Fritz Bauer Institut

Legalisierter Raub. Materialien zu bisherigen Ausstellungsstationen

Legalisierter Raub

Der Fiskus und die Ausplünderung
der Juden in Hessen 1933–1945


Eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks.
Mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.


Materialien: Regionale Ergänzungen zu den bisherigen Ausstellungsstationen

Exemplarische Rechercheergebnisse zur Lokal- und Regionalgeschichte der fiskalischen Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945 an den  Präsentationsorten der Ausstellung.

Ausstellungsstation Wolfhagen

Die Ausstellung war vom 16. Januar bis 7. April im Regionalmuseum Wolfhager Land zu sehen.

Die regionale Präsentation in Wolfhagen steht unter der Schirmherrschaft von Uwe Schmidt, Landrat des Landkreises Kassel. Sie wird unterstützt von der Sparkassenstiftung Landkreis Kassel – Kultur, der Ernst Ludwig Chambré Stiftung zu Lich, der vhs Region Kassel, der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, vom Arbeitskreis Rückblende – Gegen das Vergessen e. V., von Gegen Vergessen – Für Demokratie (Reg. Arbeitsgruppe Nordhessen), vom Internationalen Suchdienst (ITS) Bad Arolsen, vom Evangelischen Kirchenkreis Wolfhagen, von der Katholischen Kirchengemeinde Wolfhagen, von der Gedenkstätte Breitenau, der Region Kassel-Land e. V. (Ecomuseum), dem Kino Cinema Wolfhagen, der Stadt Wolfhagen und der Wilhelm Filchner Schule Wolfhagen.

Die Ausstellung »Legalisierter Raub« beschäftigt sich mit den Gesetzen und Verordnungen, die ab 1933 auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Sie stellt die Beamten der Finanzbehörden vor, die die Gesetze in Kooperation mit weiteren Ämtern und Institutionen umsetzten, und sie erzählt von denen, die Opfer dieser Maßnahmen wurden. Sie zeigt, wie das »Deutsche Reich« durch die Reichsfluchtsteuer, zahlreiche Sonderabgaben und schließlich durch den vollständigen Vermögenseinzug sowohl an denen verdiente, die in die Emigration getrieben wurden, wie an jenen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten. Nach den Deportationen kam es überall zu öffentlich angekündigten Auktionen aus »jüdischem Besitz«: Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel wechselten die Besitzer.

Wie an jedem ihrer bisherigen Standorte wurde die Ausstellung auch für die Präsentation in Wolfhagen mit einem neuen Schwerpunkt versehen. Er beschäftigt sich mit der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in der Region und erzählt unter anderem vom Schicksal der Familie Kron:


Foto: Salomon und Emma Kron
©: HR/Hans-Peter Klein

Foto: Theodor und Charlotte Kron um 1910

©: HR/Hans-Peter Klein

Salomon Kron, geboren am 9. November 1869, stammte aus einer in Wolfhagen alt eingesessenen, wohlhabenden Familie. Gemeinsam mit seiner Frau Emma und den beiden Kindern Theodor und Charlotte lebte er in einem mehrstöckigen Fachwerkhaus in der Mittelstraße 26, in dem das Ehepaar auch sein Manufakturwarengeschäft betrieb.
In den zehner und zwanziger Jahren trafen die Familie schwere Schicksalsschläge: Die Tochter Charlotte starb mit 11, Ehefrau Emma mit 48 Jahren.
Nach der »Machtübernahme« durch die Nationalsozialisten gelang Sohn Theodor, der in Wolfhagen und Arolsen zur Schule gegangen war, in Würzburg Medizin studiert und in Kassel als HNO-Arzt praktiziert hatte, im Sommer 1938 die Emigration in die USA. Salomon Kron blieb allein in Wolfhagen zurück. Nach der Pogromnacht 1938 war er gezwungen, sein Haus und seinen Grundbesitz zu verkaufen. Den Verkaufserlös erhielt er nicht: Er war, wie zu dieser Zeit bereits üblich, »auf ein Sperrkonto bei der Devisenbank einzuzahlen, über das nur mit Genehmigung der zuständigen Devisenstelle verfügt werden« durfte.
Salomon Kron zog nach Kassel. Auch er wollte auswandern, doch am 11. April 1941 wurde er im Arbeitserziehungslager Breitenau inhaftiert. Trotz seines hohen Alters und einer Herzschwäche wurde er zu Arbeitseinsätzen in der Landwirtschaft herangezogen. Er starb wenige Monate später in Breitenau am 21.6.1941.

