Fritz Bauer Institut

Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen

Legalisierter Raub

Der Fiskus und die Ausplünderung
der Juden in Hessen 1933–1945


Eine Ausstellung des Fritz Bauer Instituts und des Hessischen Rundfunks.
Mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen
und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Die Ausstellung ist nicht mehr im Verleih!


Ausstellungsstation Lorsch
(Die 29. Station der Ausstellung »Legalisierter Raub«!)

Montag, 6. Februar bis Sonntag, 14. Mai 2017
Museumszentrum Lorsch
Nibelungenstr. 35
64653 Lorsch

Lokaler Veranstalter: Heimat- und Kulturverein Lorsch e.V.
unter der Schirmherrschaft von Christian Engelhardt, Landrat im Kreis Bergstraße
Informationen zu Öffnungszeiten und Führungen finden Sie in der Spalte rechts.

Ausstellungseröffnung
Sonntag, 5. Februar, 16.00 Uhr
Museumszentrum Lorsch, Nibelungenstr. 35, Lorsch
› Zur Begrüßung spricht Christian Schönung, Bürgermeister der Stadt Lorsch.
› Grußworte sprechen Christian Engelhardt, Landrat im Kreis Bergstraße, und Dr. Thomas Wurzel, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.
› Dr. Katharina Stengel, Fritz Bauer Institut, führt in das Thema der Ausstellung ein.
› Helge Heynold, Hessischer Rundfunk, liest aus Dokumenten zum Thema.
› Birgit Grüner (Klavier) spielt ausgewählte Werke des Komponisten Walter Braunfels (1882–1954), der im Nationalsozialismus als sogenannter »Mischling« galt. 1933 verlor er seinen Posten als Direktor der neu gegründeten Hochschule für Musik in Köln. Seine Werke wurden verboten und erst in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts wiederentdeckt.

Die Ausstellung »Legalisierter Raub« beschäftigt sich mit den Gesetzen und Verordnungen, die ab 1933 auf die Ausplünderung jüdischer Bürger zielten. Sie stellt die Beamten der Finanzbehörden vor, die die Gesetze in Kooperation mit weiteren Ämtern und Institutionen umsetzten, und sie erzählt von denen, die Opfer dieser Maßnahmen wurden. Sie zeigt, wie das »Deutsche Reich« durch die Reichsfluchtsteuer, zahlreiche Sonderabgaben und schließlich durch den vollständigen Vermögenseinzug sowohl an denen verdiente, die in die Emigration getrieben wurden, wie an jenen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten. Nach den Deportationen kam es überall zu öffentlich angekündigten Auktionen aus »jüdischem Besitz«: Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel wechselten die Besitzer.

Die Ausstellung wurde vom Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main, und dem Hessischen Rundfunk mit Unterstützung der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst erarbeitet.

Die regionale Präsentation der Ausstellung in Lorsch wird unterstützt von: Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge, Auerbacher Synagogenverein, DGB-Ortsverein Bensheim, Evangelisches Dekanat Bergstraße, Forum Kultur Heppenheim e.V., Geschichtswerkstatt Jakob Kindinger Bensheim, Goethe Gymnasium Bensheim, Heimat- und Kulturverein Lorsch, Heppenheimer Geschichtsverein e.V., Landkreis Bergstraße, Martin-Buber-Haus, Sparkasse Bensheim, Sparkasse Starkenburg, Stadt Heppenheim, Stadt Lorsch, Stadtarchiv Heppenheim, Stolpersteine Heppenheim e.V. – Erinnern für die Zukunft

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit Lesungen, Filmvorführungen, Stadtrundgängen und Vorträgen begleitet. Nähere Informationen finden Sie im Ausstellungsflyer mit dem Begleitprogramm.

... Ausstellungsflyer (pdf-Datei)


Regionaler Schwerpunkt

»Legalisierter Raub
Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen«
Ausstellungsstation Lorsch


Für die Präsentationen in Lorsch wurde die Ausstellung wie an jedem ihrer bisherigen Standorte mit einem neuen Schwerpunkt versehen. Thematisiert wird u.a. die Geschichte der Familie Oppenheimer aus Lorsch.


