Fritz Bauer Institut

Ein Leben aufs neu. DP-Lager: Juden auf deutschem Boden 1945–1948

Ein Leben aufs neu – Das Robinson Album

DP-Lager: Juden auf deutschem Boden 1945–1948



Nächste Ausstellungsstation:

»Ein Leben aufs neu« – Das Robinson Album.
Jüdische »Displaced Persons« auf deutschen Boden 1945–1948
Samstag, 12. Mai bis Sonntag, 5. August 2012
Stadtmuseum Hofgeismar, Petriplatz 2, 34369 Hofgeismar


Ausstellung des Fritz Bauer Instituts,
präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Stadtmuseum Hofgeismar.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fanden jüdische Überlebende der NS-Terrorherrschaft im Nachkriegsdeutschland Zuflucht in sogenannten Displaced Persons (DP) Camps. Die Fotoausstellung porträtiert das täglliche Leben und die Arbeit der Selbstverwaltung in dem Lager für jüdische Displaced Persons in Frankfurt-Zeisheim. Der Fotograf Ephraim Robinson lebte selbst als DP in diesem Lager und hielt eindrücklich fest, wie die Menschen ihre Belange in die eigenen Hände nahmen, den Alltag gestalteten, ein »Leben aufs neu« wagten. Als Ephraim Robinson 1958 in den USA verstarb, hinterließ er nicht nur viele hunderte Aufnahmen, sondern auch ein Album, das die Geschichte der jüdischen DPs in exemplarischer Weise erzählt.

Kontakt
Stadtmuseum Hofgeismar
Petriplatz 2
34369 Hofgeismar
Tel: 05671.4791




Die Ausstellung porträtiert das tägliche Leben und die Arbeit der Selbstverwaltung eines Lagers für jüdische Displaced Persons in der amerikanischen Besatzungszone: das DP-Lager Frankfurt- Zeilsheim. Der Fotograf Ephraim Robinson, der selbst als DP in Zeilsheim war, fertigte nach seiner Einwanderung in die USA ein Album an.
Die Ausstellung führt über das vertraut scheinende Medium des Albums in ein den meisten Menschen unbekanntes und von vielen verdrängtes Kapitel der deutschen und jüdischen Nachkriegsgeschichte ein: Fotografien von Familienfesten und Schulunterricht, Arbeit in den Werkstätten, Sporttourneen, Zeitungen und Theater, Manifestationen eines »lebn afs nay«, das den Schrecken nicht vergessen macht.

Ein gemeinsames Projekt des Fritz Bauer Instituts mit dem Jüdischen Museum München. (Gemeint ist hier das in den 80er Jahren von Richard Grimm gegründete private Jüdische Museum in der Maximilianstraße 36. Von April 1989 bis April 1998 betrieb dort der Münchner Galerist in Eigeninitiative ein "Zweizimmer-Museum" auf nur 28 Quadratmetern.)

Zur Ausstellung ist ein Katalog in der Schriftenreihe des Fritz Bauer Instituts (Band 8) erschienen: Jacqueline Giere, Rachel Salamander (Hrsg.), Ein Leben aufs neu. Das Robinson-Album. DP-Lager: Juden auf deutschem Boden 1945–1948. Verlag Christian Brandstätter, Wien 1995, 128 S., 133 Abb. (leider vergriffen).

Zum Thema:
Jim G Tobias, Zeilsheim. Eine jüdische Stadt in Frankfurt. Nürnberg: ANTOGO Verlag, 2011, 141 S., 29 Abb., inkl. DVD, ISBN 978-3-938286-42-5, € 16,50
Dem Band liegt eine DVD mit Kompaktinterviews (24 Minuten) von vier ehemaligen »Zeilsheimern« (Batia Kaminer, Arno Lustiger, Rosa Orleon und Rafael Zur) bei.
www.antogo-verlag.de/antogo_verlag/buch_42.htm

»Jüdische Überlebende in Frankfurt-Zeilsheim«

Eine virtuelle Ausstellung der Technischen Universität Darmstadt
www.geschichte.tu-darmstadt.de/ueberlebende-zeilsheim


Fünfzig Jahre nach Kriegsende gedachte man der Opfer des Holocaust, erinnerte sich an das Schicksal der Überlebenden der Konzentrations- und Vernichtungslager. Neun Millionen Menschen nicht deutscher Herkunft befanden sich im Mai 1945 auf deutschem und österreichischem Boden. Sie wurden von den alliierten Behörden mit Lebensmitteln und Unterkunft notdürftig versorgt.

Doch, was geschah dann mit ihnen?
Wo gingen sie hin?
We fingen sie ein neues Leben an?
Wer hat ihnen dabei geholfen?

Kehrten auch die meisten dieser Menschen innerhalb weniger Wochen in ihre Heimatländer zurück, so blieben doch viele Tausende von ihnen in den alliierten Besatzungszonen, darunter rund 70.000 jüdische Überlebende, überwiegend aus Osteuropa. Nach Hause konnten diese nicht, denn ihr Zuhause existierte nicht mehr: ihre Familien, Nachbarn, Freunde waren ermordet worden, ihre Habe zerstört oder geraubt, ihre Wohnungen von anderen bewohnt. Weiterzuwandern, zu Freunden oder Verwandten in die USA oder nach Palästina, war ihnen verwehrt, denn US-Immigrations- und britische Mandatspolitik im Nahen Osten verhinderten dies.

