Vortrag von Sybille Steinbacher:
Gesellschaftsordnung durch Gewalt.
Überlegungen zu einer vergleichenden Geschichte der Lager im 20. Jahrhundert
Montag, 13. September 2010, 20:00 Uhr
Evangelische Akademie Arnoldshain
Martin-Niemöller-Haus, Am Eichwaldsfeld 3, 61389 Schmitten im Taunus
(Veranstaltung im Rahmen des II. Interdisziplinären Doktorandenseminars:
»Neue Forschungen zu Geschichte und Wirkung des Holocaust«, s.u.)
PD Dr. Sybille Steinbacher ist zurzeit Gastprofessorin des Fritz Bauer Instituts am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Sie hat zahlreiche Publikationen zum Nationalsozialismus und Holocaust vorgelegt; u. a.:
Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte, 2004, 2. Aufl. 2007
„Volksgenossinnen“. Frauen in der NS-Volksgemeinschaft, 2007
Eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie Arnoldshain
in Kooperation mit dem Fritz Bauer Institut
Kontakt
Evangelische Akademie Arnoldshain
Dr. Margit Fröhlich, stellvertr. Direktorin
Tel.: 06984.95 98 123
froelich(at)evangelische-akademie.de
http://www.evangelische-akademie.de
II. Interdisziplinäres Doktorandenseminar:
Neue Forschungen zu Geschichte und Wirkung des Holocaust
Dienstag, 14. September 2010, 09:00 Uhr
bis Mittwoch, 15. September 2010, 14:00 Uhr
Evangelische Akademie Arnoldshain
Martin-Niemöller-Haus, Am Eichwaldsfeld 3, 61389 Schmitten im Taunus
(Geschlossene Veranstaltung! Siehe dazu: Öffentlicher Vortrag von
Sybille Steinbacher am 13. September 2010.)
Leitung
Ole Jantschek, Evangelische Akademie Arnoldshain
Dr. Jörg Osterloh, Fritz Bauer Institut, Frankfurt am Main
PD Dr. Sybille Steinbacher, Gastprofessorin des Fritz Bauer Instituts am Fachbereich Philosophie und Geschichtswissenschaften der Goethe-Universität
Vorträge
Sonja Niehaus (Berlin): Haltung und Verhalten von nichtjüdischen Deutschen gegenüber Jüdinnen und Juden zwischen 1933 und 1938 im Spiegel von Erinnerungen von Holocaustüberlebenden
Susanne Beer (Essen): Hilfe für Juden im Nationalsozialismus. Soziologische Untersuchung der Entscheidungssituationen und Karrieren von sogenannten Judenrettern
Christiane Schoenmakers (Oldenburg): Täternetzwerke – Die Deutsche Golddiskontbank als Umschlagplatz für geraubtes jüdisches Vermögen und dessen Verwertung für den Krieg
Daniel Brewing (Stuttgart): Im Schatten des Holocaust. Massenverbrechen gegen ethnische Polen, 1939–1945
Merle Funkenberg (Kassel): Die Betreuung von Zeugen der NS-Prozesse
Gerd Kühling (Jena): NS-Erinnerung in Berlin. Gedenkpolitik im Zeichen des Ost-West-Konflikts
Jacob S. Eder, (Pennsylvania): Holocaust-Erinnerung als deutsch-amerikanische Konfliktgeschichte
Christian Mentel (Berlin): Holocaustleugnung als Historiografie
Susanne Bressan (Berlin): Gudrun Ensslin. Die Biographie einer RAF-Terroristin im Kontext des öffentlichen Umgangs mit dem nationalsozialistischen Erbe in Deutschland
Martin Modlinger (Cambridge): Approaching Something that repels. The History of the Terezín Ghetto Artists in Post-Holocaust Literature
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Dr. Jörg Osterloh
j.osterloh(at)fritz-bauer-institut.de
Micha Brumlik im Gespräch mit Tomasz Szarota:
Der Begriff der Vertreibung als falscher Sammelbegriff.
