Fritz Bauer Institut

Bisherige Gastprofessoren

Gastprofessur

für interdisziplinäre Holocaustforschung


Prof. Devin O. Pendas, Ph.D.
Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung
(SoSe 2017)

Prof. Devin O. Pendas, Ph.D. ist Associate Professor für Geschichte am Department of History, Boston College, Chestnut Hill, Massachusetts in den USA. Seine Forschungsschwerpunkte sind deutsche Geschichte, Rechtsgeschichte und die Geschichte von Kriegen und Völkermord. In zahlreichen Publikationen hat er sich mit den Prozessen gegen NS-Täter und der juristischen Aufarbeitung von Massenverbrechen auseinandergesetzt.
Veröffentlichung:
Devin O. Pendas, Der Auschwitz-Prozess: Völkermord vor Gericht
Aus dem Englischen von Klaus Binder (Original: The Frankfurt Auschwitz Trial, 1963–1965: Genocide, History, and the Limits of the Law, Cambridge University Press, 2006), München: Siedler Verlag, 2013
Lehrveranstaltungen der Gastprofessur:
›  Kriegsverbrecherprozesse in der Weltgeschichte (Serminar)
›  War and Genocide (Vorlesung)


Dr. Nicolas Berg
Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung
(WiSe 2015/2016)

Dr. Nicolas Berg ist leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur in Leipzig. 2003 erschien seine an der Universität Freiburg abgeschlossene Dissertation Der Holocaust und die westdeutsche Geschichtswissenschaft – Erforschung und Erinnerung im Göttinger Wallstein Verlag. Sie liegt inzwischen in dritter Auflage und in englischer Übersetzung vor. Eine weitere nennenswerte Publikation ist sein 2008 bei Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen erschienenes Buch Luftmenschen. Zur Geschichte einer Metapher.
Aktuell forscht Nicolas Berg zur Theorie- und Wissenschaftsgeschichte der Nationalökonomie um 1900. Dabei gilt sein Augenmerk vor allem den Debatten um Kapitalismus und jüdische Kollektivität sowie der Goethe-Rezeption bei jüdischen Intellektuellen und Gelehrten im 19. und 20. Jahrhundert. In seiner Forschungs-, Lehr- und Vortragstätigkeit hat er sich auf historische, historiographische und methodische Fragen zum Holocaust und dessen Erinnerungsgeschichte konzentriert. Daraus sind zahlreiche Publikationen hervorgegangen, die sein breites wissenschaftliches Interesse spiegeln. Es richtet sich insgesamt auf moderne jüdische und deutsche Geschichte, auf jüdische Ideen- und Geistesgeschichte sowie auf die Entwicklung von Antisemitismus, völkischem Denken und anderer Kollektivkonstruktionen, hier besonders deren sprachlich-metaphorische Verfasstheit.
Lehrveranstaltungen der Gastprofessur:
›  Zeugenschaft und Wissenschaft. Grundfragen der Holocaustforschung (Serminar)
›  Jean Améry, Hannah Arendt und Theodor W. Adorno in den 1960er Jahren
(Lektürekurs/Übung)


Prof. Dr. Birgit R. Erdle
Gastprofessur zur Erforschung des Holocaust
und der deutsch-jüdischen Geschichte (WiSe 2011/2012)

Prof. Dr. Birgit R. Erdle ist seit 2010 Privatdozentin in den Fachgebieten Neuere deutsche Philologie, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der TU Berlin. Studium der Germanistik, Komparatistik, Amerikanischen Kulturanthropologie, Kommunikations- und Theaterwissenschaft an den Universitäten Freiburg/Br., Zürich und München, 1985–1987 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität München und Lehrbeauftragte für Feministische Ästhetik an der Akademie der Bildenden Künste in München, 1990 Lehrbeauftragte bei der Sommerveranstaltung der Werkstatt für Gesellschafts- und Psychoanalyse in Salzburg, Arbeit als freie Lektorin. 1992–2000 Assistentin/Oberassistentin an der Universität Zürich, 2000–2002 Wissenschaftliche Assistentin an der TU Berlin. Seit 2003 Research Associate und Lehrbeauftragte am Leo Baeck Institut London. 2007 Visiting Professor an der Emory University, Atlanta, Georgia (USA), 2008 Stipendiatin am Deutschen Literaturarchiv Marbach, 2009 Vertretungsprofessur an der TU Berlin, 2009/2010 Käthe-Leichter-Gastprofessur für Gender Studies an der Universität Wien.
M.A. 1984 mit einer Studie zu »Weiblichen Subjektentwürfen bei Caroline von Günderrode«, Universität München.
Promotion 1994 mit der Dissertation »Antlitz – Mord – Gesetz. Figuren des Anderen bei Gertrud Kolmar und Emmanuel Lévinas«, 1994, Universität Zürich.
Habilitation 2009 mit der Arbeit »Literarische Epistemologie der Zeit. Lektüren zu Kant, Kleist, Heine und Kafka«, TU Berlin.
Forschungsschwerpunkte: Gedächtnistheorie und Genderforschung, Epistemologie und Verfahren der memoria in der Literatur seit 1800, Korrespondenzen zwischen Literatur und Philosophie in der Moderne, Poetik des Sammelns, Kulturtheorie 1800/1900, Nachgeschichte des Nationalsozialismus und der Shoah.


