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2. Doktorandenseminar:
Neue Forschungen zu Geschichte und Wirkung des Holocaust

13. bis 15. September 2010 in der Evangelischen Akademie Arnoldshain

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Vom 13. bis 15. September 2010 fand in Arnoldshain das zweite interdisziplinäre Doktorandenseminar des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Arnoldshain statt. Die Veranstaltung leitete Jörg Osterloh gemeinsam mit Ole Jantschek (Arnoldshain) und Sybille Steinbacher (Jena/Frankfurt am Main). Sybille Steinbacher eröffnete die Veranstaltung mit einem öffentlichen Abendvortrag zum Thema »Gesellschaftsordnung durch Gewalt. Überlegungen zu einer vergleichenden Geschichte der Lager im 20. Jahrhundert«. Die Darstellung konzentrierte sich auf das »Dritte Reich«, die stalinistische Sowjetunion sowie das faschistische Italien.

An den folgenden beiden Tagen stellten acht Doktorandinnen und Doktoranden von deutschen, englischen und amerikanischen Universitäten in einer geschlossenen Veranstaltung ihre geplanten bzw. laufenden Arbeiten zur Diskussion. Den Auftakt machte Susanne Beer (Essen), die sich mit der Hilfe für Juden im »Dritten Reich« befasst. Bis heute sind nur etwa 3.600 Helfer/innen namentlich bekannt, ihre Gesamtzahl wird auf mehrere Zehntausend Menschen taxiert. Das Projekt geht der Frage nach, wie diese Wenigen dazu kamen, sich abweichend gegenüber den nationalsozialistischen Normen zu verhalten. Auf Basis von narrativen Interviewsequenzen mit Helfern und Untergetauchten sollen konkrete Hilfesituationen analysiert und die erinnerten Entscheidungssituationen möglichst dicht beschrieben werden. Christine Schoenmakers (Oldenburg) stellte ihre Arbeit zur Deutschen Golddiskontbank vor, einer Tochter der Reichsbank, die unter anderem als zentraler Umschlagplatz des Auswanderervermögens diente und für dessen Verwaltung, Transferierung und Einsatz im Namen der deutschen Wirtschaft sorgte. Merle Funkenberg (Kassel) befasst sich mit den Zeugen in NSG-Verfahren als Akteure und richtet den Fokus einerseits auf die psychisch wie physisch belastende Situation der Überlebenden vor Gericht, andererseits auf deren Betreuung durch ehrenamtliche Helfer. Gerd Kühling (Jena) untersucht den Umgang mit der NS-Vergangenheit in Ost- und Westberlin und lenkt den Blick auf die Auswirkungen von Kaltem Krieg, deutsch-deutschem Systemkonflikt und der jahrzehntelangen Teilung Berlins auf die Gedenkpolitik in der Stadt in den ersten drei Nachkriegsjahrzehnten. Jacob S. Eder (Pennsylvania) analysiert westdeutsche kultur-, geschichts- und bildungspolitische Initiativen in den USA im Zeitraum zwischen 1977 und 1990: Insbesondere die Regierung Kohl bemühte sich um die Vermittlung eines positiven Deutschlandbildes vor dem Hintergrund eines stetig wachsenden Interesses der amerikanischen Bevölkerung an der Geschichte des Holocaust. Den Tag schloss Jörg Osterloh mit einem Abendvortrag über Fotografien und Feldpostbriefe von Wachmannschaften als Quellen für die Geschichte von Kriegsgefangenenlagern der Wehrmacht.

Den letzten Block eröffnete Christian Mentel (Berlin), der sein Vorhaben vorstellte, die Holocaustnegation sowohl in ihrem Gegensatz zu als auch in ihren Rückwirkungen mit der Geschichtswissenschaft sowie der Geschichts- und Erinnerungskultur zu erforschen. Dabei fragt er unter anderem nach den Strategien der Negationisten sowie den sich im Laufe der Zeit verändernden Argumentationsstrukturen bzw. Präsentationsformen der Holocaustnegation. Susanne Bressan (Berlin) befasst sich mit der Biografie der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin im Kontext des privaten und öffentlichen Umgangs mit dem nationalsozialistischen Erbe in Deutschland. Martin Modlinger (Cambridge) stellte seine Untersuchung der Transformation von Geschichte zu Literatur am Beispiel Theresienstadts vor. Er untersucht unter anderem, wie es den Gefangenen im Ghetto gelang, ihren Leiden zum Trotz beachtliche kulturelle Leistungen zu vollbringen, und analysiert die dort entstandenen kulturellen Artefakte im Hinblick auf die historische Realität des Lagers.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars diskutierten ihre Vorhaben in einer sehr konstruktiven Arbeitsatmosphäre; im Mittelpunkt standen Fragen nach der Quellenlage und den methodischen Zugängen der einzelnen Projekte. Das nächste Doktorandenseminar wird vom 7. bis 9. Juni 2011 in Arnoldshain stattfinden; die Ko-Moderation übernimmt in diesem Jahr Dr. Andrea Löw vom Institut für Zeitgeschichte in München.

