoldshain. Das Fritz Bauer Institut und die Evangelische Akademie Arnoldshain übernehmen die Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten für die Teilnehmer.

... Doktorandenseminar (Überblicksseite)

Kontakt
Dr. Jörg Osterloh
Fritz Bauer Institut
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069.798 322-35
Fax: 069.798 322-41
j.osterloh(at)fritz-bauer-institut.de


Association of European Jewish Museums:
Hanno Loewy zum neuen Präsidenten gewählt 

AEJM-Jahreskonferenz 2011
19. bis 22. November im Jüdischen Museum London

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Hanno Loewy (v. l.) und Teilnehmer der AEJM- Jahreskonferenz vor dem Eingang zum Jüdischen Museum London (Foto: Ian Lillicrapp)

Auf ihrer Jahreskonferenz 2011 in London hat die »Association of European Jewish Museums« Dr. Hanno Loewy, den Direktor des Jüdischen Museums Hohenems, zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Er tritt in Nachfolge von Rickie Burman, der Direktorin des Jüdischen Museums in London. Dem Vorstand gehören weiterhin an: Hetty Berg (Jüdisches Museum Amsterdam), Magda Veselská (Jüdisches Museum Prag), Erika Perahia Zemour (Jüdisches Museum Tessaloniki) und Daniela Eisenstein (Jüdisches Museum Franken).
Die 90 Delegierten von 45 Jüdischen Museen zwischen Spanien und der Ukraine, Norwegen und der Türkei – sowie zahlreiche Gäste aus den USA und aus Südamerika – diskutierten bei ihrem Treffen Perspektiven Jüdischer Museen in der Gegenwart, neue Ansätze der Vermittlungsarbeit in der multi-ethnischen Einwanderungsgesellschaft, aber auch gemeinsame Projekte zur Erinnerung an die prekäre Situation der europäischen Juden im 1. Weltkrieg. Der Verband der jüdischen Museen organisiert regelmäßig Workshops und Kuratorentraining für seine Mitglieder. In Zukunft kommen nun auch Weiterbildungen für die Museumspädagogen, Beratungsangebote und Internships dazu, die dazu beitragen sollen, dass kleinere Museen und neugegründete Institutionen, nicht zuletzt in Ost- und Mitteleuropa, von den Erfahrungen der großen Einrichtungen, wie in Paris und Berlin, Frankfurt oder Prag profitieren können – aber auch die arrivierten Museen von der geografischen und kulturellen Vielfalt europäisch-jüdischer Diasporaerfahrung.
Der Museumsverband AEJM hat sich aus seinen Anfängen vor mehr als zwanzig Jahren zu einem starken Partner der Museen entwickelt, der ihre Unabhängigkeit von politischen- und Verbandsinteressen fördert und ihre Professionalisierung vorantreibt. Die Entwicklung hoher Standards der Provenienzforschung und eines bewussten Umgangs mit dem jüdischen Erbe macht die jüdischen Museen nicht nur zu einer bedeutenden Ressource für die Entwicklung jüdischen Lebens in Europa, sondern auch zu einem Modell für die Anerkennung der Vielfalt europäischen Kulturerbes, in einer durch Einwanderung und Diversität geprägten Gegenwart.
Die AEJM-Konferenzen werden im jährlichen Wechsel an verschiedenen europäischen Orten abgehalten. So erhalten die Mitglieder Gelegenheit, mehr über die jeweiligen Sammlungen der Einrichtungen zu erfahren und in den die Konferenz begleitenden Workshops deren pädagogische Arbeitsmethoden kennenzulernen. Die Hauptversammlung der AEJM findet ebenfalls im Rahmen der Jahreskonferenz statt.

Kontakt
Association of European Jewish Museums
www.aejm.org
Jewish Museum London
www.jewishmuseum.org.uk
Jüdisches Museum Hohenems
www.jm-hohenems.at


3. Doktorandenseminar
Neue Forschungen zu Geschichte und Wirkung des Holocaust

7. bis 9. Juni 2011 in der Evangelischen Akademie Arnoldshain

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Vom 7. bis 9. Juni 2011 fand in Arnoldshain das dritte interdisziplinäre Doktorandenseminar des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Arnoldshain statt. Andrea Löw (München) eröffnete die Veranstaltung mit einem öffentlichen Vortrag zum Thema »Chronisten des Gettos: Dokumentationstätigkeit in Litzmannstadt, Warschau und Białystok«. Löw fokussierte ihre Darstellung auf die Personen, Intentionen, Quellen und die Arbeitsweisen der Chronisten. Ihnen war das Ziel gemein, das Geschehen dokumentieren und den Tätern nicht das Bild von den Ghettos und ihren Bewohnern überlassen zu wollen.

