Fritz Bauer Institut

Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen

Legalisierter Raub

Der Fiskus und die Ausplünderung
der Juden in Hessen 1933–1945


Eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks.
Mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.


Ausstellungsstation Mainz
(Die 27. Station der Ausstellung »Legalisierter Raub«!)

Donnerstag, 10. März bis Dienstag, 10. Mai 2016
im Ministerium der Finanzen Rheinland-Pfalz
Kaiser-Friedrich-Str. 5, Mainz
und im Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
Ernst-Ludwig-Str. 3, Mainz

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft von Doris Ahnen, Ministerin der Finanzen Rheinland-Pfalz.
Informationen zu Öffnungszeiten und Führungen finden Sie in der Spalte rechts.

Eröffnung
Donnerstag, 10. März 2016, 19.30 Uhr
Landesmuseum Mainz, Forum, Große Bleiche 49, 55116 Mainz
Zur Begrüßung spricht Doris Ahnen, Ministerin der Finanzen Rheinland-Pfalz.
Dr. Katharina Stengel, Fritz Bauer Institut, führt in das Thema der Ausstellung ein.
Helge Heynold liest aus Dokumenten zum Thema.
Nitzan Bartana, Violine, und Michal Beck, Violoncello, spielen das Duo für Violine und Violoncello von Erwin Schulhoff

Die Ausstellung »Legalisierter Raub« beschäftigt sich mit den Gesetzen und Verordnungen, die ab 1933 auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Sie stellt die Beamten der Finanzbehörden vor, die die Gesetze in Kooperation mit weiteren Ämtern und Institutionen umsetzten, und sie erzählt von denen, die Opfer dieser Maßnahmen wurden. Sie zeigt, wie das »Deutsche Reich« durch die Reichsfluchtsteuer, zahlreiche Sonderabgaben und schließlich durch den vollständigen Vermögenseinzug sowohl an denen verdiente, die in die Emigration getrieben wurden, wie an jenen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten. Nach den Deportationen kam es überall zu öffentlich angekündigten Auktionen aus »jüdischem Besitz«: Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel wechselten die Besitzer.

Die Ausstellung wurde vom Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main, und dem Hessischen Rundfunk mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst erarbeitet.

Die regionale Präsentation der Ausstellung in Mainz wird unterstützt von: Anna-Seghers-Gesellschaft Berlin und Mainz e. V., Anni Eisler-Lehmann-Stiftung Mainz, CinéMayence, Deutsch-Israelischer Freundeskreis Ingelheim e. V., Dominikanerkonvent St. Bonifaz Mainz, Finanzamt Mainz-Mitte, Forum Anwaltsgeschichte e. V., Gegen Vergessen – Für Demokratie e. V., Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz - Direktion Landesmuseum Mainz, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Mainz, Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e. V., Kulturamt Stadt Mainz, Katholische Pfarrgemeinde St. Stephan Mainz, Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Ministerium der Finanzen Rheinland-Pfalz, Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz, Stadtarchiv Mainz, Stadthistorisches Museum Mainz, Verein für Sozialgeschichte Mainz e. V.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, Filmvorführungen, Stadtrundgängen und Vorträgen begleitet. Nähere Informationen finden Sie im Ausstellungsflyer mit dem Begleitprogramm.

... Ausstellungsflyer (pdf-Datei)


Regionaler Schwerpunkt

»Legalisierter Raub
Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen«
Ausstellungsstation Mainz


Für die Präsentationen in Mainz wurde die Ausstellung wie an jedem ihrer bisherigen Standorte mit einem neuen Schwerpunkt versehen. Er beschäftigt sich u. a. mit der Geschichte der Familie Ganz aus Mainz.

Felix Ganz vor seiner privaten Villa am Michelsberg.
© HR/Adam Ganz

Die Geschichte der Familie Ganz aus Mainz

»Es ist völlig unverständlich, – ja sogar empörend, dass man nicht einmal mehr eine Antwort erteilt. Mein Vater war Kriegsteilnehmer im ersten Weltkrieg, protestantisch getauft, wurde gezwungen den Judenstern zu tragen, sich mit Vornamen ISRAEL zu nennen, ist zusammen mit seiner zweiten Gattin nach Theresienstadt deportiert und Ende des Jahres 1944 in Auschwitz umgebracht worden. (Es widerstrebt mir, dieses grauenhafte Vorgehen mit Namen zu nennen.) Es darf nun wohl erwartet werden, dass der Rechtsnachfolger des III. Reichs seiner gesetzlichen Vorschrift nachkommend die Entschädigung auszahlt…« Mit diesen Worten brachte Annemarie Kaulla-Ganz am 12. Juli 1958 in einem Schreiben an das Bezirksamt Mainz ihre Empörung über den Verlauf des Entschädigungsverfahrens zum Ausdruck, das nach über sieben Jahren noch immer nicht abgeschlossen war.

