Fritz Bauer Institut

Lehrveranstaltungen - Wintersemester 2010/2011

Lehrveranstaltungen WiSe 2010/2011

zur Geschichte und Wirkung des Holocaust
an der Goethe-Universität Frankfurt am Main


Monica Kingreen
Jüdisches Leben und Verfolgung in der NS-Zeit
als zwei unterschiedliche Themen im Unterricht der Grundschule

Seminar, freitags 14.00–16.00 Uhr
Campus Westend, Casino am IG Farben-Haus, Raum 1.812
Institutionen: Pädagogisches Zentrum Frankfurt und Seminar für Didaktik der Geschichte

In diesem Seminar werden die Möglichkeiten und Grenzen ausgelotet, mit älteren Grundschulkindern jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart sowie die Verfolgung der Juden in der NS-Zeit zu thematisieren. Einschlägige hilfreiche Kinderbücher werden vorgestellt und kritisch betrachtet. Mehrere Exkursionen zu Stätten Frankfurter jüdischen Lebens heute und in der Vergangenheit sind vorgesehen ebenso wie die Begegnung mit einem Zeitzeugen. (Bitte hier etwas mehr Zeit einplanen!) Ein Kinderstadtführer zum früheren Jüdischen Leben in einer hessischen Kleinstadt, der auch die Einschnitte für die jüdischen Familien durch die NS-Verfolgung beschreibt, wird vorgestellt. Weitere Möglichkeiten der Annäherung für ältere Grundschulkinder an diese Themen, wie beispielsweise das Gedenkprojekt »Stolpersteine«, werden kritisch reflektiert.


Dr. Martin Liepach, Dr. Wolfgang Geiger
Christen, Juden und das Geld
Übung, freitags 14.00–16.00 Uhr
Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 454
Institutionen: Pädagogisches Zentrum Frankfurt und Historisches Seminar

Eine angebliche besondere Affinität der Juden zum Geld ist das grundlegendste und allgemeinste aller Vorurteile über Juden, es lässt sich nahezu bei jeder Gelegenheit, zu jedem Thema und historisch rückblickend für jede Epoche einsetzen. Es hat sich schon so weit verselbständigt, dass es längst nicht mehr nur in bewusst antisemitischer Absicht auftaucht. Das Klischee geht auf unzulängliche und falsche Vorstellungen von der Geschichte der Geldwirtschaft und des diesbezüglichen Verhältnisses zwischen Juden und Christen seit dem Mittelalter zurück. In der Übung soll anhand zentraler wie auch weniger bekannter Quellen die historische Wirklichkeit und das historische Vorurteil gegenübergestellt und untersucht werden. Die Spannbreite reicht dabei von den mittelalterlichen Wurzeln bis ins 20. Jahrhundert.
Eine mögliche Verwendung von Texten im schulischen Unterricht wird ebenfalls thematisiert.


Dr. Jörg Osterloh
Kulturpolitik im »Dritten Reich«
Übung, dienstags 12.00–14.00 Uhr
Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 4.401
Institutionen: Fritz Bauer Institut und Historisches Seminar

Das NS-Regime erhob »Kultur« 1933 umgehend in den Rang einer Staatsaufgabe, zentralisierte die Kulturpolitik und verteilte die Kompetenzen hierfür neu. Das Reichspropagandaministerium war de facto zugleich Reichskulturministerium; eine zentrale Rolle spielte auch die im Herbst 1933 neu geschaffene Reichskulturkammer. Geprägt wurde die Kulturpolitik von führenden Nationalsozialisten wie Hitler, Goebbels, Rosenberg und Göring, aber auch einflussreichen Satrapen des NS-Regimes in der Provinz. Sie diente den Nationalsozialisten zur Durchsetzung, Legitimation und Sicherung ihrer Herrschaft. Allerdings war sie durch verworrene Zielvorstellungen und andauernde Kompetenzkämpfe geprägt. In einem Punkt herrschte freilich von Anfang an Einigkeit: Alle Juden sollten aus dem Kulturleben ausgeschaltet werden. Deutsch-völkische Kreise hatten die kulturelle Moderne bereits in der Zwischenkriegszeit als »amoralisch«, »undeutsch« und vor allem »jüdisch« gebrandmarkt – hieran knüpften die Nationalsozialisten an. Juden galten als »Kulturzerstörer«, »Arier« im Gegensatz dazu als »Kulturschöpfer«. Da der Kampf gegen die weithin abgelehnte Moderne zumindest Teile des konservativen Bürgertums ansprach, diente die Kulturpolitik auch zu dessen Anbindung an das Regime. In der Übung sollen ideologische Grundlagen und Praxis der NS-Kulturpolitik in den Blick genommen werden. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den beteiligten Institutionen und Akteuren.