An den folgenden beiden Tagen präsentierten zehn Doktorandinnen und Doktoranden von deutschen, österreichischen und niederländischen Universitäten in einer geschlossenen Veranstaltung ihre geplanten bzw. laufenden Projekte. Den Auftakt machte Christof Czech (Innsbruck), der die Funktionäre der Gauleitungen und die Kreisleiter der NSDAP in der »Ostmark« untersucht, die in den neu geschaffenen »Reichsgauen« Partei- und Staatsfunktionen zugleich ausübten. Die politische Sammelbiografie soll die Lebenswege der NS-Funktionäre über das Ende des »Dritten Reiches« hinaus nachzeichnen, um zu überprüfen, welche Karrieren nach 1945 noch möglich waren. Mirja Keller (Frankfurt am Main) befasst sich mit der Entwicklung der religiös-zionistischen Kibbuzbewegung auf europäischer Ebene (1933–1945). Sie betont, dass Fluchthilfe als Teil des jüdischen Widerstands und der Selbsthilfe bislang nicht hinreichend erforscht worden ist. Sie nimmt den transnational organisierten Chaluz-Verband Bachad in den Blick, der nach 1933 Hachschara-Zentren unter anderem in England, Frankreich, Belgien und den Niederlanden organisierte, und fragt nach dessen Ursprung, Organisation sowie ideologischen Zielen. Dagmar Lieske (Berlin) beschäftigt sich mit dem Instrument der kriminalpolizeilichen Vorbeugehaft im Nationalsozialismus und »Kriminellen« als Häftlingen im KZ Sachsenhausen. Trotz der großen Zahl Betroffener – es ist von 70.000 »Kriminellen« in den KZs auszugehen, von denen die Hälfte nicht überlebte – spielten »Berufsverbrecher« in den Gedenkstätten lange Zeit zumeist eine Nebenrolle. In diesem Kontext fragt Lieske auch nach den Kontinuitätslinien der Stigmatisierung nach 1945. Hanna Schmidt Holländer (Hamburg) setzt sich mit der Bildung in den »jüdischen« Ghettos im Zweiten Weltkrieg auseinander. Sie vertritt die These, dass neben den bislang gängigen Antworten – Flucht vor dem Alltag, geistiger Widerstand, Bildung eines jüdischen Nationalbewusstseins – Bildungsmöglichkeiten auch geschaffen wurden, um in den Ghettos die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten. Judith Weißbach (Heidelberg) stellte ihre Arbeit zur »Transformation jüdischer Identität – der Erinnerungsdiskurs deutschsprachiger jüdischer Flüchtlinge über das Exil in Schanghai 1938–1949« vor. Dort befand sich eine der größten Exilgemeinden; Weißbach analysiert auf Basis veröffentlichter und unveröffentlichter Autobiografien das Erleben von Verfolgung, Flucht, Exil und Nachexil. Sebastian Voigt (Leipzig) präsentierte sein Vorhaben zur »politischen Erfahrungsgeschichte jüdischer Intellektueller im Nachkriegsfrankreich«. Er befasst sich mit Daniel Cohn-Bendit (Jg. 1945), André Glucksmann (Jg. 1937) und dem heute weitgehend unbekannten Pierre Goldman (1944–1979). Er fragt unter anderem nach den Zusammenhängen zwischen »Herkunft und Erkenntnis« und wie die merkliche Präsenz von Juden in den verschiedenen linken Gruppen in Frankreich 1968 zu erklären ist. Zum Abschluss des zweiten Tages skizzierte Britta C. Jung (Groningen) ihre Arbeit über die »Transnationalisierung des Nationalen. Nationalisierung des Transnationalen: Die Inszenierung des Nationalsozialismus und Holocausts in der zeitgenössischen Jugendliteratur«. Sie geht davon aus, dass sich in keiner anderen Textgattung das Selbstverständnis einer Gemeinschaft so sehr reflektiert wie in den Texten, die Erwachsene speziell für Kinder und Jugendliche schreiben.