Ausstellungsstation Butzbach


Die Ausstellung war vom 18. April bis 1. Juli 2012 im Museum der Stadt Butzbach zu sehen.

Die regionale Präsentation in Butzbach stand unter der Schirmherrschaft von Norbert Kartmann, Präsident des Hessischen Landtages. Sie wurde unterstützt von der Stadt Butzbach, der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich, dem Lions Club Butzbach, der Lagergemeinschaft Auschwitz, dem Wetteraukreis, der Buchhandlung Bindernagel, der Evangelischen Markus-Kirchengemeinde Butzbach, dem Butzbacher Bündnis für Demokratie und Toleranz, dem Geschichtsverein für Butzbach und Umgebung, dem Arbeitskreis Museum und Archiv Butzbach, dem Freundes- und Förderkreis Museum Butzbach, den Oberhessischen Versorgungsbetrieben AG (OVAG), dem Lauftreff Butzbach, der Sportjugend Hessen, der Volkshochschule des Wetteraukreises und dem Kino Capitol Butzbach.

Wie an jedem ihrer bisherigen Standorte wurde die Ausstellung auch für die Präsentation in Butzbach mit einem neuen Schwerpunkt versehen, der sich mit der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in Butzbach und Umgebung beschäftigt. An den regionalen Forschungen waren Schülerinnen und Schüler der Stadtschule Butzbach beteiligt, die sich mit dem Schicksal der aus Pohl Göns stammenden Familie Simon beschäftigten und einen Film mit einem der letzten noch lebenden Zeitzeugen drehten, der von seinen Erinnerungen an die Pohl Gönser Juden erzählt. Zwei Schüler der August-Hermann-Francke Schule in Gießen erforschten das Leben der Bankiersfamilie Moritz Herz, Schülerinnen und Schüler der Butzbacher Weidigschule das Leben von Paula (Pauline) und Hermann Löb.


Pauline Löb, geborene Heumann (geb. am 8.8.1870 in Guntersblum, gest. am 31.12.1938 in Gießen an den Folgen der ihr in der Pogromnach zugefügten Verletzungen) und ihr Ehemann Hermann Löb (geb. am 16.3.1874 in Wohnbach, gest. am 28.3.1948 in Wyoming, USA).
Die Fotos sind den 1935 ausgestellten Pässen entnommen.
©: Museum der Stadt Butzbach


Das Ehepaar Löb betrieb in seinem Haus in der Griedeler Str. 9 ein großes, gut gehendes Uhren- und Geschenkartikelgeschäft. Am 29. September 1938 wurde im Grundbuch eine Sicherungshypothek auf das Haus in Höhe von 16.000 RM »für etwaige Reichsfluchtsteueransprüche des Reichsfiskus, vertreten durch den Vorsteher des Finanzamts Friedberg« eingetragen. Die Reichsfluchtsteuer war 1931 zur Eindämmung der Kapitalflucht während der Weltwirtschaftskrise erlassen worden und betrug 25 % des steuerpflichtigen Vermögens. Nach der »Machtergreifung« der Nationalsozialisten wurde die Vermögensfreigrenze von 200.000 RM auf 50.000 RM sowie die Einkommensgrenze von 20.000 RM auf 10.000 RM herabgesetzt und damit der reichsfluchtsteuerpflichtige Personenkreis erheblich ausgeweitet. Zudem erhielt die Finanzverwaltung nun die Möglichkeit, beim bloßen Verdacht auf Auswanderungsabsichten einen Sicherheitsbescheid in der Höhe der Reichsfluchtsteuer zu erlassen. Damit konnte sie praktisch als Vorauszahlung erhoben werden.

Beglaubigter Auszug aus dem Grundbuch.
Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. Z 460 Nr. F 1866

Mit dem Eintrag der Reichsfluchtsteuer ins Grundbuch hatte die Familie Löb ihr Haus de facto verloren. 1940 wurde es von Hermann Löb für 14.000 RM an den Fotografen Philipp Pfaff verkauft, der Verkaufserlös an das Finanzamt abgeführt. Zusätzlich überwies Hermann Löb 2.000 RM von seinem Privatkonto, um die »Steuerschuld« zu tilgen. Die Flucht aus dem »Reich« gelang ihm nicht: Im Januar 1943 wurde er nach Theresienstadt deportiert. Zuvor war er gezwungen, für einen sogenannten Heimeinkaufsvertrag zur Unterbringung im »Reichsaltersheim« rund 42.000 RM zu bezahlen.

Ausstellungsstation Eschwege


Die Ausstellung war vom 27. Januar bis 5. April 2012 in der Sparkasse Werra-Meißner in Eschwege zu sehen.

