IG Farben-Haus
Geschichte und Gegenwart

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Das IG Farben-Haus

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Nationalsozialismus und Völkermord

Militärverwaltung und Demokratisierung

Zukunft und Erinnerung

 1925                  
Im Dezember 1925 schließen sich die acht größten deutschen Chemiefirmen, Hoechst, Bayer, BASF, Agfa, Cassella, Kalle, Weiler-ter Meer und Griesheim-Elektron, zur Interessengemeinschaft Farben, kurz IG Farben, zu dem damals größten Chemiekonzern der Welt zusammen.

 1927                  
Der IG Farben-Konzern erwirbt das Grundstück auf dem Grüneburggelände im Frankfurter Stadtteil Westend um darauf seine Konzernzentrale zu errichten.
Seit 1837 gehörte das Gelände der Familie Rothschild, seit 1864 beherbergte es die als „Affenfelsen“ oder „Affenstein“ bekannte Städtische Irrenanstalt. Auf dem größeren westlichen Teilgelände wurde ab 1880 der Grüneburgpark angelegt.

 1928                  
Im August 1928 wird unter fünf ausgewählten Architekten, darunter auch der Frankfurter Stadtbaudezernent Ernst May, ein beschränkter Wettbewerb zur Errichtung der Verwaltungszentrale der IG Farben durchgeführt, den der Architekt Hans Poelzig gewinnt.
Ende 1928 beginnen die Gründungsarbeiten für das Fundament und im Sommer 1929 die Konstruktion des als Stahlskelett-Bau konzipierten Gebäudes. Der 250 Meter lange wird 1930 fertig gestellt.

 1930                  
Fertigstellung des IG Farben-Hauses nach dem Entwurf des Architekten Hans Poelzig und Gestaltung der 14 Hektar großen Parkanlage nach Planung des Frankfurter Gartenbaudirektors Max Bromme und der Künstler des Bornimer Kreises.
Die Baukosten des IG Farben-Hauses betrugen rund 24 Millionen Reichsmark. Der 250 m lange und 35 m hohe Baukörper hat neun Geschosse mit über 25.000 m2 Nutzfläche, wobei die Geschosshöhe vom Parterre nach oben hin von 4,6 m auf 4,2 m abnimmt. Das Bauvolumen von insgesamt 280.000 m3 wurde aus 4.600 t Stahl errichtet.
Bis in die 50er Jahre galt das Gebäude als eines der modernsten und größten in Europa.

 1933–1945        
Nach der Machtergreifung der NSDAP entwickelt sich die IG Farben zum nationalsozialistischen Staats- und Kriegskonzern und profitiert durch die Arisierung und Eingliederung von Unternehmen.
Nach Kriegsbeginn 1939 wird die Kooperation der IG Farben mit dem nationalsozialistischen Regime weiter ausgebaut. Die IG Farben produziert für die Kriegswirtschaft und verdient an der Rekrutierung von Zwangs- und Fremdarbeitern und an der Ausbeutung von KZ-Häftlingen.
Nahe dem polnischen Städtchen Monowitz betreibt der Konzern ab 1942 eine Fabrik mit angeschlossenem Arbeitslager zur Produktion von Buna, einem synthetischen Kautschuk, der die deutsche Rüstungsindustrie von importiertem Naturkautschuk unabhängig machen sollte. Das Lager Buna/Monowitz war ein Nebenlager des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau.
Im Herbst 1941 wird in Auschwitz erstmals das aus Blausäure für die Schädlingsbekämpfungsmittel hergestellte Zyklon B zur betriebsmäßigen Tötung von Menschen getestet. Das von der Degesch (Deutschen Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung) produzierte Giftgas wird danach in den Gaskammern von Auschwitz
, Majdanek, Sachsenhausen, Ravensbrück, Stutthof, Mauthausen und Neuengamme zur Ermordung hunderttausender Menschen eingesetzt.
Gesellschafter der Degesch waren die IG Farben-Industrie und die Degussa mit jeweils 42.5%, mit 42.5% und die Th. Goldschmidt AG in Essen mit 15% Anteilen am Stammkapital.