Leopold Oppenheimer. Foto aus der Kennkarte.
Foto: ©  HR/Stadtarchiv Lorsch

Die Geschichte der Familie Oppenheimer aus Lorsch

Leopold Oppenheimer wurde am 27.8.1873 in Fränkisch-Crumbach geboren. Er war schon fast 39 Jahre alt, als er Antonia Rosalie Mayer, genannt Toni, heiratete. Sie stammte aus Ober-Olm bei Mainz, wo sie am 4.3.1880 geboren worden war. Das junge Paar lebte in Lorsch in der Karlstr.1 und erweiterte das ursprünglich sehr kleine Haus im Jahr 1913, als der erste Sohn Ernst geboren wurde. Ihm folgten Richard (geboren am 3.7.1914) und Alfred (geboren am 11.8.1917).

Leopold Oppenheimer verdiente seinen Lebensunterhalt als Hausierer. Im Erdgeschoss des Hauses hatte er einen kleinen, schaufensterlosen Laden eingerichtet. Die Waren lagerten in Regalen, die an den Wänden entlang aufgestellt worden waren. Leopold Oppenheimer handelte mit Textilwaren, Häuten und Fellen und war vor allem in der Umgebung von Lorsch – in Zell, Unter-Hambach, Kirchhausen und Hüttenfeld – mit Pferd und Wagen unterwegs. Toni Oppenheimer half mit im Geschäft, und nach dem Abschluss seiner Lehre stieg auch Sohn Richard in den gut gehenden Handel ein. Die Familie wirtschaftete klug: Grundnahrungsmittel baute sie im eigenen Garten an; Manufakturwaren kauften die Oppenheimers im Großhandel gemeinsam mit der Familie des Schwagers Alfred Mayer ein, sodass besonders günstige Einkaufspreise erzielt wurden. So hatte die Familie langsam ein kleines Vermögen erspart.

Ein Schlaglicht auf die Verhältnisse in Lorsch zur Zeit der »Machtübernahme« der Nationalsozialisten wirft ein Vorgang aus dem Frühjahr 1934: Am 18. April erschien der Arbeiter A. K. bei der Polizei und forderte die Gendarmen auf, Leopold Oppenheimer zu verhaften; O. habe sich gemein gegen seinen, K.s, Arbeitgeber verhalten »und sich hierbei einer politischen Äußerung bedient«. Die Polizisten gingen der Sache nach und befanden, es bestehe »keine Veranlassung zur Inschutzhaftnahme des Oppenheimer«. Der Handel der Familie ging in diesen Jahren infolge der Boykottmaßnahmen stark zurück, ab 1937 war kein Gewinn mehr zu verzeichnen. Die Oppenheimers mussten nun von ihren Ersparnissen leben.

In der Pogromnacht 1938 wurde die Lorscher Synagoge vollständig zerstört. Den Schutt, der von der Synagoge übriggeblieben war, beseitigten im Auftrag der Stadt die »Vereinigten Bauunternehmer Lorsch«. Die Rechnung wurde Leopold Oppenheimer zugestellt, der sie bezahlen musste. Das entsprach der nationalsozialistischen Politik: Die jüdische Bevölkerung musste für die ihr in der Pogromnacht zugefügten Schäden selbst aufkommen. Für »die feindliche Haltung des Judentums gegenüber dem deutschen Volk« wurden Jüdinnen und Juden zudem zu einer sogenannten »Sühneleistung«, der »Judenvermögensabgabe«, herangezogen, die dem »Reich« insgesamt eine Milliarde Reichsmark einbringen sollte. Wie sich anhand der Akten rekonstruieren lässt, zahlte das Ehepaar Oppenheimer rund 6.000 RM für die Judenvermögensabgabe. Die Süddeutsche Bank Bensheim überwies für die Abgabe im Jahr 1939 zu Gunsten des Reichsfinanzministeriums viermal Wertpapiere aus dem Depot der Eheleute an die Preußische Staatsbank (Seehandlung). Auch der Erlös aus dem Zwangsverkauf eines Grundstücks in Höhe von 1.189 RM wurde für die Bezahlung der Judenvermögensabgabe des Ehepaares verwandt. Im selben Jahr wurde das Paar gezwungen, seinen Schmuck abzuliefern. Die Söhne bezifferten den Wert im Rahmen des »Wiedergutmachungsverfahrens« auf 1.200 RM.