Annemarie Kaulla-Ganz entstammte einer Familie, die schon im 16. Jahrhundert in die Region Mainz gezogen war. Ihr Urgroßvater, Hermann David Ganz, hatte hier um 1830 ein Manufaktur- und Möbelgeschäft gegründet, das zunächst von seinen Söhnen, später von seinem Enkel, Annamarie Kaulla-Ganz’ Vater Felix, übernommen worden war. Unter seiner Leitung wuchs das Unternehmen weiter: 1906 eröffnete er ein viergeschossiges Geschäftshaus am Schillerplatz 2. Die Firma wurde zu einem Großimporteur von Teppichen, Vorhängen und Möbelstoffen und besaß Vertretungen und weitere Ladengeschäfte in verschiedenen Städten. Auch privat liebte Felix Ganz Kunst und Kunsthandwerk: Er besaß eine umfangreiche Bibliothek und eine bedeutende Sammlung ostasiatischer Kunst.

Bald nach der »Machtergreifung« der Nationalsozialisten begann die Ausplünderung des einst hoch angesehenen Mainzer Bürgers: Schon 1935/36 wurde Felix Ganz’ Firma »arisiert«. Geld aus dem »Verkauf« erhielt er nicht.
Geschäftshaus der Firma Teppich Ganz in der
Ludwigsstr./Ecke Schillerplatz.

© HR/Stadtarchiv Mainz

Felix Ganz lebte in Mainz, Am Michelsberg 2, in einer Villa mit einem großen Grundstück; Am Michelsberg 6 hatte er für seinen Sohn Hermann und dessen Frau ein Haus bauen lassen. Ein Teil des Grundstücks wurde enteignet. Im Sommer 1941 musste Felix Ganz das Anwesen zwangsweise verlassen. Fortan wohnte er mit seiner zweiten Frau Erna (geborene Benfey) in verschiedenen »Judenhäusern«. Felix Ganz’ Möbel wurden aus dem Haus geräumt und zunächst wahrscheinlich nach Würzburg in die zentrale Sammelstelle für beschlagnahmte Möbel aus jüdischem Besitz gebracht. In Felix Ganz’ Villa zog Gestapo-Kommissar Wegner ein. Am 1. August 1941 vermerkte die Gestapo: »Die Angelegenheit Ganz-Möbel ist für die Gestapo erledigt«, und am 12. August: »Die Möbel Ganz, die von Würzburg zurückgesendet wurden, werden demnächst bei Dapper versteigert werden.«

Am 27. September 1942 wurden Erna und Felix Ganz nach Theresienstadt deportiert. Von Theresienstadt gelangten sie am 28. Oktober 1944 mit dem Transport »Ev-922« nach Auschwitz, wo sie ermordet wurden. 
Aus der Sammlung Felix Ganz:
Madonna des Bildhauers und Bildschnitzers Michel Erhart
(geb. um 1440/45, gestorben nach 1522).

© HR/Adam Ganz

Felix Ganz’ Kinder, Annemarie, Olga und Hermann Ganz, waren ins Ausland geflohen. 1951 stellten sie einen Antrag auf »Wiedergutmachung« für die Enteignung des Unternehmens und der Kunstsammlung des Vaters. Das Verfahren zog sich in die Länge, weil das Mainzer Bezirksamt für Wiedergutmachung trotz vorgelegter Dokumente darauf bestand, eigene Nachforschungen anzustellen. Neue Erkenntnisse ergaben sich dadurch nicht. 1956 erkundigten sich die Beamten bei Zeugen, die von den Antragstellern benannt worden waren, über den Wert des Besitzes und erhielten die Auskunft, dass Felix Ganz tatsächlich eine sehr wertvolle Kunstsammlung besessen hatte; deren geschätzter Wert von 167.440 DM erschien einem Zeugen sogar als zu niedrig. 1957 erkundigte sich die Behörde nach dem offiziellen Todeszeitpunkt von Felix Ganz, obwohl Dokumente hierzu schon vorgelegt worden waren. Das Bezirksamt wandte sich schließlich an die jüdische Gemeinde in Mainz, um herauszufinden, ob Felix Ganz tatsächlich einen Judenstern getragen habe und von Mainz deportiert worden war. Hermann Ganz, der Sohn von Felix Ganz und Antragsteller, starb am 9. September 1957, bevor über den Antrag entschieden wurde.