Den dritten Seminartag eröffnete Katharina Obens (Berlin), die sich mit der Rezeption von NS-Zeitzeugengesprächen bei Schülern in Deutschland beschäftigt. Ziel der sozialpsychologischen Rezeptionsforschung in der Arbeit von Obens ist es, Kriterien für die zukünftige pädagogische Arbeit mit lebensgeschichtlichen Interviews zu erarbeiten. Sarah Kleinmann (Tübingen) nimmt in ihrer Arbeit die museale Repräsentation von NS-Täterschaft, Täterinnen und Tätern in den Blick. Mahnmale und Gedenkstätten für die Opfer spielen im gesellschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit eine zentrale Rolle; sie stehen, so Kleinmann, aber auch für eine Auseinandersetzung mit den Tätern. Geplant ist die Untersuchung von etwa zehn Dauerausstellungen. Fabian Schwanzar (Jena) untersucht in seinem Projekt das Verhältnis von Gedenkstättenbewegung, Erinnerungskultur und Geschichtspolitik von 1979 bis 1990 und fragt nach den sozialen und politischen Bedingungen für das Entstehen von Gedenkstätten.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten sehr intensiv über die vorgestellten Projekte; im Fokus standen hierbei die Quellengrundlagen, die methodischen Zugriffe und vor allem auch die inhaltlichen Abgrenzungen der einzelnen Themen. Das nächste Doktorandenseminar wird voraussichtlich vom 10. bis 12. Oktober 2012 in der Evangelischen Akademie Arnoldshain stattfinden.

Vorträge

Czech, Christof (Innsbruck), Politisches Spitzenpersonal der Ostmark. Die Funktionäre der Gauleitungen und die Kreisleiter. Eine politische Sammelbiographie
Jung, Britta C.  (Groningen), Transnationalsierung des Nationalen. Nationalisierung des Transnationalen: Die Inszenierung des Nationalsozialismus und Holocaust in der zeitgenössischen Jugendliteratur
Keller, Mirja (Frankfurt am Main), Die transnationale Entwicklung der religiös-zionistischen Kibbuzbewegung auf europäischer Ebene von 1933 bis 1945
Kleinmann, Sarah (Tübingen), Museale Repräsentation von NS-Täterschaft, Täterinnen und Tätern
Lieske, Dagmar (Berlin), Unbequeme Opfer? Das Instrument der kriminalpolizeilichen Vorbeugehaft im Nationalsozialismus und »Kriminelle« als Häftlinge im KZ Sachsenhausen
Obens, Katharina (Berlin), Rezeption von NS-Zeitzeugengesprächen bei Schülerinnen in Deutschland – Geschichtsbewusstseinsforschung mit Gruppendiskussionen
Schmidt Holländer, Hanna (Hamburg), Bildung in den »jüdischen« Ghettos im Zweiten Weltkrieg
Schwanzar, Fabian (Jena), Vom Protest zur Erinnerung. Gedenkstättenbewegung und Geschichtspolitik 1979–1990
Voigt, Sebastian (Leipzig), Zwischen Resistance und Holocaust. Zur politischen Erfahrungsgeschichte jüdischer Intellektueller im Nachkriegsfrankreich
Weißbach, Judith (Heidelberg), Transformation jüdischer Identität – der Erinnerungsdiskurs deutschsprachiger jüdischer Flüchtlinge über das Exil in Schanghai 1938–1949

... Doktorandenseminar (Überblicksseite)

Kontakt
Dr. Jörg Osterloh
Fritz Bauer Institut
Telefon: +49 (0)69.798 322-35
Telefax: +49 (0)69.798 322-41
j.osterloh(at)fritz-bauer-institut.de


Axel Springer
Juden, Deutsche und Israelis

Internationale Konferenz, 27. und 28. März 2011 in Frankfurt am Main
Fritz Bauer Institut und Jüdisches Museum Frankfurt

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»Das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen« und »die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes« sind für die Redakteure des Axel Springer Verlags per Arbeitsvertrag verbindliche Ziele. Zwanzig Jahre nach dem Holocaust verschrieb sich Axel Springer (1912–1985) dieser proisraelischen Haltung, die ein persönliches Anliegen für ihn wurde. Wie kam er dazu und wie war seine Haltung zu Israel und den Juden?

Die internationale Konferenz des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt war ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung einer Ausstellung zum gleichen Thema, die am 13. März 2012 im Jüdischen Museum Frankfurt eröffnet wird. Wissenschaftler, Politiker, Journalisten und Medienexperten beleuchteten dabei die Position Axel Springers und seines Konzerns in der deutschen Nachkriegsgesellschaft.

Die Tagung wurde am 27. März im Museum Judengasse mit einem Grußwort von Raphael Gross (Direktor des Jüdischen Museums Frankfurt und des Fritz Bauer Instituts) eröffnet. Gross wies darauf hin, wie konfliktreich die Beschäftigung mit dem Thema »Axel Springer« bis heute sei und betonte, dass man die Konflikte nicht wiederholen wolle, sondern sich in dem geplanten Ausstellungsprojekt vielmehr mit den Kontroversen auseinandersetzen und neue Perspektiven aufzeigen wolle.

Dmitrij Belkin (Fritz Bauer Institut) stellte in seiner Präsentation »BILD dir dein Volk! Axel Springer und der Postholocaust-Boulevard« die zentralen Fragen vor, denen das Ausstellungsprojekt nachgehen wird. Dabei interessiert Belkin besonders die »positive mediale deutsch-israelische Symbiose«, die von Springer durch die Herstellung einer Parallele zwischen den geteilten Städten Berlin und Jerusalem generiert wurde.