Ernst, Richard und Alfred Oppenheimer gelang die Flucht aus Deutschland. Sie haben nicht erleben müssen, dass ihr Elternhaus in der Karlstr. 1 zum »Judenhaus« wurde: Hier lebten die Jüdinnen und Juden, die in Lorsch geblieben waren, zwangsweise auf engstem Raum zusammen. 1942 wurden sie deportiert. Das verbliebene Bankguthaben der Familie Oppenheimer »verfiel« dem Reich; in ihr Haus, das nun vom Finanzamt verwaltet wurde, zogen Mieter ein. Die zurückgelassene Habe der letzten Lorscher Juden wurde vom Finanzamt am 19. November 1942 verkauft: Das »Reich« nahm 811 RM ein. An Miete flossen ihm bis zum Kriegsende monatlich rund 85 RM zu.

Leopold und Antonia Rosalie Oppenheimer wurden 1944 in Auschwitz umgebracht.

Als Alfred Oppenheimer – auch im Namen seiner Brüder – 1950 »Wiedergutmachung« für das seiner Familie angetane Unrecht verlangte, forderte er auch die Erstattung des Betrages, den seine Eltern für das Wegräumen des Schutts der Synagoge bezahlt hatten. Der Antrag wurde abgelehnt. Die Behörde schrieb: »Die jüdische Gemeinde war Eigentümerin der niedergebrannten Synagoge. Sie wurde deshalb aus dem Gesichtspunkt der Zustandshaftung heraus verpflichtet, für die Enttrümmerung des Synagogengeländes Sorge zu tragen. […] Den Antragstellern bleibt es unbenommen, sich wegen der anteiligen Kostentragung ihres Vaters an der jüdischen Gemeinde Lorsch schadlos zu halten.«

Die Kennkarte von Antonia Rosalie Oppenheimer, geborene Mayer,
aus Lorsch.
Foto: © HR/Stadtarchiv Lorsch

Die Vereinigten Bauunternehmer Lorsch rechneten noch vor
Weihnachten 1938 den Abbruch der Synagoge ordentlich mit
der Gemeinde ab.

Foto: ©  HR/Stadtarchiv Lorsch

Aus dem Mietenbuch des Finanzamtes Heppenheim zur Karlstraße 1
in Lorsch. In den Zeilen drei und vier ist notiert: »19.11.42 Verkauf
von Hausrat« im Wert von 157 und 654 Reichsmark.

Foto: ©  HR/Hessisches Staatsarchiv Darmstadt

Umbauplan für das Haus der Familie Oppenheimer in der Karlstr. 1
vom 17. Mai 1913. Der ausführende Architekt war Heinrich Drexler.
Foto: © HR/Stadtarchiv Lorsch

Vorgeschichte der Ausstellung

Eine Ausstellung von Prof. Dr. Wolfgang Dreßen, die 1998 im Stadtmuseum Düsseldorf unter dem Titel „Betrifft: ‚Aktion 3'. Deutsche verwerten jüdische Nachbarn“ eröffnet wurde, rückte die fiskalische Ausplünderung der Juden im Nationalsozialismus erstmals in das Blickfeld einer weiteren Öffentlichkeit. Gezeigt wurden dort Unterlagen aus dem Bezirk der Oberfinanzdirektion Köln, doch die Ausstellung löste eine bundesweite Debatte aus: Sie warf einerseits erneut die Frage auf, was die deutsche Bevölkerung von der Ermordung der Juden gewusst hatte. Andererseits: Handelte es sich bei den nun veröffentlichten Dokumenten um Steuerakten, die dem Steuergeheimnis unterlagen oder handelte es sich um Akten der historischen Forschung?

