Fritz Bauer Institut

Lehrveranstaltungen - Sommersemester 2011

Lehrveranstaltungen SoSe 2011

zur Geschichte und Wirkung des Holocaust
an der Goethe-Universität Frankfurt am Main


Prof. Dr. Alan Steinweis und Prof. Dr. Raphael Gross

Die »Reichskristallnacht«:
Geschichte, Erinnerung, Justizielle Aufarbeitung

Seminar, mittwochs 16.00–18.00 Uhr, 13. April bis 13. Juli 2011
Veranstaltung im Rahmen der Gastprofessur am Fritz Bauer Institut
Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 4.401
Institutionen: Fritz Bauer Institut und Historisches Seminar
Sprechstunde: mittwochs, 10.00–12.00 Uhr, Raum 0.157
Kontakt: Alan.Steinweis(at)uvm.edu

Die so genannte »Reichskristallnacht« – der Pogrom an den deutschen Juden vom 9/10 November 1938 – gilt als das zentrale Ereignis in der NS-Judenverfolgung vor dem Zweiten Weltkrieg. Trotz einer großen Zahl von Studien zur »Reichskristallnacht« ist diese keineswegs ein abgeschlossenes Thema. In den letzten Jahren sind neue Quellen der Forschung zugänglich gemacht geworden, z. B. die Tagebücher von Josef Goebbels, die NS-Stimmungsberichte zur Judenpolitik, die zeitgenössischen Augenzeugenberichte aus der Wiener-Bibliothek in London und die Prozess-Akten der deutschen Gerichte der Nachkriegszeit. Außerdem haben sich die Fragestellungen und die Methoden von Historikern und Sozialwissenschaftlern weiter entwickelt und verändert, was neue Einsichten in ein altes Thema ermöglicht. In diesem Zusammenhang sind vor allem Lokalstudien zur Alltagsgeschichte des NS-Regimes, die Forschung über gewalttätigen Antisemitismus in Deutschland vor dem November 1938 und die interdisziplinäre Forschung über Rituale der Gewalt zu nennen.

Die Hauptthemen des Seminars sind:
  • Hintergründe: NS-Judenpolitik 1933–1938; Gewalt gegen Juden in Deutschland vor November 1938
  • Ursachen: Die Absichten der NS-Führung betr. Judenpolitik im Herbst 1938; das Attentat Herschel Grynszpans auf Ernst vom Rath am 7. November; die Verschärfung der antisemitischen Motive unter lokalen NS-Aktivisten durch die Rituale des Gedenkens an den 9. November 1923; Inhalt und Ziele antisemitischer Propaganda zwischen dem 7. und dem 9. November
  • Lokale Pogrome vom 7. bis 9. November in Kurhessen: Ursachen, Folgen, Täter
  • Auslösen des reichsweiten Pogroms am 9. November durch die NS-Führung: Die Rollen von Goebbels und Hitler
  • Der große Pogrom 9/10 November: Analyse von Tätergruppen: SA, SS, Hitlerjugend, Beamte (Polizei, Feuerwehr, Stadt- und Landkreisverwaltung), »normale« Deutsche, Frauen
  • Jüdische Reaktionen: Selbstrettung, Verstecken, Widerstand
  • Die große »Festnahme-Aktion«: die Deportation der festgenommenen Juden in die Konzentrationslager, die Erlebnisse im KZ, die Entlassungen aus dem KZ
  • Reaktionen der deutschen Bevölkerung zum Pogrom
  • Folgen des Pogroms für die NS-Judenpolitik: »Arisierung« und Emigration
  • Die justizielle Aufarbeitung des Pogroms nach 1945 sowohl durch die Alliierten als auch durch die BRD, die DDR, und Österreich
  • Der Pogrom in der deutschen Erinnerungs-Kultur nach 1945


Prof. Dr. Alan Steinweis
Der Holocaust
Vorlesung, dienstags 16.00–18.00 Uhr, 12. April bis 12. Juli 2011
Veranstaltung im Rahmen der Gastprofessur am Fritz Bauer Institut
Campus Westend, Casino, Raum 1.811
Institutionen: Fritz Bauer Institut und Historisches Seminar
Sprechstunde: mittwochs, 10.00–12.00 Uhr, Raum 0.157
Kontakt: Alan.Steinweis(at)uvm.edu