Als Annemarie Kaulla-Ganz den oben zitierten Brief an das Bezirksamt Mainz schrieb, hatte sie sich zuvor schon mehrfach nach dem Stand des Entschädigungsverfahrens erkundigt, ohne eine Antwort zu erhalten. Schließlich wandte sie sich an das Genfer Generalkonsulat der Bundesrepublik, und nun reagierte das Bezirksamt: »Wir sind ständig bemüht unnötige Härten zu vermeiden, aber bei dieser Vielzahl von Anträgen lassen sich Verzögerungen nicht immer vermeiden.«

Knapp zehn Jahre nach dem ersten Antrag, erhielten die Erben einen ersten Betrag nach dem Bundesentschädigungsgesetz: Für den auf 167.440 DM geschätzten, geraubten Besitz wurden ihnen 49.000 DM zuerkannt.

Der Verbleib der Einrichtung und der Sammlung Felix Ganz’ ist bis heute unbekannt.

Adam Ganz, Urgroßenkel von Felix Ganz, wird am 11. April 2016 um 18.00 Uhr gemeinsam mit Dr. Tillmann Krach in dem Vortrag »Ausplünderung und ›Wiedergutmachung‹« im Ministerium der Finanzen über die Geschichte von Felix Ganz sprechen.

Vorgeschichte der Ausstellung

Eine Ausstellung von Prof. Dr. Wolfgang Dreßen, die 1998 im Stadtmuseum Düsseldorf unter dem Titel „Betrifft: ‚Aktion 3'. Deutsche verwerten jüdische Nachbarn“ eröffnet wurde, rückte die fiskalische Ausplünderung der Juden im Nationalsozialismus erstmals in das Blickfeld einer weiteren Öffentlichkeit. Gezeigt wurden dort Unterlagen aus dem Bezirk der Oberfinanzdirektion Köln, doch die Ausstellung löste eine bundesweite Debatte aus: Sie warf einerseits erneut die Frage auf, was die deutsche Bevölkerung von der Ermordung der Juden gewusst hatte. Andererseits: Handelte es sich bei den nun veröffentlichten Dokumenten um Steuerakten, die dem Steuergeheimnis unterlagen oder handelte es sich um Akten der historischen Forschung?

Karl Starzacher, Hessischer Minister der Finanzen, wies die Finanzbehörden des Landes an, in ihren Beständen nach NS-Unterlagen zu suchen. Im Dezember 1998 übergab er im Rahmen einer Pressekonferenz vier Aktenkonvolute der ehemaligen Reichsfinanzverwaltung, die im Archiv der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main gelegen hatten, an die Frankfurter Jüdische Gemeinde. Seine Erkenntnisse und Fragen formulierte er so: „Es wurden Tausende vertrieben, alles sprach dafür, dass sie nie mehr zurückkehren würden“, doch Zweifel, weshalb die Opfer, die angeblich nur in die sogenannten „Ostgebiete“ umgesiedelt werden sollten, keinerlei Möbel, Gebrauchsgegenstände oder Wäsche mehr brauchten, seien in der Finanzverwaltung offensichtlich nicht aufgekommen. Stattdessen habe sie die Einziehung und Verwertung von Vermögen der Deportierten „reibungslos und ohne jede Skrupel“ administriert. Große Nachfrage aus der Bevölkerung verzeichnen die Dokumente auch nach dem gerade erst beschlagnahmten Besitz der Deportierten. Bei den öffentlichen Versteigerungen ihrer letzten Habseligkeiten sei der Zulauf „außerordentlich groß“ gewesen. Für Karl Starzacher ergab sich aus den Dokumenten: „Sehr viele haben gewusst oder haben wissen können, was tatsächlich vor sich ging. Und nicht wenige haben von der Vertreibung der Juden profitiert.“


Tafel aus Kapitel „Stufen der Ausplünderung“

Forschungsprojekt

Auch in den hessischen Staatsarchiven lagen umfangreiche Aktenbestände zum Thema vor, aber es fehlte an einer zusammenhängenden Darstellung. 1999 stellte das Land Hessen die Mittel für ein Forschungsprojekt zur Verfügung, das vom Fritz Bauer Institut in enger Zusammenarbeit mit dem Hessischen Hauptstaatsarchiv durchgeführt wurde.