Karl Starzacher, Hessischer Minister der Finanzen, wies die Finanzbehörden des Landes an, in ihren Beständen nach NS-Unterlagen zu suchen. Im Dezember 1998 übergab er im Rahmen einer Pressekonferenz vier Aktenkonvolute der ehemaligen Reichsfinanzverwaltung, die im Archiv der Oberfinanzdirektion Frankfurt am Main gelegen hatten, an die Frankfurter Jüdische Gemeinde. Seine Erkenntnisse und Fragen formulierte er so: „Es wurden Tausende vertrieben, alles sprach dafür, dass sie nie mehr zurückkehren würden“, doch Zweifel, weshalb die Opfer, die angeblich nur in die sogenannten „Ostgebiete“ umgesiedelt werden sollten, keinerlei Möbel, Gebrauchsgegenstände oder Wäsche mehr brauchten, seien in der Finanzverwaltung offensichtlich nicht aufgekommen. Stattdessen habe sie die Einziehung und Verwertung von Vermögen der Deportierten „reibungslos und ohne jede Skrupel“ administriert. Große Nachfrage aus der Bevölkerung verzeichnen die Dokumente auch nach dem gerade erst beschlagnahmten Besitz der Deportierten. Bei den öffentlichen Versteigerungen ihrer letzten Habseligkeiten sei der Zulauf „außerordentlich groß“ gewesen. Für Karl Starzacher ergab sich aus den Dokumenten: „Sehr viele haben gewusst oder haben wissen können, was tatsächlich vor sich ging. Und nicht wenige haben von der Vertreibung der Juden profitiert.“


Tafel aus Kapitel „Stufen der Ausplünderung“

Forschungsprojekt

Auch in den hessischen Staatsarchiven lagen umfangreiche Aktenbestände zum Thema vor, aber es fehlte an einer zusammenhängenden Darstellung. 1999 stellte das Land Hessen die Mittel für ein Forschungsprojekt zur Verfügung, das vom Fritz Bauer Institut in enger Zusammenarbeit mit dem Hessischen Hauptstaatsarchiv durchgeführt wurde.

Die gesichteten Devisenakten, Steuerakten, Vermögenskontrollakten und Handakten jüdischer Rechtsanwälte zeigen, dass unterschiedliche Dienststellen in Finanzbehörden, Zollfahndung und Devisenstellen gemeinsam mit der Gestapo und anderen Organisationen in gesetzlich legalisierten Aktionen Sparbücher, Devisenguthaben und Wertpapierdepots jüdischer Bürgerinnen und Bürger einzogen. Sie belegten ihre Opfer mit Sondersteuern und Strafkontributionen und versteigerten öffentlich das Hab und Gut der aus Deutschland Geflohenen oder Deportierten. In der Folge verdiente das „Deutsche Reich“ durch die Reichsfluchtsteuer an denen, die es in die Emigration trieb, wie an denen, die blieben, weil ihnen das Geld für die Auswanderung fehlte oder weil sie ihre Heimat trotz allem nicht verlassen wollten. Die Ausplünderung war ein wichtiger Teil der Vernichtungsmaschinerie und zugleich Bestandteil der NS-Kriegswirtschaft.

Das Forschungsprojekt des Fritz Bauer Instituts bildete die Grundlage für die gemeinsam mit dem Hessischen Rundfunk konzipierte und realisierte Ausstellung sowie den Film „Der große Raub“ (hr, 2002).

 

Blick in die Ausstellung während der Erstpräsentation im Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main, 2002.
Foto: © Hessischer Rundfunk / Manfred Roth