Vorträge

Sybille Steinbacher, »Gesellschaftsordnung durch Gewalt. Überlegungen zu einer vergleichenden Geschichte der Lager im 20. Jahrhundert« (öffentlicher Abendvortrag)
Susanne Beer, »Hilfe für Juden im Nationalsozialismus. Soziologische Untersuchung der Entscheidungssituationen und Karrieren von sogenannten Judenrettern«
Christine Schoenmakers, »Täternetzwerke – Die Deutsche Golddiskontbank als Umschlagplatz für geraubtes jüdisches Vermögen und dessen Verwertung für den Krieg«
Merle Funkenberg, »Die Betreuung von Zeugen der NS-Prozesse«› Gerd Kühling, »NS-Erinnerung in Berlin. Gedenkpolitik im Zeichen des Ost-West-Konflikts«
Jacob S. Eder, »Holocaust-Erinnerung als deutsch-amerikanische Konfliktgeschichte«
Jörg Osterloh, »Fotografien und Feldpostbriefe von Wachmannschaften als Quellen für die Geschichte der Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht« (öffentlicher Abendvortrag)
Christian Mentel, »Holocaustleugnung als Historiografie«
Susanne Bressan, »Gudrun Ensslin. Die Biografie einer RAF-Terroristin im Kontext des öffentlichen Umgangs mit dem nationalsozialistischen Erbe in Deutschland«
Martin Modlinger, »Approaching Something that repels: The History of the Terezín Ghetto Artists in Post-Holocaust Literature«

... Doktorandenseminar (Überblicksseite)

Kontakt
Dr. Jörg Osterloh
Fritz Bauer Institut
Telefon: +49 (0)69.798 322-35
Telefax: +49 (0)69.798 322-41
j.osterloh(at)fritz-bauer-institut.de


Bildungspartnerschaft:
Pädagogisches Zentrum kooperiert mit der Louise-von-Rothschild-Schule

Das Pädagogische Zentrum Frankfurt schafft neue Form
der Zusammenarbeit von Schule und Museum.

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Die erste Bildungspartnerschaft des Pädagogischen Zentrums des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main wurde mit der Louise-von-Rothschild-Schule, einer Realschule in Frankfurt-Bornheim vereinbart. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 10. Januar wurde der Kooperationsvertrag besiegelt. Das Pädagogische Zentrum wird die Schule in vielfältiger Weise bei der Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Gegenwart sowie bei der Annäherung an Geschichte und Nachgeschichte des Holocaust unterstützen.
Diese Themen finden sich in vielen Schulfächern wie in Geschichte, Politik und Wirtschaft, Religion, Ethik, Deutsch und Kunst.
Die Kooperationsvereinbarung umfasst weiter Beratungen für SchülerInnen und LehrerInnen, sowie Workshops und themenbezogene Führungen.

Kontakt
Pädagogisches Zentrum FFM
Seckbächer Gasse 14
60311 Frankfurt am Main
Telefon: +49 (0)69.212 494 34
Telefon: +49 (0)69.212 707 26
info(at)pz-ffm.de
www.pz-ffm.de


Joachim Robert Rumpf:
»Der Fall Wollheim gegen die I.G. Farbenindustrie AG in Liquidation«

Neuerscheinung zum Prozess »Norbert Wollheim gegen I.G. Farben«.
Die erste Musterklage eines ehemaligen Zwangsarbeiters in der
Bundesrepublik Deutschland – Prozess, Politik und Presse

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Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang, 2010, ISBN/ISSN: 978-3-631-60131-0
564 Seiten, zahlreiche Tabellen und Grafiken, € 86,80

Im November 1951 erhob Norbert Wollheim seine Schadenersatzklage gegen die I.G. Farbenindustrie AG i.L. am Landgericht Frankfurt am Main. Wollheim war 1943 nach Auschwitz deportiert worden und musste für die I.G. Farben als KZ-Häftling arbeiten. Seine Klage, der sogenannte Wollheim-Prozess, war das Schlüsselverfahren aller Zwangsarbeiterklagen. Die Klage wurde 1957 durch einen Globalvergleich beendet, der die Zahlung von 30 Millionen DM an die Sklavenarbeiter der I.G. Farben vorsah. Der deutsche Bundestag erließ das Aufrufgesetz, das die Entschädigungsansprüche von Zwangsarbeitern gegen die I.G. Farben abschließend regelte. Die Arbeit analysiert die rechtliche Argumentation und den Prozessverlauf und untersucht, ob das Aufrufgesetz verfassungsrechtlichen Anforderungen entspricht.