Diese Vorlesung dient als allgemeine Einführung in das Thema. Sie soll Studierenden Grundkenntnisse zum Holocaust vermitteln. Die Vorlesung beschränkt sich nicht nur auf NS-Judenpolitik, sondern bietet einen breiten Überblick: Behandelt werden unter anderem auch die kulturellen und ideologischen Wurzeln des Antisemitismus und des Rassismus, die Erlebnisse der jüdischen Opfer innerhalb und außerhalb Deutschlands, die Politik der USA, Großbritanniens und anderer Länder und die Rolle transnationaler Institutionen, wie der katholischen Kirche und des Roten Kreuzes. Die Verfolgung und Vernichtung der Juden wird auch im Zusammenhang mit dem Genozid an den Sinti und Roma und mit dem nationalsozialistischen Krankenmord dargestellt.



Dr. Jörg Osterloh

Adolf  Eichmann und die Vernichtung der europäischen Juden
Übung, Blockseminar
Vorbesprechung: Dienstag, 3. Mai 2011, 10.00–12.00 Uhr
Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 3.401
Institutionen: Fritz Bauer Institut und Historisches Seminar

Der SS-Offizier Adolf Eichmann (1906–1962) ist heutzutage »ein Symbol des Dritten Reiches und des Völkermords an den Juden« (David Cesarani): Im August 1938 baute er zunächst die »Zentralstelle für jüdische Auswanderung« in Wien auf, Ende Juli 1939 schuf er nach deren Vorbild eine entsprechende Dienststelle in Prag. Im Dezember 1939 übernahm er die Leitung des Referats IV B 4  im Reichssicherheitshauptamt in Berlin und wurde damit schließlich zum Organisator der Judentransporte in die Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager. Gegen Ende des »Dritten Reiches« 1945 tauchte er unter und war in den fünfziger Jahren fast vergessen. Nachdem ihn 1960 der israelische Geheimdienst in Argentinien festgenommen hatte, stand er von April bis Dezember 1961 in Jerusalem vor Gericht. Eichmann erklärte sich als nicht schuldig im Sinne der Anklage und berief sich auf die Befehle seiner Vorgesetzten. Der Prozess machte ihn und seine Verbrechen der Weltöffentlichkeit bekannt. Nachdem Eichmann in erster und zweiter Instanz zum Tode verurteilt worden war, fand im Juni 1962 die Hinrichtung statt.
Die Lehrveranstaltung befasst sich eingehend mit Eichmanns Rolle bei der Verfolgung und Vernichtung von Millionen Juden. Daneben sollen aber auch der Jerusalemer Prozess und die damit verbundenen Diskussionen in der internationalen Öffentlichkeit in den Blick genommen werden.



PD Dr. Werner Konitzer

Antisemitismustheorien im Vergleich
Kolloquium, montags, 16.00–18.00 Uhr, 11. April bis 11. Juli
Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 5.318
Institutionen: Fritz Bauer Institut und Fachbereich 8 – Philosophie und Geschichtswissenschaften

In dem Kolloquium sollen verschiedene Theorien zur Erklärung des Antisemitismus miteinander verglichen werden. Thema sollen vor allem Theorien zum Antisemitismus sein, die seit den dreißiger Jahren entstanden sind. Leitfaden soll das Buch von Samuel Salzborn, Antisemitismus als Leitfaden der Moderne, bilden. Diskutiert werden u.a. Sartres Aufsatz »zur Judenfrage«, Klaus Holz, nationaler Antisemitismus, aber auch psychoanalytische Theorien zum Antisemitismus.



