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Hermann Langbein

und die vergangenheitspolitischen
Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit


Auf der Grundlage des im Fritz Bauer Institut lagernden Teilbestandes (Kopien) aus dem Nachlass von Hermann Langbein (Österreichisches Staatsarchiv, Wien) wird eine Monografie entstehen, die beispielhaft die Rolle der NS-Verfolgten und ihrer Verbände in zentralen geschichtspolitischen Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit beleuchtet. Mit den Forschungen zu Hermann Langbein werden die langjährigen Forschungen des Fritz Bauer Instituts zum 1. Frankfurter Auschwitz-Prozess fortgeführt, nun allerdings mit einem Schwerpunkt auf dem Wirken einer Gruppe von maßgeblich Betroffenen.

Hermann Langbein, damals noch Mitglied der KPÖ, war von 1941 bis 1945 in den KZs Dachau, Auschwitz und Neuengamme inhaftiert. In den Nachkriegsjahren war er Mitglied mehrerer Verbände ehemaliger NS-Verfolgter. 1954 wurde er Generalsekretär des „Internationalen Auschwitz-Komitees“, verlor diese Funktion aber 1958 nach seinem Ausschluss aus der KPÖ. Seine zahlreichen Kontakte zu Überlebenden in der ganzen Welt rissen dadurch nicht ab. Er war ein scharfer Beobachter und Kritiker der bundesdeutschen Entschädigungsgesetzgebung und an der Ingangsetzung mehrerer Verfahren gegen NS-Täter beteiligt. Die große Bedeutung, die er für das Zustandekommen und den Verlauf des 1. Frankfurter Auschwitz-Prozesses hat, ist unbestritten. Langbein hat selbst mehrfach über das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, den Widerstand in Konzentrationslagern, den Auschwitz-Prozess und Fragen der Entschädigung publiziert.

Die Monografie soll exemplarisch sowohl die Auseinandersetzungen nachzeichnen, die Langbein mit der deutschen und österreichischen Nachkriegsgesellschaft führte, wie auch die Auseinandersetzungen, die zwischen verschiedenen Gruppen ehemaliger Häftlinge um die Interpretation der Geschehnisse in Auschwitz geführt wurden. Es soll deutlich gemacht werden, wie sehr jedes Sprechen über Auschwitz in den 1950er Jahren von den Konflikten des Kalten Kriegs geprägt war, wie sehr die Verfolgten die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des NS gegen die Widerstände der sie umgebenden Mehrheit erkämpfen mussten und welche Motive und Strategien es waren, die ihnen diese Leistung ermöglichten.

Kontakt:
Katharina Stengel



 
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