Die Arbeit wurde betreut von Prof. Dr. Christian Wolf an der Universität Hannover.

Gliederung des Buches
... http://joachimrumpf.de/gliederung_wollheim.pdf (pdf-Datei)

Website »Norbert Wollheim Memorial«
Ort des Gedenkens und der Information über die Zwangsarbeiter der I.G. Farben
auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt am Main.
... www.wollheim-memorial.de


»Verunsichernde Orte«
Weiterbildung Gedenkstättenpädagogik

Reflexion pädagogischer Praxis an Erinnerungsorten
Weiterbildungsangebot – Publikation – Website

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Das Weiterbildungsangebot bietet die Möglichkeit, zentrale Fragen der Praxis historisch-politischer Bildung (nicht nur) an Gedenkstätten zu diskutieren und mit Hilfe von Übungen zu reflektieren. In vertrauensvoller Atmosphäre können schwierige Situationen besprochen und gegebenenfalls verändertes Verhalten erprobt werden. Dabei stehen pädagogische Aspekte der Vermittlungstätigkeit im Vordergrund: das eigene Selbst- und Rollenverständnis, der Kontakt zu Teilnehmenden und Gruppen sowie der Umgang mit Vermittlungsmedien.
Weiterbildungsangebot für Mitarbeiter/innen, Lehrer/innen und andere Engagierte in der Gedenkstättenpädagogik.

Träger des Weiterbildungsangebotes »Verunsichernde Orte« sind das Pädagogisches Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt (Bildungsangebote in den Themenfeldern deutsch-jüdische Geschichte, jüdische Gegenwart und Nachgeschichte des Holocaust) und das Max Mannheimer Studienzentrum / Internationales Jugendgästehaus Dachau (Anbieter historisch-politischer Seminare insbesondere zur KZ-Geschichte Dachaus für Jugendliche und Multiplikatoren), in Kooperation mit der Akademie Führung & Kompetenz am Centrum für angewandte Politikforschung, München (Fachberatung und Anbieter von Weiterbildungen zur Demokratie- und Toleranzförderung. U.a.: »Betzavta«, »Achtung(+)Toleranz«, »Eine Welt der Vielfalt«) und der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (Jährliche Weiterbildung »Verunsichernde Orte«, insbesondere für Lehrer/innen).

Publikation
Barbara Thimm, Gottfried Kößler, Susanne Ulrich (Hrsg.)
Verunsichernde Orte
Selbstverständnis und Weiterbildung in der Gedenkstättenpädagogik

Frankfurt am Main: Brandes & Apsel Verlag, 2010, 208 S., € 19,90
ISBN 978-3-86099-630-0
Schriftenreihe des Fritz Bauer Instituts, Band 21

Website
www.verunsichernde-orte.de und
www.weiterbildung-gedenkstaettenpaedagogik.de

Kontakt
Gottfried Kößler
Pädagogisches Zentrum FFM
Fritz Bauer Institut & Jüdisches Museum Frankfurt
Telefon: 069.212-49439
gottfried.koessler(at)stadt-frankfurt.de

Koordination
Barbara Thimm
Max-Mannheimer-Studienzentrum Dachau
Telefon: 089.41157802


Georg (Jurek) Heuberger sel. A.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fritz Bauer Instituts trauern um den Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Frankfurt.

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Am Sonntag, dem 7. November 2010, ist Georg Heuberger im Alter von 64 Jahren verstorben. Herberger (geb. 1946 in Budapest) war Gründungs- und bis 2006 Leitender Direktor des Jüdischen Museums der Stadt Frankfurt am Main und langjähriger ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer des Leo Baeck Instituts. Sein besonderes Interesse galt der didaktischen Vermittlung der deutsch-jüdischen Geschichte. 2006 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Zuletzt war er als Repräsentant der Jewish Claims Conference Deutschland tätig.
Georg Heuberger wird uns in ehrender Erinnerung bleiben.

Nachruf des Jüdischen Museums Frankfurt

Georg Heuberger (1946–2010)


Call for Papers:
Doktoranden-Seminar des Fritz Bauer Instituts

Vom 7. bis 9. Juni 2011 findet das dritte Doktoranden-Seminar des Fritz Bauer Instituts in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Arnoldshain statt.