Bemerkungen eines polnischen Historikers
Mittwoch, 15. September 2010, 19:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, IG Farben-Haus, EG, Raum 411
Bereits im Dezember 2009 verließ der polnische Historiker Tomasz Szarota als erster den wissenschaftlichen Beraterkreis der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung. Szarota kritisierte das Konzept der geplanten Einrichtung sowie die personelle Zusammensetzung der Stiftungsgremien. Sein Verzicht setzte ein Signal für die Wahrnehmung der Arbeit der Bundesstiftung durch die polnische Öffentlichkeit.
In seinem Vortrag wird Prof. Dr. Szarota über den Begriff der Vertreibung aus deutscher und aus polnischer Perspektive sprechen. Dabei wird es darum gehen zu zeigen, in welchen historischen Situationen dieser Begriff unterschiedlich eingesetzt und verstanden wurde. So verstehen die Polen unter »Heimatverlust« den Verlust ihrer Autonomie im Jahr 1939 sowie der Wegfall von Ostpolen an die Sowjetunion. Die Deutschen beziehen ihn auf das Jahr 1945, mithin auf die Folgen des von Deutschen begonnenen Krieges. Und umgekehrt bezeichneten die Deutschen mit den »wiedereroberten Gebieten« diejenigen, die sie 1939 nach dem Überfall auf Polen besetzten und die vor 1918 zum großen Teil zum Kaiserreich gehörten. Für die Polen ist der Begriff »wiedergewonnene Gebiete« (polnisch: Ziemie Odzyskane) hingegen mit dem Jahr 1945 und der Gebietserweiterung im Westen verbunden.
Mit seinem Vortrag will Szarota dazu beitragen, zu einer Sprache zu finden, die zu einer »vernünftigen« Versöhnung führen kann.
Prof. Dr. Tomasz Szarota, geboren in Warschau 1940, ist Professor am Institut für Geschichte der Polnischen Akademie der Wissenschaften. Dort leitet er die Abteilung »Geschichte Polens nach 1945«. Er ist Autor vieler Bücher, von denen drei ins Deutsche übersetzt wurden:
Warschau unter dem Hakenkreuz. Leben und Alltag im besetzten Warschau, Paderborn: Schöningh Verlag, 1986.
Der deutsche Michel. Die Geschichte eines nationalen Symbols und Autostereotyps, Osnabrück: fibre-Verlag, 1998.
Stereotypen und Konflikte, Historische Studien zu den deutsch-polnischen Beziehungen, Osnabrück: fibre-Verlag, 2010.
Prof. Dr. Micha Brumlik, geboren 1947 in Davos, Schweiz, lebt heute in Frankfurt am Main. Seit 2000 ist er Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt mit dem Schwerpunkt »Theorie der Erziehung und Bildung«. Daneben leitete er von Oktober 2000 bis September 2005 als Direktor das Fritz Bauer Institut. Seine Forschungsschwerpunkte sind Pädagogik, Ethik, Theorie und Empirie moralischer Sozialisation sowie Religionsphilosophie.
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Fritz Bauer Institut
Tel.: 069.798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
Ladislaus Löb: Geschäfte mit dem Teufel
Die Tragödie des Judenretters Rezső Kasztner (1906–1957).
Bericht eines Überlebenden
Donnerstag, 16. September 2010, 19:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, IG Farben-Haus, EG, Raum 311
Buchpräsentation und Gespräch mit Ladislaus Löb
Begrüßung: Prof. Dr. Raphael Gross, Direktor des Fritz Bauer Instituts, des Jüdischen Museums Frankfurt und des Leo Baeck Institute London
Moderation: Werner Renz, Fritz Bauer Institut
Veranstalter: Fritz Bauer Institut; Jüdisches Museum Frankfurt; Böhlau Verlag
Ladislaus Löb war elf Jahre alt, als er im Juli 1944 im KZ Bergen-Belsen ankam. Fünf Monate später überquerte er in einer Gruppe von 1670 jüdischen Männern, Frauen und Kindern die Grenze in die neutrale Schweiz. Ihre Rettung verdankten sie dem ungarischen Juden Rezső Kasztner, der sie von den Nazis freigekauft hatte.