Die regionale Präsentation der Ausstellung wurde unterstützt von der Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung zu Lich, dem Geschichtsverein Eschwege, dem Archiv der Stadt Eschwege, der Historischen Gesellschaft des Werralandes, der Buchhandlung Heinemann, der Musikschule Werra-Meißner und der Paul-Moor-Schule.

... hr4-Beitrag zur Ausstellungsstation Eschwege (mp3, 3 MB)

»Da mein Sohn außerordentlich begabt ist, wie auch sein Lehrer bestätigt, bitte ich Sie, mir das Klavier des evakuierten Juden zu überlassen.«
Mit dieser Bitte trat 1942 ein Offenbacher Bürger an sein Finanzamt heran. Zu dieser Zeit waren die Finanzämter bereits mit der so genannten Verwertung des Eigentums der Deportierten befasst, das seit der 1941 erlassenen 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz dem »Reich verfiel«. Überall kam es zu öffentlich angekündigten Auktionen aus jüdischem Besitz: Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel wechselten den Besitzer. Viele schrieben an die Finanzämter, um sich das begehrte Klavier oder die schönere Wohnung zu sichern.

Vorausgegangen waren ab 1933 zahlreiche Gesetze und Verordnungen, die auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Umgesetzt wurden sie von Beamten der Finanzbehörden in Kooperation mit weiteren Institutionen. In der Folge verdiente das »Deutsche Reich« durch die Reichsfluchtsteuer an denen, die es in die Emigration trieb, wie an denen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten. Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Geschichte des legalisierten Raubs, in die Lebensgeschichten von Tätern und Opfern.

Sie ist vom 28. Januar bis 5. April 2012 auf Einladung der Sparkasse Werra-Meißner und der Stadt Eschwege in den Räumen der Sparkasse (Friedrich-Wilhelm-Str. 40–42) zu sehen. Für die Präsentation wird die Ausstellung mit einem neuen, regionalen Schwerpunkt versehen, der sich mit der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in Eschwege und Umgebung beschäftigt. Darüber hinaus ist ein umfangreiches Begleitprogramm mit Zeitzeugenveranstaltungen, Führungen und Vorträgen geplant.


Dokument: Vermerk eines Finanzbeamten auf der Innenseite des Deckels
der Einkommenssteuerakte Ludwig Goldschmidts:
»Aktenvermerk:
Der Rohproduktenhändler Ludwig Goldschmidt hat seinen aus  nach Palästina ausgewanderten Kindern Beträge geschenkt. –siehe Vermögenssteuerakten– Diese Beträge sind bei einer Auswanderung des Ludwig Goldschmidt u. seiner Ehefrau geb. Plaut, nach § 3 Abs. 3 Ziffer 6 des Reichsfluchtsteuergesetzes dem reichsfluchtsteuerpflichtigen Vermögen zuzurechnen.
Eschwege, 3. März 1938
I.A. Unterschrift (unleserlich)«
Die Reichsfluchtsteuer war 1931 zur Eindämmung der Kapitalflucht während der Weltwirtschaftskrise erlassen worden und betrug 25% des steuerpflichtigen Vermögens. Nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten wurde die Vermögensfreigrenze von 200.000 RM auf 50.000 RM sowie die Einkommensgrenze von 20.000 RM auf 10.000 RM herabgesetzt und damit der reichsfluchtsteuerpflichtige Personenkreis erheblich ausgeweitet. Zudem erhielt die Finanzverwaltung nun die Möglichkeit, beim bloßen Verdacht auf Auswanderungsabsichten einen Sicherheitsbescheid in der Höhe der Reichsfluchtsteuer zu erlassen. Damit konnte sie praktisch als Vorauszahlung erhoben werden. Die Reichsfluchtsteuer wurde zu einer Steuer, die vor allem die aus dem »Reich« flüchtenden Juden traf. Sie zielte auf eine Teilenteignung der Emigranten und traf auch Ludwig Goldschmidt. Am 4.3.1938 ordnete das Finanzamt mit »Rücksicht auf einen eventuellen Verkauf der Rohproduktenhandlung sowie Darmgroßhandlung u. eventuelle Auswanderung … den Erlass eines Sicherheitsbescheides … an«. Bevor Ludwig, Martha und Karl Goldschmidt Eschwege am 8. Februar 1939 verließen, waren sie gezwungen, die Reichsfluchtsteuer in Höhe von 33.000 RM zu bezahlen. Dazu kamen weitere Zwangsabgaben.
©: Staatsarchiv Marburg, Bestand 601 / 11, Nr. 18
Foto: Familie Goldschmidt, 1921.
Ludwig Goldschmidt (hinten stehend), Ehefrau Martha, geb. Plaut (Bild Mitte, sitzend), die Töchter Adelheid (links neben ihrer Mutter stehend) und Margret (rechts; auch Margaret) sowie Sohn Karl.
©: Anna-Maria Zimmer