Die gesichteten Devisenakten, Steuerakten, Vermögenskontrollakten und Handakten jüdischer Rechtsanwälte zeigen, dass unterschiedliche Dienststellen in Finanzbehörden, Zollfahndung und Devisenstellen gemeinsam mit der Gestapo und anderen Organisationen in gesetzlich legalisierten Aktionen Sparbücher, Devisenguthaben und Wertpapierdepots jüdischer Bürgerinnen und Bürger einzogen. Sie belegten ihre Opfer mit Sondersteuern und Strafkontributionen und versteigerten öffentlich das Hab und Gut der aus Deutschland Geflohenen oder Deportierten. In der Folge verdiente das „Deutsche Reich“ durch die Reichsfluchtsteuer an denen, die es in die Emigration trieb, wie an denen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten. Die Ausplünderung war ein wichtiger Teil der Vernichtungsmaschinerie und zugleich Bestandteil der NS-Kriegswirtschaft.

Das Forschungsprojekt des Fritz Bauer Instituts bildete die Grundlage für die gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk konzipierte und realisierte Ausstellung sowie den Film „Der große Raub“ (hr, 2002).

 

Blick in die Ausstellung während der Erstpräsentation im Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main, 2002.
Foto: © Hessischer Rundfunk / Manfred Roth


Die Ausstellung

»Da mein Sohn außerordentlich begabt ist, wie auch sein Lehrer bestätigt, bitte ich Sie, mir das Klavier des evakuierten Juden zu überlassen«. Mit dieser Bitte trat 1942 ein Offenbacher Bürger an sein Finanzamt heran. Zu dieser Zeit waren die Finanzämter bereits mit der sogenannten Verwertung des Eigentums der Deportierten befasst, das seit der 1941 erlassenen 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz dem »Reich verfiel«. Überall kam es zu öffentlich angekündigten Auktionen von Wohnungsinventar aus dem Besitz von Juden: Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel usw. wechselten den Besitzer. Viele schrieben an die Finanzämter, um sich das begehrte Klavier oder die schönere Wohnung zu sichern.
Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Geschichte des legalisierten Raubes, in die Biografien von Tätern und Opfern. Die einleitenden Tafeln stellen Franz Soetbeer, Walter Mahr, Artur Lauinger, Paul Graupe, Alexander Fiorino, Fritz Reinhardt, Martin Buber, Waldemar Kämmerling sowie die Familien Guthmann, Cahn, Grünebaum, Reinhardt, Pacyna und Goldmann mit ihren Lebensgeschichten bis zum Jahr 1933 vor. Ihnen allen begegnet der Ausstellungsbesucher im Hauptteil wieder, der – ausgehend von den Biographien und zu ihnen zurückkehrend – auf Tafeln und in Vitrinen erzählt, wie sich die Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung vollzog, was sie für die Opfer bedeutete und wer die Täter waren.

Die Tafeln im Hauptteil der Ausstellung entwickeln die Geschichte der Tätergesellschaft, die mit einem Rückblick auf die Zeit vor 1933 beginnt: Die Forderung nach einer Enteignung der Juden gab es nicht erst seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Sie konnten vielmehr auf weit verbreitete antisemitische Klischees zurückgreifen, insbesondere auf das Bild vom „mächtigen und reichen Juden“, der sein Vermögen mit List und zum Schaden des deutschen Volkes erworben habe. Vor diesem Hintergrund zeichnet das 2. Kapitel die Stufen der Ausplünderung und die Rolle der Finanzbehörden in den Jahren von 1933 bis 1941 nach. Im nachgebauten Zimmer eines Finanzbeamten können die Ausstellungsbesucher in Aktenordnern blättern: Sie enthalten u.a. Faksimiles jener Vermögenslisten, die Juden vor der Deportation ausfüllen mussten, um den Finanzbehörden die „Verwaltung und Verwertung“ ihrer zurückgelassenen Habseligkeiten zu erleichtern. Weitere Tafeln beschäftigen sich mit den kooperierenden Interessengruppen in Politik und Wirtschaft, aber auch mit dem „deutschen Volksgenossen“ als Profiteur. Schließlich wird nach der sogenannten Wiedergutmachung gefragt: Wie ging die Rückerstattung in Hessen und Berlin vor sich, wie erfolgreich konnte sie angesichts der gesetzlichen Ausgangslage und der weitgehend ablehnenden Haltung der Bevölkerungsmehrheit sein?
Menschenmenge bei einer Versteigerung von enteignetem Hausrat deportierter Juden in der Gegend von Hanau, ca. 1942. Der Fotograf Franz Weber war von 1935 bis 1966 Leiter der Hanauer Bildstelle. Foto: © Bildstelle Hanau