 1945                  
Im März 1945 besetzten alliierte Truppen das IG Farben-Gelände.
Die vier Besatzungsmächte beschlagnahmen 1945 das gesamte Konzernvermögen. In der sowjetischen Besatzungszone werden die Werke zur Reparation demontiert oder in Volkseigentum überführt.

 1947/1948         
In den Jahren 1947/48  wird vor einem amerikanischen Militärtribunal gegen 23 leitende Vertreter des IG Farben Konzerns (IG Farben-Prozess) verhandelt; 13 Angeklagte werden zu Haftstrafen verurteilt.  

 1948                  
Das IG Farben-Haus wird Hauptquartier der amerikanischen Streitkräfte.
Das von den Amerikanern zunächst „Farben-Building“ genannte Gebäude wird 1975 in „General Creighton W. Abrams Building“ umbenannt. Nach dem Militärgouverner Dwight D. Eisenhower residiert hier auch der spätere Außenminister der USA, Colin Powell.
Seit 1952 diente das Gebäude als Europazentrale der Amerikaner und als Hauptquartier des 5. US-Corps. Daneben war das IG Farben-Haus auch das streng geheime Hauptquartier der CIA in Deutschland.
Das ehemalige Büro Eisenhowers, im 1. Stock des IG Farben Hauses war Schauplatz wichtiger historischer Ereignisse: Hier wurde die Hessische Verfassung unterzeichnet und hier erhielt der Parlamentarischen Rat der Westdeutschen Ministerpräsidenten den Auftrag, das Grundgesetz zu erarbeiten.

 1950/1952         
In den Westzonen verfügen die Alliierten 1950 die Entflechtung der IG Farben, worauf 1952 zwölf Gesellschaften entstanden: u.a. Agfa AG, BASF AG, Cassella Farbwerke, Mainkur AG, Chemisce Werke Hüls AG, Bayer AG, Hoechst AG, Dynamit Nobel AG.

 1972/1976/1982
Nach einer Anschlagsserie mit terroristischem Hintergrund (1972: Bombenattentat der „Roten Armee Fraktion“ (RAF), 1 Toter und 17 Verletzte. 1976: Bombenanschlag der „Ulrike-Meinhof-Brigade“, 16 Verletzte. 1982: Anschlag der „Revolutionären Zellen“) wird das zuvor der Frankfurter Bevölkerung offen stehende Gelände zur abgeriegelten Hochsicherheitszone.

 1995                  
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Erwerb der vollen Souveränität kündigt die US-Regierung den Rückzug der US-Army vom IG Farben-Gelände an. Der gesamte Komplex wird 1995 der deutschen Bundesregierung übergeben.

 1996                  
Das Land Hessen erwirbt das IG Farben-Haus und das umliegende parkähnliche Gelände zum Vorzugspreis von 148 Millionen Deutsche Mark, zur Nutzung durch die Johann Wolfgang Goethe-Universität.
Nach dem Willen der hessischen Landesregierung soll hier der "modernste Campus Europas" entstehen. Nach Fertigstellung des „Campus Westend“ im Jahr 2014 will die Frankfurter Universität ihren bisherigen Standort im Stadtteil Bockenheim vollständig aufgeben.

 2001                  
Nach Umbau und Sanierung wird das IG Farben-Haus von den Geisteswissenschaften der Frankfurter Universität genutzt. Das benachbarte ehemalige Casino-Gebäude wird Mensa und Hörsaalgebäude.
Im August 2001 bezieht das Fritz Bauer Institut seinen neuen Sitz im 5. Stock des IG Farben-Hauses.
Am 26. Oktober 2001 wird im Rahmen der offiziellen Einweihung des neuen Campus Westend eine Tafel zum Gedenken an die Opfer des Arbeitslagers Buna/Monowitz enthüllt. Die Gedenktafel befindet sich vor dem Haupteingang des IG Farben-Hauses.
Mit dem Einzug der Universität begann ein Streit um die Benennung des Gebäudes. Universitätspräsident Werner Meißner hatte diesen Streit durch Einführung der Bezeichnung "Poelzig-Ensemble" provoziert. Studierende und zunehmend auch Professoren bestanden auf einem historischen Umgang mit dem Gebäude und die Beibehaltung des Namens IG Farben-Haus. Meißners Nachfolger Steinberg hielt sich an den Beschluss der universitären Gremien, dem Gebäude seinen Namen zu lassen.
Mit dieser Debatte ging eine starke politische Bewegung für eine angemessene Gedenkkultur einher, in deren Folge eine Dauerausstellung zur Geschichte des Hauses erarbeitet und im Gebäude installiert wurde.