Die Ausstellung

»Da mein Sohn außerordentlich begabt ist, wie auch sein Lehrer bestätigt, bitte ich Sie, mir das Klavier des evakuierten Juden zu überlassen«. Mit dieser Bitte trat 1942 ein Offenbacher Bürger an sein Finanzamt heran. Zu dieser Zeit waren die Finanzämter bereits mit der sogenannten Verwertung des Eigentums der Deportierten befasst, das seit der 1941 erlassenen 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz dem »Reich verfiel«. Überall kam es zu öffentlich angekündigten Auktionen von Wohnungsinventar aus dem Besitz von Juden: Tischwäsche, Möbel, Kinderspielzeug, Geschirr, Lebensmittel usw. wechselten den Besitzer. Viele schrieben an die Finanzämter, um sich das begehrte Klavier oder die schönere Wohnung zu sichern.
Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Geschichte des legalisierten Raubes, in die Biografien von Tätern und Opfern. Die einleitenden Tafeln stellen Franz Soetbeer, Walter Mahr, Artur Lauinger, Paul Graupe, Alexander Fiorino, Fritz Reinhardt, Martin Buber, Waldemar Kämmerling sowie die Familien Guthmann, Cahn, Grünebaum, Reinhardt, Pacyna und Goldmann mit ihren Lebensgeschichten bis zum Jahr 1933 vor. Ihnen allen begegnet der Ausstellungsbesucher im Hauptteil wieder, der – ausgehend von den Biographien und zu ihnen zurückkehrend – auf Tafeln und in Vitrinen erzählt, wie sich die Ausplünderung der jüdischen Bevölkerung vollzog, was sie für die Opfer bedeutete und wer die Täter waren.

Die Tafeln im Hauptteil der Ausstellung entwickeln die Geschichte der Tätergesellschaft, die mit einem Rückblick auf die Zeit vor 1933 beginnt: Die Forderung nach einer Enteignung der Juden gab es nicht erst seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Sie konnten vielmehr auf weit verbreitete antisemitische Klischees zurückgreifen, insbesondere auf das Bild vom „mächtigen und reichen Juden“, der sein Vermögen mit List und zum Schaden des deutschen Volkes erworben habe. Vor diesem Hintergrund zeichnet das 2. Kapitel die Stufen der Ausplünderung und die Rolle der Finanzbehörden in den Jahren von 1933 bis 1941 nach. Im nachgebauten Zimmer eines Finanzbeamten können die Ausstellungsbesucher in Aktenordnern blättern: Sie enthalten u.a. Faksimiles jener Vermögenslisten, die Juden vor der Deportation ausfüllen mussten, um den Finanzbehörden die „Verwaltung und Verwertung“ ihrer zurückgelassenen Habseligkeiten zu erleichtern. Weitere Tafeln beschäftigen sich mit den kooperierenden Interessengruppen in Politik und Wirtschaft, aber auch mit dem „deutschen Volksgenossen“ als Profiteur. Schließlich wird nach der sogenannten Wiedergutmachung gefragt: Wie ging die Rückerstattung in Hessen und Berlin vor sich, wie erfolgreich konnte sie angesichts der gesetzlichen Ausgangslage und der weitgehend ablehnenden Haltung der Bevölkerungsmehrheit sein?
Menschenmenge bei einer Versteigerung von enteignetem Hausrat deportierter Juden in der Gegend von Hanau, ca. 1942. Der Fotograf Franz Weber war von 1935 bis 1966 Leiter der Hanauer Bildstelle. Foto: © Bildstelle Hanau

Versteigerung von enteignetem Hausrat deportierter Juden in der Gegend von Hanau, ca. 1942. Der Fotograf Franz Weber war von 1935 bis 1966 Leiter der Hanauer Bildstelle.
Foto: © Bildstelle Hanau

Im Zentrum der Ausstellung stehen Vitrinen, die die Geschichten der Opfer erzählen. Manche zeigen kleine Objekte, die wie durch ein Wunder erhalten geblieben sind – etwa den Klavierauszug, der Getrud Landsberg gehört hat: Nach Gertruds Emigration erwarb ihn Tilly Cahn unter falschem Namen bei einem Hamburger Auktionator, weil sie wusste, dass das Herz ihrer Freundin Gertrud an den Noten hing. Tillys Sohn Peter Cahn, der den Klavierauszug heute aufbewahrt, erzählt – wie auch Robert Goldmann, Zoya Fiedler, Wolfgang Lauinger und Charlotte Opfermann – in einem Filminterview von seinen Erinnerungen an den legalisierten Raub.