Der Abendvortrag von Avi Primor (Israelischer Botschafter in Deutschland a.D., Direktor des Zentrums für Europäische Studien, Herzliya) rundete den ersten Konferenztag ab. Aus seiner politischen und persönlichen Perspektive schilderte Primor einige Aspekte der deutsch-israelischen Beziehungen, vor denen sich die Aktivitäten Springers abspielten. Seiner Ansicht nach brauchte Israel demnach »einen Freund wie Axel Springer«, da nicht politische Entscheidungen, sondern zwischenmenschliche Beziehungen zu einer Akzeptanz der deutschen Wiedergutmachungsbemühungen innerhalb der israelischen Gesellschaft führten.

Der zweite Konferenztag an der Goethe-Universität, Campus Westend, wurde mit der Sektion »Kollegen« eröffnet, in welcher die Frage danach, wie ein Nebeneinander von Juden und NS-Belasteten in der Führungsetage des Springer Verlags möglich war, im Mittelpunkt stand. In dem von Erik Lindner (Axel Springer Stiftung, Berlin) moderierten Panel gab zunächst Christian Plöger (Jagdfeld Gruppe, Berlin) Einblick in die Biografie von Paul Karl Schmidt alias Paul Carell (1911–1997). Als früherer Pressesprecher des NS-Außenministers Carl Ribbentrop und ehemaliges ranghohes Mitglied der SS war Carell bis zum Tod Springers dessen enger Vertrauter, Redenschreiber und Sicherheitschef. Gleichzeitig war Ernst Cramer (1913–2010), der im Mittelpunkt des Vortrags von Gudrun Kruip (Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Stuttgart) stand, von 1958 an bis zu seinem Tod im Jahre 2010 ebenfalls einer der engsten Berater und Freunde Axel Springers. Obwohl er als Jude einen Teil seiner Familie im Holocaust verloren hatte, wurde die Vergangenheit mancher Kollegen, so Kruip, von ihm in der Regel heruntergespielt und trat hinter die Diskussionen über aktuelle Themen zurück.

Wolfgang Kraushaar (Hamburger Institut für Sozialforschung) ging in seinem Vortrag »Axel Springer als Zielscheibe der RAF«, welcher das von Raphael Gross moderierte Panel »RAF, Axel Springer, Israel« eröffnete, zunächst auf die Rolle Springers als »negative Idealfigur« für die Studentenbewegung ein. Diese griff den Verleger besonders für seine »Heile-Welt-Ideologie« und die Monopolisierung der Medienmacht an. Die Anhänger der RAF forderten jedoch, Springer auch ökonomisch anzugreifen – eine Position, die in der Parole »Enteignet Springer!« gipfelte.

Werner Konitzer (Fritz Bauer Institut) beleuchtete in seinem anschließenden Vortrag »Meinhof, Springer, Israel« speziell die publizistischen Agitationen Ulrike Meinhofs gegen die proisraelische Haltung der Springer-Presse und legte dabei besonderes Augenmerk auf ihren im Juli 1967 als Reaktion auf den Sechstagekrieg in der Zeitschrift konkret veröffentlichten Kommentar, wonach die Springer-Presse neben der europäischen Linken und den US-amerikanischen Ölinteressenten zu den »Drei Freunde[n] Israels« gehöre und die BILD-Zeitung am Berg Sinai nach 25 Jahren »doch noch die Schlacht von Stalingrad gewonnen« habe.

In der dritten Sektion präsentierten Jochen Staadt (Forschungsverbund SED-Staat, Berlin) und Stefan Wolle (DDR-Museum, Berlin) unter dem Titel »Stasi, Springer und der ›Antizionismus‹ der DDR« Ausschnitte aus dem fünfteiligen DDR-Propagandafilm Ich, Axel Caesar Springer von 1970, die sich um ein inszeniertes geheimes Treffen Springers mit israelischen Politikern in Israel drehen. Als Unterstützer der arabischen Staaten, so Staadt und Wolle, habe die SED im Zionismus eine Form von Faschismus gesehen und demnach gleichsam Axel Springer als Faschisten »enttarnt«.