Prof. Dr. Alan Steinweis
Gastprofessur zur Erforschung des Holocaust
und der deutsch-jüdischen Geschichte (SoSe 2011)
Alan E. Steinweis ist Professor für Geschichte und Direktor des Center for Holocaust Studies der University of Vermont, der Universität, an der Raul Hilberg lehrte. Das Center for Holocaust Studies steht in der Tradition Hilbergs und richtet jährlich eine Gedenkvorlesung für Raul Hilberg aus.
Steinweis ist spezialisiert auf die Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust. Er ist Autor dreier Bücher:  Art, Ideology, and Economics in Nazi Germany: The Reich Chambers of Music, Theater, and the Visual Arts (University of North Carolina Press, 1993; paperback 1996); Studying the Jew: Scholarly Antisemitism in Nazi Germany (Harvard University Press, 2006; paperback 2008); und Kristallnacht 1938 (Harvard University Press, 2009). Studying the Jew war in der Ausscheidung für den National Jewish Book Award in der Kategorie Holocaust. Zudem ist er Mitherausgeber zweier Bände: The Impact of Nazism: New Perspectives on the Third Reich and Its Legacy (University of Nebraska Press, 2003; paperback 2007), and Coping with the Nazi Past: West German Debates about Nazism and Generational Conflict, 1955–1975 (Berghahn Books, 2006, paperback 2007). Darüber hinaus hat er viele Aufsätze zum Holocaust veröffentlicht und ist Mitherausgeber der Comprehensive History of the Holocaust.


Prof. Dr. Sybille Steinbacher
Gastprofessur zur Erforschung des Holocaust
und der deutsch-jüdischen Geschichte (SoSe 2010)
Sybille Steinbacher, Dr. phil., ist seit Oktober 2010 Universitätsprofessorin für Zeitgeschichte an der Universität Wien. Zuvor war sie akademische Rätin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte (Prof. Dr. Norbert Frei) der Friedrich-Schiller-Universität-Jena. Sie ist mit zahlreichen Publikationen zur NS-Geschichte bekannt geworden. Ihre Bochumer Dissertation erschien unter dem Titel »Musterstadt« Auschwitz. Germanisierungspolitik und Judenmord in Ostoberschlesien (Saur: München, 2000). Ihr Blick gilt dabei aber nicht nur der nationalsozialistischen »Ostpolitik«, sondern zugleich legt sie mit ihrer Studie auch eine der ersten deutschsprachigen Monografien zur Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz vor. Ihre Arbeit steht im Kontext eines mehrteiligen Forschungs- und Editionsprojekts über Auschwitz, das auch international breit wahrgenommen wurde. Sybille Steinbachers für ein breiteres Publikum verfasstes Buch über das Lager Auschwitz, Auschwitz. Geschichte und Nachgeschichte (München: C.H. Beck, 2004), wurde in fünf Sprachen übersetzt.
Sybille Steinbacher hat sich unter anderem als Herausgeberin des in zwei Auflagen erschienenen Sammelbandes »Volksgenossinnen«. Frauen in der NS-Volksgemeinschaft (Göttingen: Wallstein, 2007) auch mit dem Gender-Aspekt in der NS-Forschung beschäftigt. Darüber hinaus gilt ihr Interesse der Genese und den Folgen der »sexuellen Revolution« in der Bundesrepublik. In diesen Forschungsschwerpunkt fällt auch ihre Habilitationsschrift Sexualität und Gesellschaft in Westdeutschland. Zur Gesellschaftsgeschichte der »sexuellen Revolution«. Sie hat ihre Habilitation im Januar 2010 an der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Schiller-Universität Jena abgeschlossen.


