Fritz Bauer Institut

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Veröffentlichungen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fritz Bauer Institut außerhalb der institutseigenen Publikationsreihen.



Werner Renz
Fritz Bauer und das Versagen der Justiz.
Nazi-Prozesse und ihre »Tragödie«

Hamburg: CEP Europäische Verlagsanstalt, 2015
200 S., kartoniert, € 18,–, EAN 978-3-86393-068-4
... Infoflyer (pdf-Datei, 1.606 kb)

»Sie sollten den Leuten klar machen,
die in mir einen Protagonisten einer
Vergangenheitsbewältigung sehen,
dass es mir in keiner Sekunde
um die Vergangenheit ging,
sondern um Gegenwart und Zukunft«
Fritz Bauer, 1964

Von der »Tragödie« der bundesdeutschen Verfahren gegen NS-Gewaltverbrecher schreibt Fritz Bauer im März 1966 in einem Brief an seinen Freund Thomas Harlan. Bauer blickte voller Resignation und Bitterkeit insbesondere auf zwei Prozesse zurück, die vor dem Landgericht Frankfurt am Main verhandelt worden waren. Da war zum einen der Auschwitz-Prozess, mit dem Bauer gemeinhin in einem Atemzug genannt wird. Da war zum anderen das skandalöse Urteil im Verfahren gegen die beiden Mitarbeiter Adolf Eichmanns, Hermann Krumey und Otto Hunsche, die im Sommer 1944 zusammen mit dem »Spediteur des Todes« 438.000 Juden aus Ungarn nach Auschwitz deportiert hatten.
Warum sprach Bauer im Rückblick auf die NS-Prozesse von ihrer »Tragödie«? Hatten die Verfahren nicht geleistet, worum es Bauer in den Prozessen gegen Nazi-Verbrecher vorrangig und erklärtermaßen ging?
Umfassende politische Aufklärung durch zweifelsfreie Tatsachenfeststellungen der Schwurgerichte sowie die in der Beweisaufnahme zu Gehör gekommenen Stimmen der überlebenden Opfer waren unstrittig wichtigste Ergebnisse der Prozesse. Doch hatten die Strafgerichte das Tun und Lassen der Angeklagten tatangemessen qualifiziert? Hatten sie die strafrechtliche Verantwortung der NS-Verbrecher überzeugend gewürdigt?
Die bundesdeutsche Strafjustiz kannte als »Haupttäter« und »Taturheber« nur Hitler, Himmler, Göring, Heydrich u.a. und nur wenige weitere Mittäter, die entweder eigenmächtig und befehlslos getötet hatten oder die sich im Konsens mit der verbrecherischen Staatsführung die befohlenen Taten zu eigen gemacht, sie als eigene gewollt hatten. In bundesdeutschen NS-Prozessen wurden nur circa 170 Angeklagte als Mörder qualifiziert und abgeurteilt. Hingegen waren der Justiz unter den abertausenden Tatbeteiligten die bloßen Gehilfen geradezu Legion. In der rechtlichen Würdigung der Handlungen der Beteiligten an dem Menschheitsverbrechen, das wir heute Shoah oder Holocaust nennen, erkannten die Gerichte meist auf bloße Gehilfenschaft. Das Personal der Vernichtungslager, die Angehörigen von Erschießungskommandos, die Mitarbeiter von Gestapostellen, die Juden in Ghettos und Todeslager deportierten, hatten nach Auffassung der deutschen Strafrichter die befohlene Tat, die Judenvernichtung, nur als fremde Tat fördern und unterstützen und nicht als eigene begehen wollen.
Bauer hatte sich Anfang der 1960er Jahre, als er voller Energie NS-Verfahren in Gang brachte, von den Prozessen viel erhofft. Sie sollten den Deutschen »Schule« und »Lehre« sein und »Lektionen« erteilen. Die Bundesdeutschen im Wirtschaftswunderland erwiesen sich freilich nicht als gelehrige Schüler. Die Prozesse erzielten nicht die volkspädagogische Wirkung, die Bauer um einer besseren Zukunft willen von den Verfahren erwartet hatte.
Die in dem Buch veröffentlichten Aufsätze legen Bauers Vorstellungen vom Sinn und Zweck der NS-Prozesse dar und untersuchen Vorgeschichte und Verlauf des Frankfurter Auschwitz-Prozesses (1963–1965), der vor 50 Jahren zu Ende ging. Heute noch stehen Angehörige des Auschwitz-Personals vor Gericht. Die späten Prozesse gegen Greise sind ein untrügliches Zeichen für das Versagen der deutschen Strafjustiz bei der justiziellen Aufarbeitung der NS-Vergangenheit.

