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Forschung

Zeitgeschichte und Erinnerung


Im Zentrum der Forschungen des Fritz Bauer Instituts stehen die Verbrechen der Nationalsozialisten, insbesondere der Völkermord an den europäischen Juden: ihre Ursachen, die politischen und gesellschaftlichen Strukturen, die sie ermöglichten und in deren Kontext sie stattfanden, die Ideologien, die sie rechtfertigten, die Einstellungen und Verhaltensweisen der vielen Menschen, die sie durchführten und an ihnen beteiligt waren, die Rechtfertigungen, die sie begleiteten, die Leiden und die Erfahrungen der Opfer, die Versuche von Verfolgten und anderen, Widerstand zu leisten.

Zu den Verbrechen gehört auch die Geschichte ihrer Wirkung: die Traumatisierung bei den überlebenden Opfern, die Entstehung eines Bewusstseins über die neue Dimension des Verbrechens in der Weltöffentlichkeit, der Kampf der Überlebenden um Entschädigung und Verfolgung der Täter, für eine Erinnerung an die Verbrechen in der neu entstehenden Demokratie in Deutschland und in anderen Ländern Europas. Das Fritz Bauer Institut schreibt mit an der Geschichte der justiziellen, politischen und kulturellen Auseinandersetzung mit den Verbrechen im Nachkriegsdeutschland bis heute; es nimmt Teil an den Kontroversen um Gedenkstätten und Mahnmale, Begriffe und Verhaltensweisen.

Die Forschungsprojekte des Fritz Bauer Instituts untersuchen speziell die Rechtfertigungsstrukturen, die die Verbrechen vorbereiten halfen und begleiteten. Beunruhigend ist die Frage, ob diese Strukturen in den Diskussionen um deutsche Schuld und Verantwortung und um die richtigen Formen des Erinnerns und Gedenkens in der Geschichte nach dem Krieg noch präsent sind. Wie änderte sich das moralische Bewusstsein in Deutschland nach der militärischen Niederschlagung des Nationalsozialismus? Gab es ideologische Kontinuitäten? Wo lagen die Brüche?

Diese Fragen führen durch eine Reihe von Brechungen und Verschiebungen in die gegenwärtige Situation. Die Erinnerung an den Holocaust hat das moralische und politische Selbstverständnis der Gegenwart weltweit geprägt. Diese Verbindung beeinflusst auch die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in Schulen und Universitäten. Daher machen wir gerade hier das Verhältnis von historischer Information und ethischer Beurteilung zum Gegenstand der Forschung.


 
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