Prof. Dr. Liliane Weissberg
Gastprofessur zur Erforschung des Holocaust
und der deutsch-jüdischen Geschichte (SoSe 2009)

Liliane Weissberg ist die Christopher H. Browne Distinguished Professorin für Kunst und Wissenschaft und Professorin für Germanistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der University of Pennsylvania. Sie unterrichtete an den Universitäten Hamburg und Potsdam, der Ruhr-Universität Bochum, der Humboldt Universität Berlin, der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und der Princeton University.
Weissbergs Forschungsschwerpunkt liegt auf der deutschen Literatur und Philosophie vom späten 18. bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie befasste sich mit der deutschen, der europäischen und der amerikanischen Romantik. Intensiv arbeitete sie zu den jüdischen Autorinnen des frühen 19. Jahrhunderts wie Henriette Herz, Dorothea Schlegel, Regina Frohberg und Rahel Varnhagen. Gegenwärtig schließt sie eine Publikation über deutsch-jüdische Autobiografien seit dem 18. Jahrhundert und ihre Annäherung an die nichtjüdische Gesellschaft ab. Ihr Zugang ist dabei immer einer, der über die literaturwissenschaftliche Betrachtung hinaus Inhalte und Methoden der historischen Forschung integriert.


Prof. Dr. Ulrich Wyrwa
Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung
(WS 2008/2009)

Ulrich Wyrwa wurde am 5. Juni 1954 in Leipzig geboren. 1975–1982 Studium der Geschichte, Philosophie und Erziehungswissenschaften an den Universitäten Heidelberg und Hamburg. 1983–1987 Doktorand an der Universität Hamburg bei Professor Dr. Arno Herzig; 1988 Promotion zum Dr. phil. 1987–1989 Studienreferendar in der Schulbehörde der Stadt Hamburg. Abschluss mit dem 2. Staatsexamen für das Lehramt an höheren Schulen; 1990–1992 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Historischen Kommission zu Berlin; 1991–1994 Lehrbeauftragter an der Universität Potsdam. Seit 1992 Mitherausgeber – bis 1999 auch Redakteur – der Zeitschrift WerkstattGeschichte. 1993–1994 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der von Professor Dr. Jürgen Kocka geleiteten Arbeitsstelle für vergleichende Gesellschaftsgeschichte an der Freien Universität Berlin. 1994–1996 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Historischen Kommission zu Berlin in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Drittmittelprojekt, Archivstudien in Florenz und Livorno. 1995 Visiting Fellow des Europäischen Hochschulinstituts in Florenz. 1996–2000 Wissenschaftlicher Mitarbeiter – im Wintersemester 1998/99 auch Lehrbeauftragter – am Institut für Geschichtswissenschaften der Technischen Universität Berlin. 2001 Habilitand an der Universität Potsdam. 2002–2004 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin. 2003 Habilitation an der Universität Potsdam mit Venia legendi für das Fachgebiet der Neueren Geschichte. Ernennung zum Privatdozenten. Seit 2003 Mitherausgeber der Zeitschrift transversal. Zeitschrift für jüdische Studien. SoSe 2004 Dozentenvertretung an der Ruhr-Universität Bochum. Seit 2005 Wissenschaftlicher Leiter des Forschungskollegs „Antisemitismus in Europa (1879–1914). Nationale Kontexte, Kulturtransfer und europäischer Vergleich“ am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. 2007/2008 Lehrstuhlvertretung an der Technischen Universität Berlin.


Dr. Götz Aly
Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung
(
WS 2004/2005 bis SoSe 2006)
Götz Aly, 1947 in Heidelberg geboren, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und studierte anschließend Geschichte und Politische Wissenschaften (Dr. rer. pol.) an der Freien Universität Berlin. Nach verschiedenen journalistischen Tätigkeiten – er war Redakteur bei der „taz“, bei der „Berliner Zeitung“ und arbeitete für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ – forschte er unter anderem in Israel und den USA.
Als freier Autor publizierte Aly viel beachtete und kontrovers diskutierte Beiträge zur Sozialpolitik und zur Zeitgeschichtsforschung. Er hat wichtige Veröffentlichungen zur Geschichte des Nationalsozialismus und des Holocaust vorgelegt, in denen er herrschende Lehrmeinungen immer wieder kritisch hinterfragte, und positioniert sich engagiert in den öffentlichen Debatten zur deutschen Erinnerungskultur.
Götz Aly wurde 2002 mit dem Heinrich-Mann-Preis ausgezeichnet, 2003 erhielt er den Marion-Samuel-Preis der Stiftung Erinnerung.