Werner Renz, M.A., Germanistik- und Philosophie-Studium in Frankfurt am Main, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut, Leiter der Abteilung Archiv und Bibliothek, Redakteur der »Einsicht. Bulletin des Fritz Bauer Instituts«, Arbeitsschwerpunkte: Geschichte der Frankfurter Auschwitz-Prozesse, Geschichte des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau, zahlreiche Veröffentlichungen dazu.


Clemens Vollnhals, Jörg Osterloh (Hrsg.)
NS-Prozesse und deutsche Öffentlichkeit
Besatzungszeit, frühe Bundesrepublik und DDR

Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2011
456 S., gebunden, € 75,–, ISBN 978-3-525-36921-0
Schriften des Hannah-Arendt-Instituts, Band 045
www.v-r.de/de/ns_prozesse_und_deutsche_oeffentlichkeit/t-0/1007064

In 20 Beiträgen untersuchen die Autoren die Reaktionen der deutschen Öffentlichkeit auf bedeutende Prozesse gegen NS-Täter, die während der Besatzungszeit, der frühen Bundesrepublik und DDR vor alliierten und deutschen Gerichten stattfanden.
Sie machen die Unterschiede und die Wechselwirkungen der Strafverfolgung zwischen Ost und West deutlich und zeigen, wie sich die öffentliche Wahrnehmung der Prozesse in den Westzonen und später in der Bundesrepublik in all ihren Widersprüchen entwickelte. Auch in der Sowjetischen Besatzungszone gab es anfangs noch einen gewissen Freiraum, doch bald standen Justiz und Öffentlichkeit im Dienste der SED-Propaganda.

Die Beiträge verdeutlichen, dass die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nicht so geradlinig verlief, wie dies in der Rückschau oft angenommen wird. Es war ein langer, steiniger Weg, bis die populäre Schlussstrich-Mentalität überwunden war und die Mehrheit der (west)deutschen Bevölkerung der Einsicht zustimmte, dass die moralische Verdammung der ungeheuren NS-Verbrechen ohne die konkrete Strafverfolgung der Täter unglaubwürdig bleiben müsse. Im historischen Rückblick wird man die von der Justiz geleistete Arbeit und über die Medien transportierte Aufklärung über den verbrecherischen Charakter des Nationalsozialismus kaum unterschätzen können, so unbefriedigend die aus vielerlei Gründen erst spät einsetzende konsequente Verfolgung von NS-Verbrechen und das oft kritisierte Strafmaß unter moralischen Gesichtspunkten auch bleiben sollten. Es war ein langwieriger, schmerzvoller Prozess gesellschaftlicher Selbstvergewisserung von bemerkenswerter Dauer und Intensität.

Mit Beiträgen von:
Carina Baganz (Berlin), Boris Böhm/Julius Scharnetzky (Pirna), John Cramer (Regesbostel), Christian Dirks (Berlin), Andreas Eichmüller (München), Claudia Fröhlich (Berlin), Gerald Hacke (Dresden), Peter Krause (Konstanz), Heike Krösche (Linz), Claudia Kuretsidis-Haider (Wien), Jörg Osterloh (Fritz Bauer Institut), Edith Raim (München), Werner Renz (Fritz Bauer Institut), Markus Riverein (Frankfurt am Main), Mike Schmeitzner (Dresden), Robert Sigel (München), Katharina Stengel (Fritz Bauer Institut), Falco Werkentin (Berlin), Clemens Vollnhals (Dresden), Annette Weinke (Jena)

Dr. Clemens Vollnhals
ist Stellvertretender Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung und Lehrbeauftragter für Zeitgeschichte an der Technischen Universität Dresden.

Dr. Jörg Osterloh
M.A. ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz Bauer Institut.

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Das Heft erscheint zweimal jährlich (April/Oktober), Auflage 5.500.
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Letzte Änderung: 07. April 2016

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