In dem von Georg M. Hafner (Hessischer Rundfunk) eingeführten Panel »Springer-Presse, Israel, Medienpolitik« schilderte zunächst Ulrich W. Sahm (Journalist und Publizist, Jerusalem) in seinem Vortrag »Axel Springer Verlag und die deutsche Medienkontroverse um das ›Gelobte Land‹« aus der Perspektive seiner »35-jährigen journalistischen Odyssee« die deutsche Medienberichterstattung über den israelisch-palästinensischen Konflikt. Im Anschluss daran gingen die Medienexperten Michael Behrent (SCRIPT Corporate + Public Communication, Frankfurt am Main) und Klaus Kocks (PR-Berater und Publizist) unter dem Titel »Fabelhafte Leitkultur: Zur vorsätzlich israelfreundlichen Berichterstattungspolitik des Springer Verlages« intensiv auf die 1967 formulierten »fünf gesellschaftspolitischen Grundsätze« des Springer Verlages ein, wonach das »Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen« und »die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes« angestrebt werden sollen.

Einen Höhepunkt der Konferenz, wie sich auch an der Zahl der Zuschauer manifestierte, bildete zweifelsohne der von Esther Schapira (Hessischer Rundfunk) moderierte Round Table, an welchem Daniel Cohn-Bendit (Co-Vorsitzender der Fraktion Die Grünen/Europäische Freie Allianz im Europäischen Parlament, Brüssel), Gudrun Kruip (Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus, Stuttgart) Christina von Hodenberg (Queen Mary University of London) und Thomas Schmied (Herausgeber der WELT-Gruppe, Axel Springer AG, Berlin) teilnahmen. Einerseits wurde hier aus der Sicht von Zeitzeugen und persönlich Involvierten, andererseits aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft die Frage »Axel Springer und die Juden. Eine bundesrepublikanische Geschichte?« diskutiert.

In seinem abschließenden Kommentar formulierte Norbert Frei (Friedrich-Schiller-Universität Jena/New School, New York) durch die Zusammenfassung zentraler, in den Vorträgen postulierter Thesen mögliche ausstellungsrelevante Fragestellungen. Dabei ging er besonders ein auf die Bedeutung der Springer-Presse der 1950er und frühen 1960er Jahre und die zentrale Rolle der BILD-Zeitung in der Konstituierung der Medienlandschaft und der Öffentlichkeit in der Bundesrepublik.

Insgesamt bot die Tagung einen umfangreichen Überblick über viele bisher unbekannte Facetten des Springer Verlags und dessen Gründer Axel Springer – ein Thema, das viele interessiert und bis heute polarisiert, wovon ein zahlreiches und aktiv diskutierendes Publikum beredtes Zeugnis ablegte (über 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wohnten den Vorträgen an beiden Konferenzorten bei). Die Konferenz stieß darüber hinaus auf ein signifikantes Interesse bei lokalen und deutschlandweiten Presseorganen und Radiosendern. Zahlreiche Ideen und Impulse der internationalen Konferenz werden sowohl im Katalog zur Ausstellung als auch bei der weiteren Ausstellungsplanung eine wichtige Rolle spielen.

Bericht von Anne Gemeinhardt, Fritz Bauer Institut

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Dmitrij Belkin
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Gemeinsam handeln – Brücken bauen
10 Jahre ConAct und Israel Youth Exchange Council

In diesem Jahr (2011) jährt sich die Kooperation zwischen ConAct – Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch und seinem israelischen Pendent, dem Israel Youth Exchange Council, zum zehnten Mal.

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Ziel der Zusammenarbeit der beiden Organisationen ist es, die deutsch-israelischen Jugendkontakte zu unterstützen, auszubauen und weiterzuentwickeln. Neben der finanziellen Förderung der Austauschprojekte sind das Zusammenbringen von am Austausch interessierten Trägern und Partnerorganisationen, die Beratung laufender Projekte und die Erarbeitung und Bereitstellung von Schulungs- und Informationsmaterial wichtige Handlungsfelder der beiden Organisationen.
Über sechzig neu ins Leben gerufene, nachhaltige Partnerschaften, zahlreiche bilaterale Seminare und Tagungen zur Qualifizierung und Reflexion deutsch-israelischer Begegnungsarbeit, die Publikation von Handreichungen für die Arbeit im Jugendaustausch und praxisnahe Initiativen, die aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen aufgreifen, dokumentieren die erfolgreiche Tätigkeit der letzten Jahre.