Prof. Dr. Arno Lustiger
Honorarprofessur am Fritz Bauer Institut
(
SoSe 2004 bis SoSe 2006)
Arno Lustiger, Dr. h.c., wurde 1924 in Bedzin, Polen geboren. Unter nationalsozialistischer Herrschaft wirkte er im Untergrund und wurde 1943 deportiert. Er überlebte mehrere Konzentrationslager – außer dem KZ Auschwitz-Blechhammer auch die Lager Groß-Rosen, Buchenwald und Langenstein – und Todesmärsche. Nach Kriegsende arbeitete er als Dolmetscher für die US-Armee und war Mitbegründer der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt am Main, wo er seit 1945 lebt und als Textilfabrikant ein erfolgreiches Unternehmen für Damenmoden aufbaute. Er hat sein Leben der Erforschung des jüdischen Widerstandes gewidmet, einem lange Zeit kaum beachteten Thema in der Holocaustforschung. Nach zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen erschien 2004 sein autobiografisches Werk „Sing mit Schmerz und Zorn – Ein Leben für den Widerstand“.
Arno Lustiger bewegt sich sicher in acht Sprachen und arbeitet und veröffentlicht in vielen Ländern der Welt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen, 2003 die Ehrendoktorwürde der Universität Potsdam und 2007 den Professorentitel des Landes Hessen.
Am 15. Mai 2012 starb Arno Lustiger sel. A. in Frankfurt am Main.


Prof. Dr. Karol Sauerland
Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung
(
WS 2003/2004 und SoSe 2004)
Karol Sauerland, Dr. phil., Professor für deutsche Literatur und Ästhetik an den Universitäten von Warschau und Thorn.
Der polnische Wissenschaftler Karol Sauerland studierte in Berlin und Warschau Mathematik und Germanistik. Neben mehreren Büchern zur Literaturwissenschaft und Philosophie veröffentlichte er zahlreiche Artikel (z. B. über Hermann Broch) und Essays zur Literaturbetrachtung und zu aktuellen politischen Themen in internationalen Zeitschriften und Anthologien. Karol Sauerland ist Vorsitzender der Philosophischen Gesellschaft Warschau. 1995 erhielt er den Förderpreis für deutsche Sprache und Literatur in Mittel- und Osteuropa der Alexander-von-Humboldt-Stiftung.
Seit 2009 lehrt Sauerland am germanistischen Lehrstuhl der Jan-Evangelista-Purkyňe-Universität in Ústí nad Labem.


Prof. Dr. Peter Longerich

Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung
(
WS 2002/2003 und SoSe 2003)
Peter Longerich, geboren 1955, Professor für Moderne Deutsche Geschichte und Gründungsdirektor des Research Centre for the Holocaust and Twentieth-Century History an der Royal Holloway, University of London.
Die Zeitgeschichte verdankt Peter Longerich nicht nur eine umfassende Geschichte der SA, sondern auch das 1998 erschienene Standardwerk „Politik der Vernichtung. Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenverfolgung“. Sein 2001 publizierter Band „Der ungeschriebene Befehl. Hitler und der Weg zur ‚Endlösung‘“ bereicherte die immer wieder gestellte Frage nach dem Verhältnis von Mordintentionen und Selbstlauf des Mordapparats um eine wichtige Dimension. Peter Longerich, der über seine inhaltliche Forschung hinaus in besonderer Weise an Fragen der didaktischen Vermittlung des sperrigen Themas interessiert ist, hat während seiner Zeit als Gastprofessor des Fritz Bauer Instituts an seiner Biografie Heinrich Himmlers gearbeitet, die 2008 im Siedler Verlag erschienen ist.
Peter Longerich ist Direktor des Research Centre for the Holocaust and Twentieth-Century History am Royal Holloway-College in London.


