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Lehrveranstaltungen SoSe 2015

zur Geschichte und Wirkung des Holocaust
an der Goethe-Universität Frankfurt am Main



Dr. Jörg Osterloh
In der Hand des Feindes.
Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg
Übung, Mittwoch, 14.00–16.00 Uhr (15. April bis 15. Juli 2015), Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Seminarhaus, Raum SH 1.106

Etwa 80 Millionen Soldaten hatten sich an den Fronten des Zweiten Weltkriegs im Einsatz befunden. Rund 35 Millionen von ihnen gerieten in die Hand des Feindes; das Los der Kriegsgefangenschaft war ein Massenschicksal.
Auf den europäischen Kriegsschauplätzen nahm die zunächst anscheinend unaufhaltsam vorrückende Wehrmacht Millionen von Kombattanten gefangen; so mussten beispielsweise rund 400.000 Polen, 1,9 Millionen Franzosen und zwischen 5,35 und 5,75 Millionen Soldaten der Roten Armee den Gang in deutsche Gefangenschaft antreten. Allein mehr als drei Millionen Rotarmisten kamen in deutschem Gewahrsam ums Leben. Deutsche Soldaten wiederum gerieten vornehmlich in den letzten beiden Kriegsjahren und in den Wochen unmittelbar nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht in feindliche Hände. Insgesamt betraf dieses Schicksal rund 11 Millionen Wehrmachtsangehörige. Etwa 3 Millionen von ihnen befanden sich in sowjetischem Gewahrsam, rund 1,1 Millionen überlebten dieses nicht.
Die Lehrveranstaltung befasst sich mit der Entwicklung des Kriegsvölkerrechts hinsichtlich der Behandlung von Kriegsgefangenen und mit der Kriegsgefangenenpolitik der kriegführenden Mächte in der Praxis. Im Fokus steht das gegenüber vielen – aber nicht allen – Gefangenengruppen verbrecherische Vorgehen der Wehrmacht. Der Blick gilt aber auch dem Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion und in US-amerikanischem, britischem und französischem Gewahrsam wie auch der Behandlung von Gefangenen an den pazifischen Kriegsschauplätzen.
Kontakt: Dr. Jörg Osterloh, Fritz Bauer Institut, j.osterloh(at)fritz-bauer-institut.de

Literatur:
Andreas Hilger, Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion, 1941–1956. Kriegsgefangenenpolitik, Lageralltag und Erinnerung, Essen 2000.
Günter Bischof, Stefan Karner, Barbara Stelzl-Marx (Hrsg.), Kriegsgefangene des Zweiten Weltkrieges, Wien/München 2005.
Jörg Osterloh, »Die Lebensbedingungen und der Arbeitseinsatz von Kriegsgefangenen im Dritten Reich und in der Sowjetunion«, in: Hans-Christoph Seidel, Klaus Tenfelde (Hrsg.), Zwangsarbeit im Europa des 20. Jahrhunderts: Bewältigung und vergleichende Aspekte, Essen 2007.
Rüdiger Overmans, »Die Kriegsgefangenenpolitik des Deutschen Reiches 1939 bis 1945«, in: Jörg Echternkamp, (Hrsg.): Die deutsche Kriegsgesellschaft 1939 bis 1945. Zweiter Halbband: Ausbeutung, Deutungen, Ausgrenzung (Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg 9/2), München 2005, S. 729–875.
Christian Streit, Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941–1945, 4. Aufl., Bonn 1997.



Monica Kingreen
Gedenkstätte KZ Buchenwald.
Pädagogische Möglichkeiten für Haupt- und Realschüler in Buchenwald
Übung/Seminar, Exkursion: 26. bis 29. Mai 2015, Einzeltermine: 12. und 19. Mai sowie 2. Juni 2015, jeweils 18.00–20.00 Uhr, Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main, Seckbächer Gasse 14