Die Ausstellung wandert seit ihrer ersten Präsentation in Frankfurt am Main im Mai 2002 sehr erfolgreich durch Hessen. Da für jeden Präsentationsort neue regionale Vitrinen entstehen, die sich mit der Geschichte des legalisierten Raubes im Ausstellungsort beschäftigen, „wächst“ die Ausstellung. Waren es bei der Erstpräsentation 15 Vitrinen, die die Geschichten der Opfer erzählten, sind es heute weit über 60. Sie entstehen auf der Basis weiterer Recherchen und an manchen Orten in Zusammenarbeit mit Schülerinnen und Schülern. Für die Präsentation im Berliner Deutschen Historischen Museum wurden erstmals auch neue Ausstellungstafeln zu den Berliner Finanzämtern sowie weitere Tafeln zum Thema „Wiedergutmachung“ hinzugefügt.


Materialien: Regionale Ergänzungen zu den bisherigen Ausstellungsstationen

Exemplarische Rechercheergebnisse zur Lokal- und Regionalgeschichte der fiskalischen Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945 an den  Präsentationsorten der Ausstellung.

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Aktuelle Ausstellungsstation

Montag, 6. Februar bis
Sonntag, 14. Mai 2017
i
m Museumszentrum Lorsch
Nibelungenstr. 35, 64653 Lorsch

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag,
10.00–17.00 Uhr
Eintritt: frei

Gruppenführungen
€ 50,– pro Gruppe

Begleitprogramm
... Programm Lorsch (pdf-Datei)

Kontakt

Heimat- und Kulturverein Lorsch e.V.
Renate Pratz
Nibelungenstr. 41
64653 Lorsch
Fax: 06251.7079915
Tel.: 06251.7079928
r.pratz(at)geo-naturpark.de
www.kulturverein-lorsch.de

Abschluss der Wanderausstellung »Legalisierter Raub« in Frankfurt am Main

Nach 16 Jahren Wanderschaft (mit 28 Ausstellungsstationen in Hessen und einer in Berlin) kehrt die Ausstellung »Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945« nach Frankfurt zurück. Vom 28. Mai bis zum 28. Juni 2002 war sie erstmals in der Goldhalle des Hessischen Rundfunks an der Bertramstr. 8 zu sehen – ab Februar 2018 wird sie abschließend im bis dahin wiedereröffneten Historischen Museum Frankfurt präsentiert.

Publikationen zur Ausstellung

Legalisierter Raub
Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945

Katalog zur Ausstellung
Redaktion: Katharina Stengel, Susanne Meinl, Bettina Leder-Hindemith
Mitarbeit: Nassrin Sadeghi, Birgit Körner, Stephan Wirtz
Gestaltung: Madlen Mühlender
Reihe selecta der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen,
Heft 8, 3. Auflage 2008, 72 S., € 5,–
Der Katalog kann in der Ausstellung erworben werden.

Legalisierter Raub
Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945
Materialmappe zur Vor- und Nachbereitung des Ausstellungsbesuchs
Herausgegeben von der Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich und dem Fritz Bauer Institut. Zusammengestellt von Klaus Konrad-Leder und Nadja Kuhl.
Gießen: Bookxpress-Verlag der Druckwerkstatt Fernwald, 2002
Vergriffen!
Susanne Meinl, Jutta Zwilling:
Legalisierter Raub
Die Ausplünderung der Juden im Nationalsozialismus durch die Reichsfinanzverwaltung in Hessen
Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag, 2004, 748 S., € 44,90
Wissenschaftliche Reihe, Band 10.
Katharina Stengel (Hg.):
Vor der Vernichtung
Die staatliche Enteignung der Juden im Nationalsozialismus
Campus Verlag, Frankfurt am Main, New York 2007
Wissenschaftliche Reihe, Band 15
Der große Raub
Wie in Hessen die Juden ausgeplündert wurden

Ein Film von Henning Burk und Dietrich Wagner, Hessischer Rundfunk, 2002
DVD, Laufzeit: 45 Min., € 10,–
(vergriffen)

Bisherige Ausstellungsstationen


6. Februar bis 14. Mai 2017
Museumszentrum Lorsch

10. März bis 10. Mai 2016
Ministerium der Finanzen Rheinland-Pfalz und Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, Mainz