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Das Seminar soll Doktoranden, die sich mit Fragen der Geschichte und Wirkung des Holocaust befassen, die Gelegenheit bieten, ihre Arbeiten zur Diskussion zu stellen und Kontakte zu anderen Doktoranden zu knüpfen, die zu ähnlichen Themen arbeiten. Die Teilnehmer sollen ihre geplanten und laufenden Forschungsvorhaben vorstellen; im Mittelpunkt steht die Diskussion von Fragestellungen, Methoden und Quellen. Das Angebot richtet sich gleichermaßen an Zeithistoriker, Politik-, Literatur-, Rechts- und Kulturwissenschaftler sowie Pädagogen. Um jede einzelne Arbeit intensiv diskutieren zu können, ist die Teilnehmerzahl auf zehn beschränkt.

Interessenten, die ihre Forschungsvorhaben vorstellen möchten, bewerben sich mit einer maximal zweiseitigen Projektskizze und einem kurzen Lebenslauf bis zum 15. Dezember 2010 beim Fritz Bauer Institut. Bereits abgeschlossene Arbeiten können grundsätzlich nicht berücksichtigt werden.
Ort der Veranstaltung ist die Evangelische Akademie Arnoldshain. Das Fritz Bauer Institut und die Evangelische Akademie Arnoldshain übernehmen die Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten für die Teilnehmer.

... Doktorandenseminar (Überblicksseite)

Kontakt
Dr. Jörg Osterloh
Fritz Bauer Institut
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main
Tel.: 069.798 322-35
Fax: 069.798 322-41
j.osterloh(at)fritz-bauer-institut.de


Martin-Buber-Professur
Neue Impulse für den Dialog der Religionen und Kulturen

Prof. Dr. Christian Wiese übernimmt die traditionsreiche Professur für jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