Versteigerung von enteignetem Hausrat deportierter Juden in der Gegend von Hanau, ca. 1942. Der Fotograf Franz Weber war von 1935 bis 1966 Leiter der Hanauer Bildstelle.
Foto: © Bildstelle Hanau

Im Zentrum der Ausstellung stehen Vitrinen, die die Geschichten der Opfer erzählen. Manche zeigen kleine Objekte, die wie durch ein Wunder erhalten geblieben sind – etwa den Klavierauszug, der Getrud Landsberg gehört hat: Nach Gertruds Emigration erwarb ihn Tilly Cahn unter falschem Namen bei einem Hamburger Auktionator, weil sie wusste, dass das Herz ihrer Freundin Gertrud an den Noten hing. Tillys Sohn Peter Cahn, der den Klavierauszug heute aufbewahrt, erzählt – wie auch Robert Goldmann, Zoya Fiedler, Wolfgang Lauinger und Charlotte Opfermann – in einem Filminterview von seinen Erinnerungen an den legalisierten Raub.

Die Ausstellung wandert seit ihrer ersten Präsentation in Frankfurt am Main im Mai 2002 sehr erfolgreich durch Hessen. Da für jeden Präsentationsort neue regionale Vitrinen entstehen, die sich mit der Geschichte des legalisierten Raubes im Ausstellungsort beschäftigen, „wächst“ die Ausstellung. Waren es bei der Erstpräsentation 15 Vitrinen, die die Geschichten der Opfer erzählten, sind es heute weit über 60. Sie entstehen auf der Basis weiterer Recherchen und an manchen Orten in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern. Für die Präsentation im Berliner Deutschen Historischen Museum wurden erstmals auch neue Ausstellungstafeln zu den Berliner Finanzämtern sowie weitere Tafeln zum Thema „Wiedergutmachung“ hinzugefügt.


Materialien: Regionale Ergänzungen zu den bisherigen Ausstellungsstationen

Exemplarische Rechercheergebnisse zur Lokal- und Regionalgeschichte der fiskalischen Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945 an den  Präsentationsorten der Ausstellung.

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Nächste Ausstellungsstation

Donnerstag, 10. März
bis Dienstag, 10. Mai 2016
im Ministerium der Finanzen
Rheinland-Pfalz
Kaiser-Friedrich-Str. 5, 55116 Mainz
und im
Ministerium der Justiz
und für Verbraucherschutz
Ernst-Ludwig-Straße 3, 55116 Mainz

Öffnungszeiten
Montag bis Donnerstag, 8.00–16.30 Uhr
Freitag, 8.00–14.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten
Donnerstag, 17. März und
Mittwoch, 27. April: 8.00–20.00 Uhr
Eintritt: frei
Gruppenführungen
€ 60,– pro Gruppe

Begleitprogramm
... Programm Mainz (pdf-Datei)

Kontakt

Ministerium der Finanzen Rheinland-Pfalz
Iris Plöckes, Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 06131.164142
iris.ploeckes@fm.rlp.de

Publikationen zur Ausstellung

Legalisierter Raub
Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945

Katalog zur Ausstellung
Redaktion: Katharina Stengel, Susanne Meinl, Bettina Leder-Hindemith
Mitarbeit: Nassrin Sadeghi, Birgit Körner, Stephan Wirtz
Gestaltung: Madlen Mühlender
Reihe selecta der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen,
Heft 8, 3. Auflage 2008, 72 S., € 5,–
Der Katalog kann in der Ausstellung erworben werden.