In seinem Buch
Geschäfte mit dem Teufel (erscheint am 19. August im Böhlau Verlag) erinnert sich Ladislaus Löb an seine Erlebnisse als Junge in einer kleinen antisemitisch geprägten Stadt in Siebenbürgen, er beschreibt das Alltagsleben in Bergen-Belsen und berichtet von den Verhandlungen Rezső Kasztners mit der SS, von dem Prozess gegen Kasztner in Israel und von seiner Ermordung durch einen jüdischen Extremisten.
Ladislaus Löb, emeritierter Professor Deutsche Sprache und Literatur an der University of Sussex in Brighton, England. 1933 in Cluj (Rumänien) geboren, war Löbs Kindheit und Jugend vom Holocaust bestimmt und gezeichnet. Nach seiner Rettung durch Rezső Kasztner besuchte er das Internat Ecole d’Humanité im Berner Oberland. Darauf folgte das Studium der Anglistik und Germanistik an der Universität Zürich, welches Ladislaus Löb 1962 mit einem Doktor abschloss. Neben dem Studium war er im Schuldienst, wie auch als Journalist tätig bis er 1963 mit seiner Frau nach Brighton zog.
Ladislaus Löb,
Geschäfte mit dem Teufel. Die Tragödie des Judenretters Rezső Kasztner. Bericht eines Überlebenden, Wien/Köln/Weimar: Böhlau Verlag, 2010, 277 S., € 24,90
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Katharina Rauschenberger
Tel.: 069.798 322-26
k.rauschenberger(at)fritz-bauer-institut.de
Buchpräsentation und Vortrag von Marie Luise Knott:
»Wozu sind wir hier nun aufgehoben worden?«
Über die fragile Freundschaft zwischen Hannah Arendt und Gershom Scholem
Montag, 20. September 2010, 19:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, Casino-Gebäude am IG Farben-Haus, Raum 1.801
Themenschwerpunkt »Hannah Arendt und die Frankfurter Schule«
Über die fragile Freundschaft zwischen Hannah Arendt und Gershom Scholem
»Juden sterben in Europa und man verscharrt sie wie Hunde.« So schließt der Brief, in dem Hannah Arendt im Oktober 1940 Gershom Scholem mitteilt, daß sich Walter Benjamin auf der Flucht vor den Nazis das Leben genommen hat. Daß Gershom Scholem, der große Kaballa-Forscher, und Hannah Arendt, die Theoretikerin des Politischen, einander geschrieben haben und irgendwie auch befreundet waren, ist seit langem bekannt. Aber so richtig vorstellen konnte man sich diese Freundschaft lange nicht, so verschieden erscheinen die beiden Lebenskonzepte und Lebenswege, und so weit entfernt der Gegenstand, auf den sie sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit konzentrierten. In Zeiten größter Bedrohung jedoch beginnt 1939 eine Korrespondenz, die getragen ist vom Engagement für das Werk des gemeinsamen Freundes und von der Rettung und Erneuerung der jüdischen Kultur aus verborgenen Traditionen und verschütteten Überlieferungen.1963 erscheint Hannah Arendts
Eichmann in Jerusalem. Ihre darin geäußerte Kritik an jüdischen Repräsentanten während der Zeit der Shoah wird von Gershom Scholem in einer auch öffentlich ausgetragenen Kontroverse radikal verworfen. Der über mehr als zwei Jahrzehnte aufrechterhaltene Dialog in Briefen endet im Schweigen.
Marie Luise Knott, 1953 geboren in Köln, lebt heute als freie Journalistin, Herausgeberin, Übersetzerin und Kuratorin in Berlin. Sie studierte Politische Wissenschaft und Romanische Literatur und arbeitete zunächst lange Jahre als Verlagslektorin. 1995–2006 Aufbau und redaktionelle Leitung der deutschsprachigen Ausgabe von Le Monde diplomatique, Beiträge für Zeitungen, Zeitschriften und Rundfunk. 2007 gab Marie Luise Knott zusammen mit Barbara Hahn den Katalog zur Ausstellung
Hannah Arendt – Von den Dichtern erwarten wir Wahrheit (Schriftenreihe des Literaturhauses Berlin 17, Matthes und Seitz) heraus. In diesem Herbst erscheint im Jüdischen Verlag von ihr herausgegeben der Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Gershom Scholem (
Hannah Arendt/Gershom Scholem, Der Briefwechsel, 1939–1964).