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Die traditionsreiche Martin-Buber-Professur für jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität sucht an deutschen Universitäten ihres Gleichen; lediglich an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg gibt es einen ähnlich ausgerichteten Lehrstuhl. Seit Beginn des Wintersemesters lehrt und forscht nun der Religionswissenschaftler, Theologe und Judaist Prof. Dr. Christian Wiese am Fachbereich Evangelische Theologie; er wurde bereits im vergangenen Jahr auf die Martin-Buber-Professur berufen. Der international renommierte Forscher wird dem Dialog der Religionen und Kulturen, wie ihn die Stiftungsuniversität seit der Gründung pflegt, weitere Impulse geben.
»Wir können uns sehr glücklich schätzen, dass wir mit Professor Wiese einen exzellenten Wissenschaftler für unsere Universität gewinnen konnten, der bisher am Centre for German-Jewish Studies an der Universität Sussex wirkte und in den vergangenen Jahren vielfältige internationale Kontakte geknüpft hat«, freut sich Vizepräsident Prof. Dr. Matthias Lutz-Bachmann. Die Berufung wurde mit 100.000 Euro durch das Programm »Rückkehr deutscher Wissenschaftler aus dem Ausland« der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gefördert.
Das Frankfurter Forschungsumfeld hat den 49-jährigen Wissenschaftler zur Rückkehr nach Deutschland bewogen: »Ausschlaggebend war für mich die Aussicht auf intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb des Fachbereichs evangelische Theologie, mit der Philosophie, mit den Islamischen Studien und vor allem mit der Judaistik und dem Fritz Bauer Institut für Holocaustforschung. Darüber hinaus sehe ich mit dem Jüdischen Museum und der Universitätsbibliothek mit ihrem Sondersammelgebiet Judaica vielfältige Anknüpfungspunkte für wissenschaftliche Kooperationen.« Seine bisherigen Forschungsprojekte und umfangreichen Publikationen widmen sich Themen der deutsch-jüdischen und europäisch-jüdischen Geschichte seit der Aufklärung, der jüdischen Geistesgeschichte und Religionsphilosophie der Moderne und der amerikanisch-jüdischen Geschichte.
Darüber hinaus erforscht Wiese intensiv die geistigen Grundlagen des jüdischen Nationalismus und der Auseinandersetzungen zwischen Judentum und Christentum seit dem Mittelalter. »An einigen dieser Themen werde ich auch in den kommenden Jahren weiterarbeiten. Ein Beispiel: Ich plane Biografien zu wichtigen Vertretern des von Martin Buber beeinflussten ›Prager Kreises‹, zu dem jüdische Studierende – unter ihnen auch Franz Kafka – gehörten und die mit ihrem Konzept des Kulturzionismus und des ‚hebräischen Humanismus‘ eine Erneuerung des Judentums im Europa anstrebten«, erläutert Wiese. Zurzeit beschäftigt er sich besonders mit dem umfangreichen Nachlass des Journalisten und Historikers Robert Weltsch (1891–1982), der auch enge Beziehung zu Martin Buber unterhielt. »Im Spiegel von Weltschs Leben lassen sich entscheidende historische Entwicklungen des deutschen Judentums und des deutsch-jüdischen Exils im 20. Jahrhundert schildern.« Ein weiteres Projekt ist die Beteiligung an der Kritischen Gesamtausgabe des Werks des Philosophen Hans Jonas – in Frankfurt werden alleine vier der geplanten zwölf Bände ediert. In früheren Arbeiten hat Wiese sich bereits mit dem Verhältnis von jüdischer Religionsphilosophie und allgemeiner Philosophie im Spannungsfeld von Religion und Säkularismus beschäftigt: »Hans Jonas, der sich selbst nie als jüdischer Philosoph gesehen hat, hat dennoch eine Fülle von Anregungen für eine jüdische Religionsphilosophie gegeben«, so Wiese. Geplant sind weitere Projekte zum Verhältnis jüdischer und nichtjüdischer Elemente im Denken prominenter Philosophen des 20. Jahrhundert, zu denen auch die Frankfurter Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zählen.
Wiese, der nach seinem Studium in Tübingen, Jerusalem, Bonn und Heidelberg 1993 an der Goethe-Universität zum Thema »Wissenschaft des Judentums und protestantische Theologie im Wilhelminischen Deutschland. Ein ›Schrei ins Leere‹?« promovierte, will zudem in der Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlern neue Akzente setzen; er plant unter anderem eine Summer School für Promovenden zum Thema »Jüdische Geschichte in Europa«, an der auch junge Wissenschaftler anderer Universitäten teilnehmen können. Außerdem wird er seine internationalen Forschungskooperationen mit europäischen, amerikanischen und israelischen Universitäten einbringen, um Drittmittelprojekte einzuwerben und um Nachwuchswissenschaftler in das internationale Forschernetz einzubeziehen. Wieses Lehrveranstaltungen an der Goethe-Universität sind für Studierende aus unterschiedlichen Disziplinen offen. »Das Frankfurter Konzept in den Theologien und der Religionswissenschaft kommt meinem interdisziplinären Verständnis sehr entgegen, die jüdische Religionsphilosophie kann hier einen wichtigen Part übernehmen«, sagt der Theologe. Nicht zuletzt überzeugte ihn bei seinem Wechsel von Sussex nach Frankfurt die stark auf Religionsdialog ausgerichtete Orientierung des Fachbereichs Evangelische Theologie, in deren Rahmen die Martin-Buber-Professur eine Tradition des Dialogischen verkörpert und – so Wiese – »dies entspricht meinem ausgeprägten Interesse am gegenwärtigen jüdisch-christlichen und jüdisch-islamischen Gespräch«.
Martin Buber (1878–1965), nach dem diese 1989 von Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gestiftete und zunächst auch finanzierte Professur für jüdische Philosophie benannt wurde, war der erste Lehrer für jüdische Theologie an der Frankfurter Universität. Von 1924 bis 1929 zunächst als Lehrbeauftragter wurde er 1930 zum Honorarprofessor für Religionswissenschaft ernannt, weil er Leiter eines interreligiösen Instituts werden sollte. Die Nationalsozialisten vereitelten 1933 die Weiterentwicklung des fortschrittlichen Projekts an der Frankfurter Universität, wo fast zehn Jahre unter dem Dach der Philosophischen Fakultät jüdische, katholische und protestantische Theologen und Religionswissenschaftler gemeinsam gelehrt und geforscht hatten.

Kontakt
Prof. Dr. Christian Wiese
Martin Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie
Fachbereich Evangelische Theologie
Telefon: 069.798-33313
C.Wiese(at)em.uni-frankfurt.de


Simon Wiesenthal. Die Biographie
Audio-Mitschnitt des Vortrags von Tom Segev

28. Oktober 2010, Neues Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend
der Goethe-Universität Frankfurt am Main

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Vortrag von Tom Segev
mp3-audio (112 Min., 64 kbit/s, 52.236 KB)

Am 28. Oktober 2010 war der israelische Historiker und Journalist Tom Segev auf Einladung des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt am Main zu Gast. Im Hörsaalzentrum auf dem Campus Westend der Goethe-Universität hielt er einen Vortrag zu seiner Biographie Simon Wiesenthals.
Begrüßung und Moderation: Prof. Dr. Raphael Gross.