Bilanz nach zehn Jahren

› 35 bilaterale Tagungen und Seminare mit rund 1.500 teilnehmenden deutschen und israelischen Fachkräften des Jugendaustauschs
› Förderung und Realisierung von rund 300 Programmen im außerschulischen deutsch-israelischen Jugend- und Fachkräfteaustausch jährlich
› Für 2011 rund 2,2 Millionen Euro Förderung für die Arbeit und Projekte im deutsch-israelischen Austausch durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
› Rund 6.000 an den Programmen teilnehmende Jugendliche jährlich
› Begegnung in Krisenzeiten – Aufrechterhaltung der bilateralen Austauschkontakte zu Zeiten politischer Anspannung im Nahen Osten
› »Begegnen – aber wie Erinnern?« Aus der großen Fachtagung im November 2003 entstand der Impuls zur Erarbeitung des 2008 vorgestellten zweisprachigen Handbuchs Gemeinsam Erinnern – Brücken Bauen. Die Erstellung der Handreichung für die gemeinsame Durchführung von Gedenkfeiern war ein Projekt des Bayerischen Jugendrings und der Stadt Jerusalem in Kooperation mit ConAct.
› Freiwilliges Engagement in Deutschland und Israel – hieraus entstand die Initiative für das Freiwilligenprogramm Kom-Mit-Nadev
› Aufgreifen aktueller Themen: Jugendaustausch im Kontext multikultureller Gesellschaften in Deutschland und Israel (u.a. Fachtagung »Vielfalt wagen?«, 2009 in Berlin)

3. bis 7. April 2011
Fachkräfteprogramm in Israel
Anlässlich der zehnjährigen Kooperation von Israel Youth Exchange Council und
ConAct: Einsichten in Austauschprojekte, Kooperationen und Trägerstrukturen in Israel.
Auf Einladung des Israel Youth Exchange Council reisten 25 deutsche Fachkräfte des deutsch-israelischen Jugendaustauschs im April nach Israel. Wo sonst eher ein spezifisches Thema im Zentrum steht, gab es in diesem Jahr einen breit gefächerten Einblick in die Jugendarbeit israelischer Träger vor Ort: Der Israel Youth Award präsentierte Projekte mit jüdischen und arabischen Jugendlichen in Beit Berl und Kfar Kassem; in Herzliya informierte die Sportjugend über Jugendarbeit im Wassersport; die Stadt Jerusalem zeigte einen von deutschen und israelischen Jugendlichen erarbeiteten Film zur lokalen Spurensuche deutsch-jüdischer Geschichte; in Tel Aviv eröffneten Vertreter der israelischen Jugendbewegung Einblicke in die Arbeit mit Kindern von Flüchtlingen und sogenannten »illegalen Einwanderern«.
Den Abschluss des Programms bildete ein festlicher Empfang im Hotel Kfar Maccabiah, den der deutsche Botschafter in Israel, Dr. Harald Kindermann (Amtsnachfolger seit Juli 2011: Andreas Michaelis), eröffnete.

7. bis 9. November 2011
Jahrestagung in der Lutherstadt Wittenberg
Mit seiner Jahrestagung feiert ConAct das zehnjährige Jubiläum seines Bestehens und nimmt Ausblick auf zukünftige Herausforderungen. Bei der Zusammenkunft von deutschen und israelischen Fachkräften der Jugendbegegnung steht neben der Weiterarbeit an zentralen Themen auch die gemeinsame Entwicklung von Perspektiven für den deutsch-israelischen Jugendaustausch auf dem Programm.

Judith Seitz, Itay Lotem
Israel – Nah im Osten
Das in diesem Frühjahr erschienene Buch des deutsch-israelischen Autorenpaares Judith Seitz und Itay Lotem Israel – Nah im Osten (Neue Darmstädter Verlagsanstalt, 2011, 160 S., € 12,80) zeichnet den Alltag und die vielfältigen Lebenswelten in Israel nach. Es wird ergänzt durch Kurztexte von Jugendlichen aus Deutschland und Israel, die im Rahmen einer Schreibwerkstatt in Berlin entstanden sind.
Alltagssituationen von Jugendlichen in Israel, jüdisch-arabisches Zusammenleben, Israel als Einwanderungsland sowie die Auseinandersetzung mit divergierenden Erinnerungskulturen und historischen Narrativen sind zentrale Themen. Daneben finden sich eine Vielzahl verschiedener Stimmen und Eindrücke, die von dem Autorenpaar facettenreich und informativ zusammengefügt wurden. Das Buch richtet sich ausdrücklich an Jugendliche und junge Erwachsene. Dabei eignet es sich als unterhaltsame Einstiegslektüre ebenso, wie es weiterführende Einblicke in die vielfältigen Lebensrealitäten der israelischen Gesellschaft für bereits Israel-erfahrene Leser bietet.
Das in Kooperation von ConAct und Andreas Holzapfel (NDV) herausgegebene Buch wurde unter dem Motto »10 Jahre – 10 Orte« auf einer Lesereise vorgestellt. In Frankfurt am Main wurde es am 24. Mai in der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank mit einer von ConAct, dem Jugendbildungswerk Frankfurt und dem Pädagogischen Zentrum Frankfurt gemeinsam veranstalteten Lesung von der Autorin Judith Seitz und zwei Jugendlichen aus Israel präsentiert.