Prof. Dr. Stephan Braese

Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung
(
SoSe 2002)
Stephan Braese, Dr. phil. habil., geboren 1961 in Quakenbrück/Niedersachsen, studierte Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. Nach seiner Promotion 1994 verbrachte er einen dreijährigen Forschungsaufenthalt in Israel, davon zwei Jahre als Postdoc Fellow am Franz Rosenzweig Research Center der Hebräischen Universität Jerusalem. 2000 wurde er an der Universität Bremen habilitiert, wo er seither als Privatdozent für Neuere deutsche Literaturwissenschaft lehrt.
Der Schwerpunkt von Braeses wissenschaftlicher Arbeit liegt auf der Untersuchung des Verhältnisses deutschsprachiger Literatur zum Holocaust und seinen Folgen. Schon seine Dissertation über die im Exil verfassten Satiren gegen den Nationalsozialismus fragt nach der Wahrnehmung des spezifisch Katastrophischen der NS-Ära noch vor der Eskalation der Verfolgungsmaßnahmen zur systematischen Vernichtungspolitik. In zahlreichen Aufsätzen hat Braese sich mit den spezifischen Implikationen deutschsprachiger Literatur nach der Zäsur der Shoah auseinandergesetzt. Er wirkte mit an der Konzeption des 1997 unter anderem vom Fritz Bauer Institut ausgerichteten internationalen Kolloquiums „Gegenüber – Deutsche Nachkriegsliteratur und der Holocaust“, auf dem erstmals ein repräsentativer Querschnitt von vier Jahrzehnten deutschsprachiger Nachkriegsliteratur auf ihre Ver- und Bearbeitung der Erfahrung des Holocaust hin untersucht wurde. Die ambivalente, oft prekäre Rolle, die die legendäre Gruppe 47 in diesen Prozessen eingenommen hatte, steht im Mittelpunkt des von Braese herausgegebenen, 1998 erschienenen Sammelbandes „Bestandsaufnahme – Studien zur Gruppe 47“.
Seine umfassende Studie „Die andere Erinnerung. Jüdische Autoren in der westdeutschen Nachkriegsliteratur“ (2001) zieht eine vorläufige Bilanz dieser Forschungen. Braese macht die deutschsprachige Literatur jüdischer Autoren nach 1945 erkennbar als den Versuch, in das Projekt einer „Restitution der Sprache zwischen Deutschen und Juden“ (Gershom Scholem) einzutreten – einen Versuch, der von deutscher Seite aus jedoch nicht aufgegriffen wurde. In neu konstituierten und begründeten Lektüren nicht nur zahlreicher literarischer Texte, sondern auch paradigmatischer Zeugnisse der Rezeption legt Braese offen, dass sich zwar einzelne Leser durchaus ansprechbar gezeigt haben für dieses Projekt, der westdeutsche Literaturbetrieb jedoch das Angebot eines unmittelbaren Dialogs über die Shoah im Medium der Literatur ablehnte.
Stefan Braese ist Professor für Europäisch-jüdische Literatur- und Kulturgeschichte an der RWTH Aachen.


Prof. Dr. Philippe Burrin
Gastprofessur für interdisziplinäre Holocaustforschung
(
SoSe 2001 und WS 2001/2002)
Philippe Burrin, geboren 1952 in Valais/Schweiz, studierte Politikwissenschaft in Genf und lehrt seit 1988 Geschichte der internationalen Beziehungen am dortigen Institut Universitaire de Hautes Études Internationales. Er ist auf die Erforschung des französischen Faschismus sowie auf die Geschichte Frankreichs unter der deutschen Besatzung spezialisiert. In einer Fülle von Aufsätzen hat er sich mit der französischen Mitschuld an der Deportation und Vernichtung der in Frankreich lebenden Juden sowie mit der spezifischen Form des NS-Antisemitismus auseinandergesetzt. Seiner im Jahr 2000 erschienenen Arbeit „Facisme, nazisme, autoritarisme“ ging unter anderem die 1993 auf Deutsch erschienene, in Frankreich mit einem Preis ausgezeichnete Untersuchung „Hitler und die Juden. Die Entscheidung für den Völkermord“ voraus.
Burrin erhielt 1997 den Max-Planck-Forschungspreis. Er sieht die Vernichtung der europäischen Juden nicht als Ausdruck von Hitlers Antibolschewismus, sondern als Produkt eines pathologischen Hasses auf einen Weltfeind mit gegensätzlichen kapitalistischen und bolschewistischen Zügen. In der Auseinandersetzung zwischen „Intentionalisten“ und „Funktionalisten“ nimmt er eine vermittelnde Position ein.
Seit 2004 ist Philippe Burrin Direktor des Institut universitaire de hautes études internationales (HEI) und seit 2008 auch des Institut de hautes études internationales et du développement (IHEID), beide in Genf.

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Letzte Änderung: 20. April 2017

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