In der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar werden die TeilnehmerInnen das Gelände erkunden und sich mit der Geschichte des KZ Buchenwald vertraut machen. Wir lernen die pädagogischen Angebote der Gedenkstätte kennen, erproben selbst unterschiedliche Zugänge der pädagogischen Arbeit mit Haupt- und Realschülern und diskutieren sie im Hinblick auf ihre Relevanz für die schulische Praxis.
Die Unterbringung erfolgt in der komfortablen Jugendbegegnungsstätte Buchenwald, die auch beste Verpflegung bietet. Die Anreise erfolgt individuell und wird bei der Vorbereitung organisiert.
Begrenzte Teilnehmerzahl!
Persönliche verbindliche Anmeldung (Anzahlung € 30)
Kontakt: Monica Kingreen, Pädagogisches Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt, Monica.Kingreen(at)stadt-frankfurt.de



Dr. Wolfgang Geiger, Dr. Martin Liepach
Jüdische Geschichte im Schulbuch
Übung, Donnerstag, 16.00–18.00 Uhr c.t. (16. April bis 16. Juli 2015), Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum IG 4.401

In dieser Übung sollen einschlägige Geschichtslehrbücher im Hinblick auf die Thematisierung der jüdischen Geschichte im historischen Längsschnitt (Mittelalter bis NS-Zeit) und damit verbundener Themen fachwissenschaftlich und didaktisch analysiert werden.
Jüdische Geschichte wird im Geschichtsunterricht vorrangig in Verbindung mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust unterrichtet. Die Materialien in den gegenwärtigen Schulbüchern werfen dazu zahlreiche Fragen auf. Aber nicht nur für diese Epoche gibt es Fragen an die jüdische Geschichte: Wie werden Antisemitismus und Verfolgungsgeschichte im Vergleich zur allgemeinen jüdischen Geschichte thematisiert und in welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Erscheinen Juden nicht nur als Objekte und Opfer von Geschichte, sondern auch als Träger einer eigenen Kultur und Mitgestalter der Moderne? Erfolgt die Thematisierung auf der Grundlage einer Wissenschaftsorientierung um gegen stereotype Bilder anzugehen oder werden diese unflektiert reaktiviert?
Die Analyse der Schulgeschichtsbücher wird Aspekte der historisch-sachlichen Faktizität und ihrer politisch-moralischen Bewertung mit den Formen ihrer didaktischen Umsetzung im Lehrbuch (Autorentext, Text- und Bildquellen, Arbeitsaufträge) verknüpfen.
Eingangs der Veranstaltung erfolgt eine kurze methodische Einführung zur Schulbuchanalyse.
Kontakt: Martin Liepach, Pädagogisches Zentrum des Fritz Bauer Instituts und des Jüdischen Museums Frankfurt, martin.liepach(at)stadt-frankfurt.de

Literatur:    
Martin Liepach/Wolfgang Geiger: Fragen an die jüdische Geschichte. Darstellungen und didaktische Herausforderungen, Schwalbach/Ts. 2014
Martin Liepach/Dirk Sadowski (Hrsg.): Jüdische Geschichte im Schulbuch, Göttingen 2014
Wolfgang Geiger: Zwischen Urteil und Vorurteil. Jüdische und deutsche Geschichte in der kollektiven Erinnerung, Frankfurt am Main 2012
Bernd Schönemann/Holger Thünemann: Schulbucharbeit. Das Unterrichtsbuch in der Unterrichtspraxis, Schwalbach/Ts. 2010
Arno Herzig/Cay Rademacher (Hrsg.): Die Geschichte der Juden in Deutschland, Hamburg 2007



apl. Prof. Dr. Werner Konitzer
Philosophische und theologische Ethiken im Nationalsozialismus
Seminar, Dienstag, 10.00–12.00 Uhr c.t. (14. April bis 14. Juli 2015), Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend, Seminarhaus, Raum SH 0.108  

In dem Seminar sollen Ethiken, die von Philosophen oder Theologen, die dem Nationalsozialismus nahestanden oder ihn aktiv unterstützt haben, vergleichend dargestellt und analysiert werden. Lässt sich aus ihnen so etwas wie eine nationalsozialistische Normativität erschließen? Es handelt sich sowohl um ausgearbeitete Monographien als auch kürzere Aufsätze, u.a. von Hans Freyer, Bruno Bauch, Alfred Baeumler, Nicolai Hartmann, Hermann Schwarz. Die Literatur wird in einem Reader zu Anfang des Seminars vorgestellt.


 
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