ConAct ist eine Einrichtung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit Unterstützung der Länder Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Vor Ort ist ConAct in Trägerschaft der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt und hat sein Büro auf Einladung der Stadt Wittenberg im Alten Rathaus am Marktplatz.

Kontakt
ConAct – Koordinierungszentrum
Deutsch-Israelischer Jugendaustausch
Altes Rathaus, Markt 26
06886 Lutherstadt Wittenberg
Tel.: 03491.4202-60
Fax: 03491.4202-70
info(at)ConAct-org.de
www.ConAct-org.de

Ansprechpartner zum deutsch-israelischen Jugendaustausch
Werner Lott
Fritz Bauer Institut
w.lott(at)fritz-bauer-institut.de


Lecture by Prof. Dr. John S. Friedman:
The End of Living Memory – A documentary on the trial of John Demjanjuk

Mittwoch, 1. Juni 2011, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Audio-Aufzeichnung des Vortrags in englischer Sprache.

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Lecture by John S. Friedman
mp3-audio (42 Min., 64 kbit/s, 19.519 KB)

The trial of John Demjanjuk has brought partial closure to the survivors of Sobibor and the families of those who perished. But it has also raised new and highlighted old questions about the post-Holocaust history of Germany and the Soviet Union as well as about the role of the United States in bringing Nazi war criminals to justice. With the last of the living survivors and perpetrators, what challenges are posed in making a documentary film about the so-called last Nazi trial? Most important, how will the trial shape the legacy of the Holocaust and what impact – legal and otherwise – might it have on future prosecutions of crimes of genocide?

John S. Friedman is Associate Professor of Media and Communications/American Studies at State University of New York, College at Old Westbury. Prior to this the historian and scientist of comparative literature was fellow, guest lecturer and assistant professor at several universities. In 1985 to 1989 he was the producer of the film »Hotel Terminus: The Life and Times of Klaus Barbie« which received the Academy Award in 1989 for best documentary feature and the 1988 International Critics Prize at the Cannes Film Festival for Best Picture. In 1996 to 2002 he was co-producer/director of  »Stealing the Fire«, a ninety minute documentary about Karl-Heinz Schaab, Saddam Hussein’s top nuclear spy. He is author of several books. His latest production, »The End of Living Memoy«, is a ninety minute documentary on the trial in Germany of John Demjanjuk.

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Prof. Dr. John S. Friedman im Gespräch mit Prof. Dr. Vinzenz Hediger, (Filmwissenschaftler)
und Prof. Dr. Cornelius Nestler (Nebenklagevertreter im Strafprozess gegen John Demjanjuk)
Foto: © Werner Lott


Internetportal:
Vor dem Holocaust – Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen

Neues Online-Angebot des Pädagogischen Zentrums des Fritz Bauer Instituts
und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main

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www.vor-dem-holocaust.de

Das umfangreiche Internetportal »Vor dem Holocaust – Fotos zum jüdischen Alltagsleben in Hessen« präsentiert, erschließt und kommentiert mehr als 4.000 historische Fotografien aus etwa 300 hessischen Dörfern und Städten. Sie zeigen das Alltagsleben jüdischer Menschen in ihren hessischen Heimatorten in Familie, Schule, Beruf, Freizeit, im religiösen Leben und im öffentlichen Bereich.
Die Fotos wurden zum größten Teil von jüdischen Familien aus Amerika, Israel und England zur Verfügung gestellt, die früher in Hessen lebten. Sie stammen aber auch aus Sammlungen von hessischen Lokalforschern und aus Archiven im In- und Ausland.
Die Fotos sind ein einzigartiger Fundus zur Erinnerung an eine komplexe kulturelle Lebenswelt in Hessen, die durch die nationalsozialistische Verfolgung zerstört und ausgelöscht wurde. Kein anderes Medium kann das alltägliche Zusammenleben von Juden und Nichtjuden vor der Zeit des Nationalsozialismus so anschaulich vermitteln wie diese zumeist von Laien aufgenommenen Fotografien.
Das Portal zeigt auch Fotos zur nationalsozialistischen Verfolgung und insbesondere zu den Reaktionen jüdischer Menschen in Hessen auf die nationalsozialistische Bedrohung.
Für die pädagogische Arbeit ist dieses Foto-Portal ein bedeutender Baustein. Hinweise zur pädagogischen Nutzung sind im Web-Portal zu finden, Ideen für schulische Projekte werden vom Pädagogischen Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischem Museums Frankfurt angeboten.