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Fritz Bauer Institut
Tel.: 069.798 322-40,
info(at)fritz-bauer-institut.de
Vortrag von Shulamit Volkov:
Walther Rathenau – Politik vor und hinter den Kulissen
Dienstag, 05. Oktober 2010, 19:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, IG Farben-Haus, EG, Raum 411
Prof. Dr. Shulamit Volkov, Tel Aviv University
European Leo Baeck Lecture Series 2010
Veranstaltet vom Fritz Bauer Institut in Kooperation mit dem Leo Baeck Institute London und dem Jüdischen Museum Frankfurt.
Mit Unterstützung der Freunde und Förderer des Leo Baeck Instituts e.V.
Walther Rathenau ist vor allem als Deutschlands Außenminister bekannt, der im Sommer 1922 von Feinden der Weimarer Republik als deren Symbol und Repräsentant ermordet wurde. Dies war jedoch nur die letzte Station eines langen Weges, auf dem Rathenau versuchte als Politiker Einfluss auf das Schicksal Deutschlands zu nehmen. Er tat dies sowohl »von innen« in seinen verschiedenen öffentlichen Ämtern, als auch seit 1907/1908 und insbesondere während des Ersten Weltkriegs »von außen« als Mitglied der hochrangigen gesellschaftlichen Elite Berlins. Als mächtiger Industrieller und Bankier hatte er viele Möglichkeiten, seinen Einfluss auszuüben, aber als Individualist, der keiner Partei zugehörig war und, vielleicht noch bedeutsamer, als Jude, stieß er auf seinem Weg immer wieder auf Widerstände.
In ihrem Vortrag analysiert Shulamit Volkov Rathenaus Karriere, bewertet sowohl seine Erfolge als auch seine Misserfolge und wirft einen neuen Blick auf die Geschichte Deutschlands und auf die seiner Juden während dieser Jahre.
Kontakt
Fritz Bauer Institut
Tel.: 069.798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
Lehrerfortbildung in drei Teilen
Palästina – Israel: (Vor-)Geschichte des Nahostkonflikts
Mittwoch, 06. Oktober 2010, 14:30 Uhr
Mittwoch, 03. November 2010, 14:30 Uhr
Mittwoch, 12. Januar 2011, 14:30 Uhr
Pädagogisches Zentrum Frankfurt am Main
Seckbächer Gasse 14 , 60311 Frankfurt am Main
(Ecke Weißfrauenstraße, U-Bahn Willy-Brandt-Platz)
Die Veranstaltung endet jeweils um 17:00 Uhr
Die dreiteilige Fortbildungsreihe vermittelt Einblicke in die historische Forschung über die Geschichte der Region bis zur Gründung des Staates Israel 1948 am 14. Mai 1948 und des damit verbundenen "Ersten Arabisch-Israelischen Krieges".
Israel: Yom Ha'atzmaut (= Unabhängigkeitstag)
Palästina: naqba (= Katastrophe/Unglück)
Die Themenfelder sind:
1. Jerusalem (Religion und Geschichtspolitik);
2. Nationalstaatsbewegungen (Zionismus / Panarabismus) und Bodenfrage;
3. Voraussetzungen und Geschichte des Konflikts 1945
–1948.
Damit verbunden sollen Probleme der Vermittlung im Unterricht erörtert werden, auch und gerade in Klassen mit Schülern mit Migrationshintergrund aus dem islamischen Kulturbereich.