Vom Tag seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Mauthausen an machte Simon Wiesenthal (1908–2005) es sich zur Lebensaufgabe, NS-Verbrecher aufzuspüren und vor Gericht zu bringen. Fünf Jahre nach seinem Tod legt nun der bekannte Historiker und Journalist Tom Segev die erste aus Originalquellen erarbeitete Biographie dieser Jahrhundertgestalt vor, enthüllt zahlreiche bisher unbekannte Tatsachen und erzählt eindrucksvoll das Leben des »Nazi-Jägers«, der zeitlebens selbst auch ein Verfolgter blieb.
Als Simon Wiesenthal im Alter von 97 Jahren in Wien starb, betrauerte die Welt einen unermüdlichen Kämpfer gegen das Böse. Hollywood verklärte ihn als Helden, gleichwohl hatte er zeit seines Lebens auch Ablehnung und Anfeindungen erfahren, viele sahen in ihm einen unversöhnlichen Störenfried. Er entfachte die Phantasie von Menschen auf der ganzen Welt, fesselte und beängstigte sie, belastete ihr Gewissen und verlieh ihnen doch einen tröstlichen Glauben an das Gute.
Anhand von zahlreichen Briefen, Geheimdienstdossiers und anderen, bislang unbekannten Quellen zeichnet Tom Segev in seinem Buch die faszinierende Biographie Simon Wiesenthals nach: Die höchst lebendige und spannende Lebensgeschichte eines überaus mutigen Mannes, der eine Reihe atemberaubender Aktionen initiierte und dabei fast ganz auf sich gestellt arbeitete, in einer kleinen Wohnung zwischen hohen Stapeln alter Zeitungen und vergilbter Karteikarten.

Tom Segev ist Historiker und Journalist und gilt als einer der profiliertesten Publizisten Israels. Er ist regelmäßig als Kolumnist für die linksliberale Tageszeitung Haaretz tätig. In Deutschland wurde er durch sein Buch Die siebte Million. Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung (1995) bekannt. Für Es war einmal ein Palästina. Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels (2005) wurde er mit dem National Jewish Book Award ausgezeichnet. Zuletzt sind erschienen: 1967. Israels zweite Geburt (2007) und Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates (2008).

Tom Segev, Simon Wiesenthal. Die Biographie
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke
München: Siedler Verlag, 2010, 576 S., mit Abb., € 29,95


Dr. Helmut Kramer:
Fritz-Bauer-Preisträger 2010

Der Fritz-Bauer-Preis 2010 wurde am Samstag, 9. Oktober 2010 in der NS-Dokumentationsstätte der Stadt Köln an den Richter und Rechtshistoriker Dr. Helmut Kramer verliehen.

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»Gesetze sind nicht auf Pergament, sondern auf empfindliche Menschenhaut geschrieben.«
Fritz Bauer

Die diesjährige Preisverleihung wurde am 9. Oktober im Rahmen des Verbandstages der Humanistischen Union abgehalten. Die Bundesvorsitzende der Humanistischen Union, Prof. Dr. Rosemarie Will führte in die Veranstaltung ein, die Laudatio hielt Michael Plöse, Humboldt-Universität zu Berlin. Der Festakt fand an einen geschichtsträchtigen Ort statt: Im so genannten EL-DE-Haus am Apellhofplatz 23-25 war von 1935 bis zum Kriegsende 1945 die Kölner Zentrale der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) untergebracht. In den Zellen und Verwaltungsräumen erinnert heute ein Ausstellungs- und Dokumentationszentrum an einzelne Schicksale der Insassen und klärt über die Funktionsweise des NS-Systems auf.