Ausstellungsstation Gelnhausen


Die Ausstellung war vom 1. September bis zum 30. November 2011 auf Einladung des Main-Kinzig-Kreises im Main-Kinzig-Forum Gelnhausen zu sehen. Für die Präsentation wurde die Ausstellung mit einem neuen, regionalen Schwerpunkt versehen, der sich mit der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in Gelnhausen und Umgebung beschäftigt. Darüber hinaus ist ein umfangreiches Begleitprogramm mit Zeitzeugenveranstaltungen, Führungen und Vorträgen geplant

Die regionale Präsentation der Ausstellung wurde unterstützt von Stadt Gelnhausen, Sparkasse Hanau, Kreissparkasse Gelnhausen, Kreissparkasse Schlüchtern, Kreiswerke Main-Kinzig GmbH, Überlandwerk Fulda Aktiengesellschaft, Brüder Grimm-Haus Steinau, Staatliches Schulamt für den Main-Kinzig-Kreis.


Die Villa Sondheimer in Gelnhausen

Hier lebten bis zum September 1938 der Rechtsanwalt und Notar Dr. Elkan Sondheimer und seine Frau Gudrun mit ihren Kindern Hans, Fritz und Lotte.
Nachdem die Familie Gelnhausen verlassen hatte, erschien in der »Kinzig-Wacht« vom 4. Oktober 1938 ein Artikel, der sich auf einen Aushang am schwarzen Brett des Gelnhäuser Finanzamtes bezog: Der Rechtsanwalt sei zu 3400 RM Strafe wegen der Hinterziehung von Umsatz-, Einkommens- und Vermögenssteuer in den Jahren 1927 bis 1937 verurteilt worden.
Die Fingierung von Steuerschulden oder auch die Beschuldigung der Steuerhinterziehung waren ein beliebtes Mittel der NS-Finanzämter, um jüdische Steuerpflichtige an den Pranger zu stellen und auszuplündern.
©: Sammlung Karin und Christian Frick

Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung
in Korbach, Frankenberg, Volkmarsen und Umgebung


Die Ausstellung, die durch das Fritz Bauer Institut und den Hessischen Rundfunk mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst erarbeitet wurde, ist vom 8. November 2010 bis zum 27. März 2011 auf Einladung des Wolfgang Bonhage MUSEUMs Korbach im Museum zu sehen. Für die Präsentation wurde die Ausstellung mit einem neuen, regionalen Schwerpunkt versehen, der sich mit der Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung in Korbach, Frankenberg, Volkmarsen und Umgebung beschäftigt. Darüber hinaus ist ein umfangreiches Begleitprogramm mit Lesungen, Zeitzeugenveranstaltungen, Filmvorführungen, Stadtrundgängen und Vorträgen geplant

Neben dem Museum haben sich zahlreiche Institutionen und Organisationen an der Vorbereitung der Präsentation beteiligt: Hessischen Landeszentrale für politische Bildung, dem Stadtarchiv Korbach, der Alten Landesschule, vom Arbeitskreis Rückblende – Gegen das Vergessen e. V., „Gegen Vergessen-Für Demokratie“, Reg. Arbeitsgruppe Nordhessen, Finanzamt Korbach-Frankenberg, Jugendhaus Korbach, KVHS Waldeck-Frankenberg Nebenstelle Korbach, Förderkreis Synagoge in Vöhl, Waldeckischer Geschichtsverein e.V. – Bezirksgruppe Korbach, Zweigverein Frankenberg für hessische Geschichte und Landeskunde.


Familie Lichtenstein. Von links: Ilse Lichtenstein, die Großeltern Rosa und Selig Frankenthal, die Eltern Käthe und Meinhard Lichtenstein sowie die jüngere Schwester Inge.
Foto: ©: Ernst Klein
Ilse und Inge Lichtenstein flohen nach der Pogromnacht mit einem Kinder- und Jugendtransport in die Niederlande, wo sie in einem christlichen Kinderheim auf die Auswanderung in die USA warteten. Im März 1940, als Ilses Überfahrt bevorstand, bat sie ihre Eltern um die Zusendung eines Schlafanzugs und zweier Kissenbezüge, die sie in einem Handarbeitskurs selbst genäht hatte. Ihr Vater schickte die Textilien in zwei Päckchen als „Muster ohne Wert“, ohne seinen Absender anzugeben. Das Postamt benachrichtigte die Devisenstelle, die ein aufwändiges Ermittlungsverfahren gegen Meinhard Lichtenstein einleitete. Er wurde schließlich zu einer Strafe von 55 RM verurteilt, der Schlafanzug und die beiden Kissenbezüge wurden in Kassel öffentlich versteigert. Der Gewinn für die Reichskasse betrug 13,10 RM. Foto: ©: Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 519/3, Nr. 35631, Devisenakte Meinhard Lichtenstein

Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung
in Rotenburg, Bad Hersfeld, Bebra und Umgebung


So wie bei allen zur Deportation erfassten Juden wurde auch bei Jachet Katz überprüft, ob sie einen geeigneten Koffer besaß. Zu diesem Zweck reiste am 3. Januar 1941 ein Gerichtsvollzieher aus Sontra an. Auftraggeber war die beim Landesfinanzamt angesiedelte Devisenstelle, die eine maßgebliche Rolle bei der wirtschaftlichen Verdrängung, Überwachung und Ausplünderung deutscher Juden spielte. Den Wert des Handkoffers taxierte der Gerichtsvollzieher auf 9 Reichsmark, für die Schätzung stellte er Jachet Katz 20 Mark in Rechnung, plus 2,16 Mark Reisekosten und 50 Pfennig Schreibgebühren.

Kennkarte von Jachet Katz. So wie bei allen zur Deportation erfassten Juden wurde auch bei Jachet Katz aus Nentershausen überprüft, ob sie einen geeigneten Koffer besaß. Zu diesem Zweck reiste am 3. Januar 1941 ein Gerichtsvollzieher aus Sontra an. Auftraggeber war die beim Landesfinanzamt angesiedelte Devisenstelle, die eine maßgebliche Rolle bei der wirtschaftlichen Verdrängung, Überwachung und Ausplünderung deutscher Juden spielte. Den Wert des Handkoffers taxierte der Gerichtsvollzieher auf 9 Reichsmark, für die Schätzung stellte er Jachet Katz 20 Mark in Rechnung, plus 2,16 Mark Reisekosten und 50 Pfennig Schreibgebühren. Foto: © Jüdisches Museum Rotenburg


Informationsseite zur Ausstellung

Legalisierter Raub
Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945

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Bisherige Ausstellungsstationen

18. April bis 1. Juli 2012
Butzbach, Museum der Stadt Butzbach

2. September bis 30. November 2011
Gelnhausen, Main-Kinzig-Forum

8. November 2010 bis 27. März 2011
Korbach, Wolfgang-Bonhage-Museum

12. März bis 22. Oktober 2010
Rotenburg an der Fulda, Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz

10. Januar bis 24. Februar 2008
Limburg, Kunstsammlungen der Stadt Limburg

16. April bis 31. Mai 2007
Felsberg / Schwalm-Eder-Kreis, Drei-Burgen Schule

9. Oktober bis 19. November 2006
Hanau, Foyer Neustädter Rathaus

27. April bis 9. Juli 2006
Groß-Gerau, Stadtmuseum

19. Januar bis 16. März 2006
Friedberg, Wetterau-Museum

11. Mai bis 11. September 2005
Berlin, Deutsches Historischen Museum

16. Februar bis 3. April 2005
Offenbach am Main, Klingspor Museum

5. November bis 4. Dezember 2004
Wiesbaden, Ministerium für Wissenschaft und Kunst

2. September bis 15. Oktober 2004
Wetzlar, Hessenkolleg

16. Mai bis 20. Juni 2004
Kassel, KulturBahnhof

12. Februar bis 21. März 2004
Fulda, Vonderau Museum

4. Juni bis 18. Juli 2003
Darmstadt, Hessisches Staatsarchiv, Haus der Geschichte

5. Februar bis 12. März 2003
Gießen, Georg-Büchner-Saal der Justus-Liebig-Universität

5. Dezember 2002 bis 28. Januar 2003
Marburg, Universitätsbibliothek

28. Mai bis 28. Juni 2002
Frankfurt am Main, Goldhalle im Hessischen Rundfunk

Kontakt

Fritz Bauer Institut
Manuela Rizheim
Tel.: 069.798 322-33, Fax: -41
m.ritzheim(at)fritz-bauer-institut.de

Hessischer Rundfunk
Dr. Bettina Leder-Hindemith
Tel.: 069.155 40 38
Bettina.Leder-Hindemith@hr.de

Weitere Informationen
www.legalisierter-raub.hr-online.de


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Letzte Änderung: 11. April 2013

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