Kontakt
Dr. Wolfgang Geiger
Pädagogische Zentrum des Fritz Bauer Instituts
und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main
geiger(at)pz-ffm.de
www.pz-ffm.de
Vortrag von Detlev Claussen:
Im Spiegel eines Dritten –
Hannah Arendts und Theodor W. Adornos Verhältnis zu Gershom Scholem
Dienstag, 12. Oktober 2010, 19:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, IG Farben-Haus, Nebengebäude, Raum NG 1.741a
Öffentliche Führung:
Norbert Wollheim Memorial
Samstag, 16. Oktober 2010, 15:00 Uhr
Treffpunkt 15.00 Uhr am Norbert Wollheim-Pavillon
Goethe-Universität – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main
Zugang über den Universitäts-Parkplatz Fürstenberger Straße
Guide: Patrick Schwentke
Das pädagogische Angebot greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.
Kontakt
Fritz Bauer Institut
Tel.: 069.798 322-40
info(at)fritz-bauer-institut.de
www.wollheim-memorial.de
Fachtagung für Pädagog/innen:
Neuer Antisemitismus – Globalisierte Projektionen in der Migrationsgesellschaft
Freitag, 22. Oktober 2010, 16:15 Uhr
bis Sonntag, 24. Oktober 2010, 12:30 Uhr
Evangelische Akademie Arnoldshain
Martin-Niemöller-Haus, Am Eichwaldsfeld 3, 61389 Schmitten im Taunus
Tagungsnummer: 106144
Antisemitismus wird derzeit öffentlich häufig mit dem Islam oder mit Zuwanderern in Verbindung gebracht. Gleichzeitig verorten soziologische Studien den Antisemitismus „in der Mitte der Gesellschaft“. Die Tagung unternimmt eine Beschreibung der Phänomene anhand zentraler Problemfelder, diskutiert Ansätze aus der pädagogischen Praxis und führt in die wissenschaftliche Debatte über Neuen Antisemitismus ein. In welcher Form und an welchen Orten
– z. B. Schule, Jugendzentrum, Sportverein, Moscheegemeinde, Medien etc.
– tritt heute Antisemitismus auf? Wie beschreibt dies die Forschung und welche Folgerungen hat dies für die Praxis in den betreffenden gesellschaftlichen Bereichen? Welche Erkenntnisse bietet die Forschung hinsichtlich der Ursachen, Ausprägungen und Funktionen antisemitischer Vorurteile, Einstellungen, Denk- und Deutungsmuster bei Jugendlichen und Erwachsenen mit ihren unterschiedlichen biografischen, religiösen oder kulturellen Bezügen? Welche Zusammenhänge bestehen zudem zwischen lokalen oder landesweiten Erscheinungsformen und internationalen Konfliktfeldern?
Die Tagung richtet sich an Multiplikator/innen der Jugendarbeit und -bildung, Fachkräfte der historisch-politischen Bildung sowie des gesellschaftlichen Engagements für Vielfalt und Diversity; außerdem an eine interessierte Öffentlichkeit.
Zum Mitdiskutieren laden herzlich ein:
Aycan Demirel, Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus e.V. (KIgA)
Dr. Margrit Frölich, Evangelische Akademie Arnoldshain
Gottfried Kößler, Pädagogisches Zentrum des Fritz Bauer Instituts
und des Jüdischen Museums Frankfurt am Main
Ulla Kux, Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ)
Helga Nagel, Amt für multikulturelle Angelegenheiten der Stadt Frankfurt am Main
Tagungsprogramm
http://www.evangelische-akademie.de/admin/projects/akademie/pdf/programme/106144.pdf
Kontakt
Evangelische Akademie Arnoldshain
Dr. Margit Fröhlich, stellvertr. Direktorin
Tel.: 06984.95 98 123
froelich(at)evangelische-akademie.de
http://www.evangelische-akademie.de
Vortrag von Tom Segev:
Simon Wiesenthal. Die Biographie
Donnerstag, 28. Oktober 2010, 19:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, Hörsaalzentrum, Raum HZ 7
Vom Tag seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager Mauthausen an machte Simon Wiesenthal (1908–2005) es sich zur Lebensaufgabe, NS-Verbrecher aufzuspüren und vor Gericht zu bringen. Fünf Jahre nach seinem Tod legt nun der bekannte Historiker und Journalist Tom Segev die erste aus Originalquellen erarbeitete Biographie dieser Jahrhundertgestalt vor, enthüllt zahlreiche bisher unbekannte Tatsachen und erzählt eindrucksvoll das Leben des »Nazi-Jägers«, der selbst auch zeitlebens ein Verfolgter blieb.