Legalisierter Raub
Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945
Materialmappe zur Vor- und Nachbereitung des Ausstellungsbesuchs
Herausgegeben von der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich und dem Fritz Bauer Institut. Zusammengestellt von Klaus Konrad-Leder und Nadja Kuhl.
Gießen: Bookxpress-Verlag der Druckwerkstatt Fernwald, 2002
Vergriffen!
Susanne Meinl, Jutta Zwilling:
Legalisierter Raub
Die Ausplünderung der Juden im Nationalsozialismus durch die Reichsfinanzverwaltung in Hessen.
Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag, 2004, 748 S., € 44,90
Wissenschaftliche Reihe, Band 10.
Katharina Stengel (Hg.):
Vor der Vernichtung
Die staatliche Enteignung der Juden im Nationalsozialismus
Campus Verlag, Frankfurt am Main, New York 2007
Wissenschaftliche Reihe, Band 15
Der große Raub.
Wie in Hessen die Juden ausgeplündert wurden

Ein Film von Henning Burk und Dietrich Wagner, Hessischer Rundfunk, 2002
DVD, Laufzeit: 45 Min., € 10,–

Bisherige Ausstellungsstationen


10. November 2015 bis 28. Februar 2016
Odenwald- und Spielzeugmuseum Michelstadt

25. Januar bis 19. April 2015
Stadt- und Industriemuseum, Rüsselsheim
Kunstforum Mainturm, Flörsheim am Main

15. September bis 30. November 2014
Kurhaus Bad Vilbel

17. Januar bis 5. Juni 2014
Gedenkstätte KZ Osthofen

3. Juni bis 10. November 2013
Dreieich Museum, Burg Hayn

24. bis 26. April 2013
Hessischer Landtag, Wiesbaden

17. Januar bis 7. April 2013
Regionalmuseum Wolfhager Land

18. April bis 1. Juli 201
2
Museum der Stadt Butzbach

2. September bis 30. November 2011
Main-Kinzig-Forum, Gelnhausen

8. November 2010 bis 27. März 2011
Wolfgang-Bonhage-Museum, Korbach

12. März bis 22. Oktober 2010
Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz, Rotenburg an der Fulda

10. Januar bis 24. Februar 2008
Kunstsammlungen der Stadt Limburg

16. April bis 31. Mai 2007
Drei-Burgen Schule Felsberg, Schwalm-Eder-Kreis

9. Oktober bis 19. November 2006
Foyer Neustädter Rathaus, Hanau

27. April bis 9. Juli 2006
Stadtmuseum Groß-Gerau

19. Januar bis 16. März 2006
Wetterau-Museum, Friedberg

11. Mai bis 11. September 2005
Deutsches Historischen Museum, Berlin

16. Februar bis 3. April 2005
Klingspor Museum, Offenbach am Main

5. November bis 4. Dezember 2004
Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden

2. September bis 15. Oktober 2004
Hessenkolleg Wetzlar

16. Mai bis 20. Juni 2004
KulturBahnhof, Kassel

12. Februar bis 21. März 2004
Vonderau Museum Fulda

4. Juni bis 18. Juli 2003
Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Haus der Geschichte

5. Februar bis 12. März 2003
Georg-Büchner-Saal der Justus-Liebig-Universität Gießen

5. Dezember 2002 bis 28. Januar 2003
Universitätsbibliothek Marburg

28. Mai bis 28. Juni 2002
Goldhalle im Hessischen Rundfunks, Frankfurt am Main

Ausstellungsteam

Ausstellungskonzept
Dr. Bettina Leder-Hindemith (Hessischer Rundfunk)
Dr. Susanne Meinl, Katharina Stengel und Stephan Wirtz (Fritz Bauer Institut).

Grafische Gestaltung
Waldemar Bertsch und Bernd Claas (Hessischer Rundfunk)

Pädagogische Begleitung
Gottfried Kößler
Pädagogisches Zentrum Frankfurt
Tel.: 069.212-49439
Fax: 069.798 322-41
gottfried.koessler(at)stadt-frankfurt.de

Ausstellungsausleihe

Die Ausstellung kann weiter ausgeliehen werden. Sie besteht aus circa 60 Rahmen (Format: 100 x 70 cm), 15 Vitrinen, 6 Einspielstationen, 2 Installationen und Lesemappen zu ausgesuchten Einzelfällen.Für jede Ausstellungsstation besteht die Möglichkeit, interessante Fälle aus der Region in das Konzept zu übernehmen.

Weitere Angaben zur Ausleihe finden Sie auf unseren Infoblatt:
Informationen für Leihnehmer

Kontakt

Fritz Bauer Institut
Manuela Rizheim
Tel.: 069.798 322-33
m.ritzheim(at)fritz-bauer-institut.de

Hessischer Rundfunk
Dr. Bettina Leder-Hindemith
Tel.: 069.155 40 38
Bettina.Leder-Hindemith(at)hr.de

Weitere Informationen
www.legalisierter-raub.hr-online.de

© Fritz Bauer Institut – Frankfurt am Main
Stiftung des bürgerlichen Rechts
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Letzte Änderung: 29. Februar 2016

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