| Das Fritz Bauer Institut Gastprofessur (WS 2004/2005 bis SS 2006) | |||||||||||||
Prof. Dr. Götz Aly Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung
Gastprofessur am Fritz Bauer Institut
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Götz Aly für vier Semester auf die Frankfurter Gastprofessor | |||||||||||||
Prof. Dr. Götz Aly, 1947 geboren in Heidelberg, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und studierte anschließend Geschichte und Politische Wissenschaften (Dr. rer. pol.) an der Freien Universität Berlin. Nach verschiedenen journalistischen Tätigkeiten – er war Redakteur bei der taz, bei der Berliner Zeitung und arbeitete für die Frankfurter Allgemeine Zeitung – forschte der weltbekannte Historiker u.a. in Israel und den USA. Publikationen (Auswahl):
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Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung Veranstaltungen Sommersemester 2006 Prof. Dr. Götz Aly Die Politik der Arisierung und späteren Sozialisierung Hauptseminar Montags, 14.00–16.00 Uhr, Veranstaltungsbeginn: 24. April 2006 Johann Wolfgang Goethe-Universität, Campus Westend Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main, IG Farben-Haus, Raum: IG 454 In dem Seminar wird der Frage nachgegangen, wie und zu wessen Nutzen jüdische Unternehmen in der Zeit zwischen 1933 und 1945 enteignet wurden. Anhand des Beispiels einer Firma mit rund 1.000 Arbeitsplätzen lässt sich darüber hinaus zeigen, wie das im späteren sowjetischen Sektor gelegene Unternehmen dann sozialisiert wurde und welche Auseinandersetzungen die jüdischen Eigentümer nach 1989 mit der Treuhandverwaltung zu bestehen hatten. Da für Berlin noch keine Arbeiten zur so genannten Arisierung vorliegen, soll für die vorbereitende Lektüre auf die Arbeiten von Frank Bajohr ("Arisierung" in Hamburg, 1997) und Susanne Meinl/Jutta Zwilling (Legalisierter Raub, 2005) zurückgegriffen werden. ____________ Politik der Enteignung im 20. Jahrhundert Vorlesung Johann Wolfgang Goethe-Universität, Campus Westend Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main, Nebengebäude des IG Farben-Hauses, Raum: NG 731 Die Arisierung von Vermögen und Habseligkeiten der europäischen Juden fügte sich in die säkulare Kette der Eigentumsrevolutionen. Wer genau hinsieht, kommt nicht umhin, die innere Verwandtschaft von Bereicherungsbegriffen wie Arisierung, Polonisierung, Magyarisierung, Nationalisierung oder eben Sozialisierung zu erkennen: So unterschiedlich die Erscheinungsformen im Einzelnen sein mochten, so nahm doch jeweils ein Teil der Gesellschaft nahm für sich das Recht in Anspruch, fremdes Eigentum zu verstaatlichen, begründet mit der Ideologie, ein zugleich homogener, großer und unterprivilegierter Teil des Volkes zu sein. Darin manifestiert sich ein wesentliches übergreifendes Element der Gewaltgeschichte des vergangenen Jahrhunderts.
Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung Veranstaltungen Wintersemester 2005/2006 Prof. Dr. Götz Aly Die öffentliche Meinung in Deutschland 1939–1945 Hauptseminar Montags, 14.00–16.00 Uhr, Veranstaltungsbeginn: 24. Oktober 2005 Johann Wolfgang Goethe-Universität, Campus Westend Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main, IG Farben-Haus, Raum: 6.201 Da das Forschungsseminar schon seit einem Jahr läuft und mit einer Publikation abgeschlossen werden wird, ist eine Teilnahme weiterer Studierender nur ausnahmsweise und nach einem Vorgespräch möglich. ____________ Volkes Stimme Vorlesung Johann Wolfgang Goethe-Universität, Campus Westend Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main, Nebengebäude des IG Farben-Hauses, Raum: NG 1.741b Anhand von Stimmungsberichten und sozialhistorisch relevanten Indikatoren wird das Auf und Ab der öffentlichen Meinung in den verschiedenen Phasen der NS-Herrschaft rekonstruiert. Außerdem sollen die Mittel analysiert werden, mit denen die deutsche Regierung damals versuchte, Stimmungstiefs zu überwinden. Dazu gehörten – in schwankenden Mischungsverhältnissen – Techniken des sozialpolitischen Appeasements, der sozialen Mobilisierung, der ideologischen Aufrüstung und des Terrors.
Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung Veranstaltungen Sommersemester 2005 Prof. Dr. Götz Aly Die öffentliche Meinung in Deutschland 1939–1945 Hauptseminar Montags, 14.00–16.00 Uhr, Veranstaltungsbeginn: 18. April 2005 Johann Wolfgang Goethe-Universität, Campus Westend Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main, IG Farben-Haus, Raum: 251 Den bisherigen Untersuchungen über die tatsächliche politische Stimmung in NS-Deutschland haftet etwas Zufälliges an: Zusammengesetzt aus allerlei Tagebuch- und Briefzitaten, Goebbels-Notizen und SD-Meldungen entstehen Bilder, denen es an empirischer Validität mangelt. Demgegenüber sollen in dem Seminar möglichst geeignete Quellen herangezogen und diskutiert werden. In der Finanzstadt Frankfurt empfiehlt sich beispielsweise die Untersuchung der Sparquote im Zweiten Weltkrieg. Sie läßt sich anhand der Daten von Sparkassen, Postsparkassen, Raiffeisen- und Geschäftsbanken sozial und regional gliedern. Da das Kriegssparen bis zum Schluss freiwillig blieb, erlaubt die Sparquote Rückschlüsse auf Vertrauensschwankungen in der Bevölkerung und schließlich auch -einbrüche. Ähnliches gilt für die Konjunkturen von Vornamen und Kirchenaustritten. Das Ergebnis des auf zwei Semester angelegten Seminars soll eine Publikation sein. Die persönliche Anmeldung soll in während der ganztägigen Sprechzeit am Montag, den 11. April 2005 im Raum 0.157 des IG Farben-Hauses erfolgen. Literatur zur Vorbereitung: Götz Aly, Hitlers Volksstaat (Kapitel zum Kriegssparen); David Bankier, Die öffentliche Meinung im Hitlerstaat; Rudolf Stöber, Die erfolgverführte Nation; Jäckel/Kulka (Hg.), Die Juden in den geheimen Stimmungsberichten 1933–1945; Walter Kempowski, Das Echolot. ____________ Europa und der Holocaust Vorlesung Johann Wolfgang Goethe-Universität, Campus Westend Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main, IG Farben-Haus, Raum: 0.254 Zu den für die historische Einordnung des Holocaust in die europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts besonders sperrigen Hindernissen gehört die Vorstellung, in den Jahren 1941 bis 1945 sei eine von Deutschland aus zentral gesteuerte Vernichtungswalze über den Kontinent gerollt. Widerstand sei kaum möglich gewesen. Dieses Geschichtsbild ist falsch. Tatsächlich mussten die Deutschen das Projekt "Endlösung der Judenfrage" in jedem besetzten oder abhängigen Land politisch neu und anders implementieren. Das gelang ihnen oft nur teilweise, manchmal überhaupt nicht. Die unterschiedlichen und ähnlichen nationalen Vorgeschichten, die in Europa weit verbreiteten Wünsche nach ethnischer und sozialer Homogenität oder die Rolle einzelner Personen und ganzer nationaler Eliten sind von Bedeutung, wenn der Frage nachgegangen werden soll, welche Vorurteile, politischen Programme und Interessenlagen einzelner Staaten und Gesellschaften begünstigten Auschwitz?
Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung Veranstaltungen Wintersemester 2004/2005 Prof. Dr. Götz Aly Hitlers Volksstaat Vorlesung Hitler errichtete eine Gefälligkeitsdiktatur ohnegleichen: Direkte Kriegssteuern hatte die große Mehrheit der Deutschen nicht zu entrichten; mit Görings Hilfe wurden die – stets in ausländischer Währung bezahlten – Soldaten zu bewaffneten Butterfahrern; ihre Freundinnen, Bräute und Familien verfügten über mehr Geld als im Frieden, sie freuten sich über die zentnerschweren Mitbringsel und Feldpostpäckchen aus den besetzten Ländern. So erkaufte sich der NS-Staat die Massenzustimmung – auf Kosten der Lebensgrundlagen anderer. Um das eigene Volk bei Laune zu halten, ruinierte die fachlich gut beratene Führung die Währungen Europas, weil sie ständig höhere Kontributionen erzwang. Zur Sicherung des nationalen Lebensstandards ließ sie Abermillionen Tonnen geraubter Lebensmittel nach Deutschland schaffen. Sie lenkte die Löhne vieler Millionen Zwangsarbeiter in die Kriegskasse, ebenso die Milliardenbeträge, die aus der Enteignung der Juden Europas gewonnen wurden. All das geschah nicht im Namen des kapitalistischen Profitstrebens, sondern zur Sicherung des Volkswohls. Anders ausgedrückt: Der nationale Sozialismus sorgte für ein bis dahin nicht gekanntes Maß an Gleichheit und sozialer Aufwärtsmobilisierung auf der Basis eines ungeheuren Raub- und Rassenkrieges. Das machte ihn populär und verbrecherisch. In ihrer Mehrheit verwandelte die NS-Führung ihre „Volksgenossen“ eben nicht – wie oft vermutet – in fanatisierte Mitläufer und Aktivisten, vielmehr gelang es ihr, sie massenhaft zu korrumpieren, sie mit noch heute vertrauten Techniken sozialstaatlicher Fürsorglichkeit zu Nutznießern des Bösen werden zu lassen. Das materiell üppige Sein, der indirekte, im Einzelnen schwer greifbare, doch spürbare Vorteil aus den Großverbrechen bestimmte das Bewusstsein der meisten Deutschen. Das erklärt das Ausbleiben eines breiteren Widerstand ebenso wie das spätere Fehlen von Schuldbewusstsein. ____________ Europa und der Holocaust Seminar Die Vorstellung, in den Jahren 1941 bis 1944/45 sei eine allein von Deutschland gesteuerte Vernichtungswalze über Europa gerollt und habe die europäischen Juden mit kalter Präzision vernichtet, gehört zu den erfolgreichsten Verdrängungsstrategien der Nachkriegszeit. Tatsächlich musste das Programm „Endlösung der Judenfrage“ in jedem europäischen Land politisch neu implementiert werden, und das mit höchst unterschiedlichen Ergebnissen. Ziel des Seminars ist es, die spezifischen Voraussetzungen in den einzelnen Ländern Europas zu prüfen, die den Mord an den Juden begünstigten oder ihn ganz oder teilweise verhinderten. Literatur zur Vorbereitung: Ezra Mendelsohn, The Jews of East-Central Europe between the World Wars; Frederick B. Chary, the Bulgarian Jews and the Final Solution Christian Gerlach/Götz Aly, Das letzte Kapitel. Der Mord an den ungarischen Juden; Ulrich Herbert: Werner Best (die Kapitel über Frankreich und Dänemark).
Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus Götz Aly: Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2005, 464 S., gebunden, ISBN 3-10-000420-5, € 22,90
Die NS-Regierung erkaufte sich ihren innenpolitischen Rückhalt mitsozialpolitischen Wohltaten. Strukturell unfähig, außenpolitisch nach Verständigung zu suchen, entfesselte sie einen Vernichtungskrieg und machte aus dem Staat eine Raubmaschine. Die öffentliche Habgier stellte die Masse des Volkes mit einer Mischung aus milder Steuerpolitik, guter Versorgung und punktuellem Terror ruhig – auf Kosten von Millionen Menschen in Europa, deren Eigentum zum Vorteil der Deutschen eingezogen wurde. Mit dem Erlös aus dem jüdischen Eigentum bezahlten sie in den besetzten Ländern die Soldaten in der jeweiligen Landeswährung. Am Ende stand 1945 der Staatsbankrott. Wer von den vielen Vorteilen für Millionen einfacher Deutscher nicht reden will, der sollte vom Nationalsozialismus und vom Holocaust schweigen. Götz Aly betrachtet aus einem Blickwinkel, der sie als Gefälligkeitsdiktatur zeigt. Hitler, die Gauleiter, Minister und Staatssekretäre agierten als klassische Stimmungspolitiker. Sie fragten sich täglich, wie sie die Zufriedenheit der deutschen Mehrheitsbevölkerung sichern konnten. Auf der Basis von Geben und Nehmen erkauften sie sich deren Zustimmung oder wenigstens Gleichgültigkeit durch eine Fülle von Steuerprivilegien, mit Millionen Tonnen geraubter Lebensmittel und mit der Umverteilung des „arisierten“ Eigentums von verfolgten und ermordeten Juden aus ganz Europa. Den Deutschen ging es im Zweiten Weltkrieg besser als je zuvor, sie sahen im nationalen Sozialismus die Lebensform der Zukunft – begründet auf Raub, Rassenkrieg und Mord. Götz Aly, geboren 1947, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München, studierte Geschichte und Politische Wissenschaften (Dr. rer. pol.) in Berlin. Er hat wichtige Veröffentlichungen zur Sozialpolitik und zur Geschichte des Nationalsozialismus vorgelegt. Auszeichnungen: Heinrich-Mann-Preis für Essayistik 2002; Marion-Samuel-Preis 2003
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Nicht falsch, sondern anders gerechnet Auschwitz und die Politik der Vertreibung ► www.fritz-bauer-instutut.de/gastprofessur/aly_vertreibungspolitik.pdf (PDF-Datei, 46 kb) Das Elend der Berliner NS-Gedenkstätten ► www.fritz-bauer-instutut.de/gastprofessur/aly_berliner-gedenkstaetten.pdf (PDF-Datei, 26 kb) Zur Diskussion um die Berliner Gedenkstätten Eine flankierende Erwiderung von Prof. Dr. Dietfrid Krause-Vilmar auf die Stellungnahmen von Ulrich Herbert und Götz Aly, veröffentlicht auf der Website von Gegen Vergessen − Für Demokratie e.V.: ► www.gegen-vergessen.de/demokratie/krause_vilmar062005.html Offensive Unkenntnis. Antwort auf Wolfgang Seibels Kritik an "Hitlers Volksstaat" ► www.fritz-bauer-instutut.de/gastprofessur/aly_antwort-seibel.pdf (PDF-Datei, 27 kb) Moderner Ablasshandel. ► www.fritz-bauer-institut.de/gastprofessur/aly_dresdner-bank.pdf (PDF-Datei, 26 kb) |
Foto: Prof. Dr. Götz Aly | ||
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