Als Simon Wiesenthal im Alter von 97 Jahren in Wien starb, betrauerte die Welt einen unermüdlichen Kämpfer gegen das Böse. Hollywood verklärte ihn als Helden, gleichwohl hatte er zeit seines Lebens auch Ablehnung und Anfeindungen erfahren, viele sahen in ihm einen unversöhnlichen Störenfried. Er entfachte die Phantasie von Menschen auf der ganzen Welt, fesselte und beängstigte sie, belastete ihr Gewissen und verlieh ihnen doch einen tröstlichen Glauben an das Gute.
Anhand von zahlreichen Briefen, Geheimdienstdossiers und anderen, bislang unbekannten Quellen zeichnet Tom Segev in seinem Buch die faszinierende Biographie Simon Wiesenthals nach: Die höchst lebendige und spannende Lebensgeschichte eines überaus mutigen Mannes, der eine Reihe atemberaubender Aktionen initiierte und dabei fast ganz auf sich gestellt arbeitete, in einer kleinen Wohnung zwischen hohen Stapeln alter Zeitungen und vergilbter Karteikarten.
»Eine glänzend geschriebene und spannend erzählte Biographie, die auf der Basis umfangreicher Quellenforschung das faszinierend Leben, die vielschichtige Persönlichkeit sowie die außerordentlichen Verdienste des Simon Wiesenthal erhellt.«
Ian Kershaw
Tom Segev ist Historiker und einer der profiliertesten Journalisten Israels. In Deutschland wurde er durch sein Buch Die siebte Million. Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung (1995) bekannt. Für Es war einmal ein Palästina (2005) wurde er mit dem National Jewish Book Award ausgezeichnet. Zuletzt erschien von ihm Die ersten Israelis. Die Anfänge des jüdischen Staates (2008).
Tom Segev,
Simon Wiesenthal. Die Biographie
Aus dem Hebräischen von Markus Lemke
München: Siedler Verlag, 2010, 576 S., mit Abb., € 29,95
ISBN: 978-3-88680-858-8
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Buchvorstellung und Diskussion mit Ahlrich Meyer:
„Das Wissen um Auschwitz“
Montag, 01. November 2010, 19:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, IG Farben-Haus, EG, Raum 311
Vortrag von Christoph Schmidt:
Die Organisation der Kulturpolitik im »Dritten Reich« (Arbeitstitel)
Dienstag, 16. November 2010, 18:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, Casino am IG Farben-Haus, Raum 1.812
Reihe: Kulturpolitik im »Dritten Reich«
Die Vortragsreihe soll sich mit zentralen Bereichen der Kulturpolitik im »Dritten Reich« befassen. Die Beiträge behandeln unter anderem die Organisation des Kulturlebens, die ideologischen Ansprüche und die Praxis der nationalsozialistischen Kulturpolitik – in diesem Kontext stehen auch die Kompetenzkämpfe etwa zwischen Joseph Goebbels und Alfred Rosenberg – sowie die Ausschaltung von politischen Gegnern und aller Juden.
Christoph Schmidt, geboren 1972, ist Archivar im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen. Der Historiker und Germanist promovierte 2003 mit seiner Studie über »Kommunale NS-Kulturpolitik im Parteigau Westfalen-Nord (1933–1945)«
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Öffentliche Führung:
Norbert Wollheim Memorial
Samstag, 20. November 2010, 15:00 Uhr
Treffpunkt 15.00 Uhr am Norbert Wollheim-Pavillon
Goethe-Universität – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main
Zugang über den Universitäts-Parkplatz Fürstenberger Straße
Guide: Patrick Schwentke
Das pädagogische Angebot greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.