Monica Kingreen

Gedenkstätte KZ Buchenwald –
Pädagogische Möglichkeiten für Haupt- und Realschüler in Buchenwald

Übung und Seminar
27. Juni bis 30. Juni 2011, viertägige Exkursion nach Buchenwald
Vorbereitungssitzungen: Mittwoch, 15. Juni, 18.00–20.00 Uhr
und Montag, 20. Juni, 18.00–20.00 Uhr
Nachbereitungssitzung: Donnerstag 7. Juli 2011, 18.00–20.00 Uhr
Institutionen: Fritz Bauer Institut und Institut für die Didaktik der Geschichte

Vor Ort in der Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar werden die TeilnehmerInnen das Gelände erkunden und sich mit der Geschichte des KZs Buchenwald vertraut machen. Wir lernen die Angebote der pädagogischen Abteilung der Gedenkstätte kennen, erproben auch selbst unterschiedliche Zugänge der pädagogischen Arbeit mit Haupt- und Realschülern und diskutieren sie im Hinblick auf ihre Relevanz für die schulische Praxis.
Die Unterbringung erfolgt in der komfortablen Jugendbegegnungsstätte Buchenwald, die auch beste Verpflegung bietet. Die Anreise erfolgt individuell und wird bei der Vorbereitung organisiert.



Gottfried Kößler

Bilder und Zeitzeugenvideos im Geschichtsunterricht.
Pädagogische Konzepte, methodische  und didaktische Fragen


Übung, freitags, 14.00–16.00 Uhr, 15. April bis 15. Juli
Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 3.501
Institutionen: Fritz Bauer Institut und Institut für die Didaktik der Geschichte

Visuelle Quellen ermöglichen im Geschichtsunterricht Arbeitsformen, die vom noch immer dominierenden Erschließen von Texten abweichen. Bilder – Fotografien, Gemälde, Zeichnungen – sind Kunstwerke und bedürfen einer kunsthistorischen und quellenkritischen Analyse als Voraussetzung didaktischer und methodischer Überlegungen. Zeitzeugenvideos sind eine visuelle Quellensorte, die einer medienkritischen Erschließung und besonderer methodischer Konzepte bedarf, um sie in Lehr-Lernarrangements sachgerecht einzusetzen.
Die Übung beschränkt sich zeitlich auf das 20. Jahrhundert, wobei unterschiedliche Themen in den Blick genommen werden.



Dr. Wolfgang Geiger

Palästina – Israel:
Vorgeschichte und Entstehung des Nahost-Konflikts

Übung, freitags, 14.00–16.00 Uhr, 15. April bis 15. Juli
Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 454
Institutionen: Fritz Bauer Institut und Historisches Seminar

Diskussionen über den Nahostkonflikt zeichnen sich oft durch eine große Unkenntnis über seine Entstehungsgeschichte aus, von daher geraten Urteile entsprechend schnell zu Vor-Urteilen im ursprünglichen Sinne des Wortes. Die Übung will durch die Analyse historischer Quellen einen qualifizierten Einblick in die Geschichte Palästinas und Israels bis zum Sechstagekrieg und seinen Folgen gewinnen. 



Öffentliche Ringvorlesung und begleitendes Seminar

Apokalyptik, Fundamentalismus und die neue Weltordnung

Ringvorlesung

Mittwochs, 13. April bis 13. Juli 2011, jeweils 18:00–20:00 Uhr ct.
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, IG Farben-Haus, Raum 311

Seminar/Übung
Donnerstags, 14. April bis 14. Juli 2011, jeweils 10:00–12:00 Uhr ct.
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Bockenheim
Jugelhaus, Mertonstr. 17–21, Raum 317 B
Die verpflichtende konstituierende Sitzung findet am Dienstag, 12. April, von 14.00–15.00 Uhr statt.

Die Vortragsreihe widmet sich historischen Grundlagen und Erscheinungsformen sowie gegenwärtigen Herausforderungen des Phänomens religiöser wie säkularer apokalyptischer und fundamentalistischer Denkformen vonder Antike bis ins 21. Jahrhundert. International renommierte ForscherInnen aus Europa, Israel und den USA lehren über Apokalyptik in der biblischen, zwischentestamentlichen und rabbinischen Literatur, über messianische und apokalyptische Bewegungen in Judentum, Christentum und Islam sowie über unterschiedliche Manifestationen des religiösen und politischen Fundamentalismus im globalen Zeitalter.
Im begleitenden Seminar haben die Studierenden die Gelegenheit, die jeweilige Thematik des Abendvortrags in der Diskussion mit den ReferentInnen zu vertiefen.