Ein Lebenswerk zu den Hinterlassenschaften des NS-Unrechts
Die Humanistische Union vergibt ihren diesjährigen Fritz-Bauer-Preis an Dr. Helmut Kramer. Der Bundesvorstand begründet die Entscheidung mit den herausragenden Verdiensten Kramers um ein humanes Rechtswesen in Vergangenheit und Gegenwart: »Helmut Kramer setzt sich seit Jahrzehnten für die Aufhebung von Unrechtsurteilen, für die Aufklärung der Verstrickungen und Beteiligungen von Juristen an nationalsozialistischen Verbrechen und die Aufhebung der rechtspolitischen Hinterlassenschaften dieses Regimes ein.« Für seine Initiativen zur Aufarbeitung der jüngeren Justizgeschichte, für sein Engagement gegen das Rechtsberatungsgesetz und nicht zuletzt in Anerkennung seiner friedenspolitischen Bemühungen vergibt die Humanistische Union in diesem Jahr ihre höchste Auszeichnung an den früheren Richter am OLG Braunschweig.
Helmut Kramer hat sich der Aufhebung nationalsozialistischen Unrechts auf allen Ebenen verschrieben: Sein Name steht gleichermaßen für die Rehabilitierung der Opfer (Wiederaufnahmeverfahren Erna Wazinski), für die lokalhistorische Dokumentation der Verbrechen (Ausstellung »Braunschweig unterm Hakenkreuz«), für die Aufdeckung personeller Kontinuitäten in der bundesdeutschen Justiz (Affäre Puvogel), die Aufhebung des NS-Unrechts (Rehabilitierungsgesetze 1998 u. 2009) und die rechtshistorische Bildungsarbeit (Fortbildungen der Richterakademie, Forum Justizgeschichte, Gedenkstätte Wolfenbüttel). Dabei knüpft er nicht nur ideell an das Werk Fritz Bauers an. 1984 veröffentlicht er seinen wohl folgenschwersten Aufsatz über die Beteiligung von Juristen an der »Aktion T4«, dem nationalsozialistischen Programm zur Vernichtung „unwerten Lebens«. Aufbauend auf Voruntersuchungen Bauers – das Verfahren wurde nach dessen Tod still beendet – dokumentierte Kramer, wie 1941 alle OLG-Präsidenten und Generalstaatsanwälte dabei halfen, die massenhafte Verschleppung und den Mord behinderter Menschen juristisch abzusichern.
Die Beschäftigung mit früherem Unrecht ist für Helmut Kramer keine Frage der Vergangenheit, sondern immer auf die Gegenwart ausgerichtet. Er will jene Beliebigkeit der juristischen Methodik überwinden, die das Recht zum Instrument totalitärer Systeme werden ließ. So bemüht er sich, die Rechtsgeschichte in der juristischen Ausbildung zu verankern und die Methoden des Rechts zu historisieren. 15 Jahre lang leitet er die Sommertagungen der Deutschen Richterakademie zur NS-Justiz, gründet 1999 sein Forum Justizgeschichte. Mit seinem enzyklopädischen Wissen um Akteure, Ereignisse und Strukturen des NS-Unrechts begeistert er viele und prägt eine Juristengeneration, die sich endlich mit der Verantwortung ihrer Zunft beschäftigt.
Die Verantwortung für eine humane Zukunft lässt Helmut Kramer in den 1980er Jahren auch zum Mitstreiter der Friedensbewegung werden. 1987 beteiligt er sich an der Blockade in Mutlangen, wird wie viele andere von Richter Offenloch zu einer Geldstrafe verurteilt. Später erläutert er in einem Interview, warum ihn die Angst vor möglichen Konsequenzen nicht von der Teilnahme abhielt. Für ihn sei klar gewesen: »Wenn du dich da heraus hältst, dann hast du aus den ganzen Jahren der intensiven Beschäftigung mit der NS-Justiz und ihren Ursachen nichts gelernt.«
Zu den Lehren aus der Vergangenheit gehört für Helmut Kramer auch ein solidarisches Verständnis des Rechts. Es sind vor allem die Schwächsten der Gesellschaft, die seiner bedürfen. Mit einer Selbstanzeige und einem Verfahren bis vor das Bundesverfassungsgericht erreicht er 2008 schließlich die Aufhebung des Rechtsberatungsgesetzes. Er öffnet damit den von ihm beratenen Totalverweigerern, vielen Minderheiten und sozialen Bewegungen einen leichteren Zugang zum Recht.
Sven Lüders (aus: Mitteilungen der Humanistischen Union.
Zeitschrift für Aufklärung und Bürgerrechte
, Nr. 208, Berlin 2010)

Helmut Kramer, geb. 1930, Dr. jur., Richter am Oberlandesgericht i.R., Studium der Geschichte und Rechtswissenschaft in Göttingen und Freiburg, Dissertation: »Fraktionsbindungen in den deutschen Volksvertretungen 1819–1849« (Duncker und Humblot, Berlin 1968), 1984–1989 Vertretungsprofessur an der Universität Bremen, Mitbegründer und bis 2006 Vorsitzender des Forum Justizgeschichte e.V., 1990–2005 Gestaltung und Leitung von Tagungen der Deutschen Richterakademie zur juristischen Zeitgeschichte.

Der Fritz-Bauer-Preis
Mit dem Fritz-Bauer-Preis würdigt die Humanistische Union herausragende Verdienste um die Humanisierung, Liberalisierung und Demokratisierung des Rechtswesens. Den Preis erhalten Frauen und Männer, die sich unerschrocken für eine gerechte und humane Gesellschaft eingesetzt haben, deren Zivilcourage Vorbild und Ansporn für bürgerrechtliches Engagement ist.
Der Fritz-Bauer-Preis ist die höchste Auszeichnung der Humanistischen Union. Der ideelle Preis wird im Gedenken an Dr. Fritz Bauer, den 1968 verstorbenen hessischen Generalstaatsanwalt und Mitbegründer der Humanistischen Union verliehen. Er war es, der die Verfolgung nationalsozialistischer Verbrechen ermöglichte und gegen zahlreiche Widerstände in der jungen Bundesrepublik durchsetzte. Der nach ihm benannte Preis wurde von der Humanistischen Union im Juli 1968, zwei Wochen nach dem Tod Fritz Bauers gestiftet. Er wird derzeit alle zwei Jahre vergeben.