10. November 2015 bis 28. Februar 2016
Odenwald- und Spielzeugmuseum Michelstadt

25. Januar bis 19. April 2015
Stadt- und Industriemuseum, Rüsselsheim
Kunstforum Mainturm, Flörsheim am Main

15. September bis 30. November 2014
Kurhaus Bad Vilbel

17. Januar bis 5. Juni 2014
Gedenkstätte KZ Osthofen

3. Juni bis 10. November 2013
Dreieich Museum, Burg Hayn

24. bis 26. April 2013
Hessischer Landtag, Wiesbaden

17. Januar bis 7. April 2013
Regionalmuseum Wolfhager Land

18. April bis 1. Juli 201
2
Museum der Stadt Butzbach

28. Januar bis 5. April 2012
Sparkasse in Eschwege

2. September bis 30. November 2011
Main-Kinzig-Forum, Gelnhausen

8. November 2010 bis 27. März 2011
Wolfgang-Bonhage-Museum, Korbach

12. März bis 22. Oktober 2010
Studienzentrum der Finanzverwaltung und Justiz, Rotenburg an der Fulda

10. Januar bis 24. Februar 2008
Kunstsammlungen der Stadt Limburg

16. April bis 31. Mai 2007
Drei-Burgen Schule Felsberg, Schwalm-Eder-Kreis

9. Oktober bis 19. November 2006
Foyer Neustädter Rathaus, Hanau

27. April bis 9. Juli 2006
Stadtmuseum Groß-Gerau

19. Januar bis 16. März 2006
Wetterau-Museum, Friedberg

11. Mai bis 11. September 2005
Deutsches Historischen Museum, Berlin

16. Februar bis 3. April 2005
Klingspor Museum, Offenbach am Main

5. November bis 4. Dezember 2004
Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Wiesbaden

2. September bis 15. Oktober 2004
Hessenkolleg Wetzlar

16. Mai bis 20. Juni 2004
KulturBahnhof, Kassel

12. Februar bis 21. März 2004
Vonderau Museum Fulda

4. Juni bis 18. Juli 2003
Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Haus der Geschichte

5. Februar bis 12. März 2003
Georg-Büchner-Saal der Justus-Liebig-Universität Gießen

5. Dezember 2002 bis 28. Januar 2003
Universitätsbibliothek Marburg

28. Mai bis 28. Juni 2002
Goldhalle im Hessischen Rundfunks, Frankfurt am Main

Ausstellungsteam

Ausstellungskonzept
Dr. Bettina Leder-Hindemith (Hessischer Rundfunk)
Dr. Susanne Meinl, Katharina Stengel und Stephan Wirtz (Fritz Bauer Institut).

Grafische Gestaltung
Waldemar Bertsch und Bernd Claas (Hessischer Rundfunk)

Pädagogische Begleitung
Gottfried Kößler
Pädagogisches Zentrum Frankfurt
Tel.: 069.212-49439
Fax: 069.798 322-41
gottfried.koessler(at)stadt-frankfurt.de

Ausstellungsausleihe

Die Ausstellung kann weiter ausgeliehen werden. Sie besteht aus circa 60 Rahmen (Format: 100 x 70 cm), 15 Vitrinen, 6 Einspielstationen, 2 Installationen und Lesemappen zu ausgesuchten Einzelfällen.Für jede Ausstellungsstation besteht die Möglichkeit, interessante Fälle aus der Region in das Konzept zu übernehmen.

Weitere Angaben zur Ausleihe finden Sie auf unseren Infoblatt:
Informationen für Leihnehmer

Kontakt

Fritz Bauer Institut
Manuela Rizheim
Tel.: 069.798 322-33
m.ritzheim(at)fritz-bauer-institut.de

Hessischer Rundfunk
Dr. Bettina Leder-Hindemith
Tel.: 069.155 40 38
Bettina.Leder-Hindemith(at)hr.de

Weitere Informationen
www.hr.de/engagement/kultur/legalisierter-raub

© Fritz Bauer Institut – Frankfurt am Main
Stiftung des bürgerlichen Rechts
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Letzte Änderung: 07. Juli 2017

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