Foto: Die Geschwister Wilhelm, Manfred und Gerda Katz aus Ostheim mit ihren Verwandten aus Fischborn. Das Foto wurde um das Jahr 1919 aufgenommen. (©: Sammlung Monica Kingreen)

Kontakt:
Monica Kingreen
Pädagogisches Zentrum FFM
Fritz Bauer Institut & Jüdisches Museum
Seckbächer Gasse 14  
60311 Frankfurt am Main
Tel.: 069.212 742 38
monica.kingreen(at)stadt-frankfurt.de
www.pz-ffm.de


Gabriel Bach, Vertreter der Anklage:
Ein Zeitzeuge des Jerusalemer Eichmann-Prozesses im Gespräch

Gespräch im Rahmen der Tagung des Fritz Bauer Instituts:
»Gerechtigkeit in Jerusalem« – Zum 50. Jahrestags des Eichmann-Prozesses
Montag, 11. April 2011, Goethe-Universität Frankfurt am Main

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Gespräch mit Gabriel Bach
mp3-audio (75 Min., 64 kbit/s, 34.905 KB)

Gabriel Bach, geboren am 13. März 1927 in Halberstadt, israelischer Jurist und stellvertretender Ankläger im Jerusalemer Prozess gegen Adolf Eichmann, von 1982 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1997 Richter am Obersten Gerichtshof in Israel. (Foto: Gabriel Bach, © Werner Lott)

Zur Tagung »Gerechtigkeit in Jerusalem«:
Aus Anlass des 50. Jahrestags des Jerusalemer Eichmann-Prozesses veranstaltete das Fritz Bauer Institut die zweitägige Tagung »Gerechtigkeit in Jerusalem«. Die Veranstaltung wurde gefördert durchden Arbeitskreis selbständiger Kulturinstitute e.V. (AsKI), Bonn.
In den Tagungsbeiträgen wurde nicht an erster Stelle die Funktion Eichmanns im NS-Vernichtungsprozess behandelt, vielmehr stand die Bedeutung des Prozesses für die israelische und die deutsche Gesellschaft im Zentrum der Debatte. Beleuchtet wurden sowohl die Umstände, die das Verfahren begleiteten, als auch die Außenwirkung, die die Anklagevertretung, die Verteidigung und die Verteidigungsstrategie des Angeklagten Eichmann – der sich im Gerichtssaal bewusst inszenierte – hatten.
Die Ergreifung Eichmanns durch den israelischen Geheimdienst Mossad erfolgte nach Informationen, die der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer von einem in Argentinien lebenden jüdischen Emigranten und Dachau-Überlebenden erhalten und an israelische Stellen weitergegeben hatte. Bauer schaltete weder die bundesdeutsche Justiz noch diplomatische Stellen im In- und Ausland ein, weil er erhebliche Zweifel am Ahndungswillen der Justiz und am Aufklärungsinteresse Bonns hatte.
Die israelische Staatsführung unter David Ben Gurion nahm die Gelegenheit wahr, in einem großen Prozess das lange in Israel vorherrschende Schweigen über die Shoah zu brechen und die israelische Gesellschaft und die Welt über das von Deutschen und ihren Helfershelfern verübte Menschheitsverbrechen aufzuklären.

Referenten der Tagung:
Prof. Dr. Hanna Yablonka, Ben-Gurion-University, Beer Sheva
Univ. Doz. Dr. Hans Safrian, Institut für Zeitgeschichte, Universität Wien
Dr. Bettina Stangneth, Philosophin, Hamburg
Dr. Ruth Bettina Birn, Historikerin, Den Haag
Lisa Hauff, Stiftung Topographie des Terrors, Berlin
Willi Winkler, Süddeutsche Zeitung, Hamburg
Gabriel Bach, stellvertretender Ankläger im Prozess gegen Adolf Eichmann

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Zum 90. Geburtstag von Trude Simonsohn

Empfang am Freitag, 25. März 2011
in der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank

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Anlässlich dieses besonderen Geburtstages luden das Land Hessen, das Fritz Bauer Institut, das Jüdische Museum Frankfurt und die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank e.V. zahlreiche Gäste und Gratulanten zu einem Empfang für die Jubilarin in die Ausstellungsräume der Jugendbegegnungsstätte ein.
Trude Simonsohn ist Mitglied des Beirates der Jugendbegegnungsstätte und Vorsitzende des Rats der Überlebenden des Holocaust am Fritz Bauer Institut. Mit der JBS Anne Frank ist Trude Simonsohn seit deren Gründung eng verbunden. Seit vielen Jahren spricht sie regelmäßig als Zeitzeugin mit Jugendlichen in Schulen und anderen Einrichtungen.

Mehr Fotos vom Geburtstagsempfang
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Kontakt
Jugendbegegnungsstätte Anne Frank e.V.
Hansaallee 150
60320 Frankfurt am Main
Tel.: 069.56 000 20
Fax: 069.56 000 250
info(at)jbs-anne-frank.de
www.jbs-anne-frank.de



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Letzte Änderung: 01. September 2011

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