So wurden sie zu displaced persons, die in Auffanglagern – DP camps – bei München, Regensburg und Bamberg, in Ulm und Stuttgart, bei Frankfurt am Main, Kassel und vielen anderen Städten und Städtchen lebten und warteten, die meisten drei bis vier Jahre. Zu ihnen stießen ab 1946 mehr als 100.000 weitere jüdische Flüchtlinge aus Osteuropa, zumeist polnische Juden, die Krieg und Holocaust in der Sowjetunion überlebt hatten und nach dem Krieg in Polen erneut mit antisemitischen Pogromen konfrontiert waren. Gemeinsam bauten diese jüdischen DPs (nach ihrer Selbstbezeichnung die She’arit Hapleyta – "der Rest, der entkommen ist") in den von den Besatzungsmächten errichteten Lagern ihr eigenes Gemeinwesen auf, mit Zentralkomitee und örtlichen Selbstverwaltungen, mit Schulen und beruflichen Ausbildungskursen, Zeitungen und Zeitschriften, Theatergruppen und Sportmannschaften. Sie feierten Hochzeit und freuten sich über Neugeborene. Sie schufen sich "a lebn afs nay", ein neues Leben im Übergang in eine ungewisse Zukunft.
Einer der Überlebenden, Ephraim Robinson, lebte in einem solchen Displaced Persons-Lager in der amerikanischen Zone und hielt mit der Kamera fest, wie die Menschen allmählich ihre Belange in die eigenen Hände nahmen, den Alltag gestalteten, ein "Leben aufs Neu" wagten. Er dokumentierte nicht nur besondere Veranstaltungen. Er hielt vor allem den Alltag, die Familienereignisse fest: die Hochzeiten, den Brith (Beschneidung des Neugeborenen), den ersten Bühnenauftritt der Tochter, des Sohnes. Er war dabei, als in den Werkstätten, in der Zeitungsredaktion, in der Schule und auf dem Sportplatz gearbeitet, gelernt, gespielt wurde. Und er fing die Stimmung ein, als bedeutende Besucher aus dem Ausland ankamen, unter ihnen Eleanor Roosevelt und David Ben Gurion. Robinsons Photos wurden im DP-Lager Zeilsheim bei Frankfurt am Main aufgenommen; sie hätten in jedem anderen entstehen können.

Als Ephraim Robinson 1985 in den USA verstarb, hinterließ er nicht nur viele hunderte Aufnahmen, sondern auch ein Album, das die Geschichte der jüdischen DPs in exemplarischer Weise erzählt.
Die Ausstellung zeigt die 53 rekonstruierten und leicht vergrößerten Albumseiten (Größe 40 x 50 cm) mit 200 Photos verschiedener Größe, auf schwarzen Kartonblättern montiert und gerahmt. Dazu kommen Begleittexte, sowie 33 vergrößerter Porträtphotos aus dem Album (ebenfalls 40 x 50 cm montiert), weitere Photos aus anderen Lagern, und einige Demonstrationsobjekten (Zeitungsausschnitten, Bühnenbildentwürfe der professionellen DP-Theatergruppe, Gesundheitspässe, Presseausweise u.ä.). Weiterhin gibt es einige Erklärungstafel (Größe 21 x 30 cm) – Begriffserklärungen, Zeittafel, u.a. – auf weißen Kartonblättern montiert und gerahmt. Ein Video eines vom Photographen aufgenommenen Filmes – schwarz/weiß, ohne Ton, mit Erklärungstext – kann bei Bedarf mitgeliefert werden.
Die Albumseiten bilden den Kern der Ausstellung, die weiteren Photos und Objekte können, je nach Ausstellungsfläche, nach Belieben der Aussteller hinzugefügt werden.

Ein gleichnamiger Ausstellungskatalog ist 1995 im Brandstätter Verlag, Wien erschienen. Der Fotoband enthält historische Informationen und zahlreiche Zitate aus Interviews mit ehemaligen jüdischen Displaced Persons und deren Betreuern. Die Originalphotos sind im Besitz der Tochter des Photographen, Alice Robinson Lev; die Zusatzphotos stammen aus dem US Holocaust Memorial Museum, bzw. aus Privatbesitz. Alle sind dem Institut zum Ausstellungszweck zur Verfügung gestellt, bzw. gegen Gebühren überlassen worden.


Ausstellungsausleihe

Unsere Wanderausstellungen können gegen Gebühr ausgeliehen werden. Das Institut berät bei der Organisation von Begleitveranstaltungen und ist bei der Herstellung von Kontakten und der Suche nach geeigneten Referenten behilflich. Gerne senden wir Ihnen weitere Informationen und ein Ausstellungsangebot zu.

Kontakt
Manuela Rizheim
Tel.: 069.798 322-33
Fax: 069.798 322-41
m.ritzheim(at)fritz-bauer-institut.de

AA

Homepage Jüdisches Museum   Homepage Museum Judengasse   Homepage Pädagogisches Zentrum
Veranstaltungskalender
Mai 2013 zurück weiter
M D M D F S S
  01
02
03 04 05
06 07 08 09 10 11 12
13
14 15 16 17
18
19
20 21
22
23 25 26
27
28 29 30 31  

Fritz Bauer Institut
Grüneburgplatz 1
60323 Frankfurt am Main

Telefon: +49 (0)69.798 322-40
Telefax: +49 (0)69.798 322-41
E-Mail: info(at)fritz-bauer-institut.de

Kontakt
Anfragen an das Institut
Mitarbeiter und Arbeitsbereiche

Anfahrt
IG Farben-Haus/Campus Westend

Fördern Sie mit uns das
Nachdenken über den Holocaust

Förderverein Fritz Bauer Institut e.V.


Einsicht 09
Bulletin des Fritz Bauer Instituts
Das Heft erscheint zweimal jährlich (April/Oktober), Auflage 5.500.
Einsicht

© Fritz Bauer Institut – Frankfurt am Main
Stiftung des bürgerlichen Rechts
Haftungsausschluss | Impressum | Sitemap
Letzte Änderung: 06. August 2012

Seite empfehlen