Bisher wurde der Fritz-Bauer-Preis verliehen an:
Helga Einsele (1969), Gustav Heinemann (1970), Birgitta Wolf (1971), Emmy Diemer-Nicolaus (1972), Heinrich Hannover (1973), Helmut Ostermeyer (1975), Werner Hill (1976), Heinz-Dietrich Stark (1977), Gerald Grünwald (1978), Peggy Parnass (1980), Ulrich Vultejus (1981), Ruth Leuze (1982), Erich Küchenhoff (1983), Ulrich Finckh (1984), Rosi Wolf-Almanasreh (1985), Ossip Kurt Flechtheim (1986), Eckart Spoo (1988), Liselotte Funcke (1990), Erwin Fischer (1993), Hans Lisken (1995), Hanne und Klaus Vack (1996), Günter Grass (1997), Helga Seibert (1999), Regine Hildebrandt (2000), 28 Erstunterzeichnende des Aufrufes zur Desertion im Kosovo-Krieg (2001), Dieter Schenk (2003), Susanne von Paczensky (2004), Burkhard Hirsch (2006), Klaus Waterstradt (2008), Helmut Kramer (2010)

Kontakt

Humanistische Union e.V.
Greifswalder Straße 4
10405 Berlin
Tel: 030.204 502 56
Fax: 030.204 502 57
service(at)humanistische-union.de
www.humanistische-union.de
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Meron Mendel:
Neuer Leiter der Jugendbegegnungsstätte Anne Frank e.V.

Zum 1. Oktober 2010 übernahm Dr. Meron Mendel die Leitung der Frankfurter Jugendbegegnungsstätte Anne Frank. Die Einrichtung ist dem Gedenken an Anne Frank (1929–1945) gewidmet und vermittelt jungen Menschen universelle Werte der Demokratie, Zivilcourage und Menschenrechte.

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»Ich freue mich sehr auf diese verantwortungsvolle Aufgabe«, betont Dr. Mendel. »In einer Zeit, in der fremdenfeindliche Stimmen in die Mitte der Gesellschaft rücken – wie die Sarrazin-Debatte erneut zeigt –, sehen wir uns in unserer Zielsetzung bestätigt, allen Formen von Vorurteilen und Intoleranz entgegenzuwirken. Wir wollen in Zukunft verstärkt den interreligiösen und interkulturellen Dialog zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in Frankfurt fördern.«
Meron Mendel wurde 1976 in Tel Aviv (Israel) geboren und lebt seit sieben Jahren in Frankfurt. Derzeit lehrt der Erziehungswissenschaftler und Historiker an der Goethe-Universität. Seine Lehr- und Forschungsschwerpunkte sind Migrationspädagogik, Menschenrechtsbildung und die Geschichte der Juden in der Bundesrepublik Deutschland. In den Jahren 2003 bis 2007 war Meron Mendel Bundesleiter der Zionistischen Jugend in Deutschland e.V.
Die Jugendbegegnungsstätte Anne Frank informiert mit ihrer multimedialen, interaktiven Ausstellung »Anne Frank. Ein Mädchen aus Deutschland« über Leben und Tagebuch der Anne Frank. Die Jugendbegegnungsstätte orientiert sich an Anne Franks Gedanken und Werten. Die Frage, was die Geschichte der NS-Zeit für heutige Jugendliche in Deutschland bedeuten kann, begründet ihre Arbeit. Im Vordergrund stehen Angebote zur Begegnung und Verständigung in einer zunehmend heterogenen Stadtgesellschaft. »Jugendliche«, so Meron Mendel, »sollen dazu angeregt werden, sich für Toleranz und Menschenrechte einzusetzen«
Das Angebot der Jugendbegegnungsstätte umfasst Projekttage, Seminare und Trainings – vor allem für Jugendliche, aber auch für MultiplikatorInnen und andere interessierte Erwachsene. Themen sind unter anderem Rechtsextremismus, Antisemitismus und Zivilcourage. Meron Mendel wird unterstützt von sieben Angestellten und mehr als zwanzig freien MitarbeiterInnen. Die Begegnungsstätte wird von einem Trägerverein betrieben und von der Stadt Frankfurt am Main maßgeblich finanziert, das Jahresbudget beträgt 330.000 Euro.

Kontakt
Jugendbegegnungsstätte Anne Frank e.V.
Hansaallee 150
60320 Frankfurt am Main
Tel.: 069.56000-20
info@jbs-anne-frank.de
www.jbs-anne-frank.de



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