Veranstaltet von Jun. Prof. Dr. Rebekka Voß (Seminar für Judaistik), Prof. Dr. Christian Wiese (Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie) und Prof. Dr. Raphael Gross (Fritz Bauer Institut und Jüdisches Museum Frankfurt am Main). Gefördert durch das Präsidium und die Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Mittwoch, 13. April, 18:15–20:00 Uhr
Isaiah Gafni (Hebrew University of Jerusalem):
Messiah and Messiahs in Ancient Judaism. From the Bible to the Rabbis

Mittwoch, 20. April, 18:15–20:00 Uhr
Stefan Alkier (Goethe-Universität Frankfurt am Main):
Johannes-Apokalypse, eine Frage der Macht

Mittwoch, 27. April, 18:15–20:00 Uhr
Felicitas Schmieder (Fernuniversität Hagen):
Gogs und Magogs »natürliche Milde«? Die Mongolen als Endzeitvölker im Wandel von Wissen und Wünschen

Mittwoch, 4. Mai, 18:15–20:00 Uhr
Jacob Barnai (University of Haifa):
The Impact of Sabbateanism on Modern Jewish History


Mittwoch, 11. Mai, 18:15–20:00 Uhr
Filmvorführung und Diskussion:
Silhouette City. Thy Kingdom Come... By Any Means Necessary
Ein Film von Michael W. Wilson (USA 2008)
Moderation: Christian Wiese (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
www.silhouettecity.com | www.imdb.com/title/tt1259226

Mittwoch, 18. Mai, 18:15–20:00 Uhr
Michael Barkun (Syracuse University):
Christian Identity. A Theology of Racial Apocalypticism

Mittwoch, 25. Mai, 18:15–20:00 Uhr
Claus-Ekkehard Bärsch (Universität Duisburg/Essen):
Die Schoah als Folge messianischer Apokalyptik und religiöser Rassedoktrin. Der religiöse Gehalt der Schriften von Dietrich Eckart, Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg und Adolf Hitler

Mittwoch, 8. Juni, 18:15–20:00 Uhr
Hans G. Kippenberg (Jacobs-University Bremen):
Enklaven anbrechender Heilszeit. Fundamentalismus und Vergemeinschaftung im Zeitalter der Globalisierung

Mittwoch, 15. Juni, 16:15–18:00 Uhr (2 Stunden vorverlegt!)
Micha Brumlik (Goethe-Universität Frankfurt am Main):
Vom politischen zum religiösen Zionismus. Wie die Sehnsucht nach Judäa und Samaria die Idee des Judenstaats zerstört

Mittwoch, 29. Juni, 18:15–20:00 Uhr
David Cook (Rice University of Houston, Texas):
Trends in Contemporary Muslim Apocalyptic Thought

Mittwoch, 6. Juli, 18:15–20:00 Uhr
Bassam Tibi (Georg-August-Universität Göttingen):
Heiliger Krieg und westliche Sicherheit

Mittwoch, 13. Juli, 18:15–20:00 Uhr
Filmvorführung:
A Life Apart: Hasidism In America
Ein Film von Oren Rudavsky und Menachem Daum (USA 1997)
Einführung: Christian Wiese (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
www.pbs.org/alifeapart | www.imdb.com/title/tt0119533
Der ursprünglich für diesen Termin geplante Vortrag von David Berger (Yeshiva University of New York), Religious Revisionism in a Fundamentalist Mode. Lubavitch Hasidism and the Second Coming of a Jewish Messiah, muss leider entfallen.

... Flyer: Ringvorlesung SoSe 2010 (pdf-Datei, 228 kBit)

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Das Heft erscheint zweimal jährlich (April/Oktober), Auflage 5.500.
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Letzte Änderung: 01. September 2011

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