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Vortrag von Jan-Pieter Barbian:
Ein gescheitertes Experiment?
Zur Bedeutung des Buches für die NS-Mediendiktatur
Dienstag, 30. November 2010, 18:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, Casino am IG Farben-Haus, Raum 1.812
Reihe: Kulturpolitik im »Dritten Reich«
Die Vortragsreihe soll sich mit zentralen Bereichen der Kulturpolitik im »Dritten Reich« befassen. Die Beiträge behandeln unter anderem die Organisation des Kulturlebens, die ideologischen Ansprüche und die Praxis der nationalsozialistischen Kulturpolitik – in diesem Kontext stehen auch die Kompetenzkämpfe etwa zwischen Joseph Goebbels und Alfred Rosenberg – sowie die Ausschaltung von politischen Gegnern und aller Juden.
Dr. Jan-Pieter Barbian, geboren 1958, ist Direktor der Stadtbibliothek Duisburg. Der Historiker, Germanist und Philosoph promovierte 1991 mit einer Studie über die »Literaturpolitik im ›Dritten Reich‹. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfelder«, veröffentlicht 1993 im Archiv für Geschichte des Buchwesens; die aktualisierte Taschenbuchausgabe erschien 1995 bei dtv.
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Buchvorstellung und Diskussion mit Karol Sauerland und Micha Brumlik:
Umdeuten, verschweigen, erinnern.
Die späte Aufarbeitung des Holocaust in Osteuropa.
Dienstag, 07. Dezember 2010, 19:00 Uhr
Goethe-Universität Frankfurt am Main – Campus Westend
Grüneburgplatz 1, IG Farben-Haus, EG, Raum 411
In Ost- und Mitteleuropa wurde der Holocaust lange aus der eigenen Geschichte verdrängt. Mit Ende des Kalten Krieges öffneten sich jedoch die bis dahin verschlossenen Archive. Damit ließ sich nicht länger leugnen, dass die Massenvernichtung der Juden ein wesentlicher Bestandteil nicht nur der deutschen Geschichte, sondern auch der vieler europäischer Staaten ist. Der Band zeigt, wie unter anderem in Polen, Rumänien und Litauen, aber auch in Ostdeutschland nach 1989 die Vergangenheit im Dritten Reich aufgearbeitet wurde. Dabei wird klar, dass die Erinnerungsarbeit vielfach noch in den Anfängen steckt.
Die Aufsätze für diesen Sammelband sind entstanden aus Beiträgen zur internationalen Konferenz »Die Nachgeschichte des Holocaust in Ost- und Mitteleuropa«, 25. und 26. Juni 2004 in Frankfurt am Main, veranstaltet vom Fritz Bauer Institut in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Karol Sauerland.
Micha Brumlik ist Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Goethe-Universität Frankfurt. Von 2000 bis 2005 war er Direktor des Fritz Bauer Instituts.
Karol Sauerland lehrt deutsche Literatur und Ästhetik an den Universitäten von Warschau und Thorn. Im Wintersemester 2003/2004 und im Sommersemester 2004 hatte er die Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung des Fritz Bauer Instituts an der Goethe-Universität Frankfurt am Main inne.
Micha Brumlik, Karol Sauerland (Hrsg.)
Umdeuten, verschweigen, erinnern
Die späte Aufarbeitung des Holocaust in Osteuropa
Frankfurt am Main, New York: Campus Verlag, 2010, 257 S., € 29,90
EAN 978-3-593-39271-4
Wissenschaftliche Reihe des Fritz Bauer Instituts, Band 18
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Zugang über den Universitäts-Parkplatz Fürstenberger Straße
Guide: Sandra Sattler
Das pädagogische Angebot greift die Konzeption des Memorials auf, die Ereignisgeschichte in den drei zeitlichen Ebenen Vorkriegszeit, NS-Geschichte und Nachkriegszeit mit den lebensgeschichtlichen Erzählungen der Überlebenden verbindet. Das Memorial wird im Zusammenhang mit dem IG Farben-Haus als künstlerische Installation präsentiert und gibt Anlass für historisch-politisches Lernen.
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