 2003                  
Die seit Jahren geforderte Auflösung der IG Farben-Industrie AG in Abwicklung und die Verwendung des gesamten Restvermögens für eine Stiftung zur Entschädigung der Opfer scheiterte bislang am Widerstand der Liquidatoren und des Aufsichtsrats. Am 10. November 2003 hat die IG Farben in Abwicklung Insolvenz angemeldet. Die Gläubiger werden in dem Insolvenzverfahren vermutlich keine Verluste erleiden, weil die Vermögenswerte die rund 28,2 Millionen Euro Außenstände abdeckten. Für die Aktionäre, aber auch für Entschädigungen für ehemalige Zwangsarbeiter bleibe aber vermutlich kein Geld übrig, so der zweite Liquidator, Otto Bernhardt.

 2005                  
Eine Initiative „Norbert-Wollheim-Platz“ möchte den Platz vor dem IG Farben-Haus, die jetzige Hausadresse Grüneburgplatz 1, nach dem ehemaligen Zwangsarbeiter Norbert Wollheim (1913–1998) benennen. Sie bezieht sich dabei auf eine am 27. März 2004 vom Komitees der Überlebenden von Buna/Monowitz, der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth überreichten  Resolution zur Umbenennung des "Grüneburgplatzes" in "Norbert-Wollheim-Platz", die einen schon bei der Einweihung der Gedenktafel für die Opfer des Arbeitslagers der IG Farben am 26. Oktober 2001 geäußerten Wunsch der Überlebenden von Buna/Monowitz aufgreift, den durch sein Verfahren gegen die "IG Farben in Abwicklung" so verdienten und hoch verehrten Kameraden Norbert Wollheim zu ehren.


 Literatur             
Werner Meißner, Dieter Rebentisch, Wilfried Wang (Hg.):
Der Poelzig-Bau. Vom IG Farbenhaus zur Goethe-Universität
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3100494121

Peter Loewy: Das IG Farben-Haus
Fotografien von Peter Loewy,
mit einem Text von Hanno Loewy
Kehayoff Verlag, München 2001, ISBN 3929078643

 Fotos                 
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Der Haupteingang des IG Farben-Hauses
(fotografiert von Johannes Marx, 2003,
GNU Free Documentation License)

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Das IG Farben-Haus. Panorama vom Frankfurter Maintower aus gesehen
(fotografiert von A. Darmochwal, 2003 (links) und
Eva Kröcher, GNU Free Documentation license)

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Der IG Farben Komplex:
Das IG Farben-Haus mit Nebengebäude, Teich  und Casino

 Links                  
Das IG Farben-Haus: Geschichte und Gegenwart
 Zeittabelle (pdf-Datei, 82 kb)

Gedenktafel für die Opfer von Buna/Monowitz
Zur Geschichte des IG Farben-Hauses
Gedenktafel für die Opfer von Buna/Monowitz

IG Farben Haus, Campus Westend
 Lageplan  pdf-Datei [1.090 kByte] 

Norbert-Wollheim-Platz
Initiative zur Umbenennung des "Grüneburgplatzes" in "Norbert-Wollheim-Platz"
Initiative "Norbert-Wollheim-Platz"

Resolution des Komitees der Überlebenden von Buna/Monowitz
zur Umbenennung des "Grüneburgplatzes" in "Norbert-Wollheim-Platz"
Resolution des Komitees der Überlebenden von Buna/Monowitz

Aufruf zur Unterstützung der Resolution
zur Umbenennung
des "Grüneburgplatzes" in "Norbert-Wollheim-Platz"
Aufruf der Initiative "Norbert-Wollheim-Platz" (pdf-Datei, 103 kb)

Aus dem Newsletter Nr. 27:
Norbert-Wollheim-Platz. Ein Minimum an Erinnerungspflicht
Zur Diskussion um die Umbenennung des Grüneburgplatzes

Von Werner Renz, mit einer Stellungnahme von Peter Wollheim
Newsletter Nr. 27, Seite 34-37 (pdf-Datei, 3.907 kb)