Dr. Dmitrij Belkin
Safe Among the Germans.
Juden im Nachkriegsdeutschland 1945–1970


Übung, Blockseminar 27./28. November 2010 und 22./23. Januar 2011,
Zeit und Ort werden noch bekannt gegeben,
Einführungstermin 27. Oktober 2010, 10.00–12.00 Uhr
Campus Westend, Casino am IG Farben-Haus, Raum 1.802
Institutionen: Fritz Bauer Institut und Historisches Seminar

Ist ein Leben nach dem Massenmord möglich? Und das als Jüdin/Jude in Deutschland? Ein amerikanischer Situationsbericht vom Herbst 1945 fasste die Lage der KZ-Überlebenden Juden in den Worten zusammen: »Sie sind befreit, aber nicht frei«. Wir befassen uns mit den diversen Aspekten der Geschichte und des Lebens der Juden in Deutschland während des ersten Vierteljahrhunderts nach dem Holocaust. Wie war die Lage in den DP (Displaced Persons) Camps im Nachkriegsdeutschland? Warum sind ca. 20.000 Juden in der Bundesrepublik geblieben? Wie gestaltete sich der Neubeginn des jüdischen (Gemeinde)Lebens hier? Welche jüdische Identität entstand in der BRD? Wie reagierte die Gesellschaft im Land der Täter? Und es wird uns die Frage beschäftigen, was Ruth Gay dazu veranlasste, ihrem Buch (veröffentlicht 2002) den paradoxen Titel zu geben: »Safe Among the Germans«.


PD Dr. Werner Konitzer
»Elemente des Antisemitismus« in der »Dialektik der Aufklärung«
Proseminar, mittwochs, 10.00–12.00 Uhr
Campus Westend, IG Farben-Haus, Raum 1.301
Institutionen: Fritz Bauer Institut und Historisches Seminar

Das Kapitel »Elemente des Antisemitismus« aus dem Buch »Dialektik der Aufklärung« von Adorno und Horkheimer stellt die Analyse von Antisemitismus in das Zentrum gesellschaftstheoretischer wie philosophischer Reflexion. Sie hat Anlage und Konstruktion der »Dialektik der Aufklärung« wesentlich mit bestimmt. Damit antworten Horkheimer und Adorno auf die Erfahrung des Völkermordes an den europäischen Juden, In dem Text des Kapitels »Elemente des Antisemitismus« sind verschiedene Erklärungen und Deutungsversuche zum Antisemitismus zu einem komplexen Gewebe verbunden. In dem Seminar soll sich die Diskussion auf dieses Kapitel konzentrieren. Die einzelnen Erklärungen und Deutungen sollen unterschieden und auf ihre Plausibilität hin betrachtet werden. Darüber hinaus soll der Versuch unternommen werden, das Kapitel in die Theoriegeschichte der Antisemitismustheorie einzuordnen. Es geht auch darum, Antworten auf die Frage zu finden, warum und in welcher Form Antisemitismus in der Dialektik der Aufklärung ein Gegenstand philosophischer Reflexion wird.
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Letzte Änderung: 01. September 2011

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