Trude Simonsohn:
Ignatz-Bubis-Preis für Verständigung 2010
Das Kuratorium zur Verleihung des Ignatz-Bubis-Preises für Verständigung der Stadt Frankfurt am Main 2010 hat unter Vorsitz von Oberbürgermeisterin Petra Roth in einer Sitzung am 15. Februar entschieden, Trude Simonsohn auszuzeichnen. Die Verleihung des Preises fand am Montag, 26. April in der Frankfurter Paulskirche statt. Die Laudatio hielt Staatsministerin a.D. Ruth Wagner.
Trude Simonsohn ist Vorsitzende des Rats der Überlebenden des Holocaust am Fritz Bauer Institut. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gratulieren herzlich zur hoch verdienten Auszeichnung!
Trude Simonsohn hat die Schrecken des Holocausts überlebt. Sie hat sich mit dem Namensgeber des Preises vor Jahrzehnten darüber ausgetauscht, wie bedeutsam es ist, jungen Menschen von diesen Menschheitsverbrechen zu berichten. Sie hat sich damals wie Ignatz Bubis zu diesem außerordentlichen Engagement persönlich bereit erklärt und spricht seitdem als Zeitzeugin nicht nur in Frankfurt, sondern in ganz Deutschland. Mit ihrem gewinnenden Wesen beeindruckt sie junge Menschen und hat damit Jugendlichen eine Wertorientierung der Menschlichkeit vermittelt. Zudem hat sie eine Lehrergeneration geprägt. Dabei erreicht sie eine Ausstrahlung weit über Schulen und Begegnungsstätten hinaus. Sie ist darüber hinaus aktiv, um auch die Generation der Kinder der Opfer in dieses wichtige Wirken einzubinden. Diese Basisarbeit ist einem Leben der Versöhnung und der Verständigung zwischen Menschen gewidmet. Der persönliche Mut ist zugleich ein Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit. Trude Simonsohn hat dabei ein außergewöhnliches Engagement und ein stets zukunftsorientiertes Handeln zum Aufbau einer friedlichen Welt mit Offenheit und Toleranz vorgelebt. Sie verkörpert somit in hervorragender Weise die Werte, für die sich Ignatz Bubis eingesetzt hat. Zwischen 1986 und 1998 war sie Mitglied des Vorstands und Vorsitzende des Gemeinderats der Jüdischen Gemeinde Frankfurt. Sie gehört dem Kuratorium der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank an und ist Trägerin der Wilhelm Leuchner-Medallie und des Ehrensiegels der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.
Der Ignatz-Bubis-Preis ist mit 50.000 Euro dotiert und wird alle drei Jahre verliehen. Trude Simonsohn ist die vierte Preisträgerin nach den Preisträgern Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (2001), Bischof Prof. Dr. Franz Kamphaus (2004) sowie dem früheren Frankfurter Oberbürgermeister und Frankfurter Ehrenbürger Dr. Walter Wallmann (2007). Der Preis wurde nach dem Tod des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main von der Stadt Frankfurt am Main gestiftet. Damit ehrt die Stadt das Lebenswerk und die Persönlichkeit von Ignatz Bubis.
Das hr-Sonntagsgespräch mit Trude Simonsohn
Trude Simonsohn hat Theresienstadt und Auschwitz überlebt und ist heute die wohl bekanntestes Zeitzeugin und eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Lebhaft und eindringlich wie kaum eine andere, vermittelt sie vor allem Jugendlichen ihr Überleben im "Dritten Reich". Geboren am 25. März 1921 im nordmährischen Olmütz, setzte sie sich in der zionistischen Jugendbewegung für die Auswanderung der deutschen Juden in ein eigenes und unabhängiges Land ein. Trotz des Verbots durch den NS-Staat arbeitete sie als Zionistin illegal weiter, wurde nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich verhaftet und nach Theresienstadt und Auschwitz verschleppt. Sie überlebte den Holocaust und engagiert sich seitdem vielfältig für die Erinnerung an ihre ermordeten Leidensgefährten. Die Stadt Frankfurt ehrt die heute 88-Jährige mit dem renommierten Ignatz-Bubis-Preis. Sie habe sich vor Jahrzehnten zu dem außerordentlichen Einsatz bereiterklärt, jungen Menschen von den Verbrechen der NS-Zeit zu berichten, heißt es in der Begründung des Kuratoriums. Trude Simonsohn ist Gast bei Georg M. Hafner im der Sendung "Sonntagsgespräch" im hr-fernsehen.
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Das hr-Sonntagsgespräch vom 25. April 2010:
Raphael Gross im Gespräch mit Georg M. Hafner
Reihe "ISLAMophobie": Eine aufgeheizte Debatte tobt in der Öffentlichkeit. Verrat an den Errungenschaften der Aufklärung werfen Islamkritiker wie Henyrk M. Broder, Necla Kelek oder Seyran Ates den Deutschen vor…
Lange habe man die Augen vor den archaischen Bräuchen der Muslime geschlossen, sich selbst einen Maulkorb verpasst, um ja nicht als Ausländerfeind gebrandmarkt zu werden. Statt die westlichen Werte zu verteidigen, habe man ihren Verrat zugelassen. Kritiker der Islamkritiker sprechen dagegen von "Hasspredigern", die pauschal Stimmung gegen die Muslime machten, ohne die sozialen Ursachen zu benennen.
Noch vor drei Jahren verkündete der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, dass der Islam "Teil Deutschlands" sei. Nur, wie dieser deutsche Islam aussehen soll, darüber hat der Streit erst begonnen.
Themen gibt es schließlich genug: Der Anspruch des Islam, göttliches und weltliches Gesetz zugleich zu sein; die so genannten Ehrenmorde, die von Muslimen verübt werden; der wachsende Antisemitismus unter den Muslimen der jungen Generation; das Recht aller Kinder auf Bildung und freie Entfaltung, das von manchen muslimischen Vätern beschnitten wird, indem sie ihre Kinder vom Schwimm- oder Sportunterricht befreien.
Prof. Dr. Raphael Gross ist Direktor des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt, außerden ist er Leiter des Leo Baeck Institute London.
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